Mai 04 2013

Brauchen wir ein Bedingungsloses Grundeinkommen?

Einhunderttausend Schweizerinnen und Schweizer haben bereits unterschrieben: bis zum August wird noch gesammelt, aber es darf damit gerechnet werden, dass die Initiative zum Bedingungslosen Grundeinkommen Schweiz zustande kommt. Was ist das Bedingungslose Grundeinkommen, und sollten wir es wollen?

Einer für alle - alle für einen.

Einer für alle – alle für einen.

Wir werden in den nächsten Monaten und Jahren noch viel von dieser Initivative hören (auch in anderen Ländern gibt es solche Projekte). Beim Bedingungslosen Grundeinkommen geht es um folgendes: Jeder legale Landesbewohner (Bürger und Niedergelassene) bekommt jeden Monat einen fixen Betrag auf sein Konto überwiesen – ohne jegliche Bedingung, insbesondere ohne Zwang zur Arbeit. Der Betrag – die Initianten der oben erwähnten Initiative schlagen 2500 Schweizer Franken vor, wobei der Betrag nicht in die Verfassung geschrieben, sondern vom Parlament festgelegt werden muss – soll ausreichend sein, um damit einen einfachen Lebensunterhalt zu bestreiten, aber trotzdem hoch genug, um ein Teilnehmen am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) ersetzt – bis auf einige Spezialfälle wie schwere Invalidität – alle anderen Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld, AHV (Altersrente), Mutterschaftsurlaub (Elternurlaub), Kindergeld etc. Wer arbeitet, bekommt das BGE als Zustupf zum Lohn. Wer seinen Job kündigt, der bekommt weiterhin das BGE – und nur das BGE. Read more »

Apr 20 2013

Neue Erden

Wann immer Wissenschaftler einen Planeten entdecken, welcher der Erde ein bisschen ähnlicher ist als der letzte Spitzenkandidat, geht ein Raunen durch die Medien: “Die zweite Erde”! Bei allem Verständnis für das Bemühen, Wissenschaft der Öffentlichkeit zugänglicher zu machen – weniger wäre, in diesem Fall, mit Sicherheit mehr.

Kepler-62

Eine künstlerische Darstellung von Kepler-62f (mit Kepler-62e im Hintergrund). Quelle: NASA.

Vor etwas mehr als 20 Jahren wurde zum ersten Mal eine “zweite Erde” entdeckt. Der polische Astronom Aleksander Wolszczan und seine Mitarbeiter entdecken im Orbit um den Pulsar PSR 1257+12 drei Planeten – zwei davon hatten eine Masse im Bereich von einigen Erdmassen. Dies waren die allerersten Planeten ausserhalb des Sonnensystems – die ersten “Exoplaneten” überhaupt. Die Entdeckung fand wohl deshalb keine allzugrosse Beachtung abseits der Wissenschaftswelt, weil die Vorstellung, dass da eine erdgrosse Welt um eine Sternleiche kreist, recht ungeeignet ist, um beim Leser Bilder von unberührten Stränden an fremden Ozeanen (oder so) hervorzurufen. Die Gasriesen, die man dann ein paar Jahre später um sonnenähnliche Sterne wie 51 Pegasi entdeckte, waren zwar mindestens genauso lebensfeindlich, aber immerhin waren es “echte” Planeten – und damit war die Jagd auf die “zweite Erde” eröffnet. Die Jagd hält bis heute an und ist bisher noch nicht zu einem Ende gekommen – dafür folgt alle paar Monate eine “zweite Erde” die andere (mit gerade genügend zeitlichem Abstand, dass eine gewisse Chance besteht, dass marginal interessierte Leser den letzten Kandidaten bereits wieder vergessen haben…). Es ist natürlich aber keinesfalls so, dass es sich da um eine präzise orchestrierte Aktion der Wissenschaftsredaktionen von Zeitungen handelt, um ihre Leser bei Laune zu halten. Vielmehr gibt das ganze “Theater” um die zweite Erde einen Einblick in die Funktionsweise der Wissenschaft – aber nicht nur. Read more »

Jul 22 2012

Mars, einfach?

MarsOne ist eine nicht-staatliche Organisation, die im Jahr 2023 vier Menschen zum Mars schicken will – ohne Rückkehrmöglichkeit. Diese Pioniere, die alle zwei Jahre von vier weiteren Menschen verstärkt werden, sollen den ersten menschlichen Aussenposten auf dem Roten Planeten aufbauen. Der Plan hat jedoch ein grosses Problem: Energie.

Mars One Marsbasis

Die geplante Marsbasis

MarsOne besteht aus einer Gruppe von (vorwiegend) niederländischen Ingenieuren, Unternehmern und Wissenschaftlern, deren Ziel es ist, die erste permanente Mars-Basis aufzubauen (und nebenbei auch den ersten Menschen zum Mars zu schicken). Gelingen soll dies mit etablierter Technik, zu Kosten von etwa 6 Milliarden Dollar. Die Finanzierung soll über das “grösste Medienevent der Geschichte” finanziert werden, welches MarsOne rund um die Mission herum inszenieren will: “Big Brother” auf dem Mars (der Entwickler des ursprünglichen Big-Brother-Formats ist Teil des Kernteams von MarsOne), aber nicht nur. Die ersten Pioniere (jeder kann sich bewerben!) sollen – wohl nach einer Vorselektion – in Fernsehshows von den Zuschauern ausgesucht werden, Filmrechte vor und während der Mission sollen weltweit verkauft werden. Read more »

Mai 08 2012

Energieeffizienz und Erneuerbare: Kann die Schweiz auf die Atomenergie verzichten?

Die Schweizer Regierung hat unter dem Eindruck des Atomunfalls von Fukushima den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen. Wie sich nun zeigt, sollen die Atomkraftwerke durch Gaskraftwerke ersetzt werden. Ist eine “erneuerbare” Alternative möglich? Wieviel kann die Effizienzsteigerung beitragen?

AKW Gösgen

AKW Gösgen (Quelle: nzz.ch)

Die Schweiz produziert ihren Strom weitgehend CO2-frei: rund 40% des Stroms kommt aus den fünf (eher klein dimensionierten) Atomkraftwerken (AKW), rund 60% wird durch die Wasserkraft gedeckt. Beide Energieformen setzen pro Kilowattstunde (kWh) CO2 im Umfang von etwa 5 bis 25 Gramm frei (bei Gas- und Kohlekraftwerken sind es bis zu 1000 g/kWh). Der pro-Kopf-Ausstoss von CO2 ist mit ca. 5.6 Tonnen pro Person und Jahr entsprechend in der Schweiz deutlich tiefer als in Deutschland (ca. 10 Tonnen pro Person und Jahr – obwohl dort etwa 20% des Stroms aus der Windkraft Erneuerbaren Energien kommen). Trotzdem ist klar, dass die Schweiz ihre Emissionen in Zukunft weiter senken muss, um das Ziel von etwa 2 Tonnen CO2 pro Kopf und Jahr (im Jahr 2050) zu erreichen.

Das grösste Potential zur Senkung der Emissionen liegt im Energieverbrauch, der heute nicht durch Strom abgedeckt wird. Der nicht-Strom-Anteil an der gesamten in der Schweiz verbrauchten Energie (der sogenannte Primärenergieverbrauch) beträgt rund 90% – hier befinden sich etwa der Energieverbrauch durch Autos und Lastwagen (aus Benzin und Diesel), Ölheizungen oder Generatoren aller Art. Die Senkung dieser Emissionen kann – das ist ziemlich naheliegend – nur durch eine “Verstromung” des Energiebedarfs erreicht werden, also die Nutzung von Strom als Energiequelle, wo immer das möglich ist. Zum Beispiel: Elektro- statt Verbrennungsmotoren, Wärmepumpen (und/oder Erdwärmesonden, wo möglich) statt Ölheizungen, usw. Eine solche Verstromung dieses Energiebedarfs wird dabei insgesamt zu einer Verringerung des Primärenergiebedarfs führen, da die Nutzung von Strom meist deutlich effizienter ist als die Nutzung der Energie, die bei der Verbrennung frei wird – es verpufft also deutlich weniger Energie in Form von “nutzloser” Wärme in die Umwelt. Read more »

Feb 24 2012

Das Cern, die Neutrinos und die Wissenschaft

Die vermeintlich spektakuläre Entdeckung von superluminaren Neutrinos ist vielleicht auf ein defektes Kabel zurückzuführen. Was und das über Wissenschaft und Wissenschaftler verrät.

Teilchenkollisionen am CERN

Als letzten Herbst die Meldung um die Welt ging, dass am europäischen Teilchenbeschleuniger CERN (Centre Européen de la Recherche Nucleaire in Genf) seien möglicherweise überlichtschnelle Neutrinos produziert (und im Gran Sasso Labor in den italienischen Apenninen gemessen) worden, dominierte unter Wissenschaftlern die Skepsis: Irgendwas müssen die doch falsch gemessen haben… Aber gerade weil alle Wissenschaftler gelernt haben, mit Vorverurteilungen vorsichtig zu sein, und allein schon die Idee des “was wäre wenn…” einen enormen Reiz hat, haben wohl die meisten – gerade jene, die nicht auf diesem Fachgebiet arbeiten – eine “Abwarten und Schauen”-Haltung eingenommen (eine schöne Übersicht der Reaktionen auf die Meldung findet sich bei relativ-kritisch.net). Währenddessen sahen sich jene Nicht-Wissenschaftler, die schon immer wussten, dass Einstein ganz falsch lag, in ihren Überzeugungen endlich bestätigt (aber das ist eine andere Geschichte).

Doch die Idee des “was wäre wenn…” (…das Resultat denn wirklich real wäre und sich bestätigen liesse!) hat auch ganze Legionen von Wissenschaftlern dazu animiert,  das ganze sehr ernst zu nehmen und sorgfältig ausgearbeitete Lösungsvorschläge bei Fachzeitschriften einzureichen und/oder auf Preprint-Servern hochzuladen (wie eine Suche nach “OPERA Neutrino” etwa auf arxiv.org oder ADS bestätigen wird). Von Problemen mit der Kalibration von GPS-Daten, vernachlässigten Bezugssystemen bis hin zu Neutrinos, die Abkürzungen über höhere Dimensionen nehmen – alles konnte gemäss diesen detailierten und komplexen Texten, in die sicher viele Stunden Arbeit eingeflossen sind, als mögliche Erklärung herhalten. Read more »

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