Nov 29 2011

Dem Doomsday durch Selbstindikation entfliehen?

Zum Doomsday-Argument, das auf diesen Seiten schon öfters vorgestellt und diskutiert wurde, gibt es einen ernsthaften Einwand: Das Selbstindikations-Argument. Entkommen wir damit dem Doomsday?

Nachthimmel

Wieviele?

Das Doomsday-Argument basiert auf dem “Prinzip der Mittelmässigkeit”. Dieses besagt, dass wenn irgend eine Eigenschaft eine Verteilung von typischen (die meisten) und untypischen (die wenigsten) Werten aufweist, ein zufällig aus dieser Verteilung gezogener Datensatz mit hoher Wahrscheinlichkeit zu den typischen Werten gehört, ganz einfach weil diese häufiger sind und deshalb mit höherer Wahrscheinlichkeit gezogen werden. Bei Ziehung einer Kugel aus einer Urne, in der sich 90 schwarze Kugeln und 10 rote Kugeln befinden, ist die Chance, eine schwarze Kugel zu ziehen, 9 mal höher als die Chance, eine rote Kugel zu ziehen. Das ist durchaus einleuchtend. Umgekehrt kann ich aber auch fragen: wenn die Farben der Kugeln unbekannt sind (man weiss nur, dass 90% von ihnen die gleiche Farbe haben), und die gezogene Kugel blau ist, auf welche dominierende Farbe tippe ich dann? Blau oder nicht-Blau? Mit 90% Wahrschienlichkeit werde ich damit richtig liegen, wenn ich auf die Farbe der Kugel in meiner Hand tippe. Wenn 99.999999% aller Kugeln dieselbe (unbekannte) Farbe haben, und die Kugel in meiner Hand ist gelb, dann werde ich eben auch mit 99.999999% Sicherheit (dh, in 99.999999% der vergleichbaren Fälle) mit dem Tipp “Gelb” richtig liegen. Read more »

Nov 16 2011

Die Erforschung des Inneren Universums

Was geschieht, wenn Zivilisationen mit zunehmendem Fortschritt schliesslich realisieren, dass das Universum riesig, lebensfeindlich und vor allem leer ist? Vieleicht geben sie dessen Erforschung ganz einfach auf, und widmen sich interessanteren Dingen.

Gehirnscan

Das Grössere der beiden Universen?

Das Universum kann viele Menschen begeistern: nicht zuletzt, weil wir es nicht wirklich verstehen. Klar, wir haben in den letzten 300 Jahren enorm viel gelernt (vermutlich mehr als in all den Jahrtausenden zuvor). Aber es gibt riesige Lücken in unserem Verständnis: Was ist Dunkle Materie? Was ist Dunkle Energie? Wie kam es zum Urknall, gibt es jenseits davon die Ewige Inflation? Wie genau entstehen Planeten, wieviele erdähnliche Planeten gibt es, gab es mal Leben auf dem Mars, und wie viele ausserirdische Zivilisationen tummeln sich in unserer Milchstrasse? Gerade dieses letzte Thema kann viele Menschen faszinieren oder beschäftigen. Weil die Antworten auf diese Fragen nicht bekannt sind, wird das Universum zur Projektionsfläche für Wunschträume. Jeder sieht im Universum etwas anderes, und gerade das macht es interessant. Read more »

Nov 01 2011

Gastartikel: Citizen Science – Wissenschaft für alle!

Von Sebastian Frehmel.

Mein Name ist Sebastian und ich bin Planetenjäger. Gerade ist eine wissenschaftliche Arbeit über eine meiner Entdeckungen veröffentlich worden. Aber ich bin kein Astronom – wie ist das denn möglich? Dazu muss ich ein wenig ausholen.

Planethunters Webseite

Die Planethunter Webseite - mit dem Planeten, den der Autor entdeckt hat

Zu den faszinierendsten Bereichen der Astronomie gehört zweifelsohne die Suche nach extrasolaren Planeten, also Planeten, die um andere Sterne kreisen.Nicht nur aufgrund dessen, dass sich Laien unter diesem Thema leicht etwas vorstellen können, sondern auch, weil es einen Aufbruch ins Unbekannte darstellt, der die Phantasie beflügelt wie vielleicht zuletzt die grossen Meeresexpeditionen vor einem halben Jahrtausend oder der Aufbruch ins Weltall vor einem halben Jahrhundert.

Allem voran steht die Frage: Gibt es Leben auf anderen Planeten? Gibt es irgendwo dort draussen eine zweite Erde?

Diese elementaren Fragen begeistern einen interessierten Laien wie mich (ich bin Informatiker) und es war für mich bis im November des letzten Jahres klar, dass man Antworten auf diese Fragen nur durch qualifizierte Wissenschaftler bekommen wird – doch ich hatte die Rechnung ohne das Internet gemacht.

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Okt 26 2011

Beta Pictoris – Was geschah im November 1981?

Beta Pictoris ist ein sehr junger, sonnennaher Stern, der von einer dichten Staubwolke umgeben ist. In dieser Staubwolke, die wir, von der Erde aus, fast exakt von der Kante her sehen, bilden sich wohl gerade Planeten. Und diese spielten bei dem, was im November 1981 geschah, möglicherweise eine “zentrale” Rolle…

Beta Pictoris

Beta Pictoris - mit Staubscheibe und Planet

Beta Pictoris, ein weisser, junger Hauptreihenstern (Spektralklasse A6V), befindet sich etwa 63.4 Lichtjahre von der Erde entfernt. Er gehört zur “Beta-Pictoris-Bewegungsgruppe”, eine Gruppe von ein paar Dutzend Sternen, die alle in etwa gleich alt sind (man schätzt das Alter der Gruppe typischerweise auf etwa 12 (~8-20) Millionen Jahre), deren Bewegung in der Sternentstehungsregion “Scorpius-Centaurus-Association” ihren Ursprung hat (und deren Aufenthalt in dieser Region aufgrund von Bahnrekonstruktionen ebenfalls etwa 12 Millionen Jahre zurück liegt). Beta Pictoris ist damit einer der jüngsten Sterne in der unmittelbaren Nachbarschaft der Sonne (die typischerweise als die Region innerhalb von 25 Parsec, oder 82 Lichtjahren definiert ist und die rund ~20000 Sterne enthält). Der Stern ist zwar etwas massiver als die Sonne, mit rund 1.75 Sonnenmassen gehört er in etwa in die Klasse von hellen, sonnennahen Sternen wie Sirius, Wega oder Altair. Read more »

Okt 09 2011

Du sollst nicht an den Fortschritt glauben – aber warum denn eigentlich nicht?

Manchmal scheint es, die Zeit der grossen technologischen Visionen sei vorbei. Bringt man denoch eine, wie so oft auf dieser Webseite, dann heisst es nur allzu oft: Das ist blinder (oder auch: naiver) Fortschrittsglaube. Anderseits hat die Geschichte der Menschheit gezeigt, dass technologischer Fortschritt eine der wenigen grossen Konstanten ist, die sich durch die gesamte Menschheitsgeschichte zieht. Die Frage scheint also vielmehr zu sein: weshalb darf man nicht mehr an den Fortschritt glauben?

Skylon angedockt an einer Weltraumwerft

Naiver Fortschrittsglaube?

Es spielt keine grosse Rolle, worum es geht, die Liste der Beispiele ist lang. So kann man z.B. kaum sagen, dass Atomkraftwerke eine Reihe von Vorteilen haben, dass sie praktisch CO2-frei sind, dass die Anzahl Opfer, die ihr Betrieb gefordert hat, über die Zeit ihrer Existenz und die Menge produzierten Stroms extrem klein ist, im Vergleich zu anderen Formen der Stromerzeugung. Fügt man dann noch hinzu, dass künftige Generationen von Reaktoren noch sicherer sein werden als heute, dass es technische Lösungen für die radioaktiven Abfälle gibt (Transmutation), dass die Uran- und Thoriumreserven weltweit praktisch unerschöpflich sind – dann fällt bald unvermeidlich das Verdikt (meist aus einem bestimmten politischen Lager): Blinder Fortschrittsglaube.

Sagt man anderseits, dass die Sonne die grösste bisher unangezapfte Energiequelle ist, die der Menschheit heute zur Verfügung steht, dass die bisherige Technologieentwicklung in diesem Bereits stets in Richtung höheren Effizienzgraden und niedrigeren Produktionskosten gegangen ist, und dass es somit wahrscheinlich ist, dass wir eines Tages einen sehr grossen Teil des benötigten Stroms aus dieser Quelle beziehen werden, dann heisst es bald (diesmal aus einem anderen politischen Lager): Naive Zukunftsvorstellungen. Read more »

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