Eine Milliarde Sterne – die Gaia Mission

Für 2011 plant die europäische Weltraumagentur ESA den Start des Gaia-Satelliten: mit ihm soll das Tor in die goldene Zukunft der Astronomie weit aufgestossen werden: Gaia soll insgesamt eine Milliarde Sterne in nie gekannter Genauigkeit vermessen – und vieles mehr.

Das Gaia-Teleskop im Einsatz
Das Gaia-Teleskop im Einsatz
Die Hipparchos-Mission der ESA in den achtziger und neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts war ein voller Erfolg: Über 100000 sonnennahe Sterne wurden in bis dahin unerreichter Genauigkeit vermessen, eine Million Sterne mit geringerer Genauigkeit. Erst vor ein paar Monaten noch wurde eine verbesserte Version dieses Katalogs vorgestellt. Nun macht sich die ESA daran, den Nachfolger von Hipparchos zu bauen. Ursprünglich als „Globales Astrometrisches Interferometer für die Astrophysik“ (GAIA) bezeichnet, basiert das Teleskop nun nicht mehr auf der Interferometrie, so dass die Sonde nun einfach nur noch als „Gaia“ bezeichnet wird.

Gaia hat das Potential, die Astronomie für die kommenden Jahrzehnte zu verändern: nicht weniger als eine Milliarde Sterne sollen mit einer Genauigkeit von bis zu 25 Mikrobogensekunden (etwa ein 10-Millionstel Grad) vermessen werden, rund hundert Mal genauer als bei der Hipparchos Mission. Nicht nur die Position und Entfernung, sondern auch die Eigenbewegung, Helligkeit und Farbe (Spekralklasse) werden bestimmt. Danach werden wir über ein Bild der Milchstrasse in einer nie zuvor gekannten Genauigkeit verfügen (auf grosse Entfernungen werden nur noch die hellsten Sterne gemessen werden – leuchtschwächere Sterne werden nur in „Sonnenähe“ bestimmt).

Darüber hinaus kommen während der auf fünf Jahre angelegten Mission, quasi als „Nebenprodukte“, eine Million neuer Asteroiden in unserem Sonnensystem, 30’000 Extrasolare Planeten (Transits und Radialgeschwindigkeitsvariation), 50’000 Braune Zwerge und viele weitere Objekte hinzu. Wenn man bedenkt, dass heute etwas über 100000 Asteroiden, etwa 250 extrasolare Planeten und gut 500 Braune Zwerge bekannt sind, wird klar, wie sehr Gaia die Astronomie verändern wird. Gaia wäre darüber hinaus auch in der Lage, allfällige weitere Planeten in der Oortschen Wolke unseres eigenen Sonnensystems zu orten.

Schauen wir uns die Entwicklung der Sternkartografie an, dann sieht man einmal mehr, wie sich die technische Entwicklung beschleunigt: 1990 wurden 100000 Sterne vermessen, 2011 werden es 1 Milliarde (bei höherer Auflösung!) sein – das sind 4 Grössenordnungen in 20 Jahren. Extrapoliert man diese Zahlen in die Zukunft (die Milchstrasse enthält 100 bis 1000 Milliarden Sterne), dann wird klar, dass spätestens bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts die Galaxis vollständig kartiert sein wird. Mit wachsenden technologischen Fähigkeiten verlagert sich der „kosmische Hinterhof“ aus „unserem Sonnensystem“ hinaus in „unsere Galaxis“. Wer weiss, ob die Menschen jener Zeit unsere heutigen SETI-Bemühungen genauso belächeln werden wie wir die Menschen des späten 19. Jahrhunderts belächeln, die versuchten, die Marsianer auf sich aufmerksam zu machen…

Gaia wird uns die Möglichkeit geben, unseren Platz in diesem Universum einmal mehr in Kontex zu setzen – abzuschätzen, wo wir wirklich stehen, und wie speziell wir wirklich sind.

ESA Overview des Gaia-Projekts

Gaia in der Wikipedia

7 Kommentare

  1. Gestern hiesse es -in den Nachrichten- das man mit dem Gaiasatelliten auch längst verloschene Sterne nachbilden (?) könnte und es wäre eine Ein-Milliardenpixelkamera an Bord. Also ein Gigapixel.

  2. Es wäre doch eher erst 2103. Ich habe selber -teleskop falsch geschrieben. Es sind 20% der Galaxis die man mit heutigen Methoden nicht sehen kann, ich glaube laut Wikipedia. Damals wusste ich noch nicht dass spätestens Mitte/Ende 2009 ein extragalaktischer Planet (in der Andromedagalaxis) entdeckt wurde. Und da hiesse es bei Star Trek – 2266 bis 2269; wir haben 4% der Galaxis erforscht. 2364: wir kennen erst 19 % der Galaxis. Bei Archer hätten es 1% oder 0,9% sein müssen.

  3. Also hochextrapoliert: 2032 = 10 Billionen Sterne, also ein paar Galxien mit drin. Dann 2053 = 100 Billiarden. Kann mich noch erinnern, mal gelesen zu haben das unser sichtbarer Teil des Universums 70 Trilliarden Sterne enthält. Und auch das es genausoviele Sterne wie Galaxien gibt, also 220 000000000 mal 220000000000 macht
    48400 Trillionen. 2074= Eine Trilliarde. Klingt jetzt etwas größenwahnsinnig… . 2095 wären es dann 10 Quadrillionen. Also das gesamte Universum. Noch zu meinen Lebzeiten!
    Sagen Sie mal, wenn man mittels Gravitationslinsentelespok Küstenlinien auf Exoplaneten erkenn kann, dann müßten man doch in anderen Galaxien Planeten erkenne können, schätze jetzt mal das das ungefähr die gleiche Größenordnung von der Auflösung `her wäre. Bei
    Kontext fehlt ein t.

  4. Nun, da es schon zwei Mal erwähnt wurde, muss ich es ja fast kommentieren: Ja, das hat natürlich schon etwas – aber diese Sterne machen höchstens ein Viertel aller Sterne der Galaxis aus. Zudem, wer weiss, welche zusätzlichen Methoden wir bis dann noch haben werden: Vielleicht gibt es ja mal Axion-Teleskope (und vielleicht machen Axionen einen grossen Teil der dunklen Materie aus), die durch das galaktische Zentrum hindurch sehen können. Oder Neutrino-Teleskope, oder… Die Aussage, dass unsere Milchstrasse bis 2050 \“plus minus\“ kartiert sein wird, scheint mir unter diesem Aspekt plausibel.

  5. Sehr interessant. Aber die gesamte Galaxies lässt sich doch nicht so einfach kartografieren? was ist mit den Sternen, die hinter dem galaktischen Zentrum verborgen sind?

  6. Naja bis 2050 die ganze Galaxis zu kartieren, dürfte schwierig werden, aber vielleicht den von uns einsehbaren Teil der Galaxis, der nicht vom Zentrum verdeckt wird (ich kleiner klugscheißer 😉 )

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