Sep 05 2010

Wenn Kohle kostet: Die Carbon Tax

Eine realistische Möglichkeit, den Klimawandel anzupacken und eine gefährliche Erwärmung der Erde noch rechtzeitig zu verhindern läge darin, beim Kohlenstoff anzusetzen.

Kohlenstoff, das zwölfte Element des Periodensystems, hat bei der menschgemachten Klimaerwärmung eine zentrale Rolle: es ist sowohl in Kohlendioxid (CO2) als auch in Methan (CH4) enthalten, den beiden wichtigsten der vom Menschen emittierten Treibhausgasen. Es ist der Hauptbestandteil der fossilen Rohstoffe Erdöl, Erdgas und Kohle. Diese sind – zu unserem Glück – nicht nur in riesigen Mengen vorhanden, sondern sie sind auch Energieträger mit einer aussergewöhnlich hohen Energiedichte. Das kann man sich vergegenwärtigen, in dem man sich klar macht, dass ein Liter Benzin ein Auto mit einer Masse von anderthalb Tonnen auf rund 100 Stundenkilometer beschleunigen und dann etwa 10 Kilometer weiterfahren lassen kann. Und das alles aus einem einzigen Liter (bei mässiger Effizienz)! Die Nutzung der fossilen Rohstoffe hat die moderne Welt überhaupt erst möglich gemacht. Nicht nur im Verkehr, auch in der Produktion von Elektrizität, in der Herstellung von Düngern für die Landwirtschaft, in der Herstellung von Materialien aller Art bis hin zu Medikamenten – überall spielen Kohlenstoffbasierte Verbindungen eine wichtige Rolle. Das bringt zwei Probleme mit sich:

Erstens sind wir davon abhängig geworden. Würden alle verbliebenen fossilen Rohstoffe über Nacht verschwinden, die Zivilisation würde wohl in sich zusammenbrechen. Die Warenströme, die heute städte mit mehreren zehn Millionen Einwohnern am Leben erhalten, würden stoppen. In Ländern, die auf Atomenergie verzichten und in denen noch keine nennenswerten regenerativen Energien eingesetzt werden, würden die Lichter ausgehen (in der Schweiz wäre es zumindest hinsichtlich Elektrizität besser – doch ohne fossile Rohstoffe lässt sich die Infrastruktur, die hinter Atomkraftwerken und Pumpspeicherseen steckt, nicht sehr lange aufrecht erhalten). Ohne Elektrizität gibt es keinen öffentlichen Verkehr, kein Internet, keine Mobiltelefonie, kein Online-Banking, keine moderne Medizin. Fast alle elektronischen Geräte wären über Nacht nutzlos (nur der tapfere solarbetriebene Taschenrechner würde weiterhin funktionieren). Fossile Rohstoffe durchdringen jeden Bereich des öffentlichen Lebens. Sie haben aber auch Folgen für die Produzentenseite: Da die fossilen Rohstoffe überlebenswichtig sind, kreist das strategische Denken der westlichen Welt um die militärisch-politische Sicherung von Erdölfeldern und Gaslieferungen.

Zweitens, von den obigen Problemen ganz abgesehen, werden fossile Rohstoffe zu Kohlendioxid (und Wasser) verbrannt. Dieses Gas ist – dummerweise, müsste man fast sagen – auch das wichtigste Treibhausgas der Erdatmosphäre (ohne das Kohlendioxid würde die Temperatur so stark fallen, dass der Wasserdampf, der eigentlich die Hauptlast der Treibhausgaserwärmung trägt, als Niederschlag ausfallen würde – mit der Folge, dass die Durchschnittstemperatur der Erde auf -18° fallen würde), es ist quasi der Thermostat, mit dem das Klimasystem der Erde die Oberflächentemperatur des Planeten reguliert. Die Verbrennung von fossilen Rohstoffen hat so gewaltige Ausmasse angenommen, dass der Kohlendioxidgehalt der Erdatmosphäre nun alljährlich um ein bis zwei Teile pro Million Atmosphärenteilchen zunimmt. Das klingt vielleicht nicht viel, aber wenn man bedenkt, dass etwa 280 Teile pro Million ausreichen, um die Durchschnittstemperatur der Erde um 33°C (von -18°, die die Sonnenstrahlung schafft, auf 15°) anzuheben, erkennt man schnell, dass das nicht lange gut gehen kann. Zurzeit sind wir bei fast 400 Teilen pro Million, Tendenz steigend.

Die Entziehungskur

Das ist alles wohlbekannt – doch nun, wie kommen wir wieder davon weg? Wie unterwerfen wir die Menschheit einer nachhaltigen Entziehungskur, an deren Ende sie „clean“ vom Verbrauch fossiler Rohstoffe ist, so dass künftig weder Blut für Öl noch Schwimmwesten für Holland und Bangladesh gespendet werden müssen?

Motivation, die von Innen kommt – also wenn die Leute selber wollen – ist immer besser, effizienter, zielgerichteter als Zwang von aussen. Freiwilligkeit bringt in diesem Fall aber nichts: Die Leute können in vielen Fällen keine Kohlendioxid-freien Alternativen wählen, weil es sie schlicht nicht gibt. Welche Nahrungsmittel werden schon ohne Dünger aus fossilen Rohstoffen hergestellt? Welche Transportunternehmen bieten elektrisch betriebene Lastwagen an, welche Fluggesellschaft fliegt mit Biosprit? Welche Stromkonzerne bieten nachweislich nur Ökostrom (oder Öko- + Atomstrom) an? Ständig das „Bewusstsein für den Klimawandel“ fördern und schärfen zu wollen, oder den Leuten mit dem Mahnfinger einzureden, dass „jeder einen kleinen Beitrag“ leisten müsse, bringt also nichts, sondern fördert nur die Ablehnung gegenüber dem Klimawandel. Paradoxerweise, so scheint es zumindest, lassen sich die meisten Leute nicht von Argumenten überzeugen, sondern machen die Glaubwürdigkeit einer Aussage davon abhängig, welche Konsequenzen eine Einsicht auf ihr Leben hat. Das macht natürlich keinen Sinn, ist aber weit verbreitet.

Zertifikatehandel

Bisher versucht man, dem Problem des Kohlendioxidausstosses mit Emissionszielen und -zertifikaten zu begegnen. Ländern wird erlaubt, eine bestimmte Menge Kohlendioxid in die Luft zu blasen. Überschreiten sie ihre Quote, kaufen sie dafür „Emissionszertifikate“ von anderen Ländern, die ihre Quote nicht erfüllen. Schliesslich wird die Anzahl dieser Zertifikate Jahr für Jahr verringert, so dass – so die Überlegung – die Kosten dafür immer höher werden, was die Länder (und Firmen) dazu anspornen sollte, Alternativen zur Kohlendioxid-Emission zu finden. Die Idee ist auf den ersten Blick nicht schlecht, sie setzt immerhin bei den Verbrauchern an, denn schliesslich wollen die Firmen und Länder Geld sparen, um konkurrenzfähig bzw. wirtschaftlich stark zu bleiben. Aber ich sehe mehrere Probleme in der Anwendung: So wird der Markt dazu tendieren, die erlaubten Emissionen gerade so auszufüllen. Das heisst, sollte es einmal zu wenig Kunden für die Emissionszertifikate geben, wird der Marktpreis sinken, womit Kunden, die eben erst ausgestiegen sind, wieder einsteigen – und wieder Kohlendioxid freisetzen (nicht, weil sie willige böse Klimasünder sind, sondern weil sie das billiger als die Alternativen kommt). Ich könnte mir weiter vorstellen, dass es schwierig sein dürfte, die Anzahl der Emissionszertifikate konsequent zu verringern. Zudem ist es mir etwas suspekt, dass man hier durch schlichtes „Nichtstun“ oder das Schliessen altersschwacher Fabriken Geld verdienen kann. Das weitaus grössere Problem liegt aber in der Kontrolle. Es dürfte sehr schwierig werden, festzustellen, wer wo wie wann genau wieviel Kohlendioxid in die Atmosphäre entlässt. Das zieht einen Rattenschwanz von Regeln, Gesetzen, Kennzahlen, Formularen, Gesuchen, Gesuchprüfern, Prüfgerätherstellern, Prüfgerätzertifizierern, Gegenprüfern, Bewilligern und sogenannt unabhängigen Expertenkommissionen nach sich. Und da sind wir schon wieder beim Zwang (und vermutlich auch bei der Korruption).

Der einfachere Ansatz wäre, direkt bei den fossilen Rohstoffen anzusetzen, und zwar direkt an der Landesgrenze – oder in der Mine / an der Quelle. Jedes Barrel Erdöl, jeder Kubikmeter Gas und jede Tonne Kohle wird mit einer Steuer belegt, die proportional zum Kohlenstoffgehalt (ein anderer Ausdruck für das Potential, Kohlendioxid zu produzieren) ist. Diese „Carbon Tax“ ist einfach zu erheben: Erdöl, Erdgas und Kohle werden nun Mal in ganz bestimmten Verteilungskanälen importiert, oder an ganz bestimmten Stellen gefördert. Jedes Land könnte selbst entscheiden, wie hoch die Steuer ausfallen soll. Was wäre die Folge?

Jeder Verbraucher würde die Kosten für die Steuer an die Kunden weitergeben – das würde die Produkte verteuern, und zwar immer noch proportional zum Kohlenstoffgehalt. Benzin, Heizöl, Haushaltsgas, Kohlestrom würden deutlich teurer (die höchste Preissteigerung würde die Kohle erfahren). Die grössten Kohlendioxid-Quellen würden also sofort am stärksten besteuert. Produkte, die wenig oder keine fossilen Rohstoffe benötigen, würden gleich teuer bleiben und damit im Verhältnis billiger. Doch nun haben wir ein Luxusproblem: Was machen wir mit den Einnahmen?

Zurück an die Verbraucher

Eine Kohlenstoff-Steuer würde gewaltige Einnahmen generieren (Einnahmen, die bei der Nichteinführung einer solchen Steuer einfach ein paar Jahre später direkt in die Kassen der Erdölkonzerne wandern würden, so wie das auch in der letzten Preisexplosion vor 2008 der Fall war). Das wird mit Sicherheit Begehrlichkeiten seitens des Staates wecken, der damit seine leeren Kassen füllen will – aber damit eine solche Carbon-Tax wirklich eingeführt werden kann, ist die Unterstützung der Bevölkerung von zentraler Bedeutung. Ziel sollte deshalb sein, die Einnahmen aus dieser Steuer der Bevölkerung direkt auszuzahlen, nach der einfachsten denkbaren Formel: Einnahmen durch Einwohner (dh, generiert die Schweiz daraus Einnahmen von 15 Mrd Schweizer Franken pro Jahr, erhält jeder der 7.5 Mio Einwohner 2000 Franken pro Jahr, vermutlich ausbezahlt in monatlichen Raten). Neben dem Vertrauensbonus hätte dies zur Folge, dass die Menschen nun zusätzlich Geld erhalten, mit dem sie die höheren Preise bezahlen können. Ist das ganze also ein Nullsummenspiel? Nein – denn die Carbon-Tax verteuert ja nur proportional zum Kohlenstoffgehalt. Das heisst, gemessen am gestiegenen Einkommens- und Preisniveau sind Kohlenstoffarme Produkte günstiger geworden. Die Steuer ist also nicht wirklich eine „Steuer“, sondern eine Lenkungsabgabe.

Einfachheit

Das Bestechende an der Kohlenstoff-Steuer ist ihre Einfachheit. Je nach dem, welche Folgen die Einführung der Steuer hat, schraubt man sie etwas hoch (wenn die Kohlendioxid-Emissionen nicht zurück gehen), oder etwas hinunter (wenn das Anpassungstempo zu hoch ist oder die Wirtschaft geschwächt ist). Wer Kohlendioxid-arm lebt, wird sofort und unmittelbar belohnt: die Rückvergütung der Kohlenstoff-Steuer fällt bei ihm höher aus als die zusätzlichen Ausgaben.

Die kommende Verknappung der fossilen Rohstoffe (Peak Oil) wird, gerade wegen unserer extremen Abhängigkeit davon, für die Erdölkonzerne zum wohl grössten Geschäft in der Geschichte der Menschheit überhaupt werden. Spekulationen werden, wie beim der letzten Preisexplosion, ihren Anteil haben, und für die einzelnen Menschen wird nichts übrig bleiben – ausser steigende Preise. Wenn wir das nicht wollen, müssen wir heute die ersten Schritte in die Richtung einer Kohlenstoff-Steuer machen (mit „wir“ sind hier alle Länder gemeint – die Schweiz hat die ersten Schritte in diese Richtung bereits gemacht (siehe unten), aber es bleibt noch viel zu tun bis zu einer universellen Kohlenstoff-Steuer). Wir müssen die wirtschaftlichen Auswirkungen von Peak Oil vornweg nehmen, damit die gesamte Zivilisation in einer geordneten und fairen Art und Weise den Übergang in die Zeit nach dem Öl schaffen kann (die Preise für das Öl werden später ohnehin ansteigen – aber mit einer Carbon Tax wäre die Wirtschaft schon weitgehend von ihrer heutigen Abhängigkeit befreit, wenn der wahre Preisschock eintrifft – somit wird dieser auch sehr viel milder ausfallen). Wir müssen heute dafür sorgen, dass diese gewaltigen Einnahmen aus der Verknappung der fossilen Rohstoffe rechtzeitig dorthin gelenkt werden, wo sie gebraucht werden: in die Taschen der Menschen. Dass nebenbei (wegen der gleichzeitigen Besteuerung aller fossilen Rohstoffe, nicht nur des Öls, sondern auch der Kohle, die die Hauptlast der menschgemachten Klimaerwärmung trägt) auch ein gefährlicher Klimawandel rechtzeitig verhindert wird, ist da eigentlich nur ein weiterer Bonus.

Links zum Thema

CO2-Abgabe – Die Schweiz hat heute im Ansatz eine Carbon Tax- die „CO2 Abgabe“. Allerdings trifft sie nicht alle Treibstoffe gleichmässig: Benzin und Diesel sind davon ausgenommen, und es gibt Ausnahmemöglichkeiten. Zudem werden nicht alle Einnahmen der Bevölkerung verteilt, ein Teil davon fliesst in Gebäudesanierungen.

Artikel aus der NZZ – dies macht es möglich, die Steuer als „wirtschaftsfeindlich“ zu bezeichnen, weil sie die Kaufkraft mindere. Bisher ist die Abgabe aber offenbar noch viel zu tief, als dass sie schon Wirkung zeigen würde.

20 Comments

  • By heraklit, 6. September 2010 @ 12:51

    Dieses Konzept besticht dadurch, das es Konkurrenznachteile innerhalb der Industrie ausschließt, und steigende Preise durch Umverteilung der Einnahmen kompensiert.
    Somit auch ein sozial ausgewogenes Modell: Den Preisanstieg bekämen große Stromverbraucher mehr zu spüren als Menschen, die den Großteil ihres Einkommens für lebensnotwendige Dinge ausgeben( Auch wenn Weizen und Baumwolle natürlich auch im Preis steigen würden).
    Auch Produzenten hätten Vorteile, wenn sie regenerative Energien einsetzten, vorraus gesetzt die Steuer ist hoch genug, dass Kohle nicht zwar teurer wird, aber immer noch konkurrenzlos billig bleibt.

    Die \“Carbon Tax\“ hätte wohl eine grundlegend andere Verkehrspolitik zur Folge, langfristig würde sich Konzeption der Städte ändern hin zu räumlicher Nähe von Wohnen, Arbeit und Konsum.

    Ich befürchte aber stark,dass so ein Gesetz durch unzählige
    Ausnahme- und Sonderregelungen die Grundidee völlig verlieren und unnötige Kosten verursachen würde(
    Insbesondere Verkehrswesen und Schwerindustrie könnten mit Hinweis auf wirtschaftliche Bedeutung, und, ich kann es nicht mehr hören, Arbeitsplätze Bevorzugungen herauschlagen)
    Jedoch sind steigende Arbeitslosigkeit in Industrieländern und langsamere Investitionen völlig unwichtig, wenn dafür Milliarden Menschen in den ärmeren Ländern vor Hungerkatastrophen, Wassermangel und den anderen Folgen der Erderwärmung gerettet werden können.

  • By D., 6. September 2010 @ 13:17

    \“Das wird mit Sicherheit Begehrlichkeiten seitens des Staates wecken, der damit seine leeren Kassen füllen will – aber damit eine solche Carbon-Tax wirklich eingeführt werden kann, ist die Unterstützung der Bevölkerung von zentraler Bedeutung.\“

    Das gilt nur unter der Prämisse, dass man sich zufällig grade in der Schweiz aufhält, fast überall sonst können Steuern spontan mal eingeführt werden.

    So sehr ich diese Selbstregulierten Szenarien auch mag, fest steht auch, dass ein völliger Verzicht auf Brennstoffe in absehbarer Zeit technisch nicht machbar sein wird. Selbst mit Algen usw., irgendwelche Solarfantasien sind heute eben das: Fantasien. Der Umsetzungsgrad von Solarzellen ist sehr gering, sodass voraussichtlich beim nächsten technischen Schub schon eine Nachrüstung dieser Subventionsquelle notwendig wird, natürlich auch subventionsgefördert, damit es sich lohnt, aber das allein wäre noch zu verschmerzen, hätten die meisten regenerativen Energien nicht den nicht zu verachtenden Nachteil, bei normalen Bedingungen nicht zuverlässig kontionuierlich zu arbeiten. Wind und Sonne sind eben nicht das ganze Jahr da und Wasserkraft wird meines Wissens schon maximal ausgenutzt. Energiespeicherung in diesen Ausmaß scheint heute auch noch eine technische Herausforderung.

    Die Kohlenstoffsteuer würde selbstverständlich – vielleicht mit Ausnahme der Schweiz – auch eingesetzt, um die Subventionen und Infrastrukturausgaben des Staates zu begleichen. Spätestens dann wird daraus eine indirekte Steuer wie alle andern auch…

  • By Daniel, 7. September 2010 @ 00:40

    Reiche Länder, wie die USA, haben die Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls abgelehnt. Aufstrebende Schwellenländer, wie China und Indien, beteiligen sich kaum an den klimapolitischen Bemühungen zur Reduzierung des CO2-Ausstosses. Die ärmeren Länder sind nur zu einem verbindlichen Abkommen bereit, wenn sie bei der Umstellung auf teure Umwelttechnologien finanzielle Unterstützung erhalten.
    Keine leichte Aufgabe, eine \“Global Carbon Tax\“ einzuführen.

  • By D., 7. September 2010 @ 01:07

    \“Reiche Länder, wie die USA, haben die Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls abgelehnt. Aufstrebende Schwellenländer, wie China und Indien, beteiligen sich kaum an den klimapolitischen Bemühungen zur Reduzierung des CO2-Ausstosses.\“

    Tatsächlich hat der Kongress (nicht Präsident Bush!) das Protokoll meines Wissens abgelehnt, weil es zuviele \“Ausnahmen\“ bei den Entwickelungsländern vorsah. Ich will keine verschüttete Milch anwärmen, aber ist mit dem Emissionshandel nicht sowas ähnliches wie eine \“Global Carbon Tax\“ eingeführt worden?

    Jedenfalls ist klar, dass die Industrienationen nur sehr ungern einem Vertrag zustimmen werden, der sie gegenüber Entwicklungsländern härter sanktioniert…

  • By Bynaus, 7. September 2010 @ 10:27

    Der Emissionshandel ist eben keine Carbon Tax, wie ich Abschnitt \“Zertifikatehandel\“ versucht habe darzulegen. Sicher, das produzieren von CO2 kostet nun, irgendwie, wenn das alles so funktioniert wie gedacht. Aber die Carbon Tax zeichnet sich auch durch ihre Einfachheit aus.

  • By Ratgeber, 7. September 2010 @ 17:47

    Klimapolitik nach Kopenhagen: Auf drei Ebenen zum Erfolg.
    Für die nächste Klimakonferenz, Ende November 2010 in Cancun, werden in der internationalen Klimadiplomatie entscheidende Weichen in Richtung Energie- und Klimawende gestellt. Der klimabewusste Verbraucher bekommt drei Erfolgsstrategien zur freien Auswahl:

    1) Europäische Glaubwürdigkeit durch gutes Beispiel stärken.
    2) Subglobale klimapolitische Allianzen schmieden.
    3) Multilaterale Klimapolitik wiederbeleben.

  • By D., 7. September 2010 @ 23:23

    @Ratgeber hat am 07.09.2010 15:47:01 geschrieben…:
    \“Der klimabewusste Verbraucher bekommt drei Erfolgsstrategien zur freien Auswahl:
    1) Europäische Glaubwürdigkeit durch gutes Beispiel stärken.
    2) Subglobale klimapolitische Allianzen schmieden.
    3) Multilaterale Klimapolitik wiederbeleben.\“

    Das hier ist keine Satireseite. Falls das keine ist: Wie um alles in der Welt sollen verbraucher die EU beeinflussen oder ähnliches?

  • By Ratgeber, 8. September 2010 @ 02:01

    Gute Frage:
    Wie um alles in der Welt sollen verbraucher die EU beeinflussen oder ähnliches?
    Antwort:
    Die Klimakrise ist auch eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Indem sich der Verbraucher mit den Strategien der Klimapolitik vertraut macht, wird die Initiative der Zivilgesellschaft positiv beeinflusst.

  • By Alex, 8. September 2010 @ 13:23

    @D.: haben wir dazu nicht freie Wahlen?

    Es gab kürzlich eine Studie der deutschen Bundeswehr in der das Szenario \“Peak Oil\“ auf seine weltweiten Konsequenzen hin untersucht wurde, mit geradezu katastrophalem Resultat; völliger Machtschwund der westlichen Demokratien ist da noch die glimpflichste Möglichkeit, es geht aber bis hin zum Zusammenbruch der Weltwirtschaft und -gemeinschaft. Und das ist gut begründet (so bedürfen rund 95% aller Industriegüter Erdöl!).

    Angesichts dessen frage ich mich immer wieder, wieso als Ölfresser erkannte Strukturen oder Maschinen nicht ganz einfach verboten werden. Autos mit Verbrauch über 6 Liter, Motorräder mit Verbrauch über 4 Liter, bei Flugzeugen und Schiffen geht sowas sicher auch, bis hin zu Industrieanlagen.
    Daß sich einzelne Leute geknickt fühlen wenn sie keinen Geländewagen mehr fahren dürfen ist angesichts der massiven Probleme der zu erwartenden Rohstoffverknappung doch nun wirklich komplett lächerlich.

    \“Wir sollten die großen Probleme bekämpfen wenn sie noch ganz klein sind\“ – sollte manchem mal zu denken geben.

  • By D., 8. September 2010 @ 16:50

    @Ratgeber hat am 08.09.2010 00:01:35 geschrieben…
    \“Die Klimakrise ist auch eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Indem sich der Verbraucher mit den Strategien der Klimapolitik vertraut macht, wird die Initiative der Zivilgesellschaft positiv beeinflusst.\“

    Das stimmt schon, allerdings ist zum civilgesellschaftlichen Engagement eigentlich keine Ahnung notwendig. Es reichen einige Informierte, denen dann genug Wähler folgen.
    Überraschenderweise ist die civilgesellschaftliche Umweltbewegung in den USA viel schlagkräfiger aufgestellt und auch offensiver als in Deutschland oder großen Teilen Europas. Man sehe sich nur mal an, was im Netz unter dem Stichwort \“Peak Oil\“ zu finden ist…

    @Alex hat am 08.09.2010 11:23:07 geschrieben:
    \“Daß sich einzelne Leute geknickt fühlen wenn sie keinen Geländewagen mehr fahren dürfen ist angesichts der massiven Probleme der zu erwartenden Rohstoffverknappung doch nun wirklich komplett lächerlich.\“

    In einer Demokratie ist das eben immer an den Wählerwillen gekoppelt. 😉

  • By D., 8. September 2010 @ 16:57

    @Alex-Nachtrag:
    Das ist genau die Grundhaltung, die ich meine: Der Fehler ist, wenn man den Leuten auch die großen Wagen verbietet, sind das nur Tropfen auf den heisen Stein. Solange die Weltbevölkerung expotentiell wächst, muss die Wirtschaft schritt halten und die Bedingung ist erfüllt.
    Weniger Industrie und weniger Wohlstand für alle, also die RÜckkehr zu einer Imobilen, lokalen Lebensweise, wird das Problem an diesem Punkt auch nicht lösen können.

    Die Lösung wird logischerweise nur noch weitere, bessere Technik, inbesondere in Bereich der \“Alternativen Energien\“ sein, vtl. die Kalte Fusion (falls möglich), oder risige Solaranlagen im All.

  • By Alex, 8. September 2010 @ 19:17

    @D.: Ich schrieb nichts von Immobilität und lokaler Lebensweise; nur davon, die Fahrzeuggrößen verhältnismäßig zu halten. Ein kleineres Auto heißt nicht weniger Wohlstand sondern mehr – überleg mal was Du mit dem gesparten Benzingeld Dir zusätzlich kaufen kannst. Der Umstieg vom Auto aufs Motorrad bringt mir jedes Jahr weit über 1000 Euro – kann ich Dir gern vorrechnen.
    Übrigens wächst die Erdbevölkerung längst nicht mehr exponentiell.

  • By heraklit, 10. September 2010 @ 13:20

    Eine Gefahr birgt das vorgeschlagene Prinzip: Durch die Besteuerung von Öl, wächst die Gefahr, dass für einige Staaten
    und Agrarkonzerne die Produktion von Biokraftstoffen profitabler wird als die von Nahrungsmitteln für die Bevölkerung.

  • By Der Sachse, 10. September 2010 @ 19:41

    @heraklit: wie denn? Der C-Anteil ist in Biobrennstoffen höher, als in den Nahrungsmitteln. Dadurch wird es profitabler, Nahrung zu erzeugen, als Kraftstoff.

  • By heraklit, 10. September 2010 @ 23:13

    Und woher willst du wissen, wie viel die obere Schicht für Mobilität zu zahlen bereit sein wird?
    Der Preis für ein Barrel Öl war zeitweilig schon höher als für eine Tonne Weizen, selbst bezogen auf den C-Anteil

  • By Unbekannter Gast, 11. September 2010 @ 00:50

    @Alex

    Wenn die Erdbevölkerung nicht exponentiell wächst wie dann ?

  • By UMa, 11. September 2010 @ 10:46

    Heraklit, Biokraftstoffe und auch andere Erzeugnisse Wie Baumwolle und Holz u.ä., müssten auch entsprechen ihrem Kohlenstoffgehalt besteuert werden, ausgenommen werden dürfen nur Nahrungsmittel.

    Auf den Autoverkehr wäre die Wirkung gering, man vergleiche die Steuerunterschiede auf Kraftsoffe z.B. zwischen Deutschland und den USA. Aber Kohlekraftwerke würden unrentabel.

  • By Bynaus, 11. September 2010 @ 11:24

    @Unbekannter Gast: Die Erdbevölkerung wächst \“gebremst\“, das heisst, die Zuwachsrate selbst nimmt stetig ab.

    Und ja, Biokraftstoffe müsste man natürlich auch der Steuer unterwerfen, und Nahrungsmittel ausnehmen.

  • By heraklit, 14. September 2010 @ 16:36

    Ich stimme zu, dass der Gesellschaft kein wirtschaftlicher Schaden entsteht, denn:
    KOHLE IST NUR SCHEINBAR BILLIG
    Da bei jeder anderen Ware sich mittlerweile selbstverständlich die Entsorgungskosten von Abfällen im Herstellungsprozess sich im Preis wiederfinden ist nicht nachvollziehbar, warum Kohle ausgenommensein soll

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