Interview mit einem Zeitreisenden – Teil 2

Im März wurde hier der erste Teil eines fiktiven Interviews mit einem Zeitreisenden veröffentlicht. Nun folgt – nach zugegeben längerer Zeit als erwartet – die Fortsetzung: Ausserirdische, Determinismus und die Zukunft der Menschheit.

Hier geht es zum ersten Teil des Interviews.

Ein Baum - oder?
Ein Baum - oder?
Interviewer: [i]Schön, dass Sie Zeit finden, unser Gespräch fortzusetzen.[/i]

Zeitreisender: Zeit finden? Wieder einer dieser seltsamen Ausdrücke. Und um ihre Feststellung aufzugreifen, ja, es hat ein bisschen länger gedauert. Wir hatten zu tun.

I: [i]Wir?[/i]

Z: Die Gemeinschaft, in der ich lebe. Wir traten in Kontakt mit einer neuen Lebensform, dies ist immer mit einem grossen Zeitaufwand verbunden.

I: [i]Sie meinen, die Menschheit ihrer Zeit hat soeben einen neuen Kontakt mit einer ausserirdischen Lebensform geknüpft?[/i]

Z: Langsam bitte, ich kann mich oder meine Gemeinschaft noch immer nicht mit dem Begriff „Menschheit“ in Verbindung setzen, es könnte also sein, dass wir uns dahingehend missverstehen. Und ja, wir haben soeben Kontakt mit einer neuen Systemzivilisation geknüpft.

I: [i]Faszinierend. Können sie uns diese Lebensform beschreiben?[/i]

Z: Ich bin ein bisschen unsicher, was als Antwort auf diese Frage hören möchten.

I: [i]Nun, irgend eine Beschreibung. Wie sehen diese Ausserirdischen aus? Im sichtbaren Bereich des elektromagnetischen Spektrums, meine ich.[/i]

Z: Wenn sie mir nun sagen könnten, welcher Teil des elektromagnetischen Spektrums für ihre Spezies „sichtbar“ ist…

I: (sieht nach) [i]Nun, es ist der Bereich zwischen 380 und 780 Nanometer Wellenlänge. Ein Nanometer ist ein Milliardstel eines Meters…[/i]

Z: …dessen Länge wir schon in unserem letzten Gespräch herausgefunden habe. Nun gut, in diesem Bereich gesehen sind unsere neuen Gemeinschaftsmitglieder dunkelgrün. Sie sind etwa sechs Meter hoch und eineinhalb Meter breit, wenn man ihre Familien vernachlässigt.

I: [i]Sechs Meter hohe Riesen?[/i]

Z: Ich erinnere Sie daran, dass diese Wesen keine äusserliche Ähnlichkeiten mit Ihnen teilen. Wenn ich sie mit Lebewesen von Ihrem Planeten vergleichen müsste, dann am ehesten… mit einem Baum. Oder vielleicht, einer Stabheuschrecke. Oder einer Schlange, das passt auch. Natürlich nur, ohne ihre Familien zu berücksichtigen. Täte man das, müsste man schon eher von einem Pilz sprechen.

I: [i]Ich kann es mir immer noch nicht so richtig vorstellen, aber danke. Sie sagten, diese Spezies gehöre nun zu ihrer Gemeinschaft. Welche Bedingungen muss man denn erfüllen, um in ihrer Gemeinschaft aufgenommen zu werden?[/i]

Z: Keine. Man muss nur wollen.

I: [i]Wie? Heisst das, sie nehmen nur Individuen auf, keine ganzen Welten? Könnte ich Mitglied ihrer Gemeinschaft werden?[/i]

Z: Nein, wir nehmen keine Welten auf. Nur Individuen. Wenn Sie wollen, ja, natürlich auch Sie. Ist denn das so schwierig zu verstehen?

I: [i]Nun, in unserer Literatur… in Geschichten, die wir schreiben… da ist der Beitritt zu solchen Gemeinschaften von fortschrittlichen Zivilisationen nur dann möglich, wenn gewisse Dinge vorhanden sind. Etwa, wenn es keine Kriege auf dem Heimatplaneten mehr gibt. Wenn der Hunger beseitigt ist. Wenn alle Mitglieder der Spezies in Wohlstand leben, wenn…[/i]

Z: Moment. Merken Sie nicht, wie sehr sich ihre Vorstellungen diesbezüglich auf ihre Wünsche bezüglich ihrer eigenen Spezies stützen? Andere intelligente Lebensformen kennen vermutlich „Krieg“ nicht, ebensowenig wie „Hunger“, und möglicherweise können sie auch mit dem Begriff „Wohlstand“ nichts anfangen. Da alle Gemeinschaftsmitglieder in allen Galaxien sich stark voneinander unterscheiden, könnten wir uns nie auf solche Aufnahmekriterien, wie Sie sie vorschlagen, einigen. Deshalb gibt es keine Kriterien. Wer zu uns stossen will, der kann, wer nicht will, der muss nicht.

I: [i]Interessant. Kann die Menschheit, oder besser gesagt, ihre Individuen, auch beitreten? Gleich morgen, sagen wir?[/i]

Z: Natürlich. Sie sind also noch nicht Teil der Gemeinschaft, sagen Sie? In diesem Fall müssen sie einfach die nächsten Vertreter unserer Gemeinschaft finden.

I: [i]Diese befinden sich, nehme ich an, tausende von Lichtjahren entfernt…[/i]

Z: Nein, nein. In ihrem Sternsystem gibt es bereits Milliarden von Gemeinschaftsmitgliedern.

I: [i]Wie bitte? Ich dachte, die Erde sei unbewohnt in Ihrer Zeit.[/i]

Z: Das ist sie auch.

I: [i]Aber wo befinden sich denn all die Gemeinschaftsmitglieder?[/i]

Z: „Wo“? Nun, aus ihrer Sicht, im Netz. Im Netz, das, aus ihrer Sicht, ihr Sternsystem umgibt, genauso wie andere Netze Milliarden von anderen Sternen umgeben. Gehen sie zum nächsten Netzwerkknoten, und sie können Teil der Gemeinschaft werden.

Das Netzwerk
Das Netzwerk
I: [i]“Im Netz“? Sie existieren also „virtuell“? Wodurch wird dieses Netz gebildet? Aus unserer Sicht, meine ich.[/i]

Z: Ja, im Netz. Und ja, sie würden unsere Existenz – unnötigerweise – als virtuell bezeichnen. Es ist für uns viel realer als für Sie die sogenannte „Realität“. Ihre Realität ist bloss der Rahmen, das Fundament eines gigantischen Hauses, um mal mit einer ihrer Metaphern zu sprechen. Die mich übrigens sehr faszinieren, aber dazu ein anderes Mal mehr. Das Haus ist die Gemeinschaft – Zivilisationen aus dem Fundament, so wie sie, stossen ab und zu zu uns. Die meisten jedoch, wie ich schon das letzte Mal sagte, erreichen nie die Möglichkeit, zu uns zu stossen. Einige aus der Gemeinschaft haben es sich zur Aufgabe gemacht, neuen Zivilisationen dabei zu helfen, die Gemeinschaft zu erreichen. Aber dies ist innerhalb der Gemeinschaft nicht unumstritten. Wir denken… aber gut, ich will sie nicht mit politischen Dingen langweilen – sie wären ohnehin zu kompliziert, um sie in einer einigermassen sinnvollen Form auf Ihr Niveau herunterzubrechen. Und da war noch eine letzte Frage: Dieses Netz wird, wie ich schon sagte, aus Netzwerkknoten gebildet. Diese treiben im Raum, etwa in einer Umlaufbahn um einen Stern. Die Netzwerkknoten im ganzen Universum stehen miteinandern in Kontakt und tauschen regelmässig Daten, oder auch gleich ganze Individuen aus.

I: [i]Wie gross sind denn diese Netzwerkknoten?[/i]

Z: Etwa einen ihrer Meter.

I: [i]Und wieviele gibt es davon?[/i]

Z: Einige Milliarden im Orbit um jeden Stern.

I: [i]Faszinierend. Nun, ich werde versuchen, alles in Gang zu setzen, um einen solchen Netzwerkknoten zu erreichen. Können Sie mir sagen, wo wir den nächsten – zur Erde – finden können?[/i]

Z: Das dürfte nicht allzu schwierig sein, allerdings, wie gesagt, uns trennen 10 Millionen Jahre, und in dieser Zeit kann viel passieren, viel passiert sein. Suchen sie einfach in ihrem System, die meisten Netzwerkknoten sind etwa 550 mal weiter von Ihrer Sonne entfernt als Ihre Erde, manchmal kommen sie sogar noch näher.

I: [i]Und wie läuft die Aufnahme in die Gemeinschaft ab?[/i]

Z: Wir übertragen die Persönlichkeit der Individuen, die der Gemeinschaft beitreten wollen, natürlich einschliesslich ihrer Ich-Perspektive, auf den Netzwerkknoten. Von dort können sie dann die ganze Welt der Gemeinschaft erkunden, wenn sie wollen, was in der Regel einige Milliarden Jahre Zeit beansprucht.

I: [i]Was geschieht mit den zurück bleibenden Körpern?[/i]

Z: Sie meinen, mit den physischen Hüllen ihrer Individuen aus dem Fundament? Nun, meistens verwenden wir sie, um weitere Netzwerkknoten zu bauen. Die Ankunft einer neuen Zivilisation in der Gemeinschaft ist meist mit einem grossen Andrang an den Netzwerkknoten verbunden, da ist der Bau von einigen Millionen neuen Knoten gerechtfertigt. Ein solches Ereignis war es ja auch, das mich bedauerlicherweise davon abgehalten hat, unseren Termin einzuhalten. Ich war neugierig auf die Neuankömmlinge und habe meine Prioritäten entsprechend gesetzt.

I: [i]Noch einmal zu den 10 Millionen Jahren. Mir ist in der Zwischenzeit etwas in den Sinn gekommen, wie wir heraus finden könnten, ob Sie in unserer Vergangenheit oder in unserer Zukunft leben. Ich habe mit einigen Geologen gesprochen, und sie haben mit zwei Bilder mitgegeben, eines, das die Lage unserer Kontinente so zeigt, wie sie vor 10 Millionen Jahren aussahen, und eines, dass sie so zeigt, wie sie in 10 Millionen Jahren aussehen werden.[/i]

Z: Interessant. Nun, anhand dieser Bilder und nach einem Vergleich mit unseren Bildern von der Erde der Gegenwart würde ich sagen, dass Sie 10 Millionen Jahre in meiner Zukunft leben. Aber das hätte ich Ihnen schon vorher sagen können.

I: [i]Tatsächlich?[/i]

Z: Ja, natürlich – die Pulsarfrequenzen, die sie mir gegeben haben, machen nur dann Sinn. Diese Pulsare sind nur einige tausend Jahre alt, 10 Millionen Jahre vor Ihrer Zeit kann es sie noch nicht gegeben haben – aber es gibt ihre Vorläufersterne. Aus deren Bahnen und Massen haben wir die Position der Pulsare, 10 Millionen Jahre in die Zukunft extrapoliert, und sind so auf ihre Pulsarfrequenzen gekommen.

I: [i]Sie können das Verhalten von Sternen, inklusive der Bewegung und der Rotationsfrequenzen der Pulsare, die daraus entstehen, 10 Millionen Jahre in die Zukunft extrapolieren?[/i]

Z: Warum nicht? Ist das erstaunlich?

I: [i]Ich hätte gedacht, dass da chaotische, zufällige Prozesse überwiegen würden, die eine so genaue Vorhersage der Zukunft unmöglich machen.[/i]

Z: Ich verstehe den Begriff „Zufall“ nicht.

I: [i]Nun, hm… etwas, das geschieht, ohne dass es dafür eine vorhersehbare Ursache gibt.[/i]

Z: Ein seltsames Konzept. Interessant, aber seltsam. Und natürlich unzutreffend. Es gibt keine solchen Phänomene ohne vorhersehbare Ursache, wenn man erst einmal verstanden hat, wie die Physik im Fundament – in Ihrem Universum – funktioniert. Mit ausreichender Simulationskapazität kann man jeden Prozess in die Zukunft extrapolieren. Es ist letztlich eine Frage der Messgenauigkeit – diese ist gut genug, um die Vorgänge im Fundament für einige hundert Millionen Jahre vorher zu sagen. Das ist nicht viel, aber es reicht, um unsere Politik gegenüber dem Fundament festzulegen, schon lange, bevor sie gebraucht wird.

I: [i]Das Universum ist deterministisch? Wie deprimierend.[/i]

Z: Warum deprimierend?

I: [i]Nun, ich hatte gehofft, ich hätte einen Freien willen. Die Kontrolle über mein Leben, über meine Taten.[/i]

Z: Sie haben die Kontrolle über Ihr Leben, über Ihre Taten. Doch was sind „Sie“? Sie sind kein Wesen, das losgelöst vom Fundament existiert, wie ihre Aussage bezüglich des „Freien Willens“ impliziert – sie sind ein fester Teil des Fundaments. Aus meiner Sicht wäre es sogar höchst beunruhigend, wenn sich im Fundament nicht alles an genau festgelegte Gesetze halten würde. Wenn etwas fest sein muss an einem Haus, dann das Fundament. Ein Fundament, das sich nicht an exakt festgelegte Gesetze hält, taugt nichts. Vermutlich gäbe es die Gemeinschaft nicht, wenn das Fundament nicht nach deterministischen Gesetzen funktionieren würde.

I: [i]Ich verstehe. Aber lassen Sie uns von etwas anderem sprechen. Vielleicht über die Zukunft der Menschheit. Was würden Sie uns empfehlen, um eines Tages die Gemeinschaft zu erreichen?[/i]

Z: Das ist schwierig für mich. Ihr Konzept der „Menschheit“ ist mir noch immer nicht ganz klar. Meinen Sie damit die Gesamtheit aller Individuen, die sich Menschen nennen? Nun, wieviele von Ihnen gibt es heute?

I: [i]Etwa 6.6 Milliarden.[/i]

Z: Gut, ich würde sagen, es dürfte mit Ihren gegenwärtigen Möglichkeiten äusserst schwierig sein, all diese Individuen zum nächsten Netzwerkknoten zu bringen.

I: [i]Vielleicht nicht alle. Bloss jene, die wollen.[/i]

Z: Sie sollten zuerst die Kernfusion nutzen lernen: Die Fundament-Zivilisationen von sehr vielen Individuen in der Gemeinschaft sind erst darüber zu uns gestossen.

I: [i]Wir arbeiten daran. Wie können wir als Zivilisation über längere Zeit überleben?[/i]

Z: In dem sich so viele Ihrer Individuen wie möglich der Gemeinschaft anschliessen. Es kommt auch darauf an, was sie mit „längere Zeit“ meinen, Schätzungen zeigen, dass die Gemeinschaft in spätestens hundert Trilliarden Jahren zu existieren aufhören wird.

I: [i]Nein, ich meine, wie kann die Menschheit im Fundament über, sagen wir, einige Millionen Jahre friedlich und im Wohlstand überleben?[/i]

Z: Im Fundament? Entschuldigen Sie, wenn ich über Ihre Naivität etwas lache, aber keine Zivilisation im Fundament überlebt mehr als einige Zehntausend Ihrer Jahre. Die Ratschläge, die ich Ihnen hierzu geben kann, sind Ihnen schon bekannt: Es hängt hauptsächlich davon ab, auf welchem technologischen und soziologischen Niveau sie weitermachen wollen. Je höher das Niveau, desto aufwändiger die Vorkehrungen, die zu dessen Aufrechterhaltung getroffen werden müssen. Auf Ihrem gegenwärtigen Niveau gibt es erwiesenermassen keine Massnahmen, die ein Ãœberleben über einige 100 Jahre hinaus garantieren würden. Das beste wäre, Ihre Zivilisation in die Gemeinschaft zu übersiedeln. Sobald genügend Ihrer Individuen in die Gemeinschaft eingetreten sind, ergibt sich der Rest fast von selbst.

I: [i]Wie? Sie können uns keine Weisheit bieten, wie wir Kriege, Krankheiten, Ungerechtigkeiten besiegen können? Auch mit all Ihrer Erfahrung nicht?[/i]

Z: Im Gegenteil. Ich sage Ihnen, dass Zivilisationen auf Ihrem technologischen Niveau nicht länger als ein paar 100 Jahre überleben können. Interessanterweise befinden Sie sich gerade in einer Zeit, in der Sie innerhalb der nächsten Jahrzehnte den Schritt zu einem höheren technologischen Niveau schaffen können, das sich nach unserer Erfahrung als bemerkenswert stabil herausgestellt hat.

I: [i]Was fehlt uns, um dieses Niveau zu erreichen?[/i]

Z: Vor allem die Kernfusion, die Nutzung der Ressourcen ihres Sternsystems, die Ãœberwachung aller Individuen. Unsere Experten Ihrer Zivilisation…

I: [i]Ihre Experten? Ich dachte, zu unserer Zeit existieren wir noch nicht.[/i]

Z: Natürlich – aber sie vergessen, dass wir ihren Planeten weit in die Zukunft extrapolieren können. Unsere Experten, das wollte ich sagen, sind der Ansicht – ich zitiere – dass Gesetze zum Verbot von Nanotechnologie, die Zerschlagung der Regierungen und aller ähnlich mächtigen Organisationen, das Verbot und die Vernichtung aller Waffen, die Stabilisierung der Bevölkerung, die Sicherstellung des gleichen Wohlstands für alle weitere Faktoren wären, die sich stabilisierend auf ihre Zivilisation auswirken werden.

I: [i]Werden wir es schaffen? Werden wir all diese Dinge erreichen?[/i]

Z: Das werde ich Ihnen nicht sagen. Ich rede prinzipiell nicht mit Individuen über ihre individuelle Zukunft.

I: [i]Nach all diesen nüchternen Feststellungen über das Universum, ein emotionales Prinzip?[/i]

Z: Ja. Auch ich bin ein Individuum, ich habe meine Prinzipien. Damit können Sie leben oder es lassen. Nun, ich denke, wir haben für heute genug geredet. Setzen wir unser Gespräch zu einem späteren Zeitpunkt fort?

I: [i]Ja, gerne. Alles Gute.[/i]

Z: Was auch immer das heissen mag. Aber hm, Danke, nehme ich an.

3 Kommentare

  1. Zunächst einmal: Das Interview ist halbernst gemeint. Der von mir angesprochene Punkt ist aber durchaus ernst. Ich bezweifle, dass uns Ausserirdische sehr ähnlich sein werden. Eine zivilisationsfähige Spezies muss wohl die Fähigkeit haben, zu denken, sich über diese Gedanken auszutauschen und ihre Umwelt entsprechend ihren ausgetauschten Gedanken zu manipulieren. Aber wie das genau aussieht und vor sich geht, wissen wir nicht. Evolution ist zufällig, und es gibt keine Auslese hin zur zivilisationsfähigen Spezies, keine evolutionäre Konvergenz. Jeder Planet, jede Umgebung wird anders sein, andere Energien, Rohstoffe, Kreisläufe zur Verfügung stellen.

    Wir sind sicherlich, was eine bestimmte Qualität innerhalb aller Zivilisationen angeht (zum Beispiel: Die durchschnittliche Körpergrösse eines Individuums) mit grosser Wahrscheinlichkeit typisch. Aber wir sollten aus dem Gebot der Mittelmässigkeit weder erwarten, dass wir hinsichtlich aller denkbaren Eigenschaften typisch sind, noch, dass sich daraus ableiten liesse, dass alle zivilisationsbildenden Spezies universumsweit fast gleich aussähen…

  2. \“Ich erinnere Sie daran, dass diese Wesen keine äußerliche Ähnlichkeiten mit Ihnen teilen. Wenn ich sie mit Lebewesen von Ihrem Planeten vergleichen müsste, dann am ehesten… mit einem Baum. Oder vielleicht, einer Stabheuschrecke. Oder einer Schlange, das passt auch. Natürlich nur, ohne ihre Familien zu berücksichtigen. Täte man das, müsste man schon eher von einem Pilz sprechen.\“

    Mir stellt sich gerade die Frage, inwieweit dieses Interview ernst gemeint ist… Denn wie in vielen anderen Artikeln, so sollte doch auch hier das Prinzip angewendet werden, dass wir nichts besonderes sind. In dieser Folge müssten wir annehmen, dass eine Zivilisation – und besonders eine derart fortschrittliche Zivilisation – sich besonders gut bilden kann bei Lebewesen mit Händen oder ähnlichem (für die Durchführung komplexer Bewegungen und \“Handgriffe\“, die für Feinarbeiten nötig sind), die dazu nicht zu klein (zu gefährlich) oder zu groß (zu geringe Population) sein dürfen und die sich auch getrennt voneinander bewegen können (Arbeitsteilung). Ein Lebewesen wie hier beschrieben scheint mir nicht in der Lage zu sein, eine Zivilisation zu errichten, die technisch auf dem Niveau der Antike ist – dafür fehlt es ihnen besonders an der Möglichkeit, Dinge herzustellen, was ja zunächst von Hand geschehen muss. Außerdem scheinen sie recht groß und träge – nicht unbedingt die beste Voraussetzung, um eine Volkswirtschaft aufzubauen.

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