Zehnter Planet oder doch nur ein Kuipergürtel-Objekt?

Seit der Entdeckung von 2003UB313 ist die alte „Planet oder nicht Planet?“ Diskussion wieder voll entbrannt. Während einige Pluto nun endgültig den Planetenstatus aberkennen wollen, sehen sie die anderen nun in einem Sonnensystem mit neu zehn Planeten – mit der Option auf viele mehr.

Wir wissen es seit der Schulzeit: im Sonnensystem gibt es neun Planeten. Wir lernten den Merkspruch „Mein Vater Erklärt Mir Jeden Sonntag Unsere Neuen Planeten“ – die Anfangsbuchstaben ergeben den Namen des jeweiligen Planeten, in der Reihenfolge seiner Entfernung zur Sonne (Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun, Pluto).

Doch nun wurde ein neuer, zehnter Planet entdeckt.

Der neue Planet
Der neue Planet
Wer jetzt das Gefühl hat, das irgendwann schon einmal gehört zu haben, der liegt nicht falsch. Tatsächlich wurden in den letzten fünf Jahren immer wieder grosse Objekte jenseits der Umlaufbahn des Neptuns entdeckt, die – so vermutet man – in ihrem Aufbau und ihrer Zusammensetzung dem neunten Planeten Pluto nicht unähnlich sind. Sie unterscheiden sich von Pluto lediglich durch die Tatsache, dass sie viel kleiner sind: Pluto hat einen Durchmesser von etwa 2250 km, die Durchmesser der vielen neu entdeckten Objekte in diesem Bereich bewegten sich aber im Rahmen von maximal 1200 km. Und so lange das so blieb, war alles in Ordnung.

Denn Objekte dieser Grösse werden in der Regel „Asteroiden“ genannt. Vor 1992 kannte man nur Asteroiden im sogenannten „Asteroidengürtel“ zwischen den Umlaufbahnen der Planeten Mars und Jupiter. Man kannte zwar auch einige Exoten wie den Asteroiden Hidalgo, dessen Bahn bis zu jener des Saturns hinaus reicht, oder Chiron, der zwischen den Bahnen von Saturn und Uranus hin und her pendelt und sich dabei mal wie ein Asteroid, mal wie ein Komet verhält. 1992 entdeckte man den Asteroiden „1992 QB10“, einen Brocken von rund 700 km Durchmesser – fast so gross wie der grösste bis dahin bekannte Asteroid im Asteroidengürtel, Ceres (rund 1000 km Durchmesser). Noch im selben Jahr wurden weitere grosse Objekte entdeckt, und in den den Jahren darauf folgten dutzende, heute sind es hunderte.

Es gibt also einen zweiten Asteroidengürtel im Sonnensystem – diesen nennt man den „Kuipergürtel“, nach einem holländischen Astronomen, der seine Existenz schon lange zuvor vermutet hatte (allerdings in einem ganz anderen Zusammenhang). In diesem Kuipergürtel gibt es sehr viel mehr Objekte als im Asteroidengürtel des inneren Sonnensystems – und sie sind im Schnitt auch grösser. Bald folgte ein Rekord auf den nächsten: Varuna, mit 900 km Durchmesser, kam noch näher an Ceres heran. Ixion wurde entdeckt, mit 1100 km neu der grösste Asteroid im Sonnensystem. Es folgten noch grössere, und jedes Mal ging ein Aufschrei durch die Medien: 10. Planet entdeckt! (manchmal auch: Was ist jetzt mit unseren Horoskopen? ) Doch stets blieben die neu entdeckten Körper unter der magischen Grenze, die durch Pluto abgesteckt wurde. So lange das so blieb, konnten sich die Astronomen bequem zurücklehnen und die populäre, aber wissenschaftlich nicht so wichtige Frage, wie denn nun genau ein Planet definiert sei, vergessen. Einige Astronomen betrachte(te)n Pluto ohnehin nicht als „richtigen“ Planeten, da er viel kleiner und leichter ist als alle anderen und dabei noch Teil einer grossen Anzahl von „ähnlichen“ Objekten zu sein scheint, die sich eine ähnliche Bahn um die Sonne teilen. Man nannte Pluto daher auch manchmal den „König des Kuipergürtels“, eine freundliche Bezeichnung für einen enttrohnten Planeten…

Doch nun scheint es, als hätte der König des Kuipergürtels ernsthafte Konkurrenz bekommen: Amerikanische Astronomen haben mit 2003UB313 ein neues Objekt entdeckt – und es ist tatsächlich (mit ziemlicher Sicherheit) grösser als Pluto. 2003UB313 ist bloss ein temporärer Name, der so lange gilt, bis das Objekt einen definitiven Namen erhalten hat. Doch bis dahin könnte es noch eine Weile dauern.

Handelt es sich nämlich beim neuen Objekt um einen Planeten, dann spielen ganz andere „Namensregeln“ eine Rolle, als wenn es sich „nur“ um einen weiteren Asteroiden handeln würde.

Vergleichen wir 2003UB313 mit Pluto, dann ist eigentlich klar: wenn Pluto ein Planet ist, dann ist 2003UB313 auch einer (2003UB313 ist grösser als Pluto: er hat einen Durchmesser von rund 3000 km). Gleichzeitig ist auch 2003UB313 im Vergleich mit dem nächstgrösseren Planeten Merkur nur ein Winzling: Merkur hat nicht nur den 1.6fachen Durchmesser, sondern auch etwa die 14fache Masse – und Merkur ist, wie gesagt, der zweitkleinste Planet des Sonnensystems. Der Fall scheint klar zu sein: wenn man Pluto weiterhin als Planeten bezeichnet, dann muss man 2003UB313 auch diesen Status zuerkennen. Wenn nicht, auch gut, dann sind es von nun an nur noch acht Planeten im Sonnensystem.

Der Umstand, dass jetzt ein Objekt grösser als Pluto entdeckt worden ist, hat bei der internationalen Astronomischen Union (IAU) einiges in Aufruhr gebracht: Bis im Herbst, so hat die IAU versprochen, soll endlich eine verbindliche Definition des Begriffs Planet vorliegen – nach der sich dann auch entscheiden liesse, ob 2003UB313 nun einer ist oder nicht. Vorerst, hat die IAU beschlossen, bekommt per Definition kein Objekt, das die Sonne in einer Entfernung von grösser als 40 astronomischen Einheiten (der Entfernung der Erde zur Sonne) umkreisen, den Planetenstatus.

Doch warum tut sich die IAU so schwer mit der Entscheidung? Das Problem ist, dass niemand weiss, wieviele „Planeten“ von der Grösse Plutos noch da draussen auf ihre Entdeckung warten: Keiner? Einer? Fünf? Zwanzig? Fünfhundert? Mit sich ständig verbessernden Messtechniken wäre im letzten Fall zu erwarten, dass wir künftig jedes Jahr einige dutzend Planeten mehr hätten – und das kann niemand wollen, das Chaos wäre perfekt.

Eine mögliche Lösung wäre, künftig die Planeten in verschiedene Gruppen zu unterteilen (wie es schon heute mit den „erdähnlichen“ Felsplaneten und den „jupiterähnlichen“ Gasplaneten geschieht): Danach gäbe es einfach zusätzlich noch die „Kuipergürtel-Planeten“. Dann könnte man sagen, dass das Sonnensystem über vier Felsplaneten (Merkur, Venus, Erde, Mars), vier Gasplaneten (Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun) und eine noch unbekannte Anzahl (mindestens aber deren zwei: Pluto und 2003UB313) von Kuipergürtelplaneten verfügt. Und (fast) alle wären glücklich. 🙂

So werden wir bis im Herbst warten müssen. Und für alle die, die befürchten, falls der neue Planet als solcher anerkannt würde, könnte man den gelernten Merkspruch ein für alle mal vergessen, hier noch eine gute Nachricht: Egal, wie der neue Planet heisst, sein Name wird bestimmt einmal ganz einfach zu behalten sein, wenn der Merkspruch folgendermassen erweitert wird: „Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unseren neuen Planeten [Planetenname]“

3 Kommentare

  1. ich habe einen elften planet gefunden er ist 15 lichtjare von uns enfernt und hat den düchmesser des jupitar und er hat 35 monde wen richtig zälte sch ickt ein satalieten am 30.08.2008 um 12.30 von amerika aus da genau erfasst er unsere luftbahn wen ihr es nicht glaubt dan seht an dem datum 25.08.2008 aus deutschland den planeten ich taufe ihn kloran

  2. Vielleicht sollte man mit der Namensgebung noch ein paar Jahrzehnte warten, bis man die Beobachtungsetchnik so weit verfeinert hat, dass man in anderen Sonnensystemen nach Planeten suchen kann, die kleiner als die jupiterähnlichen Gasriesen sind, die man heute sichten kann. Dann hätte man mehr Beispiele und könnte das Spezifische vom Allgemeinen trennen.

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