Mein Wille geschehe

Das Konzept des Freien Willens ist bei genauem Hinsehen problematisch. Die Quantenphysik gibt uns etwas, was diesem Konzept allerdings ziemlich nahe kommt, aber nur, wenn es keine allwissenden Götter gibt.

Hat der Mensch einen freien Willen? Und wenn ja, was bedeutet das? Das ist eine wichtige Frage, denn die Freiheit des Menschen, etwas zu tun, oder auch nicht, ist für viele gewissermassen der Grundpfeiler des Schuldkonzeptes, auf dem unser Straf- und Rechtssystem aufbaut. Wer gegen das Gesetz verstösst, wird bestraft, wobei der Grund dafür wohl in einem Mix aus Züchtigung des Gesetzesbrechers, Abschreckung von Nachahmern und Genugtuung für die Gesetzestreuen zu suchen ist. Dieses Konzept zieht sich von der Steinzeit, über die Religionen (die ja sogar die „ewige Verdammnis“ ins Spiel bringen) bis in die heutige Gegenwart. Gerade die Religionen beharren auf dem Bild des freien Willens, denn ohne Freien Willen machen Gericht und Verurteilung der Ungläubigen zu ewiger Verdammnis angeblich nicht besonders viel Sinn. Wenn man also an diesem Pfeiler zu rütteln beginnt, macht man sich sicher nicht nur Freunde. Aber wir müssen die Realität nehmen, wie sie ist: Eine unbequeme Wahrheit passt sich (leider?) nicht einfach unseren Vorstellungen an, damit es uns besser geht.

Fallende Bleistifte und die Farbe des Autos

Nun stellt sich die Frage, was denn „frei“ in diesem Zusammenhang wirklich heisst. Frei von momentan wirkenden, äusseren Zwängen? Das ist wohl in den meisten Fällen so. Ich kann entscheiden, einen aufgehobenen Kugelschreiber oder Stein fallen zu lassen, oder auch nicht. Ich unterliege keinen starken äusseren Zwängen, niemand setzt mich unter Druck, ihn zu halten oder fallen zu lassen, und so kann ich eben frei entscheiden. Allerdings, in diesem speziellen Beispiel vom Stein oder Kugelschreiber, den man fallen lässt (übrigens ein sehr beliebtes Sujet in Diskussionen über den Freien Willen, wie ich festellen durfte…) ist die Entscheidung ohne Konsequenzen. Da weder das Fallen lassen noch das Halten nennenswerte, erwünschte bzw. unerwünschte Auswirkungen haben, ist der Entscheid letztlich nahezu zufällig – und ein zufälliger Entscheid (gemäss einem „Bauchgefühl“?) hat weniger mit dem Freien Willen als mit Zufall zu tun. Es gibt auch Experimente, die zeigen, dass der vermeintlich „freie“ Entscheid in solchen zwangfreien Situationen keiner ist: Die Gehirnareale, die für die Ausführung der späteren Handlung zuständig sind, werden bereits aktiviert, wenn wir noch der Meinung sind, die Entscheidung gar noch nicht getroffen zu haben (das ist auch kein „vorsorgliches Aufwärmen in Erwartung des Entscheids“: wenn die Handlung nicht ausgeführt wird, wird das Gehirnareal auch nicht aktiviert).

Ein besseres, realistischeres, weil alltagsbezogeneres Beispiel wäre deshalb ein Autokauf. Soll die Entscheidung vernünftig sein, wird man nun Vorsichtig alles, was man über das Auto und die eigenen Vorlieben weiss, mit den Nachteilen und Alternativen abwägen, und am Ende aufgrund dessen, was man über das Thema weiss, eine Entscheidung treffen. Ist diese Entscheidung denn nun wirklich „frei“? Denn schliesslich sind die Faktoren, die die Entscheidung beeinflussen, ja nun mal so und nicht anders gelagert: Vielleicht brauche ich das Auto zum Arbeiten, vielleicht hat es das beste Preis-Leistungs-Verhältnis, und die Alternativen sind allesamt schlechter. Natürlich hat man zu jeder Zeit das Gefühl, man könnte sich auch anders entscheiden – [i]wenn man denn wollte (aber man will nicht…)[/i] – aber wenn wir am Ende einen vernünftigen Entscheid treffen wollen, dann berücksichtigen wir alles, was wir wissen, nach „bestem Wissen und Gewissen“. Was wir wissen, ist aber einfach die Summe der Eindrücke, die wir bisher im Leben hatten, und auf diese Eindrücke hatten wir keinen Einfluss. Das Gehirn ist eine hochkomplexe biologische Maschine, aber sie setzt letztlich einfach Input-Signale der einen Art in Output-Signale der anderen Art um. Selbst wenn wir den Freien Willen sehr weit auslegen und den menschlichen Geist als übernatürliche Instanz (als „Seele“) betrachten wollen, die über der Natur steht und diese beeinflussen kann, kommen wir aus diesem Dilemma dieses „milden“ äusseren Zwangs nicht raus: Wie wir entscheiden, hängt einfach davon ab, was für ein Leben die Seele in ihrem menschlichen Körper bisher gelebt hat. Jeder Entscheid ist immer entweder „erfahrungsgesteuert“ (und damit diesen „Zwängen der Erfahrung“ unterworfen) oder „nicht erfahrungsgesteuert“. Ist er „nicht erfahrungsgesteuert“, ist er entweder zufällig oder, da der Mensch sicher kein zuverlässiger Zufallsgenerator ist, zumindest „bauchgesteuert“, was nichts anderes heisst, als dass man eine unbewusste Entscheidung trifft (und „bauchgesteuert“ klingt ja nicht allzu sehr nach Freiem Willen). Ein Bauchentscheid wäre z.B. die Farbe des Autos. Die Farbe des Autos wird in der Regel nicht rational entschieden, sondern aufgrund persönlicher Vorlieben wie Lieblingsfarben. Doch woher kommen diese Vorlieben? Auch hier muss man in der Umwelt suchen: vielleicht hatte einmal ein Lieblingsspielzeug diese Farbe, oder die Lieblingsfarbe ist vielleicht die gleiche wie die der ersten Schulfreundin. Das wird sich auch nicht immer so genau eruieren lassen, aber irgendwoher – aus der Umwelt – kommt die Präferenz für eine bestimmte Farbe im Moment des Autokaufs. Letztlich ist also jede Entscheidung, die nicht einfach „rein zufällig“ ist, von äusseren Faktoren abhängig, manchmal bewusst, manchmal unbewusst. Man kann den Menschen insofern auch mit einem komplexen Computerprogramm vergleichen, das eine Vielzahl von Variablen abwägt und schliesslich aufgrund von Bewertungstabellen eine Entscheidung trifft. Trifft dieses Programm seine Entscheidung „frei“? Könnte es sich auch anders entscheiden? Nein, nicht wirklich – oder nur, wenn die Variablen anders gelagert gewesen wären. Doch worin unterscheidet sich der Mensch dann von dem Programm? Darin, dass er manchmal nicht immer weiss, weshalb er seine Entscheidungen gerade so und nicht anders trifft, oder weil er seine Entscheidungen nicht immer rational erklären kann? Mal ganz abgesehen davon, dass auch intuitive Entscheide letztlich auf Erfahrungen basieren: beides ist letztlich kein Gewinn an Freiheit, sondern nur an Unberechenbarkeit. Man kann auch ein Computerprogramm so gestalten, dass immer ein wenig Zufall in die Entscheidungen mit einfliesst. Es ist dann schwieriger (bis unmöglich), vorherzusagen, wie sich das Programm, bzw. der Mensch in einer gegebenen Situaiton verhalten wird. Aber das ändert nichts daran, dass [i]bei vorheriger Kenntnis aller Umstände[/i] letztlich nur ein einziger Entscheid wirklich möglich war: jener, der am Ende umgesetzt wurde.

Insofern könnte man sagen: Der Mensch kann und wird tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will. Die ganze Persönlichkeit eines Menschen, sein Wissen, seine Erfahrung, seine Verhaltensweisen sind das Produkt des Lebens, das er gelebt hat, die Summe aller Eindrücke, das Destillat seiner Erfahrung. Was denn sonst? Jede Entscheidung, egal ob bewusst oder unbewusst, rational oder emotional getroffen, basiert auf diesem Fundus. Natürlich ist das ganze im Allgemeinen viel zu komplex, um einfache Wenn-Dann-Zusammhänge herzustellen. Menschen sind deshalb in der Regel nicht vorhersehbar, die Fülle und Komplexität der mitspielenden Faktoren schlicht nicht überschaubar. Aber das ändert nichts an der generellen Aussage: unter den gleichen Bedingungen würde der gleiche Mensch wieder exakt die gleiche Entscheidung treffen (Reue im Nachhinein, „hätte ich das gewusst, hätte ich nicht…“, ist ja gerade das Eingeständnis, dass man durch die auf die Entscheidung folgende Erfahrung verändert worden ist, so dass man – mit diesem neuen Wissen im Hinterkopf – anders entschieden „hätte“).

Auftritt Laplace’scher Dämon

Eine andere Perspektive auf das Thema (mit letztlich gleichem Resultat) gibt einem der naturwissenschaftliche Determinismus. Wenn die Welt nur aus Teilchen und Kräften zwischen ihnen besteht, dann ist die Welt letztlich nichts anderes als ein ultra-kompliziertes Billardspiel. Dieser Umstand wurde auch schon mit dem „Laplace’schen Dämon“ umschrieben: wenn dieser gedachte Dämon in der Lage wäre, die Position und die Geschwindigkeit jedes Teilchens im Universum zu messen, könnte er daraus die Zukunft, einen winzigen Moment später vorhersagen – und dann einen weiteren Moment später, noch einen weiteren… Die Welt nähme ihren letztlich berechenbaren, deterministischen Verlauf.

Der Laplace’sche Dämon wird – teilweise, wie wir gleich sehen werden – durch die Quantentheorie exorziert. Zunächst einmal ist es gemäss der Heisenbergschen Unschärferelation grundsätzlich physikalisch unmöglich, sowohl die Position als auch die Geschwindigkeit (genauer: den Impuls) eines Teilchens gleichzeitig zu messen. Demnach werden wir die Welt niemals genau genug im „Jetzt-Zustand“ erfassen können, um daraus einen späteren „Jetzt-Zustand“ zu berechnen. Weiter ist die Welt gemäss der Quantentheorie probabilistisch, ein Teilchen, das sich von A nach B bewegt, nimmt zwischen den beiden Punkten zufällig einen von vielen möglichen Wegen. jeder denkbare Weg hat einfach eine gewisse, ihm zugeordnete Wahscheinlichkeit, vom Teilchen begangen zu werden, und erst im Nachinein lässt sich sagen, welcher es denn nun wirklich war.

Die Quantentheorie führt uns somit vom deterministischen zum chaotischen (oder probabilistischen) Weltbild. Der Verlauf der Welt ist nicht nur von deterministischen Naturgesetzen, sondern auch von zufälligen Variablen abhängig, die man nicht kennt und auch nicht kennen kann. So, als ob auf dem Billard-Tisch des oben erwähnten universellen Billardspiels zufällig Beulen und Dellen auftauchen würden, die jede Vorhersage der künftigen Kugelpositionen verhinderen. Das alles ändert aber nichts daran, dass unter dem Einfluss all der Beulen und Dellen, die zwischen zwei Zeitpunkten tatsächlich aufgetreten sind, also [i]bei vorheriger Kenntnis aller Umstände[/i] nur eine einzige Kugelposition hat resultieren können. Hätte man die Beulen und Dellen im Voraus gekannt, hätte man auch die Position der Kugeln berechnen können. Denn auch wenn ihre Bahnen von Beulen und Dellen abgelenkt werden, die Billardkugeln genügen immer noch den gleichen, eindeutigen physikalischen Gesetzen. Auch wenn viele mögliche Ausgänge (abhängig von den auftretenden Beulen und Dellen im Billardtisch) denkbar sind, jedes bestimmte Set von Beulen und Dellen hat nur eine einzige mögliche Kugelverteilung zur Folge.

Deshalb ist der Laplace’sche Dämon nicht vollständig besiegt: Die Welt hat nun eben nicht nur eine deterministische, sondern auch eine chaotische Komponente, so dass der nächste Moment nur deshalb nicht berechenbar ist, weil man den Beitrag der chaotischen Komponente naturgemäss nicht kennen kann.

Freiheit im Chaos

Diese chaotische Komponente öffnet uns aber eine neue Möglichkeit zur Definition des Freien Willens. Man könnte nun nämlich sagen: Eine Entscheidung ist offen, bis der Mensch sie getroffen hat, sie steht vor dem Zeitpunkt der Entscheidung noch nicht fest. Das verdanken wir der Quantentheorie. Wenn die Welt probabilistisch, also von zufälligen Entwicklungen abhängig ist, dann steht mein künftiger Entscheid zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest. Es kann zum Beispiel sein, dass eine zufällige Quantenfluktuation ein Botenstoffmolekül in meinem Gehirn gerade derart ablenkt, dass ich einen irrationalen Entscheid treffe und das Auto doch (nicht?) kaufe, oder den Kugelschreiber doch fallen lasse, oder an der blauen Farbe des Autos festhalte. Man hätte den Ausgang des Entscheidungsprozesses – bevor die Entwicklung tatsächlich geschah – unmöglich wissen können, denn die Quantenfluktuation war ja rein zufällig. Man könnte nun (gäbe es die Heisenbergsche Unschärferelation nicht), im Nachhinein, zwar berechnen, das es angesichts der stattgefundenen Quantenfluktuationen (die Dellen und Beulen des Billardtisches) nur so und nicht anders hätte herauskommen können. Aber bis zum Moment der Entscheidung stand der Entscheid selbst nicht fest. Die Zukunft ist in diesem Modell wirklich offen und grundsätzlich nicht berechenbar. Es ist zwar letztlich nicht der Mensch als „Individuum“, der die Entscheidung trifft: die involvierten Teilchen, die deterministischen Gesetzen und zufälligen Quantenfluktuationen gehorchen, entscheiden über den weiteren Verlauf der Welt. Immerhin befinden sich die wichtigsten Teilchen ihrerseits im Gehirn des Menschen, der „entscheidet“, insofern ist es nicht ganz falsch, die Entscheidung gewissermassen beim Menschen zu suchen.

Wie sieht es denn nun mit der Schuldfähigkeit aus? Bedeutet all dies, dass wir sofort alle Gefängnisse öffnen, alle Verbrecher freilassen müssen, weil sie ja „gar nicht anders konnten“ und damit unschuldig sind? Nein. Die Androhung von Strafe bei sozialem Fehlverhalten ist ein wichtiger Faktor in der Sozialisierung des Menschen, sowohl für den Verbrecher als auch für alle Gesetzestreuen. Genau diese Sozialisierung ist es, die die Menschen prägt, sie macht einen grossen Teil des Fundus aus, auf den Menschen zurückgreifen, wenn sie ihre Entscheidungen treffen. Wenn Straftaten ab sofort ungesühnt blieben, hätte dies einen grossen, negativen Einfluss auf diese Sozialisierung. Die Straffreiheit wäre ein Faktor, der von nun an in alle Entscheidungen einbezogen würde, und das kann niemand wirklich wollen. Ausserdem gibt es den präventiven Aspekt der Gefangenschaft: wer schon einmal getötet hat und deswegen im Gefängnis sitzt, kann (in der Regel) keine weiteren Menschen umbringen. Das Konzept der Schuld wird auch nicht überflüssig – es wird nur von moralischem Balast befreit. Ja, der Mörder hätte letztlich nicht wirklich anders handeln können – aber genausowenig kann die Gesellschaft (bzw. der Richter) anders handeln, als ihn dafür ins Gefängnis zu befördern.

Ist ein Leben sinnlos, weil der Ausdruck „Freier Wille“ ein falsches Sprachbild ist? Nein, natürlich nicht. Letztlich sind es ja unsere Entscheide, die die Entwicklung unseres Lebens formen – bloss sind die Entscheide selbst Teil des Welt-Programms, des Billardspiels. Wir können nicht anders, weil wir genau dieses Leben leben. Wir können uns zwar alternative Entwicklungen vorstellen, aber das macht diese nicht realistischer. Das macht uns, gewissermassen, zu Entdeckern unseres eigenen Lebens. Es ist beruhigend, ja entspannend zu wissen, dass der weitere Verlauf, ja auch das Ende noch nicht feststeht. Wie bei einem live im Fernsehen übertragenen Fussballspiel dürfen wir in unserem eigenen Leben mitfiebern, mitleiden und die Akteure im Geist oder auch lautstark anfeuern (obwohl uns ja irgendwie schon bewusst ist, dass dies auf den Ausgang keinerlei Einfluss hat – aber das war der Stimmung ja noch nie abträglich…).

In einem Universum hingegen, in dem es auch nur einen einzigen „Laplace’schen Dämon“ gibt, der die Entwicklung der Zukunft bereits heute kennt, gibt es keine solche (limitierte, chaotische) Freiheit. Statt einem Live übertragenen Spiel haben wir es nun mit einer Aufzeichnung des Spiels zu tun, und das ist eine viel langweiligere Angelegenheit. Ein allwissender Gott, wie er in allen monotheistischen Religionen vorkommt, ist der ultimative „Laplacesche Dämon“. Denn wenn sein Wissen über die Zukunft perfekt ist, dann gibt es nur eine einzige Zukunft, die sich realisieren kann. Nennen wir diese Zukunft den Masterplan. Im Masterplan steht schon heute fest, was in 100 Jahren passieren wird, und zwar bis hin zur Position jedes einzelnen Moleküls im Universum (denn wer würde schon behaupten, ein allwissender Gott würde die Position jedes einzelnen Moleküls im Universum in 100 Jahren nicht kennen?). Und da Gottes Kenntnis von der Zukunft eben perfekt ist, wird es nie etwas anderes als den Masterplan geben, denn würde er verändert, dann wüsste dies ein allwissender Gott natürlich schon heute und die Veränderung wäre folglich Teil des Masterplans. Das Masterplan-Universum ist ein statischer Block, der von den Menschen nur noch „abgelesen“ werden muss (eben, wie oben erwähnt, eine „Aufzeichnung“).

Hat der Mensch also einen freien Willen? Seine Entscheidungen sind teilweise determiniert, teilweise chaotisch, zudem hochkomplex und aus all diesen Gründen nicht vorhersehbar. Die Entscheidungen des Menschen sind also immerhin insofern frei, dass sie nicht feststehen, ehe er sie gemacht hat. Aber nur, wenn es keine allwissenden Götter gibt.

50 Kommentare

  1. @p.unkt: Was ist real? Kommt halt drauf an, was man mit real meint. Das \“Gegenständliche\“? Äpfel existieren, selbst wenn der Fisch (oder Saharabewohner) sie nicht kennt. Sie sind physikalisch wahrnehmbar. Aber auch nicht-gegenständliche Dinge können eine physikalische Realität annehmen. \“Gott\“ zum Beispiel, hat als Konzept äusserst reale Konsequenzen, wenn sich jemand in seinem Namen in die Luft sprengt. Unser Gehirn kreiert quasi eine \“abstrakte\“ Gegenwelt zum \“gegenständlichen\“ Welt, in unseren Köpfen (zu der auch die Zahlen gehören): Dies erst macht uns zu Wesen, die Verläufe im Kopf durchspielen können, bevor wir sie sie \“vergegenständlichen\“, einen Prozess, denn wir, zum Beispiel, \“Entscheidungsfindung\“ nennen und der vielleicht an der Wurzel der Illusion des Freien Willens steht. Tiere haben diese \“abstrakte\“ Gegenwelt wohl nicht, zumindest nicht so ausgeprägt, wie sie die Menschen haben (wobei es durchaus auch abstrakte Konzepte gibt, die bei Tieren mit komplexen Gehirnen wie Hunden oder Affen eine Rolle spielen können, z.B. \“Fairness\“). Entsprechend ist ihr Verhalten \“gegenständlicher\“ orientiert als unseres.

  2. real ist, was mit anderen realen Dingen interagiert,
    auch wenn es das unmesssbar schwach tut, also Masse, Volumen
    eine Position zu anderen Dingen oder andere physikalische Eigenschaften hat

  3. @bynaus: \“\“Freier Wille\“ ist eine Illusion oder zumindest ein Sprachkonstrukt ohne Entsprechung in der Wirklichkeit\“.

    ich bin erleichtert über diese aussage, denn damit kann ich als praktiker gut umgehen, ebenso mit der frage von daniel, ob uns alle naturgesetze bekannt sind.

    kurz gesagt: ob ich als recherchierender künstler oder schriftsteller gerade dabei bin, den fernseher neu zu erfinden, ist wesentlich; deshalb erfreue ich mich an eurem blog und umso mehr wage ich nochmals die frage: weshalb sollten einem fisch (oder eben einem saharabewohner) aepfel realer sein als zahlen? ich verstehe das wirklich nicht: dass ein umstand real sein soll allein deshalb, weil der mensch und nirgendwer sonst (\“niemand sonst\“ ist mir zu vage:-)) ihn als das definiert. ich weiss, ein mensch hat ein bewusstsein, dennoch: ein tier merkt instinkiv, was \“real\“ ist und was nicht (ein hund blickt in den spiegel und empfindet offenbar nichts dabei). ich meine: die beweisführung über den (un-)freien willen müsste ja auf alle empfindungsfähigen lebewesen auf diesem planeten zutreffen?

  4. Interessant ist auch das der Sprachgebrauch beides kennt:

    \“ Das war eine Dummheit\“- Man könnte es besser machen, hat es aber nicht getan.

    \“ er/sie ist zu dumm dafür\“- Man will es besser machen, kann es aber nicht.
    Die Sprache geht auch von einem und keinem freien Willen aus.

  5. @Ehrenfried: Ich habe dich gerügt? Kaum. Ich diskutiere bloss. Oder meinst du die Sache mit dem Zwiebelfisch? Auch das war keine Rüge. Jeder vernünftige Poster, jede ernsthafte Meinung, jedes gut vorgetragene Argument ist hier willkommen. Ich freue mich vielmehr, dass dieser Artikel eine so vielfältige Diskussion ausgelöst hat.

  6. Sind uns alle Naturgesetze bekannt?
    Vorgänge, welche wir heute als Zufall bezeichnen, erweisen sich morgen als Manifestation von neuen Naturgesetzen. Wenn unsere Entscheidungen reiner Zufall sind, so hat unsere Entscheidung keine Ursache und ein \“Freier Wille\“ ist auch nur eine zufällige Illusion.

  7. Und noch etwas. Bynaus, bevor Du mich ein letztes Mal rügst, ist mir noch eine Sache eingefallen, die Deine Sicht der Dinge stützt. Ich habe nämlich eben noch ein Weilchen überlegt, ob man das, was ich im letzten post behauptet hatte, auch beweisen könnte.

    Dabei ist mir eingefallen, daß es mit arithmetischen Methoden nicht möglich ist, einen echten Zufallsgenerator zu programmieren. Übliche Programme erzeugen ja nur sogenannte Pseudozufallszahlen, die immer nachvollziehbar determiniert sind. Und wenn man einen Generator konstruiert, der, sagen wir mal, vom thermischen Rauschen gespeist wird, dann sind wir wieder bei den Quanten angelangt. Außerdem müßte man wahrscheinlich monatelang prüfen, ob die ausgeworfenen Zahlen wirklich zufällig verteilt sind und nicht irgendwelchen unbekannten Einflüssen unterliegen.

    Die Beantwortung Deiner Frage nach dem Freien Willen liegt also komprimiert vor in der Fragestellung, ob es einen arithmetischen Prozess gibt, der bei konstantem Input von rationalen Zahlen beliebig zufällige Lösungen ausgibt. Wobei die Versuchsnummer natürlich nicht in die Rechnungen eingehen darf. Ich persönlich glaube zwar, daß es so etwas gibt wie eine formalisierte Unlogik. Beweisen kann ich es nicht. Jedoch könnte ich behaupten, daß sich diese arithmetischen Pseudogeneratoren in Gestalt neuronaler Entscheidungsstrukturen äquivalent abbilden lassen. Man bekäme also eine Art Pseudoindeterminiertheit im Denken und Wollen. Ich bin sicher, da haben sich schon größere Geister damit versucht. Deshalb bleibe ich hier in Ehrfurcht und Demut zurück.

  8. Ich habe mich oft gefragt, ob das, was man allgemein in solchen Diskussionen als den Geist oder auch die Seele bezeichnet, eine Hilfskonstruktion ist. So ähnlich, wie man in der Mathematik nur formalistisch effizient denken kann, wenn man sich zunächst eine brauchbare illustrative Symbolik schafft.

    Die Frage, ob Determinismus oder Indeterminismus darf man nicht so absolut stellen. Wie unten schon angedeutet, halte ich die Rückverfolgung kausaler Wirkabläufe bis zur Quantenebene nicht für notwendig, es genügt völlig, wenn man sich vorstellt, daß auf der Ebene der neurochemischen Prozesse eine lokal umgrenzte Unschärfe besteht, die einen indeterminististschen Effekt hat. Sozusagen eine Zwischendecke aus lokalen kleinen Lottomaschinen, die nur immer wenige Kugeln enthalten und eine Entscheidung weit oberhalb der Quantenebene chaotisch \“verunreinigen\“ können.

    Das sorgt dann dafür, daß ich von einem Buffet, auf dem meinetwegen Teller, Blumen, Kohlen, Streichhölzer und verschiedene Früchte liegen, eben nicht von den Kohlen probier, sondern \“gedankenlos\“ nach den Kiwis greife, obwohl mein Verstand natürlich genau weiß, daß ich lieber Äpfel oder Bananen esse.

    Eine vollständig oder weitgehend chaotische Welt würde es den Individuen gar nicht erlauben, überhaupt verwertbare Erfahrungen zu machen. In so einer Welt, die es vielleicht sogar irgendwo gibt, sähe das Leben ganz anders aus.

  9. Ja, in der Tat, Willensfreiheit ist in einer probabilistisch-deterministischen Welt ohne einen Körper-Geist-Dualismus nicht möglich, ungeachtet der Ausflüchte und Spitzfindigkeiten der Philosophen. Hier ist aber ein wichtiges Moment zu beachten: Die hypothetische Interaktion von Gehirn und Geist darf PRINZIPIELL nicht RESTLOS unter die Gesetze der Physik fallen. In einer dualistischen Hypothese müssen sich die materielle und die geistige Welt wenigstens bis zu einem gewissen Grade ausschließen. Es darf mithin keinen physikalisch-mathematischen Formalismus geben, der diese Wechselwirkung vollständig ausdrückt. Freiheit ist eben deshalb Freiheit, weil sie nicht gesetzmäßig erfolgt. Wir stehen dann jedoch vor der schwierigen Aufgabe, einen Vorgang in der Welt zu finden, der außerphysikalisch ist, dennoch kausale Kräfte besitzt und von dem angebbar ist, daß er NIEMALS GANZ UNTER DIE GESETZE DER PHYSIK FALLEN WIRD. Es ist überhaupt schwer, sich einen solchen Vorgang vorzustellen, geschweige denn zu beweisen, daß er niemals wissenschaftlich ganz erklärbar sein wird. Und doch zieht echte Willensfreiheit notwendigerweise gerade so einen außerphysikalischen Mechanismus nach sich. ZENTRAL FÜR DIE WILLENSFREIHEIT IST DEMNACH DAS POSTULAT, DASS DAS SUBJEKT BZW. SEINE HANDLUNGEN PRINZIPIELL NICHT ENDGÜLTIG DURCH PHYSIKALISCHE GESETZE BESCHREIBBAR SEIN DÜRFEN.

    Willensfreiheit setzt also ein relativ autonomes Subjekt, eine teilweise indeterministische Welt und Vorgänge voraus, die den Rahmen der Physik bis zu einem gewissen Grade sprengen. Sie müssen kausal in die Welt „von außen“ eingreifen, dürfen aber wissenschaftlich nicht ganz faßbar sein. Da die Existenz solcher Vorgänge nicht glaubhaft ist, müssen wir tatsächlich davon ausgehen, daß es keine Willensfreiheit gibt.

    Manche Philosophen scheuen sich, letzte Konsequenzen aus ihren Überlegungen zu ziehen, besonders wenn es sich um ethisch und gesellschaftlich relevante Themen wie Willensfreiheit handelt. Oft wird die Befürchtung geäußert, daß eine Welt ohne Willensfreit die Menschen der moralischen Verantwortung für ihre Taten entheben würde. Dies wiederum führte entweder zur Resignation oder möglicherweise zu moralischer Abstumpfung, Egoismus, Gewalt und Chaos. Doch die rationale Einsicht, daß Willensfreiheit vermutlich eine Täuschung ist, muß keineswegs in Hilflosigkeit, Fatalismus oder Rücksichtslosigkeit einmünden. Die Menschen werden immer so agieren und entscheiden, als ob sie frei wären. Natürlich muß man versuchen, zumindest subjektiv Herr seines Schicksals zu sein. Für mich persönlich hat die vermutete Nichtexistenz von Willensfreiheit indes besonders in existentiellen Grenzsituationen einen eher beruhigenden Aspekt. Alles in der Welt geschieht, wie es geschieht und wir können gewissermaßen auch unser eigenes Schicksal aus der Beobachterperspektive betrachten und uns unter Umständen sogar wie im Theater darüber amüsieren. Gerade das erhebt unser Leben über das Niveau einer Tragödie oder Farce, auf dem es sich häufig abspielt. Das wird nur durch das menschliche Selbstbewußtsein möglich. Kein Tier vermag sich reflexiv über seine eigenes Schicksal Rechenschaft abzulegen. Die Psychologin Susan Blackmore meint dazu:

    “Es ist möglich, glücklich und moralisch zu leben, ohne an den freien Willen zu glauben (…) Ich habe nicht das Gefühl, aus freiem Willen zu handeln, obwohl dieses Gefühl erst nach vielen Jahren verebbt ist (…) Wenn das Gefühl verschwunden ist, fallen Entscheidungen ohne das Gefühl, daß sie jemand trifft, es erhebt sich aber eine neue Frage – werden die Entscheidungen moralisch annehmbar sein? (…) Es scheint, daß wenn die Menschen sich von der Illusion verabschieden, daß es ein inneres Selbst gibt, welches agiert, wie das viele Mystiker und Buddhisten getan haben, sie im allgemeinen ein Verhalten an den Tag legen, das wir für moralisch oder gut halten. Mithin könnte die Aufgabe des freien Willens nicht so gefährlich sein, wie es klingt (…)“

  10. Ich sehe nicht ganz, wie sich die \“Willensfreiheit\“ in einer teilweise chaotischen/probabilistischen, teilweise deterministischen Welt (wie unsere eine ist, zumindest, wenn man die Quantentheorie ernst nimmt) erhalten lässt, ohne einen Geist-Körper-Dualismus zu postulieren. Aber selbst in diesem Fall, wie im Artikel erwähnt, kommt man nicht um die Tatsache herum, dass die Entscheidungen des \“Geistes\“ letzlich auf seinen Erfahrungen in seinem \“Körper\“ basieren und damit letztlich determiniert sind. \“Freier Wille\“ ist eine Illusion oder zumindest ein Sprachkonstrukt ohne Entsprechung in der Wirklichkeit. Wir können uns höchstens darauf berufen, dass unsere künftigen Entscheide zumindest so lange nicht feststehen, bis wir sie getroffen haben.

  11. Es gibt Philosophen, die den Determinismus akzeptieren und die Freiheit für illusorisch erklären. Eine zweite Gruppe lehnt den Determinismus ab und plädiert zugunsten der Freiheit und eine dritte Richtung schließlich hält den Determinismus für vereinbar mit der Freiheit oder sogar für eine Voraussetz-ung der Freiheit. Der Indeterminismus wiederum behauptet, daß es in der Welt Ereignisse gibt, die nicht vollständig durch frühere Zustände bestimmt sind. Die radikale indeterministische These wäre, daß es in der Welt vollkommen chaotisch und unvorhersehbar zugeht. In diesem Falle bliebe allerdings für die Willensfrei¬heit ebenfalls kein Raum. Denn wenn alles in der materiellen Welt absolut regellos erfolgt, ist das Subjekt in seiner Freiheit ebenso stark beschränkt wie im Falle, da alles mit Notwendigkeit geschieht. Es hätte nämlich keine Möglichkeit, die vollkommen chaotischen Ereignisse in der Außenwelt in be¬stimmte Bahnen zu lenken. Die Analyse zeigt aber, daß nur eine indetermi-nistische, aber nicht chaotische Welt dem Subjekt zumindest hypothetisch gewisse Möglichkeiten zur Einflußnahme auf die Geschehnisse und damit für die Ausübung der Willensfreiheit bietet. Nur in einer indeterministischen Welt, in der Wahrscheinlichkeiten eine Rolle spielen, könnte das Subjekt z.B. über die Beeinflussung von Wahrscheinlichkeiten Ereignisse nach seinem Willen steuern. Willensfreiheit schließt demnach den strengen Determinismus wie den absoluten Indeterminismus aus und impliziert eine „gemäßigt“ in-deterministische Welt.

    Ich würde sagen, daß echte Willensfreiheit trotz unserer subjektiven Überzeugung vermutlich nicht existiert. Denn offenbar unterstellt Willensfreiheit einen bestimmten Grad an Dualismus sowie Interaktionismus zwischen Körper und Geist. Dazu schreibt John Searle: „Es scheint, als müßten wir, wenn wir radikale Freiheit haben wollen, ein Selbst postulieren, das imstande ist, in die kausale Ordnung der Welt einzugreifen.“

    Zentral ist hierbei jedoch m.E. der Begriff des Naturgesetzes. Unabhängig davon, ob die Welt in letzter Konsequenz deterministisch oder indeterministisch ist, verlangt Willensfreiheit, daß es dem Menschen möglich sein müßte, Handlungen auszuführen, die bis zu einem gewissen Grade WISSENSCHAFTLICH NICHT BESCHREIBBAR WÄREN, DAS SIE MIT DEN NATURGESETZEN NICHT GANZ VEREINBAR SEIN MÜSSTEN. Da die Existenz solcher Vorgänge (im Gehirn) eher unwahrscheinlich ist, erscheint Freiheit ebenfalls als illusorisch.

    (Anm. zum Determinismus-Indeterminismus: Ich bin Einstein gegenüber kritisch eingestellt, stehe aber in der Bohr-Einstein-Debatte eher auf seiner (deterministischen) Seite. Ich glaube, das letzte Wort um die QM ist noch nicht gesprochen. Die Physiker haben m.E. zu leichtfertig das Kausalitätsprinzip aufgegeben, indem sie in der QM quasi „ursachelose“ Ereignisse zuließen.)

  12. Ich glaube ursprünglich ging es darum, ob ein Mathematiker
    beim \“Erfinden\“, was auch immer einer Zahl mit freien Willen handelt.

    Ich sehe allerdings auch keinen Sinn darin diese diskussion fortzusetzen.

  13. heraklit hat am 13.01.2011 11:06:19 geschrieben:
    \“Sicher, die Richtigkeit von a+0=a ändert sich nicht, wohl abers seine Relevanz.\“

    Ja.

    \“Zahlen sind nicht real.Es gibt zwei Äpfel und dann noch einen, dann sind es drei, aber nirgendwo im Universum die Zahlen 1,2,3.\“

    Ich denke, dem werden 99% aller Leute schon zustimmen. Allerdings kann man schon davon sprechen, dass die Zahlen als Konzepte eine gewisse Realität besitzen – denn auch Aliens würden sie sinnvollerweise entwickeln, oder etwas ähnliches. Dagegen unsere Form von Musik, Gedichte usw. sind nicht zwangsläufig verallgemeinerbar.

    \“Gerade weil sie nicht real sind, werden sie auch nicht in einem schöpferischen Akt geschaffen\“

    Bitte was?

    Naja, \“geschaffen\“ in diesem Sinne wurden sie nicht, aber dennoch kann man davon sprechen, dass sie in einem bestimmten Sinn \“konstruiert\“ wurden oder sowas.

    P.S.: Was hatte das noch schnell mit dem Thema zu tun?

  14. Entschuldigung, ich muß jetzt hier noch was schreiben, kann mich da nicht beherrschen. Habe mich oft gefragt, warum mein dementer Vater die 3 so gerne schreibt, offenbar mag er diese Zahl besonders. Sie hat in ihrer Rundung etwas Animalisches, dreht man sie um 90°, sieht sie aus wie ein Dekolletè. Es gibt wohl kein mächtigeres Signal für ein männliches Wesen, das wirkt wie ein Verkehrsschild. Sozusagen: \“Sie befinden Sich auf der Hauptstraße!\“ Und: \“Hier findet heute abend eine Party statt!\“ Ich glaube nicht daran, daß Männer Schweine sind, sie sind lediglich die ahnungslosen Opfer ihrer Konstitution. Womit wir wieder beim Freien Willen angelangt wären.

  15. Es muß unten natürlich heißen: \“Sie [die Zahlen] haben einen Zweck.\“ Die Demenz ist eine Schule der Demut.

    Nebenbei: Heute ist in der Süddeutschen Zeitung ein Artikel über das Thema \“Freier Wille\“.

  16. Die Zahlen sind eine frühe Innovation des Menschen. Also ein Erfindung, wie das Rad, das Messer oder das Geld. So haben einen Zweck. Mit ihrer Hilfe läßt sich die Mannigfaltigkeit aller Objekte und Erscheinungen ordnen. Dement gewordene Menschen oder wilde Primaten können mit Zahlen nichts anfangen. (Mein seit etlichen Jahren dementer Vater ist ganz wild auf Geld, er spielt täglich damit, aber er wäre jederzeit fröhlich bereit, einen grünen Zwanzigeuroschein gegen eine schön glänzende Fünfzig-Cent-
    Münze einzutauschen. Er kann auch noch Zahlen schreiben, fängt er mit 1, 2 usw. an, hat er spätestens nach der 6 vergessen, daß er die 3 schon hatte, usw.)

  17. @P.UNKT

    Der Apfel ist real, ebenso sind Ziffern als solches real, wenn du sie einmal hingeschrieben hast.
    Ihre Bedeutung jedoch, also die Zahlen ( und das ist nicht das selbe ), sind nicht real. Sie existieren nur in deinem Kopf, als quantitative Abstraktion.

  18. @D.
    Der \“Gedanke mit den Zahlen\“- nun, da dachte ich noch mit Ehrenfried zu sprechen.Dieser Gedanke ist von ihm.
    Sicher, die Richtigkeit von a+0=a ändert sich nicht, wohl abers seine Relevanz. Wenn a die Zahl Liter Benzin in deinem
    Tank ist, bewegen dich deine Hirnströme eventuell dazu, doch zu Fuß zu gehen.
    Zahlen sind nicht real.Es gibt zwei Äpfel und dann noch einen, dann sind es drei, aber nirgendwo im Universum die Zahlen 1,2,3.

    Gerade weil sie nicht real sind, werden sie auch nicht in einem schöpferischen Akt geschaffen

  19. Etwas Vergangenes ist in meinem Gehirn nicht nur Vergangenheit sondern auch zugleich Gegenwart. Wenn ich so mit meinen Gedanken in meine Vergangenheit surfe, auf der Suche nach Argumenten, um eine bestimmte Entscheidung richtig treffen zu können, dann transzendiere ich über die Irreversibilität des materiellen Seins hinaus. Das ist nicht weniger als eine Art von Zeitreise.

    Finde ich nun Argumente, so könnten die auf Grund fehlerhafter Beobachtung oder fehlerhafter Interpretation damals falsch gespeichert sein. Oder sie waren im objektiven Sinne wahr, ich könnte sie aber heute als Besucher in der Vergangenheit falsch interpretieren. Aus all dem könnte ich eine falsche oder richtige Entscheidung in der Gegenwart ableiten und als meinen freien Willen betrachten. Das alles müßte ein allwissender Dämon schon vorher kennen. Auch wenn ich morgen einem klügeren oder besser informierten Freund begegne, der mich im letzten Moment von meiner Entscheidung abbringt und mich eines anderen überzeugt, nachdem er zuvor unter eben denselben Unwägbarkeiten in der in seinem Hirn gespeicherten Vergangenheit unterwegs war. Dann müßte der Dämon auch das schon vorher gewußt haben.

    Ich glaube nicht, daß man unbedingt das Zufällige der Quantenfluktuationen (also die Schmusedecke) bemühen muß, um den allwissenden Dämon unmöglich zu machen. Es genügt, wenn man in diesen Raum der mentalen und transzendierenden Prozesse eine Unschärfe beim logischen Nachbilden kausaler Wirkzusammenhänge annimmt. Denn die Tatsache, daß die reale Natur eben nicht transzendiert, läßt sich doch bestimmt (mit etwas Mut und Unverschämtheit) als Beweis hernehmen, daß ihre Gesetze in der transzendierenden Welt der Gedanken nicht ebenso gelten müssen. Ich weiß jetzt nicht, ob Karl Popper auch so weit gegangen ist. Aber ich glaube, diese Anmaßung hätte ihm so gefallen. Das will ich jetzt mal so stehen lassen.

  20. @heraklit: es ist sicher richtig, dass der zeit-aspekt resp. transdisziplinäre betrachtungen mit einbezogen werden sollten. darf ich, visueller künstler, dazu eine eher poetische denn fundierte formulierung anbringen: \“das ist die essenz: gibt es in raum und zeit keine identisch reproduzierbare bewegung, gibt es keinen freien willen\“.

    wie auch immer, @bynaus: ich bin unabsichtlich jedoch willig zu eurem blog gelangt; als nonsciencetyp hoffe ich, weiterhin darin linsen zu dürfen. danke. wem?

  21. Dann sind wir uns einig, ohne dass ich das gemerkt hätte… 🙂 Ich denke dann, mit etwas, worauf man sich nicht mal einigen kann, was es denn genau ist, sollte man nicht argumentieren…

  22. Pfu, da gehts ja rund wenn man mal 1-2 wochen nicht aufpasst.

    @ Bynaus hat am 30.12.2010 04:11:11 geschrieben…
    \“>@Der Beobachter: In deinen Ausführungen fehlt mir immer noch die Definition dieses \“Bewusstseins\“. Was soll das sein, \“Bewusstsein\“, oder gar \“Selbstbewusstsein\“?<\" Das hab ich wohl nicht richtig rüber gebracht, denn eigentlich sollte mein Beitrag zum Ausdruck bringen dass diese Definition nicht zu machen ist. Da wir nicht nur nicht sagen können ob etwas bewusst ist, wir können nichtmal sagen wann wir meinen das etwas bewusst sein könnte. Zitat:\"Ab welchem Entwicklungsstand trauen wir einem Tier ein Bewusstsein zu ? Was muss es tun ? \"

  23. @Daniel: Hm, das habe ich auch nie behauptet. Eher im Gegenteil: Wenn wir uns diesen minimalen Rest des Freien Willens bewahren wollen, macht ein Allwissender Gott mit einem Masterplan auch diesen zunichte – und ist deshalb, sagen wir, ein unsympathischer Gedanke. Oder mit anderen Worten: Ich möchte meine Welt nicht mit einem allwissenden Wesen teilen, denn in diesem Fall steht die Zukunft schon heute fest.

    @Heraklit: eine geschlossene raumartige Kurve ist ein Kreis im Raum. Du kannst ein Teilchen darauf laufen lassen und es wird immer wieder an den gleichen Stellen vorbeikommen. Eine geschlossene zeitartige Kurve ist ein Kreis in der Zeit, wo ein Teilchen eben immer wieder an den gleichen Zeitpunkten vorbeikommt. Sagen wir, der Zeitreisende steht auf, putzt sich die Zähne, geht zu seiner Zeitmaschine, reist zurück in der Zeit, feiert eine Party und erwacht wieder in seinem Bett, dann steht er auf, putzt sich die Zähne… etc. Er ist quasi seine eigene Ursache (wie so etwas zustande kommt? Ob sowas überhaupt existiert? Frag mich was leichteres…).

    Die Zeit ist halt letztlich linear, zumindest auf der Ebene, die wir heute überblicken können. Das Universum macht ja eine offensichtlich nicht-zyklische Entwicklung durch, z.B. ist der Anteil an Helium in den letzten 13.7 Mrd Jahren stetig gestiegen, etc. Solche nicht-zyklischen, umumkehrbaren Entwicklungen gibt es auf jeder denkbaren zeitlichen Ebene (Jahrmillionen, die typische Lebensdauer eines Menschen, Jahre, Sekunden, Nanosekunden…).

  24. @Heraklit: Der Gedanke, daß wir mir unserem Verstand, wenn wir uns erinnern, eine Zeitschleife erzeugen könnten, der ist mir noch nicht gekommen. Faszinierend!

    Manchmal denke ich, es wäre doch interessant, wenn bei so einer gespaltenen Persönlichkeit der eine den anderen beim Denken beobachten könnte. Wahrscheinlich bin ich aber nicht genug gespalten dafür.

  25. @Bynaus
    Eine eingeschränkter, freier Wille zur Entscheidung, ist noch kein Beleg für die Existenz eines Masterplanes und dessen Designer. Es zeigt doch auch unsere Anpassungsfähigkeit in bestimmten Situationen.
    @Heraklit
    Die Möglichkeit ist denkbar, dass die Zeit für Götter anders abläuft.

  26. Vielleicht liegt die wurzel dieser Paradoxa ja in unserem linearen Verständnis von Zeit.
    Setzt man nämlich eine zyklische Zeit vorraus, greift mein Unterbewusstsein so tief in die Vergangenheit( und damit in die Zukunft),das mein freier wille sich über diese Geschlossene Zeitartige Kurve ( nein ich weiß nicht genau was das ist, finde den Begriff aber sehr schön) selbst determiniert

  27. @Bynaus: [Zitat] \“Dieses Konz** zieht sich…\“ Es ist kein Zwiebelfisch sondern eine Buchstabenvertauschung – die Zwiebelfische sind eben auch nicht mehr das, was sie mal waren.

    Ansonsten gebe ich Dir weitgehend recht. Im Klugscheißen war ich schon besser.

  28. @Ehrenfried: Deinen Zwiebelfisch finde ich nicht. Bei mir steht kein Wort \“Konzept\“ direkt unter dem Bild, weshalb ich dich ja um die Worte darum herum gebeten hatte, damit ich danach mit der Suchfunktion des Browsers suchen kann…

    Zu deinem längeren Text: Ich verstehe in weiten Teilen nicht, worauf du hinaus willst. Vielleicht weisst du es auch selbst nicht… 🙂 Du verwendest eine Menge Begriffe, die meiner Meinung nach letztlich nicht viel mehr sind als effekthascherisches Geschwurbel (ich will dich nicht persönlich angreifen – es geht mir allein um die Begriffe, die werden auch von vielen anderen Leuten einfach ohne grosses Nachdenken verwendet).

    Was bedeutet es denn etwa, wenn eine \“Entscheidung ihre kausalen Folgen determiniert\“? Eine kausale Folge ist ein weisser Schimmel, und eine determinierte kausale Folge ist ein weisser Schimmel, der weiss ist. Also bleibt: \“Eine Entscheidung ist dann frei, wenn sie Folgen hat\“. Natürlich hat jede Entscheidung ihre Folgen, folglich ist jede Entscheidung (selbst die Entscheidung, sagen wir, einer Fliege, der Fliegenklatsche auszuweichen) frei. Hm – bringt uns nicht viel weiter. Siehst du mein Problem?

    Oder etwas später: Was du meinst, wenn du \“Fraktale\“ gegen die Quantenfluktuationen-Kuscheldecke (diesen Ausdruck mag ich! 🙂 ) anführst, sind wohl die sogenannten \“verborgenen Variablen\“. Mit Fraktalen hat das wenig bis gar nichts zu tun, sondern damit, dass die Zufälligkeit der Quantenwelt nur eine scheinbare wäre, wenn es sogenannt \“verborgene Variablen\“ gäbe, also Prozesse, die von uns unerkannt unterhalb der Wahrnehmungsschwelle unserer Messgeräte stattfinden und nur in ihrer Gesamtheit so aussehen wie zufällige Prozesse. Das heisst, das Quant nimmt von A nach B nicht einen tatsächlich zufälligen Weg, sondern einen Weg, der von Prozessen determiniert ist, von denen wir nichts wissen. Wir können die Hypothese der verborgenen Variablen nicht ausschliessen (Einstein war übrigens ein Vertreter davon), aber es gibt Experimente (die sog. Bellsche Ungleichung), die zeigen, dass sich lokale Variablen und die Lichtgeschwindigkeit als Obergrenze der Informationsausbreitung gegenseitig ausschliessen.

    Aber nehmen wir an, es gäbe die verborgenen Variablen tatsächlich, und die besagte Kuscheldecke würde uns weggenommen, dann gibt es immer noch die nächste, wenn auch deutlich weniger kuschelige Kuscheldecke namens Unschärferelation. Selbst wenn wir wollten, könnten wir eben die völlig kausale Welt nicht so genau vermessen, dass wir gleich einem Laplace\’schen Dämon die Zukunft präzise vorhersagen könnten. Diese Kuscheldecken geben einem bloss Gewissheit, dass selbst wenn die Zukunft zum jetztigen Zeitpunkt schon feststünde, wir sie niemals kennen könnten (und auch niemand sonst) – das ist eine Art von Freiheit.

    Das alles ändert aber nichts an den Aussagen des Artikels oben:
    1) Unsere Entscheidungen basieren stets und ausschliesslich auf unserer Erfahrung und vielleicht einem Schuss Zufall – ergo sind sie nicht \“frei\“, sondern determiniert oder (teilweise?) chaotisch.
    2) Minimale Freiheit könnte man darin erkennen, dass die Zukunft entweder nicht feststeht (wenn Quantenfluktuationen tatsächlich rein zufällig sind, oder mit anderen Worten, wenn es keine verborgenen Variablen gibt), oder, von Naturgesetzen wie der Unschärferelation sanktioniert, nicht feststellbar ist.
    3) Wenn es einen allwissenden Gott gäbe, gäbe es erst recht keine \“freien\“ Entscheidungen, weil er stets wüsste, wie man entscheiden wird.

  29. Rein zufällig habe ich heute in einem ganz anderen Zusammenhang diese Erläuterungen gelesen, [ siehe: de.wikipedia.org/wiki/Animismus] Hier besonders den ersten Satz unter dem Punkt Definition.

    Dazu kommt mir in den Sinn, daß der Laplace-Dämon vielleicht nur ein abstakter Grenzwert ist, auf den wir in unserer intellektuellen Evolution in asymptotischer Weise zulaufen. So könnte man behaupten, es gäbe ihn einerseits als Ideal und Abstaktum und andererseits existierten wir in Gestalt unserer realen Zivilisation als Näherung.

  30. Ich will also noch einmal über die Stoppeln gehen und sehen, was ich dabei finde.

    Zuerst haben wir da das Rechtsgefühl, das finden wir problemlos in einer Horde von Gorillas. Und den freien Willen, der sollte nach allgemeiner Überzeugung bei allen Tieren auf genetisch fest verankerten Verhaltensroutinen beruhen, und selbst das, was in der eigenen Lebenszeit erlernt wurde, würde zumindest bei Primaten alle Ansprüche memetischer Nachahmung erfüllen. Wir müßten uns also an das Bewußtsein klammern, das es alleine dem Menschen erlaubt (mit den unten schon erwähnten Abstrichen), Entscheidungsvarianten vorab zu erkennen und die kausalen Folgen der Entscheidung in Gedanken wenigstens ein Stück weit vorwegzunehmen. An dieser Stelle stoßen wir knallhart auf Kibo`s Bemerkung, ob diese Art zu entscheiden weniger frei sei, bloß, weil ein geglaubter oder physikalischer Aushilfgott schon weiß, was als nächstes geschieht. (Es gibt doch diese seifenoperartige Serie über den jungen Mann Gerry Hopson, der immer schon weiß, was am nächsten Tag in der Zeitung steht. Diese Filme illustrieren das hier diskutierte Problem auf eine sehr anschauliche Weise.)

    Also behaupte ich: Eine Entscheidung ist dann frei, wenn sie tatsächlich ihre kausalen Folgen determiniert. Und wenn sie nicht selbst nur ein Glied in einer kausal zwingenden Abfolge von Ereignissen ist. Eine Entscheidung ist wie ein Schalter in einem verzweigenden Schicksalsstrang, Mathematiker würden sich eventuell eine Bifurkation vorstellen. Dabei haben wir aber die inneren oder auch virtuellen Zwänge, der eine Persönlichkeit unterliegt, noch völlig ausgeklammert. Deshalb würde ich an dieser Stelle die Flucht nach vorne vorschlagen. Also man definiert sich das am besten zurecht, bis es praktisch paßt, und läßt den Lieben Gott weiterhin einen guten Mann sein.

    Religion und Recht waren in der Entwicklungsgeschichte der Menschen lange Zeit untrennbar miteinander verwoben. Möglicherweise muß man heute einfach feststellen, für einen Teil der Menschen ist davon eben nur das Recht übrig geblieben. Die Art und Weise, wie daran geglaubt wird, muß sich dabei gar nicht geändert haben. \“Der Mensch kann und wird tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will.\“ Diesen bemerkenswerten Satz hat der Schopenhauer (leicht abgewandelt, nämlich mit \“darf\“) möglicherweise ganz anders gemeint, als wir ihn heute gerne verstehen wollen. Moralist wird der Mensch ja häufig nur deshalb, weil er als Diktator verhindert. (Sage ich aus Erfahrung.)

    [Zitat Bynaus]\“Eine Entscheidung ist offen, bis der Mensch sie getroffen hat, sie steht vor dem Zeitpunkt der Entscheidung noch nicht fest. Das verdanken wir der Quantentheorie. Wenn die Welt probabilistisch, also von zufälligen Entwicklungen abhängig ist, dann steht mein künftiger Entscheid zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest.\“ – Das ist zwar sehr bequem, den Gleichungen, die den Anbeginn und den Urgrund unseres Seins beschreiben, die universelle Zufälligkeit zu verordnen, sozusagen eine Schmusedecke aus chaotisch fluktuierenden Primäreffekten, die wir uns bei allen Gelegenheiten nach Bedarf ans Ohr drücken können. Aber wirkliches Wissen darüber, ob da im Urgrund nicht doch ein fraktalbildender Mechanismus verankert ist, der alles von uns Beobachtbare letztlich fraktal determiniert, dieses Wissen haben wir nicht. Deshalb müßte eine Definition der Freiheit des Willens auch da noch drüber stehen. Vermutlich eine so anspruchsvolle Aufgabe, angesichts der wir hier in dieser bescheidenen Dikussion allesamt versagen.

    Wie könnte man nun beweisen, ob ein Laplace-Dämon physikalisch möglich ist oder nicht? Zunächst fällt mir dazu ein, daß Information verschwinden kann. Gut, könnte man erwidern, der LD ist gar nicht auf Information angewiesen, er weiß alles schon. Er wüßte auch schon, daß eine Information verschwindet, bevor sie im Universum diesen oder jenen Effekt auslösen würde. Der weiß das natürlich nur definitionsgemäß! (Quasi wie bei einem richtigen Gott…) Als nächstes könnte man postulieren, daß hie und da Materie verschwindet. Er weiß es! Er kennt die Vergangenheit und die Zukunft – definitionsgemäß! Kennt er die Parameter von fraktalgeometischen Größen? Kennt er die Zahl Pi ganz genau? Hier kommen wir den Defiziten der LD schon etwas näher. Egal, ob chaotische Inseln in einem kausal determinierten Lösungsraum oder überschaubare Struktur in einer fraktal konglomerierten Welt. Das sollte den LD vor eine unüberwindliche Grenze stellen. Ist hier nur als Anregung gemeint.

    Außerdem sehe ich auch noch einen Ansatzpunkt in der Frage der Unendlichkeit von Raum und Zeit. Müßte ein LD selber unendlich sein, um diese Information zu besitzen? Wenn ja, könnte er dann zu einem konkreten Zeitpunkt und an einem konkreten Ort im Besitz aller dieser Information sein? Müßte er dann nicht komplizierter sein, als das Universum selbst? Und selbst wenn er all dies verkörperte: Warum sollte sich das Universum dann noch die Mühe machen, individuelle Geschöpfe wie uns hervorzubringen? Und zuletzt: Wenn die ganze Materie eines Tages wieder in sich zusammenstürzt, müßte man doch postulieren, daß der LD dadurch unbeschädigt bleibt, definitionsgemäß, versteht sich. Also man sieht hoffentlich durch diese Eskapaden von mir hier, daß die Antwort auf die Fragen in den Qualitäten liegen, die man dem LD per Definition zugebilligt hat. Die Antworten können also wunschgemäß zurecht geschnitzt werden. Da wundert es bestimmt nicht, wenn der Papst extra ein paar Wissenschaftler zu diesem Zweck beschäftigt. Vielleicht erhalten wir von dort demnächst eine überraschende Antwort.

  31. \“Die Freiheit der Entscheidung wird gleichzeitig, mit der Wahl des Vorteils, bereits deutlich eingeschränkt.\“

    …und wenn du diesen Gedanken nun noch ein paar Entscheidungsprozess-Sekunden weiterspinnst, bleibt nur eine einzige \“Wahlmöglichkeit\“ übrig… 🙂

    @Ehrenfried: Wo steckt der Zwiebelfisch? Kannst du mir die drei Wörter darum herum nennen, damit ich ihn suchen kann?

  32. Die Anzahl der Entscheidungsmöglichkeiten in einer bestimmten Situation sind hoch. Eine Berechnung der Zukunft, mit einer richtigen Vorhersage, dürfte sehr umfangreich ausfallen.
    Dabei möchte eigentlich niemand, mit Absicht, eine Entscheidung zum eigenen Nachteil treffen. Wir bevorzugen eine Entscheidung, welche uns einen denkbaren Vorteil verspricht. Die Freiheit der Entscheidung wird gleichzeitig, mit der Wahl des Vorteils, bereits deutlich eingeschränkt.

  33. @Bynaus: Du hast unter dem Bild in dem Wort Konzept einen, wie sagt man fachmännisch – Zwiebelfisch? Bestimmt kannst Du Deine eigenen Texte noch nachträglich korregieren. Kannst ja das hier dann gleich löschen.

  34. \“Aber wieso bringt uns die Diskussion über die Allmacht vom \“freien Willen\“ weg?\“

    Weil es nun nicht mehr um den \“freien Willen\“ des Menschen geht, sondern um den eines hypothetischen Gottes. Während man über den freien Willen der Menschen faktenbasiert argumentieren kann, muss man sich bei der anderen Diskussion darauf erst einmal darauf verlassen, dass man überhaupt die gleiche Vorstellung dieses hypothetischen Gottes hat. Das wird mir persönlich zu hypothetisch. Wer darüber diskutieren will, solls trotzdem tun, mal sehen, wohin das führt.

  35. @Kibo: Das war gut! Das hatte ich auch übersehen.

    Aber wieso bringt uns die Diskussion über die Allmacht vom \“freien Willen\“ weg? In meinem Kopf sind das zwei Seiten derselben Medallie. Ich muß jetzt Bynaus` Artikel nochmal durchlesen, ob ich etwas Wichtiges übersehen hatte.

  36. @Kibo – richtig, das kommt noch dazu, daran habe ich gar nicht gedacht.
    Allerdings, die Sache mit der Allmacht ist ohnehin nicht ganz einfach: denn natürlich kann man nicht verlangen, dass Allmacht bedeutet, dass man auch logisch unmögliche Dinge können muss: so kann ein allmächtiger Gott definitionsgemäss keinen Stein erschaffen, den er nicht heben kann, oder einen Gott, der mächtiger als er selbst ist. In diese Klasse von logischen Einschränkungen der Allmacht gehört gewissermassen auch der freie Wille: wenn Gott weiss, wie er selbst in Zukunft entscheiden wird, kann auch seine Allmacht nichts dagegen ausrichten. Aber wenn wir nun auch noch die Allmacht zu diskutieren beginnen, driften wir definitiv vom ursprünglichen Thema weg.

  37. ein Allwissender Gott kann nicht allmächtig sein, weil nicht mal er einen freien Willen hätte, und so seiner eigenen Vorhersage folgen müsste. Zumindest wenn ich deine definition von freiem Willen so richtig verstanden habe, Bynaus.
    Dies bringt mich dann allerdings zu der Frage bringt, warum meine Entscheidung nicht frei von mir getroffen sein kann, nur weil jemand anderes sie schon weis.

  38. @Ehrenfried: Du verstehst mich oder meine Motivation falsch. Ein allwissender Gott IST ein Laplace\’scher Dämon, da gibt es gar keine Unterschiede, die ich betonen könnte? Steht ja auch so im Artikel. Ich habe im Übrigen kein Problem damit, dieses eher philosophische Thema aufzugreifen (sonst hätte ich es nicht getan). Ich stelle einfach fest: das Weltbild eines Menschen, der an einen allwissenden (dh, auch die Zukunft kennenden) Gott glaubt und gleichzeitig an einen freien Willen (etwa, an einen freien Entscheid, ein \“sündiges\“ oder \“frommes\“ Leben zu führen), weist einen schweren Systemfehler oder Widerspruch auf – den wollte ich, wenn ich ja eh schon den Freien Willen behandle, aufzeigen und damit zum Nachdenken anregen. Es ist aber bei weitem nicht das Hauptthema des Artikels.

  39. @heraklit hat am 04.01.2011 10:28:49 geschrieben:
    \“Die Identität an sich kommt von Gott/ dem Universum.\“

    Das halte ich für eine äussterst problematische Position.
    Wir dürfen nicht vergessen, dass wir sehr gute und valide naturalistische Erklärungsansätze für die meisten solcher Phänomene haben. 😉

    \“Zu deinen Gedanken mit den Zahlen halte ich es mit Gödel
    Jede wahre Aussage ist unvollständig und jede vollständige nicht ganz wahr. Die ideale Zahl existiert vielleicht in Gedanken, aber dort wird sie durch die Nähe anderer Hirnaktivitäten beeinflusst (und findet so ihren weg in ein Universum der fließenden Übergänge)\“

    Zunächst: Auf welche \“Gedanken mit den Zahlen\“ spielst du eigentlich an? Ich habe nur gesagt, dass man das auch anders sehen kann.
    Ich wüsste auch nicht, wie meine Gehirnaktivität etwa einen Satz wie \“a+0=a\“ in seiner Wahrheit oder Falschheit beeinflussen sollte.

    Was Gödel angeht, der war eigentlich ein Platonist.
    In \“My philosophical viewpoint\“ heißt es so zum Beispiel (Zitat):
    \“12. Konzepte haben eine objektive Existenz.\“ (Meine Übersetzung.)

    Dem muss man sich nicht anschließen (ich würde es wohl auch nicht tun) – andere geniale Männer haben anders gedacht – , aber die Auffassung mit der \“notwendigen Vereinfachung, um kommunizieren zu können\“ scheint mir auch nicht unbedingt plausibel…

    @Ehrenfried hat am 04.01.2011 10:35:37 geschrieben:
    \“Was verbietet uns, die Evolution des Universums analog zu betrachten?\“

    Dass der Schöpfer allwissend sein soll. Denn Allwissenheit impliziert (wenn man den Begriff ernst nimmt und ihn nicht zurecht interpretiert), dass man wirklich ALLES weiß.
    Und das betrifft eben auch den zukünftigen Gang der Entwicklung des Universums und die Entscheidung jedes einzelnen Individuums. Aber richtig, Allwissenheit lässt sich NICHT aus \“Schöpfer_sein\“ ableiten.

    Die einzige Schwachstelle dieser Überlegung, die ich sehe, wäre ein Angriff auf den Begriff des Wissens oder der Wahrheit. Wie etwa festzulegen, dass der Begriff der Wahrheit auf zukünftige Aussagen nicht direkt anwendbar ist, etwa weil sie nur prohibitionistisch sind (oder durch mehrwertige Logiken oder so…).

    \“Soll denn ein Wesen kein Bewußtsein entwickeln dürfen, bloß weil es vielleicht nur ein einziges Exemplar seiner Art gibt, das hundert Millionen Jahre alt ist?\“

    Was soll die Frage? (Auch auf die Gefahr hin, unhöflich zu sein.)

  40. Auch ich bin mir sicher, dass Tiere ein Bewusstsein haben,
    und überhaupt alles was Menschen haben, nur in anderer Ausprägung
    die fünfzigtausend Jahre waren noch konservativ geschätzt

  41. @Bynaus: Du betonst mit signifikantem Eifer hier einen Unterschied zwischen einem \“individuellen Gott\“ und dem sogen. Laplace-Dämon, der Dir offenbar sehr geholfen hat, dieses Thema weit genug in die Physik herüberzurücken, bis es Dir würdig schien obigen Text dazu zu schreiben. Dabei bleibt Dein eigentlicher Beweggrund etwas im Dunkeln. Hast Du eventuell vor, zu beweisen, daß ein Laplace-Dämon physikalisch nicht möglich ist? Welche Konsequenzen für geglaubte Götter hätte das denn? Oder wäre das in der Kosmologie wichtig?

    @Kibo: Gerade die Erfahrungen sind im besten Sinne Beispiele für Meme, die zur Auslese stehen (sieh unten die Anmerkungen über \“Macht der Meme\“ ab Buzzti). Die sind eben gerade nicht individuell, wenn man von Ausnahmen absieht. Darüberhinaus ist es für solche Verhaltens-, Willens- und Entscheidungsbetrachtungen klug, einfache Fälle zu untersuchen und nicht immer die Komplexität des Ganzen im Vordergrund zu sehen.

    @Heraklit: Über die Philosophie: Seitdem ich diesen klugen Orang-Utan gesehen habe, der diesem naseweisen Journalisten im Urwald die Grundregeln des fairen Umgangs miteinander beigebracht hat, seitdem würde ich mich nicht wundern, wenn schon solche Primaten so etwas wie eine Philosophie kennen würden. Ein Versuch, die Welt und die Wirkungen dahinter erkennen und verstehen zu wollen. Das würde uns Menschen natürlich ein Stück in unserer Selbstherrlichkeit beschneiden.

  42. @Ehrenfried: Freut mich, dass wir uns verstehen. Aber noch einmal: ich habe kein spezifisches \“Gottesbild\“ das ich hier hochhalte. Wenn du Gläubige fragst, sagen wohl die meisten, dass ein Allwissender Gott auch wissen müsse, was morgen sein wird (siehe z.B. die Formulierung, Gott hätte mit jedem Menschen \“einen Plan\“). Mir geht es hier eigentlich nur darum, dass sobald es einen Laplace\’schen Dämon (in welcher Form auch immer) gibt, der also die Zukunft kennt, bevor sie sich ereignet hat, macht der Begriff des Freien Willen erst recht keinen Sinn mehr. Der persönliche, christliche, allwissende Gott ist nur ein mögliches Beispiel eines Laplace\’schen Dämons.

    @Heraklit: Das fasst es, denke ich, auch sehr schön zusammen.

    @Kibo: Tut mir leid wegen deinem verlorenen langen Text. War darin eine Internet-Adresse mit einem http prefix enthalten? Das könnte der Grund sein, warum er nicht gespeichert wurde.
    Inhaltlich, natürlich sind unsere Entscheide nicht zufällig (ausser in sehr seltenen Fällen). Trotzdem sind Menschen in der Regel nicht so einfach vorhersehbar, weil die Anzahl der beeinflussenden Faktoren bei komplexen Entscheidungen unübersichtlich gross ist, wenn man die Person (und damit ihre Vergangenheit und Charaktereigenschaften) nicht gut kennt. Dass wir Gehirne nicht kopieren können, ist wohl eher eine Frage der Technik und des Aufwandes, als ein grundsätzliches Problem.

  43. Mir ist gerade was eingefallen.

    Warum sollte Gott ein Universum erschaffen dass er schon kennt? Das wäre ja genau so langweilig, wie alle Star-Trek-folgen noch einmal nachzuspielen. Wenn ich Gott wäre, würde ich gar nicht alles wissen wollen, sondern meinen Geschöpfen die Fähigkeit geben selbst zu entscheiden.
    Bynaus, ich denke die Mitglieder deiner repräsentativen Umfrage verstehen etwas anderes unter Allwissenheit. Zum Beispiel kennt Gott die Weltformel, alle mathematisch herleitbaren Sachen, jedes physikalische Phänomen, aber nicht weil er jedes erschaffen hat, sondern weil er bei ihrer Entstehung zu geguckt hat. Gott kennt also alles was schon passiert ist und beobachtet gespannt das Geschehen, so wie wir fernsehen oder Zeitung lesen. Gott ist also wie jemand der sich einen Flipperautomat baut um sich zu beschäftigen, der weis ja auch nicht ob er das nächste Spiel gewinnt.

    Wenn ich jemand wäre, der an einen allwissenden Gott glauben würde, würde ich das so für mich definieren.

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