Gegen die Dunkelheit: Modified Gravity

Die Materie, aus der Sterne, Planeten und Menschen bestehen, macht gemäss der modernen Kosmologie nur etwa 4% des Massen-Energieinhalt des Universums aus. Allerdings gibt es auch Kosmologen, die das ein wenig anders sehen.

Eines gleich vornweg: nein, hier geht es nicht um die Privattheorie irgendeines selbsternannten Welterklärers. Und nein, ich bin im Kommentarstrang dieses Artikels auch nicht an selbstentwickelten „Theorien“ interessiert. Wer sich davon angesprochen fühlt, sei hiermit ermahnt, was hier das Thema ist: Hier geht es um den Physiker und Kosmologen John Moffat und seine, in anerkannten und peer-reviewten wissenschaftlichen Fachzeitschriften bestens dokumentierte Alternative zum gegenwärtig vorherrschenden, kosmologischen Weltbild. Seine „Modifizierte Gravitation“ (Modified Gravity), auch MOG abgekürzt, macht ganz konkrete, überprüfbare Vorhersagen, die sich mit künftigen Beobachtungen überprüfen lassen – und sie kommt völlig ohne Dunkle Materie und Dunkle Energie aus. Doch beginnen wir am Anfang.

Die heutige Kosmologie hat ein Problem: das Universum ist flach. Kein Witz: „flach“ ist einer von drei möglichen „Geometrien“ eines Raumes. Anschaulich illustrieren kann man das, indem man von unserem dreidimensionalen Raum eine Dimension hinuntersteigt, in die Fläche. Eine Fläche kann etwa in sich selbst gekrümmt sein, wie zum Beispiel eine Kugeloberfläche. Eine darauf herumkriechende Ameise wird deshalb immer und immer wieder an denselben Ort zurückkehren, und Dreiecke auf dieser Fläche haben stets mehr als 180° Winkelsumme (so hat etwa das Dreieck, das einen gedachten Pol der Kugel mit zwei ein Viertel des Umfangs voneinander entfernten Punkten auf dem Äquator der Kugel verbindet, eine Winkelsumme von 270°). Diese Geometrie nennt man „geschlossen“. Ein Universum kann auch eine „offene“ Geometrie haben, so dass die Winkelsumme stets kleiner als 180° ist (meist wird das mit einem „Sattel“ illustriert, was leider nicht ganz so anschaulich ist wie die Kugel). Schliesslich gibt es noch die Geometrie dazwischen: eine ebene, unendlich grosse Fläche. Und in diesem Zustand ist die Fläche (oder der Raum, wenn man jetzt wieder eine Dimension hochklettert) „flach“ (oder „euklidisch“, weil in diesem Raum die euklidische Geometrie, wo die Winkelsumme im Dreieck immer 180° beträgt, gilt).

Mit verschiedenen Beobachtungen ist es Astronomen und Kosmologen gelungen, die heutige Geometrie des Universums zu bestimmen. Das überraschende Ergebnis: Das Universum ist flach: es ist also ein vermutlich unendlich ausgedehnter Raum. Nach allem was wir wissen und beobachten, würden wir eben nicht – wie oft behauptet – irgendwann zur Erde zurückkehren, wenn wir nur genug lange in eine Richtung davonfliegen. Es würde stattdessen einfach immer und immer weiter gehen. Diese Unendlichkeit hat Konsequenzen, doch das ist nicht das Problem der Kosmologen: ihr Problem ist, dass die Geometrie des Raumes – gemäss der Einsteinschen Relativitätstheorie – von der Menge der darin enthaltenen Energie abhängig ist. Masse krümmt den Raum: auf lokaler Ebene manifestiert sich das als Gravitation (Schwerkraft). Doch auch auf der Ebene des Universums bestimmt die Materie die allgemeine Geometrie: Ist die Materiedichte höher als eine bestimmte, „kritische“ Dichte, kollabiert das Universum unter seiner eigenen Gravitation irgendwann wieder: es ist „geschlossen“. Ist die Materiedichte jedoch tiefer als die kritische Dichte, expandiert es auf alle Zeiten hinaus. Ein „flaches“ Universum, das gerade die kritische Dichte hat, sollte hingegen immer langsamer expandieren und irgendwann (nach unendlich langer Zeit, um genau zu sein) zum Stillstand kommen. Die flache Geometrie des Universums sagt uns also präzise, wieviel Materie darin stecken muss: gerade etwa die kritische Dichte.

Zählt man nun aber alle sichtbaren Sterne und leuchtende Gaswolken in Galaxien (die sogenannte „leuchtende Materie“) zusammen, und rundet man das ganze noch grosszügig mit unsichtbaren Gaswolken, Sternleichen, Planeten und exotischen Teilchen wie Neutrinos auf, kommt man nirgends hin – nur etwa 4% der kritischen Dichte kommen so zusammen. Der Rest ist, wie man heute so schön sagt, „dunkel“: Dunkle Materie (dazu kommen wir noch) bringt uns auf etwa einen Viertel der nötigen Dichte, und „Dunkle Energie“ (von der niemand weiss, was sie ist oder sein soll) soll dann halt noch irgendwie den Rest ausmachen. Doch nun gibt es noch ein zweites Problem, von dem wir – dank der Beobachtung extrem weit entfernter Supernovaexplosionen – erst seit 1998 wissen: Das Universum expandiert – beschleunigt. Es dehnt sich also immer schneller aus. Die meisten Kosmologen vermuten, dass die Dunkle Energie „irgendwie“ dahintersteckt (etwa mit der Argumentation: wenn sie so häufig ist, sollte sie auch einen Einfluss auf das Verhalten des Universums haben). Wir erinnern uns, dass beschleunigte Expansion bedeutet, dass das Universum eine offene Geometrie haben muss. Aber hatten wir nicht gerade eben noch gesagt, das Universum hätte heute eine flache Geometrie!?

Kosmologen erklären das so, dass das, was auch immer die Expansion des Universums bewirkt, sich gerade etwa heute (plusminus ein paar Milliarden Jahren) die Balance mit dem Energieinhalt hält. In der Zukunft wird die Geometrie klar „offen“ sein, und in der Vergangenheit war sie einst „geschlossen“ (das ist mittlerweile sogar durch Beobachtungen bestätigt worden: das Universum hat nach dem Urknall erst etwas „abgebremst“ und danach erst wieder zu beschleunigen begonnen). Für viele Kosmologen ist das eines der grössten Rätsel: warum ist das Universum ausgerechnet heute, da wir da sind, um es zu beobachten, flach? Es ist nur einen winzigen Bruchteil seiner Geschichte flach (zuerst ein paar Jahrmilliarden geschlossen, dann kurz flach, dann in alle Ewigkeit offen) – und gerade da tauchen wir auf? Das ist vielen ein bisschen zu viel Zufall. Und genau da kommt die moderne Form der „Modified Gravity“ (MOG) ins Spiel. Es wäre, sagt der (ursprünglich dänische) Physiker John Moffat, der sie gemeinsam mit dem Russen Viktor Toth entwickelt hat, doch viel einfacher, wenn die Geometrie des Universums schon immer flach gewesen wäre – dann gäbe es nichts zu erklären. Aber um die Beobachtung des flachen Raumes mit der leuchtenden Materie unter einen Hut zu bringen, kann man, statt die Materie zu erhöhen, auch die Gravitation etwas stärker machen, als sie ist – unter bestimmten Bedingungen.

Die Gravitation stärker machen, als sie im Sonnensystem ist – damit hatte Moffat vor Jahrzehnten die Entwicklung von MOG begonnen. Damals ging es noch nicht um die Kosmologie, sondern um die Dunkle Materie. Die Sterne in der Milchstrasse (und anderen Galaxien) gehorchen offenbar nicht den Keplergesetzen. Gemäss diesen müsste die Geschwindigkeit, mit der sie das galaktische Zentrum umlaufen, mit dem Quadrat zum Abstand abfallen. Tatsächlich erreicht aber die Umlaufsgeschwindigkeit ein bestimmtes Niveau – und verharrt dort, viel weiter hinaus als die beobachtete, leuchtende Materie zulässt. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: entweder, da draussen gibt es viel mehr Materie, als wir sehen (die vielberühmte „Dunkle Materie“, die nicht strahlt und auch sonst nur über die Gravitation mit dem Rest des Universums interagiert), oder aber, die Gesetze der Gravitation ändern sich mit der Distanz zum galaktischen Zentrum. Während die Mehrheit der Physiker die erste Möglichkeit verfolgt, hat John Moffat stets mit viel Herzblut versucht, die Gravitation entsprechend zu modifizieren.

Dies hat durchaus auch einen biografischen Hintergrund. Moffat – der heute Professor Emeritus an der Universität Toronto ist – begann sein Leben als (eher mässig erfolgreicher) Künstler. Er interessierte sich aber auch für Physik, und er korrespondierte brieflich mit Einstein (ein autobiografisches Buch von ihm heisst dann auch: „Und Einstein schrieb zurück“). Schliesslich erarbeitete er sich – ohne Universitätsabschluss – in London einen Doktor in der Physik. Er war tief davon beeindruckt, wie Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie durch die Modifikation der Newtonschen Physik unter speziellen Bedingungen (starke Gravitationsfelder) zwangslos die lange mysteriöse „Periheldrehung des Merkur“ erklären konnte, die die Physiker seit Jahrzehnten narrte. Der Punkt, an dem der innerste Planet Merkur der Sonne am nächsten steht (der „Perihel“) bewegt sich erstaunlich schnell vorwärts (so dass Merkur im Verlauf der Jahrhunderte mit seiner Bahn eine Art „Rosette“ um die Sonne zeichnet), schneller auf jeden Fall, als Newtons Gravitationsgesetz erlaubt. Im späten 19. Jahrhundert wollten die damaligen Physiker dies durch die Präsenz eines weiteren Planeten, den sie „Vulkan“ nannten und der noch näher als Merkur um die Sonne kreisen sollte, erklären (eine kurze Zeit lang galt der Planet sogar als durch eine Beobachtung bestätigt, doch das musste später zurückgenommen werden). Andere brachten einen Ring aus massiven, dunklen Teilchen ins Spiel. Doch am Ende zeigte sich, dass sie alle falsch lagen: die Modifikation der Newtonschen Gravitationstheorie brachte die Lösung. Davon beeindruckt, machte sich Moffat daran, auch die „Dunkle Materie“ durch Erweiterung der Einsteinschen Relativitätstheorie – diesmal für sehr kleine Beschleunigungen – zu verändern. So wie die allgemeine Relativitätstheorie eine Erweiterung der Newtonschen Gravitation ist, ist MOG eine Erweiterung der allgemeinen Relativitätstheorie – auf kurzen Skalen geht MOG in die Relativitätstheorie über, die in schwachen Gravitationsfeldern in die Newtonsche Gravitation übergeht.

Moffats MOG kam bald schon in vielen Formen und Varianten, und etliche davon waren geeignet, um die beobachteten „Rotationskurven“ (also die typischen Geschwindigkeiten, mit denen sich Sterne in Galaxien in Abhängigkeit von ihrer Entfernung zum galaktischen Zentrum bewegen) unzähliger Galaxien zu erklären. Vereinfacht gesagt geht MOG von einer variablen Gravitationskonstante G aus. Gravitation ist zunächst anziehend, fällt zunächst mit dem Quadrat zum Abstand ab, wird dann bei sehr grossen Entfernungen negativ (abstossend) und fällt danach auf Null zurück. Sowohl die Gravitationskonstante G, als auch die Lichtgeschwindigkeit c sind (leicht) variabel, aber G/c ist über die Geschichte des Universums konstant geblieben.

Schliesslich begann Moffat damit, MOG auch auf kosmologische Fragen anzuwenden. Immer mehr Varianten, immer mehr freie Parameter fielen raus, gleichzeitig wurden damit die darunter liegenden Formeln auch schlanker (Moffat überprüfte übrigens auch, ob MOG eventuell die Pioneer-Anomalie erklären könnte: sie konnte nicht. Die von MOG vorhergesagten Beschleunigungen sind zu klein, um den angeblich beobachteten Effekt zu erklären – Moffat sagte deshalb voraus, dass sich die Pioneer-Anomalie schliesslich als Artefakt herausstellen würde – womit er ja auch vor kurzem bestätigt wurde). Heute ist MOG eine relativistische Theorie, die praktisch ohne freie Parameter auskommt, die zudem nicht nur die Rotationskurven von Galaxien, sondern auch die Bewegung von Galaxienclustern (inklusive dem „Bullet Cluster“, an dem alle anderen „modifizierten Gravitationstheorien“ wie etwa „MOND“ – die mit MOG nichts zu tun hat – scheitern) korrekt vorhersagt. Sie sagt das „Powerspektrum“ (Energieverteilung über die verschiedenen Wellenlängen) der Mikrowellen-Hintergrundstrahlung des Universums in den heute überprüfbaren Bereichen korrekt voraus, und sie macht konkrete, überprüfbare Vorhersagen für die Bereiche, die man noch nicht beobachtet hat. Sie erklärt zwangslos die beschleunigte Expansion des Universums, ohne eine „kosmologische Konstante“ einzuführen. Das Universum hat in MOG zu jeder Zeit eine flache Geometrie. Eine variable Lichtgeschwindigkeit in den frühesten Sekundenbruchteilen des Universums lässt eine ganze Reihe von Problemen verschwinden, inklusive der unschönen „Inflationsphase“, die man heute für diese Zeit postulieren muss, um die Homogenität des Hintergrundstrahlng zu erklären. Interessanterweise sagt MOG auch, dass Schwarze Löcher keine Singularitäten sein dürfen. Trägheit hat gemäss MOG ihren Ursprung in der Wirkung weit entfernter Massen im Universum (ganz wie für den Mach-Lorentz-Antrieb erforderlich – allerdings ist nicht klar, wie sich die MOG auf die allfällige Machbarkeit dieses postulierten „Antriebs“ auswirkt – ich hab ihn gefragt, mal sehen, was er antwortet…).

Moffat hat sogar ein relativ einfaches Experiment vorgeschlagen, mit dem sich in der Schwerelosigkeit (z.B. auf der ISS) mit relativ geringem Aufwand überprüfen lässt, ob bei kleinen Beschleunigungen tatsächlich MOG gilt (siehe dazu die unten verlinkte Powerpoint-Präsentation). Gerade in letzter Zeit mehren sich einerseits Meldungen, man hätte nun zum ersten Mal Dunkle Materie Partikel gemessen, anderseits zeigt sich je länger je mehr, dass gewisse Aspekte der Dunklen Energie und Materie im Widerspruch mit Beobachtungen zu stehen scheinen, und dass gewisse Experimente, die zur Suche nach Dunkler Materie ausgerichtet wurden, leer ausgingen. Es ist sicher nicht verkehrt, in solchen Zeiten auch einmal Alternativen anzusehen, gerade wenn sie so attraktiv und vielseitig wie MOG sind. Die Ablösung der allgemeinen Relativitätstheorie durch MOG (zumindest auf grossen Skalen) wäre eine spektakuläre, späte Bestätigung für Moffat und der krönende Abschluss einer äusserst ungewöhnlichen Karriere, die zeigt, dass in der Physik auch abweichende, kreative Ideen, die sorgfältig ausgearbeitet, mit Beobachtungen verglichen und dem wissenschaftlichen Validierungs-Prozess unterworfen werden, auch heute absolut eine Chance haben, unser Weltbild auf den Kopf zu stellen. Es wäre, gewissermassen, das Ende der „dunklen“ Phase der Kosmologie, und der Aufbruch in eine spannende neue, „helle“ Zukunft.

Ein paar von Moffats MOG-Arbeiten auf arxiv:

Cosmological observations in a modified theory of gravity (MOG)

Modified Gravity or Dark Matter?

Can Modified Gravity (MOG) explain the speeding Bullet (Cluster)?

Observationally Verifiable Predictions of Modified Gravity

Fundamental parameter-free solutions in Modified Gravity

Testing modified gravity with motion of satellites around galaxies

Natürlich hat er nicht nur auf arxiv publiziert, sondern auch in Fachzeitschriften, unter anderem:

in Classical and Quantum Gravity

im Astrophysical Journal

in Monthly Notices of the Royal Astronomical Society

(alle drei Papers sind oben in ihrer Arxiv-Version verlinkt)

Moffat’s Webseite, mit zahlreichen Links zu PDF-Präsentationen, in denen er MOG erklärt:

johnwmoffat.com

Hier eine Übersicht (PDF), in dem auch das Schwerelosigkeits-Experiment erkärt wird, mit dem sich MOG testen liesse

50 Kommentare

  1. Eine kleine Frage:
    Dunkle Materie müsste ja auch durch Energie entstehen.
    Wenn man jetzt beim LHC Energie in Masse umwandelt, sollte da nicht auch dunkle Materie entstehen?
    Auch wenn man sie nicht messen kann, weiss man ja ungefähr, wie viel davon entstehen müsste.
    Diese Energie würde aber der Masse von Materie und Antimaterie fehlen.
    Könnte man so nicht überprüfen, ob es dunkle Materie gibt?

  2. Da sind keine Zusatzannahmen, bitte richtig lesen. Dass etwas konstant sei ist die größte Annahme überhaupt, müssten so doch alle Einflussgrößen den Rahmen für die Konstanz vorgeben.

  3. Das ist echt eine prima Idee. Sie zeigt wieder einmal, daß alle anderen Wissenschaftler nur Idioten waren, peer reviewte natürlich. Und jetzt solls mit der Gravitation gleich im Zickzackkurs gehen, mal anziehend und dann abstoßend, so wie der Fit es eben vorgibt und Zusatzannahmen auch noch? Naja, Crackpots eben.
    Ich versinke in Ehrfurcht vor soviel Pseudowissenschaft.

  4. variable lichtgeschwindigkeit, variable masse…selbst wenn es so wäre – die MOG, MOND und co. werfen nur wiederum neue fragen auf, deren beantwortung wohl noch schwieriger würde.

    was ruft die veränderung von c, m etc. hervor und nach welcher gesetzmäßigkeit? (wer/was \“dreht\“ an der sache und wie und warum?). fragen über fragen…

  5. Schwarze Löcher haben damit überhaupt nichts zu tun. Im Gegensatz zu DM und DE sind sie durch den Einfluß den sie auf ihre Umgebung ausüben auch beobachtbar.
    Fraglich ist, was im Inneren eines SL vonstatten geht, was für dessen weitere Beschreibung aber sekundär ist.

  6. Dazu passt vielleicht mal was ganz gut: Es ist ja durch die Benennung einer \“Dunklen Materie\“, \“Dunkle Energie\“, \“Schwarze Löcher\“ – alles Begriffe für Vorgänge, wo die bisherigen Erklärungen unzureichend sind – erkennbar, dass wir Menschen hier im 21.Jhr immernoch Probleme mit der Masse haben.
    Sieht man sich das Standard-Modell an, ist erkennbar, dass die Massenzahlen scheinbar keinem System folgen. in kleinen Regionen geben wir der Masse auch die Einheit Eleketronenvolt, da fehl also nochwas. Und es ha sich da mal jemand rangewagt, der auch was richtig dafu berehnet hat sowei ich das verstanden hab. vielleicht können sich dafür ja einige begeistern und versuchen Licht ins Dunkel zu bringen, von der direkten Seite (Also Bestimmung der Landesfläche direkt 🙂 )

    http://www.engon.de/protosimplex/index.htm

  7. Natürlich muss auch MOG zusätzliche Annahmen machen, wie jede andere Theorie auch. Allerdings sind die Annahmen die die MOG machen muss deutlich weniger als die, die die ich nenn sie mal \“dunkle Fraktion\“ machen muss.
    Die dunkle Franktion muss nicht nur einen neue Naturkraft einführen, wie die MOG, ohne jedoch über deren Herkunft spekulieren zu können. Sie muss obendrein noch einen neue Materieform einführen, die wir per Definition nicht sehen können. Die wir bislang nicht erzeugen konnten, und die es in unserer Umgebung offbar nicht in größeren Mengen gibt, obwohl sie 80 % der Masse ausmachen soll.
    So gesehen sind die Annahmen in keinster weise äquivalent, und die MOG scheint doch deutlich vernünftiger und wahrscheinlicher.
    Ob eine der beiden Beschreibungen tatsächlich zutrifft, oder ob nicht vielleicht doch alles ganz anders ist, gilt es abzuwarten.

  8. Ja, das weiß ich wohl, und das MOG aus einem ähnlichen Gedankenkonstrukt wie VSL wie hervor gegangen ist und VSL gewissermaßen enthält, weiß ich nun auch. Auch habe ich bei einem Abstecher auf arxiv.org erkennen können, dass sich eine ganze Menge getan hat auf dem Gebiet der Theorien, die mit variablen Naturkonstanten hantieren. Einzig kann ich als Laie nur schwer nachvollziehen (eigentlich kann ich es gar nicht), was wirklich Sache ist und wo diese Theorien im Moment stehen. Kurzum: Ich brauche populärwissenschaftliche Quellen, die die Prinzipien anschaulich und wenig möglich ohne viel Mathematik erklären und die stets auf einem recht aktuellen Stand sind und dabei wertfrei sind.

    Zur MOG: Ist diese Theorie nicht auch sehr arg auf Grundlage der diskutierten Probleme und rund um diese Probleme herum konstruiert worden, gewissermaßen eine Theorie vom Reißbrett, die so entwickelt wurde, dass sie diskutierten Probleme auch löst? Sind die Mechanismen, die die MOG einführt, nicht ein Äquivalent zur dunklen Materie und zur dunklen Energie?

  9. VSL (Variable Speed of Light) ist eine Idee, die unter anderem auch von João Magueijo propagiert wurde, bei der die \“Probleme\“ des frühen Universums über eine variable Lichtgeschwindigkeit gelöst werden. MOG ist auch eine VSL, oder enthält sie, gewissermassen, denn in den frühesten Momenten des Universums variiert G, oder c eben sehr stark, so dass das Universum in kürzester Zeit überall die gleiche Temperatur annehmen kann, ohne dass man dafür die Inflation braucht (Lösung für das Horizontproblem).

    Um keine falschen Hoffnungen zu wecken: Ich bin auch kein Physiker oder Mathematiker. Während ich versuchen kann, den begleitenden Text zu verstehen, habe ich nicht wirklich die Geduld, mich durch diese Formelberge zu arbeiten und in der Regel auch nicht die Fähigkeit, sie autonom nachvollziehen zu können – ich muss dem Autor vertrauen können, und das ist immer ein Stückweit ein Problem.

  10. Ui, toll! Den Moffat mag ich, genau wie andere Köpfe wie etwa Joao Mageuijo, die sich nicht scheuen, die \“Spielregeln des Kosmos\“ zu hinterfragen. Zumindest als Laie habe ich den Eindruck, dass man auf diesem Wege eher zum Ziel gelangt, als denn für jedes Problem ein neues \“Plot Device\“ aus dem Hut zu zaubern, von dem keiner weiß, was es ist und was es macht, außer die Probleme in der gewünschten Weise zu lösen. Vielleicht sind Ideen wie die dunkle Materie der \“Äther\“ des 20./21.-Jahrhunderts und in einigen Jahren möglicherweise genauso überholt und nur noch eine vergnügliche Anekdote in den Geschichtsbüchern.

    Leider fällt es mir als Laie, die vorliegenden Publikationen zu verstehen. Dafür sind weder meine Physik-Kenntnisse, noch meine fachspezifischen Englischkenntnisse ausreichend. Daher hoffe ich, dass du dich noch ein wenig mit dem Thema auseinander setzen und und Laien wie mir die Theorie noch ein wenig näher bringen.

    Und wo wir schon dabei sind: Wenn du MOG kennst, kennst du vielleicht auch VSL und weißt etwas über den Stand dieser Theorie (tritt VSL vielleicht sogar in MOG auf?). Immerhin hatte Moffat auch bei VSL seine Finger im Spiel. Abermals ist es für mich als Laie schwierig, verständliche Informationen zum Zustand derartiger Theorien zu finden. Außer einem eher autobiografischen den wissenschaftlichen Buch von Joao Magueijo kenne ich fast nichts von VSL.

  11. aus voherigem Kommentar (Bynaus du darfst gerne die beiden zusammenfügen):

    \“An dieser Stelle\“ = In den 95%

    Massenenergie (m/E) finde ich wie Stundenkilometer (km/h): Wir gebrauchen die Verhältnisse wie Kilowattstunden (KWh) was semantisch falsch ist.

  12. \“Wenn G 20 mal so groß ist, und G/c gleich bleiben soll, dann MUSS auch c 20 mal so groß werden. \“

    In den untenstehenden Kommentaren steht doch schon einiges: Man geht davon aus, dass die gesamte Massenenergie (ein blödes Wort, hier unsrer Zwiespalt zwischen Masse und Energie erkennbar) nur 5% der kritischen Dichte ausmacht.

    Stellt euch folgendes Bild vor. Ihr habt flüssigen Beton, der ist unser Universum, 5% des gesamten Betons ist schon härter oder ausgehärtet, der Rest ist noch flüssig. In den 5% , außerhalb dessen (oder inklusive den 5%?) ist über den ganzen Beton (Universum) die G 20mal höher, wegen dem Verhältnis G/c (= Massenviskosität – hab ich mir da mal einfallen lassen). An der Stelle gehe ich davon aus, das hier das Verhältnis (Massenviskosität) gegenüber den 5% nicht gleich ist sondern ebenfalls höher, weil der Raum/Beton/das Universum hier flüssiger ist, und zwar deshalb weil hier in den 95% so gut wie keine Massenenergie steckt. c bliebe davon nur marginal verändert oder gleich. Gehe ich richtig davon aus?

  13. Vielen Dank für den interessanten Artikel.
    Eine sehr elegante Therorie, die ohne zusätzliche \“Dinge\“ wie dunkle Materie auskommt. Gemäß Occam\’s Razor sicher eine der zu favorisierenden Theorien.

  14. Da kann ich der Synapsenbremse 🙂 nur beipflichten. Ich verstehs auch nicht.
    Wenn G 20 mal so groß ist, und G/c gleich bleiben soll, dann MUSS auch c 20 mal so groß werden.

    Das würde aber auch bedeuten, dass wenn c im intergalaktischen Raum 20 mal größer ist, das sichtbare Universum 20 mal kleiner ist als angenommen. Das wäre nicht unbedingt problematisch. Es wäre aber auch 20 mal jünger, also nur einige 100 Mio. Jahre. Und das ist problematisch, weil nachweislich falsch.

    Irgendwas krieg ich da nicht auf die Reihe.

  15. @Synapsenbremse: Die Verwirrung kommt daher, dass hier zwei verschiedene \“Veränderungen\“ von G diskutiert werden, die direkt nichts miteinander zu tun haben. Zunächst einmal die Sache mit G/c, da ist \“G Null\“ gemeint, also G auf grossen Skalen. Das verändert sich – alles gemäss MOG, also mit Vorsicht zu geniessen – zurzeit nicht, also bleibt auch c gleich. Es ist bloss so, dass \“G Null\“ auf kurzen Skalen kleiner zu sein scheint, weil es teilweise von einer entgegengesetzten Kraft kompensiert wird. Dies führt dazu, dass unser \“G Newton\“ eben etwa 20 Mal kleiner ist als \“G Null\“, aber das gewissermassen ein lokales Phänomen. Mit der Veränderung G/c über kosmologische Zeiträume hat das nichts zu tun.

  16. \“Nein, die Lichtgeschwindigkeit ist weiterhin 300000 km/s. Es ist nur das Verhältnis G/c, das bei sich veränderndem G gleichbleiben muss.\“

    Ich begreifs nicht, wenn das Verhältnis bleiben soll, muss c sich doch proportional zu G verändern?

  17. @Träger: Trägheit ist nicht nur die gleichmässige Bewegung einmal beschleunigter Massen: es ist eine Kraft, die von Massen ausgeht und die keine eigentliche, direkt erkennbare \“Ursache\“ zu haben scheint. Wenn du einen Stein mit einer bestimmten Kraft wirfst, dann drückt der Stein mit derselben Kraft auf dich zurück – aber warum ist das so? Ooder: stell dir vor, du schwebst schwerelos im interstellaren Raum. Du siehst nichts als die Sterne in weiter Entfernung. Nun beginnst du zu rotieren, um deine Längsachse. Du drehst dich immer schneller und schneller. Deine Arme werden nach aussen gezogen, bis du schliesslich mit ausgebreiteten Armen rotierst – aber warum eigentlich? Welche Kraft wirkt da auf die Arme ein? Was genau ist es, das sie nach aussen zieht, und woher kommt diese Kraft? Du könntest versuchen, diese plötzlich auftretende Kraft zu verstehen, in dem du dir überlegst, was gegenüber der vorherigen, ruhenden Situation anders ist: ja richtig – du bewegst dich gegenüber dem Sternhintergrund. Es könnte also sein, dass diese Kraft, die an deinen Armen zieht, ihre Ursache irgenwie in diesem Sternhintergrund hat.

  18. @ Träger
    Für was brauch ich weit enfernte Masse um das [Trägheit] erklären zu wollen?

    Ohne Masse keine Trägheit. Mal ganz abstrakt: Woher weisst du das du Mensch bist? – Weil die anderen Menschen es dir sagen. Ich stell mir das so vor, dass das Universum eine Art Netz ist, dass durch Massen gespannt wird. Also wohin soll die Kugel (deine Masse) fliegen wenn es keine Gravitation und keine Massen gibt – dann gäbe es ja deine Masse, die du im Vakuum in Bewegung setzt auch nicht. 🙂

  19. Wieso muss man Trägheit speziell erklären? Es ist nicht das erste mal dass ich darüber lese.
    Reicht dazu nicht die Energieerhaltung resp das Impulsgesetz aus?

    Wenn ich eine Masse anstosse (im Vakuum) dann wird sich diese in Bewegung setzen und immer weiter fliegen, sofern keine andere Kraft mehr auf sie wirkt. Im Gegenzug Masse auf die keine Kraft einwirkt steht still, resp verändert die richtung nicht in die sie fliegt.

    Für was brauche ich weit entfernte Masse um das erklären zu wollen?

  20. Nein, die Lichtgeschwindigkeit ist weiterhin 300000 km/s. Es ist nur das Verhältnis G/c, das bei sich veränderndem G gleichbleiben muss.

    Die Bemerkung mit G/c in meinem letzten Beitrag sollte nur zeigen, dass dies eben genau so ein Fall ist, wo man nicht einfach eine Naturkonstante verändern kann, weil man sonst die Energieerhaltung verletzt. Man muss auch eine zweite, nämlich c, entsprechend ändern.

  21. Also beträgt die Lichtgeschwindigkeit auf großen Skalen
    300000*20=6000000 km/s?

    Wie berechnet sich die Lichtgeschwindigkeit bei Anwesenheit naher und ferner Massen?

    Mir ist das alles nicht ganz zugänglich.

  22. @Denis: Schau, dass du nicht zuweit vom Thema abkommst… Nun, ein unendliche 3-D-Raum ist eben nicht das Analog zu einer Kugeloberfläche, sondern das Analog zu einer unendlich grossen Fläche. In einem \“flachen\“ oder \“euklidischen\“ Raum schneiden sich zwei parallele Geraden nie. Auf einer Kugeloberfläche – oder einem Raum, der in sich selbst zurückgekrümmt ist, tun sie das aber.

    Wie schon jemand erwähnt hat, ist es nicht 100% sicher, ob unser Universum wirklich exakt flach ist, oder ob die \“Hyperkugel\“ einfach nur sehr viel grösser als das sichtbare Universum ist. Allerdings wäre es natürlich auch sehr seltsam, wenn das Universum wirklich nur um eine winzige Haaresbreite über oder unter der kritischen Dichte liegen würde. Es liegt so nahe daran, dass praktisch alle Kosmologen davon ausgehen, dass es tatsächlich die kritische Dichte hat.

    @Alle: Mir ist noch aufgefallen, warum die Gravitationskonstante auf grossen Strecken, G(null), tatsächlich etwa 20*G(Newton) betragen muss: Wenn die leuchtende Materie, die etwa 5% der kritischen Dichte hat, die gesamte Massenenergie des Universums ausmachen soll, dann muss sie auf grossen Skalen natürlich auch eine 20 Mal stärkere Gravitation entwickeln… (man beachte den Artikel \“Die Urknallmaschine\“, die erste Formel: dort sieht man klar, dass der Energieinhalt des Universums linear vom Wert von G abhängt – ist G 20 Mal grösser, ist auch der zugehörige Energieinhalt entsprechend 20 Mal grösser, bzw., es braucht für denselben Energieinhalt 20 Mal weniger Masse. Man sieht auch, dass man, wenn man R durch c/H ersetzt, eine Funktion erhält, in der G/c konstant bleiben muss, damit die Energie im Universum erhalten bleibt. Faszinierend. 🙂

  23. Wo gibt es Räume, in denen der Raum unterschiedliche Viskosität hat?
    Meinst du etwa optische Effekte der Allgemeinen Relativität?

  24. Wenn ich mir die Physik und Wikipdia manchmal so ansehe und das Bild von so einem String sehe, denke ich oft, dass es das als Teilchen gar nicht gibt, und zwar aus dem Grund, dass wenn ich mir vorstelle, dass Energie überall da ist wo Masse ist (E=mc^2), also auch überall kleine Enegiefelder existieren, zwischen jedem Masseteilchen – und dieser String dann einfach die Grenze zwischen den Feldern (elektrisch, magnetisch) also Energien gleicher Art der unterschiedlichen Teilchen sind. Die Form des Strings könnte sich dann nach meiner Vorstellung einfach aus der Form der Feldwirkungen definieren.. Insofern würde man den String nur finden, wenn man alles andere herum kennt.. oder die Welt sozusagen invertiert?! (Ein Land kann durch sene Fläche bstimmt werden oder durch die Flächen aller umgebenden Länder).

  25. Nur mal laut gedacht: Ein unendlicher 3dimensionaler Raum ist prinzipiell dasselbe wie eine gekrümmte geschlossene Fläche (das Beispiel mit der Ameise) nur eben eine Dimension höher?? Vermutlich kam deshalb Einstein auf die Idee die Zeit könnte die vierte Dimension sein (unendlicher – eigentlich ein Zeitwort – Raum).

    Im Artkel: \“Ist die Materiedichte höher als eine bestimmte, \“kritische\“ Dichte, kollabiert das Universum unter seiner eigenen Gravitation irgendwann wieder: es ist \“geschlossen\“\“ – siehe Entstehung von Planeten, auch ein Planet kann ein Universum sein, mal lyrisch gesehen ;).

    G/c ist die \“Massenviskosität\“, also Flüssigkeit, Zähigkeit des Raumes. Und da es durchaus Räume gibt, die unterschiedliche Viskositäten aufweisen, sollte das kein Problem sein, dass sich G und c ändern können, ja sogar müssen. Hier gibts natürlich diejenigen, die die Masse in G gerne mal ändern… Da G und c beide das Verhältnis von Raum und Zeit beinhalten, können sich nur beide Größen gleichzeitig ändern, außer G wird durch eine Massenveränderung kompensiert.

  26. \“Die besagten Strings haben mit der String der Stringtheorie, soweit ich das Beurteilen kann und Wikipedia stimmt mir da zu, nur den Namen gemein. ;-)\“

    Nicht mehr. Siehe etwa den englischen Eintrag zu den kosmischen Strings. Ich behalte das mal im Hinterkopf, aber irgendwie fehlt mir ein bisschen der \“Aufhänger\“, oder die Frage, warum es relevant sein könnte. Sicher, es wäre spannend, einen kosmischen String zu entdecken (scheint eine schwierige Sache zu sein), aber was machen wir dann damit? Strings könnten offenbar über ihren Einfluss auf Gravitationswellen entdeckt werden – und über Gravitationswellen wollte ich schon lange mal schreiben. 🙂

  27. \“MOND ist MOG unterlegen.\“

    Das heißt ja nicht, dass sie nicht darstellenswert ist!

    \“Die Stringtheorie[…]\“
    Die besagten Strings haben mit der String der Stringtheorie, soweit ich das Beurteilen kann und Wikipedia stimmt mir da zu, nur den Namen gemein. 😉

  28. MOND ist MOG unterlegen. MOND posutliert ein G(a), also eine Gravitationskonstante, die von der Beschleunigung abhängt. Beobachtungen wie den Bullet Cluster kann MOND nicht erklären, MOG hingegen schon. Zudem ist MOG eine voll testbare Hypothese, während MOND eher eine Art empirische Faustregel ist, die beschreibt, aber nichts erklärt.

    Strings und Ekpyrotisches Universum, da müsste ich mich erst einlesen. Die Stringtheorie in all ihren Varianten und Spielarten ist mir aber ehrlich gesagt nicht so ungemein sympathisch, eben weil sie keine testbaren Vorhersagen (anders als etwa MOG mit diesem Schwerelosigkeitsexperiment) macht.

    \“Interessant, und die Abstoßende Kraft wirkt dem genau entgegen?\“

    Wie meinst du, \“engegen\“? Die abstossende Kraft kommt ja von der Materie selbst, sie wirkt also immer exakt entgegen der Gravitation. Vom Ausmass her kompensieren sie sich allerdings nicht ganz (sonst hätten wir ja gar keine Gravitation), und natürlich – da sie nicht die gleiche Reichweite haben – kompensieren sie sich auch nicht überall gleich stark. Diese abstossende Kraft ist es übrigens auch, die in der MOG echte Schwarze Löcher verhindert. Womit allerdings eine der meiner Meinung nach attraktivsten kosmologischen Ideen, das fruchtbare Universum, flach fällt. 🙂

  29. Ich bitte um verzeihung, ich wollte einen Link nach Wikipedia einbringen, der http :// enthielt, das ging natürlich schief. Hier die entsprechenden Links, falls es denn hilft, die Leerzeichen jeweils weglassen.

    htt p://de.wikipedia.org/wiki/Modifizierte_Newtonsche_Dynamik

    htt p://de.wikipedia.org/wiki/Kosmischer_String

    htt p://de.wikipedia.org/wiki/Ekpyrotisches_Universum

  30. @Bynaus hat am 24.06.2011 22:37:17 geschrieben:
    \“Schwebt dir ein bestimmtes Thema vor?\“

    Um ehrlich zu sein, schon. Die sogenannte \“Modifizierte newtonsche Dynamik\“ erscheint mir aus meinem eingeschränkten Blickwinkel sehr interessant. Den fachlichen Wert dieser Idee kann ich indes nicht beurteilen.

    In diesem Zusammenhang finde ich desweiteren die Idee des kosmischen Strings interessant:

    Sowie das \“Ekpyrotische Universum\“.

    Wobei natürlich nicht alle diese Dinge unbedingt so leichter Stoff sind.

    \“Ich glaube mich zu erinnern, dass die Gravitationskonstante in MOG \“im Unendlichen\“ (dh, ohne Einfluss der abstossenden Komponente) etwa den 20-fachen Wert der Newtonschen Gravitationskonstante hat, aber man behafte mich nicht darauf, sondern schaue selber nach. :)\“

    Interessant, und die Abstoßende Kraft wirkt dem genau entgegen?

  31. @D.: Das hängt von der Massenverteilung ab. Wie unten erklärt, setzt sich Gravitation in MOG aus zwei Komponenten zusammen, einer anziehenden und einer abstossenden. Die Anziehende ist stärker als unsere Gravitation, die Abstossende schwächt sie wieder ab. Die Newtonsche Gravitationskonstante ist dann quasi das Produkt einer \“Überlagerung\“ aus beiden und hängt von der lokalen Massenverteilung ab. Ich glaube mich zu erinnern, dass die Gravitationskonstante in MOG \“im Unendlichen\“ (dh, ohne Einfluss der abstossenden Komponente) etwa den 20-fachen Wert der Newtonschen Gravitationskonstante hat, aber man behafte mich nicht darauf, sondern schaue selber nach. 🙂

    Was die Serie angeht, nun, ich versuche ohnehin, über ungewöhnliche Ideen und Perspektiven zu berichten, und da die Kosmologie zu meinen Interessen gehört, ergibt sich gewungenermassen eine lose Serie… Schwebt dir ein bestimmtes Thema vor?

  32. Nach welchen Kriterien kann man in Moffats\‘ Theorie erkennen, wo welche lokale Gravitationskonstante gilt?

    Noch eine Frage: Kannst du eine Serie über \“ungewöhnliche Strömungen der Kosmologie\“ machen?

  33. Mir ist schon klar, dass es nur ein Beispiel war. Aber auch für Beispiele braucht man eine Annahme um vielleicht am Ende die selbige Annahme zu widerlegen. Ich wollte lediglich ein Gegenbeispiel hinzufügen, ohne dein Beispiel widerlegen oder bestätigen zu wollen.

  34. In Moffats Buch. Eine frühere Version von MOG hatte noch diverse freie Parameter. Durch Anpassung dieser hat er eine Lösung hinbekommen, mit der sich die Pioneer-Anomalie hätte reproduzieren können (die Bewegung der Pioneer-Sonde wäre quasi benutzt worden, um einige der unbekannten freien Parameter festzulegen). Später stellte sich jedoch heraus, dass einige dieser freien Parameter nicht benötigt wurden. Diese angepasste MOG findet sich hier: arxiv.org/abs/0712.1796

    Und diese angepasste, \“vereinfachte\“ MOG kann eben alles andere, aber die Pioneer-Anomalie nicht mehr erklären.

  35. Kurze Frage von einem Gast: Wo steht denn dass MOG die Pioneer-Anomalie nicht erklaeren kann?

    In Moffats Arbeit dazu (arxiv.org/abs/gr-qc/0511026) stehts jedenfalls so nicht drin. Ich muss aber auch gestehen, dass ich momentan nur Zeit hatte um sie nur mal schnell zu ueberfliegen.

  36. @Alex: Ich habe versucht, Beobachtungen zu finden, die MOG widersprechen, aber das ist nicht einfach. Soviel ich weiss sagt MOG auch die Linsen korrekt voraus und kommt dabei ohne Dunkle Materie aus, im Gegensatz zum ART-Ansatz. Insbesondere kann MOG offenbar den Bullet-Cluster erklären, woran alle anderen Theorien modifizierter Gravitation (wie MOND) klar scheitern (MNRAS-Publikation, die oben verlinkt ist).

    Der Einwand mit der Anschaulichkeit ist verständlich, aber beachte, dass bereits die ART davon abweicht: Die Kräfte, die in einem Gravitationsfeld auftreten, fallen hier nur in erster Näherung mit dem Quadrat zum Abstand ab. Es gibt z.B. auch das \“Frame Dragging\“, die sich dann in Dingen wie der Periheldrehung des Merkurs manifestiert. Formal wird MOG manchmal auch \“Scalar-Tensor-Vector-Gravity\“ genannt, weil sie eben aus diesen drei Komponenten-Feldern besteht. Ein Skalar-Feld, das (wenn ich das richtig verstanden habe) einige Naturkonstanten enthält, ein Tensor-Feld wie in der ART, ein Vektor-Feld (von Moffat Phion-Feld genannt) kommt als neue Komponente (fünfte Naturkraft) hinzu – und dessen Teilchen sollten nachweisbar sein (allerdings hab ich da nicht viel Information dazu gefunden). Siehe auch hier:

    en.wikipedia.org/wiki/Scalar-tensor-vector_gravity

    Dort steht auch, dass man sich anschaulich vorstellen kann, dass MOG eine stärkere Gravitation postuliert, die auf kurzen Distanzen von dieser neuen, abstossenden Naturkraft teilweise kompensiert (bzw. abgeschwächt) wird. Das mag vielleicht unschön wirken, aber wenn es die Beobachtungen wirklich gut erklärt?

    @Bozano: Ich nehme hier gar nichts an. 🙂 Das war bloss als Beispiel gedacht, um zu demonstrieren, dass es möglicherweise nicht physikalisch sinnvoll ist, an einer einzigen Konstante rumzuschrauben. Man muss das ganze Bild betrachten und beurteilen.

  37. @Heraklit
    Dein Beispiel könnte auch auf der Erde durchgeführt werden, denn auch auf der Erde hängt die Gravitationsstärke von der Höhe, also dem Abstand von einem Zentrum ab. Wenn du dein Beispiel nochmal überdenkst, kommst du zu dem Schluss, dass die Masse des Gases eine Trägheit besitzt und du durch die Bewegung der Kartusche Bewegungsenergie auf das Gas überträgst und der rest ist kinetische Gastheorie.

    @Bynaus
    Deine Annahme der Energieerhaltung kann stimmen, es kann aber auch sein, dass eine Massenerhaltung stattfindet und die Energie größer wird. Ich stelle mir vor, dass die Energie nur für das System in dem sich der Energieträger befindet erhalten wird. Um es mit MOG zu vereinbaren, zumindest soweit ich es aus deinem Text verstanden habe, eine höhere Rotationsgeschwindigkeit ist auch dadurch möglich, weil weit weg von dem galaktischen Zentrum die Bewegungsenergie höher wird.

  38. Danke für den Artikel. Alternative Ideen wie MOG finde ich auch interessant, aber ich habe den Eindruck daß Du zu wenig auf die Probleme die MOG macht eingehst (oder ich verstehe zu wenig davon um das ohne Weiteres auflösen zu können).

    Zum einen ist eine Kraft, deren Wirkung mit dem Quadrat des Abstands abnimmt anschaulich; z.B. die gewölbte Decke mit der eisenkugel drauf oder dem einfachen Umstand daß Überträgerteilchen nach Entfernung einfach ausdünnen.

    Wie eine nach Abstand wechselnd starke Übertragung der Kraft funktionieren soll (denn Formeln sind letztlich nur Abbildungen von realen Geschehnissen), das bleibt schleierhaft.

    Ferner frage ich mich ob MOG auch die Gravitationslinsenbilder reproduzieren bzw.erklären kann, die bislang als Beleg für die Existenz von DM gelten.

    Gruß Alex

  39. Das ist eine gute und wichtige Frage, auf die ich allerdings keine Antwort habe. Ich vermute es schon, sonst hätte man wohl darauf hingewiesen – oder man wird, früher oder später, darauf hinweisen, wenn MOG etwas bekannter wird.

  40. Ich will nicht behaupten, dass ich es ganz durchdacht hätte.

    Ich will auch keine Behauptung aufstellen:\“MOG ist Quatsch, weil…\“
    Ich will nur die Frage in den Raum stellen, ob sie sich mit anderen Bereichen der Physik (z.B. der Thermodynamik)
    verträgt,ohne dass ich eine Antwort parat hätte.

  41. \“Die Gravitation ist grösser\“ ist etwas irreführend. Die Gravitation hängt ja von der Masse ab. Die gleiche Masse hat in verschiedenen Bereichen der Galaxis eine leicht andere Gravitationskraft zur Folge, ja. Das hast du vermutlich gemeint, aber ich will das nur nochmals klarstellen, damit wir beide vom gleichen reden.

    Mag sein, dass das mit deinem Beispiel funktioniert, ich durchschaue es nicht ganz. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob es wirklich einfach ist: in MOG bleibt nur G/c konstant – das heisst, wenn G sich ändert, ändert sich auch c. So könnte z.B., wenn E = mc^2 ist und E gleich bleibt, bei ansteigendem c entsprechend m (mit c ~ m^-0.5) schrumpfen, so dass am Ende kein Netto-Effekt rausschaut. Man müsste immer das ganze Bild betrachten, bevor man solche Dinge beurteilen kann.

  42. Ein starrer Behälter hat in einer Kartusche etwas komprimiertes Gas.

    Laut der MOG, wenn ich sie richtig verstanden habe,ist die Gravitation in manchen Bereichen größer als in anderen.

    In einem Bereich niedriger Gravitation wird das Gas
    entspannt, es verringert dabei seine Temperatur.
    Die Gravitation hat einen winzigen, aber existierenden Anteil
    an intermolekularen Kräften.
    Wenn der Behälter also in einen Bereich hoher Gravitation
    gebracht wird, ist dort der Betrag der Kompressionswärme etwas größer als die Bildungsenthalpie des dünneren Gases bei kleinerer Gravitation.
    Wird dieser Vorgang oft genug wiederholt, könnte Energie erzeugt werden.

    Natürlich ist hier die Arbeit die zur Bewegung des Behälters nötig ist unberücksichtigt, sie muss natürlich kleiner sein als der Energiegewinn pro \“Tour\“.

  43. @Der Beobachter: Ich habs auf die Liste gesetzt. 🙂

    @Heraklit: Warum sollte das möglich sein? Die Maschine \“erinnert\“ sich ja nicht an die Naturkonstanten ihrer Herkunft, sondern funktioniert stets innerhalb derjenigen, die lokal gelten. Ausserdem müsste man zuerst mal noch eine Veränderung von Naturkonstanten finden, die sich tatsächlich zur Energieerzeugung nutzen lässt.

  44. Was ich mich bei jeder postulierten Variabilität von Naturkonstanten frage:

    Ließen sie ein Perpetuum mobile zu, in dem eine Maschine sich von einem Teil des Universums zum anderen bewegt, wobei
    die räumlich unterschiedliche Stärke dieser Naturkonstanten
    ausgenutzt werden?
    Oder habe ich etwas nicht durchdacht?
    Inzwischen lese ich mich mal in das Schwerelosigkeitsexperiment ein,
    vielleicht geht mir da das ein oder andere Licht auf.

  45. \“Bei Roger Penrose sind mir bloss seine Ansichten zum Bewusstsein etwas suspekt (er scheint mir etwas zu sehr darum bemüht, den menschlichen Geist zu etwas ganz besonderem zu erklären). Was genau findest du an ihm (oder seinen – welche? – Ansichten) interessant?\“

    Seine \“Zyklen der Zeit\“
    Die Bewustseins Geschichten find ich auch nicht so prickelnd. Da sollte er bei seinem Leisten bleiben.

  46. \“Ich meine aber das die MOG auch in gekrümmten Räumen funktionieren würde, soweit ich das alles kapiere.\“

    Ich hoffe, ich habe mich hier nicht missverständlich ausgedrückt: selbstverständlich arbeitet auch MOG mit gekrümmten Räumen. Wie gesagt, auf kurzen Skalen geht sie nahtlos in die Relativitätstheorie über.

    Du hast natürlich recht, dass das Universum nur innerhalb der Messungenauigkeit flach ist. Das hilft aber nicht viel, weil es das grundsätzliche Problem, dass das Universum nur gerade heute, da wir es beobachten, flach zu sein scheint, nicht behebt.

    Mach-Lorentz-Antriebe haben natürlich direkt nichts mit MOG zu tun: es ist bloss so, dass MOG die Trägheit auf die gleiche Art und Weise erklärt, wie Jim Woodward, nämlich nach dem Mach\’schen Prinzip. John Moffat hat mir auf meine oben angesprochene Frage soeben (teilweise) geantwortet: er meinte, er könne Woodwards Paper nicht wirklich folgen, aber vielleicht verstehe er es einfach nicht. Was auch immer das heisst. 🙂 Ob es diese Massenfluktuationen in MOG auch gibt (geben sollte), hat er demnach wohl noch nicht überprüft – vielleicht macht er es mal.

    Bei Roger Penrose sind mir bloss seine Ansichten zum Bewusstsein etwas suspekt (er scheint mir etwas zu sehr darum bemüht, den menschlichen Geist zu etwas ganz besonderem zu erklären). Was genau findest du an ihm (oder seinen – welche? – Ansichten) interessant?

  47. Ich kenne die MOG, und mag sie sehr. Nett das sie hier mal aufgegriffen wird.
    Das ganze dunkle Zeug das sich in letzter Zeit in die Weltmodelle eingeschlichen hat war mir schon immer suspekt. Die Geschichte zeigt doch dass die angenommene Existenz eigenartiger Dinge, die die gängigen Theorien zum funktionieren bräuchten nur in den seltensten Fällen auch existieren. Zumeist muss man dann doch die Theorie erweitern. Ich nenne als Beispiel mal den Äther.
    Ich meine aber das die MOG auch in gekrümmten Räumen funktionieren würde, soweit ich das alles kapiere.
    Ich meine auch, dass wir nicht wirklich sagen können das Universum ist 100 % flach. Wir können nur sagen die Krümmung ist so gering das wir sie in unserem Sichtbereich nicht nachweisen können. So könnten wir uns dann doch noch in die Endlichkeit retten 🙂
    Das die MOG was mit dem Mach-Lorentz Prinzip zu tun hätte, darüber stolper ich allerdings zum ersten Mal. Interessant. Der entprechende Antrieb fordert jedoch eigenartige Veränderungen der Masse beschleunigter Körper. Gebe es die nach der MOG auch ? Fraglich, aber interessante Aussichten.

    Ich mag übrigens auch Roger Penrose, vieleicht magst du dich dem ja auch mal widmen. 🙂

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