Mein Wille geschehe

Das Konzept des Freien Willens ist bei genauem Hinsehen problematisch. Die Quantenphysik gibt uns etwas, was diesem Konzept allerdings ziemlich nahe kommt, aber nur, wenn es keine allwissenden Götter gibt.

Hat der Mensch einen freien Willen? Und wenn ja, was bedeutet das? Das ist eine wichtige Frage, denn die Freiheit des Menschen, etwas zu tun, oder auch nicht, ist für viele gewissermassen der Grundpfeiler des Schuldkonzeptes, auf dem unser Straf- und Rechtssystem aufbaut. Wer gegen das Gesetz verstösst, wird bestraft, wobei der Grund dafür wohl in einem Mix aus Züchtigung des Gesetzesbrechers, Abschreckung von Nachahmern und Genugtuung für die Gesetzestreuen zu suchen ist. Dieses Konzept zieht sich von der Steinzeit, über die Religionen (die ja sogar die „ewige Verdammnis“ ins Spiel bringen) bis in die heutige Gegenwart. Gerade die Religionen beharren auf dem Bild des freien Willens, denn ohne Freien Willen machen Gericht und Verurteilung der Ungläubigen zu ewiger Verdammnis angeblich nicht besonders viel Sinn. Wenn man also an diesem Pfeiler zu rütteln beginnt, macht man sich sicher nicht nur Freunde. Aber wir müssen die Realität nehmen, wie sie ist: Eine unbequeme Wahrheit passt sich (leider?) nicht einfach unseren Vorstellungen an, damit es uns besser geht.

Fallende Bleistifte und die Farbe des Autos

Nun stellt sich die Frage, was denn „frei“ in diesem Zusammenhang wirklich heisst. Frei von momentan wirkenden, äusseren Zwängen? Das ist wohl in den meisten Fällen so. Ich kann entscheiden, einen aufgehobenen Kugelschreiber oder Stein fallen zu lassen, oder auch nicht. Ich unterliege keinen starken äusseren Zwängen, niemand setzt mich unter Druck, ihn zu halten oder fallen zu lassen, und so kann ich eben frei entscheiden. Allerdings, in diesem speziellen Beispiel vom Stein oder Kugelschreiber, den man fallen lässt (übrigens ein sehr beliebtes Sujet in Diskussionen über den Freien Willen, wie ich festellen durfte…) ist die Entscheidung ohne Konsequenzen. Da weder das Fallen lassen noch das Halten nennenswerte, erwünschte bzw. unerwünschte Auswirkungen haben, ist der Entscheid letztlich nahezu zufällig – und ein zufälliger Entscheid (gemäss einem „Bauchgefühl“?) hat weniger mit dem Freien Willen als mit Zufall zu tun. Es gibt auch Experimente, die zeigen, dass der vermeintlich „freie“ Entscheid in solchen zwangfreien Situationen keiner ist: Die Gehirnareale, die für die Ausführung der späteren Handlung zuständig sind, werden bereits aktiviert, wenn wir noch der Meinung sind, die Entscheidung gar noch nicht getroffen zu haben (das ist auch kein „vorsorgliches Aufwärmen in Erwartung des Entscheids“: wenn die Handlung nicht ausgeführt wird, wird das Gehirnareal auch nicht aktiviert).

Ein besseres, realistischeres, weil alltagsbezogeneres Beispiel wäre deshalb ein Autokauf. Soll die Entscheidung vernünftig sein, wird man nun Vorsichtig alles, was man über das Auto und die eigenen Vorlieben weiss, mit den Nachteilen und Alternativen abwägen, und am Ende aufgrund dessen, was man über das Thema weiss, eine Entscheidung treffen. Ist diese Entscheidung denn nun wirklich „frei“? Denn schliesslich sind die Faktoren, die die Entscheidung beeinflussen, ja nun mal so und nicht anders gelagert: Vielleicht brauche ich das Auto zum Arbeiten, vielleicht hat es das beste Preis-Leistungs-Verhältnis, und die Alternativen sind allesamt schlechter. Natürlich hat man zu jeder Zeit das Gefühl, man könnte sich auch anders entscheiden – [i]wenn man denn wollte (aber man will nicht…)[/i] – aber wenn wir am Ende einen vernünftigen Entscheid treffen wollen, dann berücksichtigen wir alles, was wir wissen, nach „bestem Wissen und Gewissen“. Was wir wissen, ist aber einfach die Summe der Eindrücke, die wir bisher im Leben hatten, und auf diese Eindrücke hatten wir keinen Einfluss. Das Gehirn ist eine hochkomplexe biologische Maschine, aber sie setzt letztlich einfach Input-Signale der einen Art in Output-Signale der anderen Art um. Selbst wenn wir den Freien Willen sehr weit auslegen und den menschlichen Geist als übernatürliche Instanz (als „Seele“) betrachten wollen, die über der Natur steht und diese beeinflussen kann, kommen wir aus diesem Dilemma dieses „milden“ äusseren Zwangs nicht raus: Wie wir entscheiden, hängt einfach davon ab, was für ein Leben die Seele in ihrem menschlichen Körper bisher gelebt hat. Jeder Entscheid ist immer entweder „erfahrungsgesteuert“ (und damit diesen „Zwängen der Erfahrung“ unterworfen) oder „nicht erfahrungsgesteuert“. Ist er „nicht erfahrungsgesteuert“, ist er entweder zufällig oder, da der Mensch sicher kein zuverlässiger Zufallsgenerator ist, zumindest „bauchgesteuert“, was nichts anderes heisst, als dass man eine unbewusste Entscheidung trifft (und „bauchgesteuert“ klingt ja nicht allzu sehr nach Freiem Willen). Ein Bauchentscheid wäre z.B. die Farbe des Autos. Die Farbe des Autos wird in der Regel nicht rational entschieden, sondern aufgrund persönlicher Vorlieben wie Lieblingsfarben. Doch woher kommen diese Vorlieben? Auch hier muss man in der Umwelt suchen: vielleicht hatte einmal ein Lieblingsspielzeug diese Farbe, oder die Lieblingsfarbe ist vielleicht die gleiche wie die der ersten Schulfreundin. Das wird sich auch nicht immer so genau eruieren lassen, aber irgendwoher – aus der Umwelt – kommt die Präferenz für eine bestimmte Farbe im Moment des Autokaufs. Letztlich ist also jede Entscheidung, die nicht einfach „rein zufällig“ ist, von äusseren Faktoren abhängig, manchmal bewusst, manchmal unbewusst. Man kann den Menschen insofern auch mit einem komplexen Computerprogramm vergleichen, das eine Vielzahl von Variablen abwägt und schliesslich aufgrund von Bewertungstabellen eine Entscheidung trifft. Trifft dieses Programm seine Entscheidung „frei“? Könnte es sich auch anders entscheiden? Nein, nicht wirklich – oder nur, wenn die Variablen anders gelagert gewesen wären. Doch worin unterscheidet sich der Mensch dann von dem Programm? Darin, dass er manchmal nicht immer weiss, weshalb er seine Entscheidungen gerade so und nicht anders trifft, oder weil er seine Entscheidungen nicht immer rational erklären kann? Mal ganz abgesehen davon, dass auch intuitive Entscheide letztlich auf Erfahrungen basieren: beides ist letztlich kein Gewinn an Freiheit, sondern nur an Unberechenbarkeit. Man kann auch ein Computerprogramm so gestalten, dass immer ein wenig Zufall in die Entscheidungen mit einfliesst. Es ist dann schwieriger (bis unmöglich), vorherzusagen, wie sich das Programm, bzw. der Mensch in einer gegebenen Situaiton verhalten wird. Aber das ändert nichts daran, dass [i]bei vorheriger Kenntnis aller Umstände[/i] letztlich nur ein einziger Entscheid wirklich möglich war: jener, der am Ende umgesetzt wurde.

Insofern könnte man sagen: Der Mensch kann und wird tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will. Die ganze Persönlichkeit eines Menschen, sein Wissen, seine Erfahrung, seine Verhaltensweisen sind das Produkt des Lebens, das er gelebt hat, die Summe aller Eindrücke, das Destillat seiner Erfahrung. Was denn sonst? Jede Entscheidung, egal ob bewusst oder unbewusst, rational oder emotional getroffen, basiert auf diesem Fundus. Natürlich ist das ganze im Allgemeinen viel zu komplex, um einfache Wenn-Dann-Zusammhänge herzustellen. Menschen sind deshalb in der Regel nicht vorhersehbar, die Fülle und Komplexität der mitspielenden Faktoren schlicht nicht überschaubar. Aber das ändert nichts an der generellen Aussage: unter den gleichen Bedingungen würde der gleiche Mensch wieder exakt die gleiche Entscheidung treffen (Reue im Nachhinein, „hätte ich das gewusst, hätte ich nicht…“, ist ja gerade das Eingeständnis, dass man durch die auf die Entscheidung folgende Erfahrung verändert worden ist, so dass man – mit diesem neuen Wissen im Hinterkopf – anders entschieden „hätte“).

Auftritt Laplace’scher Dämon

Eine andere Perspektive auf das Thema (mit letztlich gleichem Resultat) gibt einem der naturwissenschaftliche Determinismus. Wenn die Welt nur aus Teilchen und Kräften zwischen ihnen besteht, dann ist die Welt letztlich nichts anderes als ein ultra-kompliziertes Billardspiel. Dieser Umstand wurde auch schon mit dem „Laplace’schen Dämon“ umschrieben: wenn dieser gedachte Dämon in der Lage wäre, die Position und die Geschwindigkeit jedes Teilchens im Universum zu messen, könnte er daraus die Zukunft, einen winzigen Moment später vorhersagen – und dann einen weiteren Moment später, noch einen weiteren… Die Welt nähme ihren letztlich berechenbaren, deterministischen Verlauf.

Der Laplace’sche Dämon wird – teilweise, wie wir gleich sehen werden – durch die Quantentheorie exorziert. Zunächst einmal ist es gemäss der Heisenbergschen Unschärferelation grundsätzlich physikalisch unmöglich, sowohl die Position als auch die Geschwindigkeit (genauer: den Impuls) eines Teilchens gleichzeitig zu messen. Demnach werden wir die Welt niemals genau genug im „Jetzt-Zustand“ erfassen können, um daraus einen späteren „Jetzt-Zustand“ zu berechnen. Weiter ist die Welt gemäss der Quantentheorie probabilistisch, ein Teilchen, das sich von A nach B bewegt, nimmt zwischen den beiden Punkten zufällig einen von vielen möglichen Wegen. jeder denkbare Weg hat einfach eine gewisse, ihm zugeordnete Wahscheinlichkeit, vom Teilchen begangen zu werden, und erst im Nachinein lässt sich sagen, welcher es denn nun wirklich war.

Die Quantentheorie führt uns somit vom deterministischen zum chaotischen (oder probabilistischen) Weltbild. Der Verlauf der Welt ist nicht nur von deterministischen Naturgesetzen, sondern auch von zufälligen Variablen abhängig, die man nicht kennt und auch nicht kennen kann. So, als ob auf dem Billard-Tisch des oben erwähnten universellen Billardspiels zufällig Beulen und Dellen auftauchen würden, die jede Vorhersage der künftigen Kugelpositionen verhinderen. Das alles ändert aber nichts daran, dass unter dem Einfluss all der Beulen und Dellen, die zwischen zwei Zeitpunkten tatsächlich aufgetreten sind, also [i]bei vorheriger Kenntnis aller Umstände[/i] nur eine einzige Kugelposition hat resultieren können. Hätte man die Beulen und Dellen im Voraus gekannt, hätte man auch die Position der Kugeln berechnen können. Denn auch wenn ihre Bahnen von Beulen und Dellen abgelenkt werden, die Billardkugeln genügen immer noch den gleichen, eindeutigen physikalischen Gesetzen. Auch wenn viele mögliche Ausgänge (abhängig von den auftretenden Beulen und Dellen im Billardtisch) denkbar sind, jedes bestimmte Set von Beulen und Dellen hat nur eine einzige mögliche Kugelverteilung zur Folge.

Deshalb ist der Laplace’sche Dämon nicht vollständig besiegt: Die Welt hat nun eben nicht nur eine deterministische, sondern auch eine chaotische Komponente, so dass der nächste Moment nur deshalb nicht berechenbar ist, weil man den Beitrag der chaotischen Komponente naturgemäss nicht kennen kann.

Freiheit im Chaos

Diese chaotische Komponente öffnet uns aber eine neue Möglichkeit zur Definition des Freien Willens. Man könnte nun nämlich sagen: Eine Entscheidung ist offen, bis der Mensch sie getroffen hat, sie steht vor dem Zeitpunkt der Entscheidung noch nicht fest. Das verdanken wir der Quantentheorie. Wenn die Welt probabilistisch, also von zufälligen Entwicklungen abhängig ist, dann steht mein künftiger Entscheid zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest. Es kann zum Beispiel sein, dass eine zufällige Quantenfluktuation ein Botenstoffmolekül in meinem Gehirn gerade derart ablenkt, dass ich einen irrationalen Entscheid treffe und das Auto doch (nicht?) kaufe, oder den Kugelschreiber doch fallen lasse, oder an der blauen Farbe des Autos festhalte. Man hätte den Ausgang des Entscheidungsprozesses – bevor die Entwicklung tatsächlich geschah – unmöglich wissen können, denn die Quantenfluktuation war ja rein zufällig. Man könnte nun (gäbe es die Heisenbergsche Unschärferelation nicht), im Nachhinein, zwar berechnen, das es angesichts der stattgefundenen Quantenfluktuationen (die Dellen und Beulen des Billardtisches) nur so und nicht anders hätte herauskommen können. Aber bis zum Moment der Entscheidung stand der Entscheid selbst nicht fest. Die Zukunft ist in diesem Modell wirklich offen und grundsätzlich nicht berechenbar. Es ist zwar letztlich nicht der Mensch als „Individuum“, der die Entscheidung trifft: die involvierten Teilchen, die deterministischen Gesetzen und zufälligen Quantenfluktuationen gehorchen, entscheiden über den weiteren Verlauf der Welt. Immerhin befinden sich die wichtigsten Teilchen ihrerseits im Gehirn des Menschen, der „entscheidet“, insofern ist es nicht ganz falsch, die Entscheidung gewissermassen beim Menschen zu suchen.

Wie sieht es denn nun mit der Schuldfähigkeit aus? Bedeutet all dies, dass wir sofort alle Gefängnisse öffnen, alle Verbrecher freilassen müssen, weil sie ja „gar nicht anders konnten“ und damit unschuldig sind? Nein. Die Androhung von Strafe bei sozialem Fehlverhalten ist ein wichtiger Faktor in der Sozialisierung des Menschen, sowohl für den Verbrecher als auch für alle Gesetzestreuen. Genau diese Sozialisierung ist es, die die Menschen prägt, sie macht einen grossen Teil des Fundus aus, auf den Menschen zurückgreifen, wenn sie ihre Entscheidungen treffen. Wenn Straftaten ab sofort ungesühnt blieben, hätte dies einen grossen, negativen Einfluss auf diese Sozialisierung. Die Straffreiheit wäre ein Faktor, der von nun an in alle Entscheidungen einbezogen würde, und das kann niemand wirklich wollen. Ausserdem gibt es den präventiven Aspekt der Gefangenschaft: wer schon einmal getötet hat und deswegen im Gefängnis sitzt, kann (in der Regel) keine weiteren Menschen umbringen. Das Konzept der Schuld wird auch nicht überflüssig – es wird nur von moralischem Balast befreit. Ja, der Mörder hätte letztlich nicht wirklich anders handeln können – aber genausowenig kann die Gesellschaft (bzw. der Richter) anders handeln, als ihn dafür ins Gefängnis zu befördern.

Ist ein Leben sinnlos, weil der Ausdruck „Freier Wille“ ein falsches Sprachbild ist? Nein, natürlich nicht. Letztlich sind es ja unsere Entscheide, die die Entwicklung unseres Lebens formen – bloss sind die Entscheide selbst Teil des Welt-Programms, des Billardspiels. Wir können nicht anders, weil wir genau dieses Leben leben. Wir können uns zwar alternative Entwicklungen vorstellen, aber das macht diese nicht realistischer. Das macht uns, gewissermassen, zu Entdeckern unseres eigenen Lebens. Es ist beruhigend, ja entspannend zu wissen, dass der weitere Verlauf, ja auch das Ende noch nicht feststeht. Wie bei einem live im Fernsehen übertragenen Fussballspiel dürfen wir in unserem eigenen Leben mitfiebern, mitleiden und die Akteure im Geist oder auch lautstark anfeuern (obwohl uns ja irgendwie schon bewusst ist, dass dies auf den Ausgang keinerlei Einfluss hat – aber das war der Stimmung ja noch nie abträglich…).

In einem Universum hingegen, in dem es auch nur einen einzigen „Laplace’schen Dämon“ gibt, der die Entwicklung der Zukunft bereits heute kennt, gibt es keine solche (limitierte, chaotische) Freiheit. Statt einem Live übertragenen Spiel haben wir es nun mit einer Aufzeichnung des Spiels zu tun, und das ist eine viel langweiligere Angelegenheit. Ein allwissender Gott, wie er in allen monotheistischen Religionen vorkommt, ist der ultimative „Laplacesche Dämon“. Denn wenn sein Wissen über die Zukunft perfekt ist, dann gibt es nur eine einzige Zukunft, die sich realisieren kann. Nennen wir diese Zukunft den Masterplan. Im Masterplan steht schon heute fest, was in 100 Jahren passieren wird, und zwar bis hin zur Position jedes einzelnen Moleküls im Universum (denn wer würde schon behaupten, ein allwissender Gott würde die Position jedes einzelnen Moleküls im Universum in 100 Jahren nicht kennen?). Und da Gottes Kenntnis von der Zukunft eben perfekt ist, wird es nie etwas anderes als den Masterplan geben, denn würde er verändert, dann wüsste dies ein allwissender Gott natürlich schon heute und die Veränderung wäre folglich Teil des Masterplans. Das Masterplan-Universum ist ein statischer Block, der von den Menschen nur noch „abgelesen“ werden muss (eben, wie oben erwähnt, eine „Aufzeichnung“).

Hat der Mensch also einen freien Willen? Seine Entscheidungen sind teilweise determiniert, teilweise chaotisch, zudem hochkomplex und aus all diesen Gründen nicht vorhersehbar. Die Entscheidungen des Menschen sind also immerhin insofern frei, dass sie nicht feststehen, ehe er sie gemacht hat. Aber nur, wenn es keine allwissenden Götter gibt.

50 Kommentare

  1. Hmm, irgendwie ist der lange Text jetzt abhanden gekommen.
    Also fasse ich meine kleien Theorie nochmal zusammen:
    Ich betrachte 2 verschiedene Arten von Input:
    Die Aufgabenstellung, sie ist bei jedem betrachteten Individuum gleich
    Die Erfahrung, sie ähnelt sich aber kein Mensch hat genau die gleiche Erfahrung wie ein anderer.
    Der Output ist die Lösung der Aufgabe, genauer die Handlungsweise.
    \“Freier Wille\“, das sind nicht umsonst 2 Wörter, denn es ist ein künstliches Konstrukt, das 2 gegensätze vereinbart.
    \“Wille\“ zeigt die Rationalität auf die hinter jeder Handlung steckt. im Nachhinein kann man jede Handlung irgendwie begründen ABER
    Man kann die Handlung eines Menschen vorhersehen, denn seine Handlungsweise resultiert aus seiner Erfahrung die ja bei jedem Menschen verschieden ist. Die \“Freiheit\“ ist also eigentlich eine Unvorhersehbarkeit die allein aus der Verschiedenheit eines jeden Individuums hervorgeht.
    Das entscheidet uns auch von einer Lottomaschiene: die wirft bei jeder Ziehung unterschiedliche Zahlen aus weil sie auf reinen Zufall beruht, sie hat ebend keine Erfahrung.
    Ein Mensch trifft mit der selben Erfahrung auch immer die selbe Entscheidung, er unterscheidet sich von einem Computerprogramm durch seine Individualität. EIn Programm kann man kopieren ein Gehirn dagegen nicht.

    mfg

  2. Für diejenigen denen mein Text zu lang und unverständlich formuliert ist:
    Freier Wille ist ein Kompromiss, den Menschen erfunden haben, um das Paradoxon zu erklären, dass fast alle Menschen logisch denken können und doch bei gleichen Problemen so unterschiedlich handeln.

  3. Welcher Mensch hat überhaupt das Bedürfniss sich \“frei\“
    zu entscheiden, wenn er zu einer optimalen Handlungsoption
    gelangt ist, selbst wenn diese nur vom \“Input\“ abhängt.
    Man fühlt sich frei dabei, weil man diese Lösung selbst gefunden hat, auch wenn man nur elektrische und chemische Aktivität im Gehirn ist.

    Aber so ist das mit der Philosophie:
    Seit 50000 Jahren drehen sich die gleichen Gedanken im Kreis herum und werden immer wieder etwas anders formuliert.

  4. @Bynaus: Gut, ich sehe den Schwachpunkt in meiner Darstellung.

    Entscheidend ist doch wohl, ob man das \“allwissend\“ auf die jeweilige Gegenwart bezieht, auf die Menge an Möglichkeiten in der Zukunft oder aber auf die konkrete Entwicklung einer Situation, die in der Gegenwart auf Grund chaotischer Determination noch völlig offen (aus unserer Sicht) ist. Wenn der Liebe Gott es längst weiß, in welcher Reihenfolge künftig welche Lottozahlen gezogen werden, dann müßte man ihm wahrhaft zubilligen, daß er in einer transzendenten Weise über allen Dingen und Kausalitäten steht. Um die Metaphysik zu bemühen, könnte ich ihm dann auch zu Recht vorwerfen, daß er mich immer dann Lotto spielen läßt, wenn schon fest steht, daß ich nichts gewinne. Ein Problem sehe ich aber darin, daß Gott nichts ist, was wir analytisch auf seine Eigenschaften hin untersuchen könnten. Er ist zweifelsohne für jeden Gläubigen so, wie er ihn glauben möchte. Daher erscheint es mir im wissenschaftlichen Ambiente ein wenig unzulässig, einerseits zu postulieren, er müsse diese oder jene konkrete Eigenschaft haben, um ein Gott zu sein, und andererseits hernach zu versuchen, den Kern aller menschlichen Weisheit aus seiner Allmacht und Allwissendheit abzuleiten.

    Dabei will ich gar nicht der Versuchung nachgeben, zu urteilen, wie weit sich diese Diskussion auf dem Gebiet der Metaphysik abspielt und wo deren Grenzen überschritten werden, denn das weiß ich gar nicht so genau. Aber ich denke, daß Recht und Gesetz im juristischen Sinne als kollektive Vereinbarungen gedacht sind, die ganz bewußt über die Frage hinausgehen, ob ein faktisch Schuldiger in einem transzendenten, also über das Kausale hinaus gehenden Sinne unschuldig sein könnte. Das, so würde man in bester christlicher Tradition sagen, liegt nicht in unserer Macht. Das Recht ist eine gewollt grob gehaltene Kategorie, es soll sich nicht in den Abstraktionen der Physiker verlieren. Das würden die meißten Menschen gar nicht verstehen.

  5. Die Idee eines Masterplanes lässt doch nur gerade einen festgeschriebenen Weg in die Zukunft offen. Sollte ein Masterplan, über Vergangenheit und Zukunft existieren, so wäre für uns auch die zukünftige Entwicklung besse erkennbar.

  6. @Ehrenfried: Es geht aber gar nicht um Einflussnahme. Es geht um die Frage, ob ein Entscheid frei sein kann, wenn das Resultat schon feststeht (weil der allwissende Gott wissen muss, wie du dich entscheiden wirst – sonst ist er nicht allwissend – kannst du dich nicht anders entscheiden, als so, wie es in seiner Zukunftsvision vorgesehen ist).

    Nehmen wir ein konkretes Beispiel: Du stehst auf einem Hochhausdach und denkst darüber nach, runterzuspringen. Tust dus? Die Entscheidung \“liegt bei dir\“. Doch ein allwissender Gott weiss bereits jetzt, dass du, sagen wir, nicht springen wirst. Wie also kann dein Entscheid, zu springen oder nicht, wirklich frei sein? Es steht ja schon jetzt fest, dass du nicht springen kannst (du weisst es bloss nicht, aber das ändert nichts daran), denn sonst hätte sich Gott ja geirrt, was definitionsgemäss (allwissend) nicht möglich ist. Die Entscheidung liegt nicht bei dir, sondern beim Masterplan. Deshalb sage ich: sobald es ein allwissendes Wesen gibt im Universum, gibt es keinen freien Willen mehr, nicht einmal in dem begrenzten Umfang, den ich im Artikel dargelegt habe.

  7. @Bynaus: Warum sollte der allwissende und allmächtige Gott Einfluß darauf nehmen, was mein freier Wille (sei er nun mehr oder weniger frei) bewirkt oder bewirken könnte? Die Dinge befinden sich, wie man in Scifi immer so schön sagt \“im Fluß\“. Es gibt keinen Zwang, eine gegebene Situation zum Guten (für wen?) zu managen, nicht einmal im Bewußtsein von omnipotenter Macht und Wissen. Es mag kommen wie es will oder auch so bleiben, wie es war, es ist nicht vorherbestimmt, auch nicht für Gott.

    @Heraklit: [Zitat]\“Wir sind frei in unseren Entscheidungen, aber weil wir in einem gewissen Sinn Gott sind, ist unser Wille sein Wille.\“

    Dem kann ich hundertprozentig zustimmen! Wir sind Götter und in dem Maße, wie wir es noch nicht sind, werden wir es zukünftig werden.

    Und als kleine Nachbemerkung zu meinem letzten post: Die Open-Source-Sonftware Linux hat viel Qualitäten jenes von mir unten beschriebenen Programms. Sie programmiert sich zwar noch nicht selber, aber sie ist darauf angelegt, Menschen zu finden und zu gewinnen, die das für sie erledigen. Sozusagen vergleichbar einer ausgelagerten Dienstleistung. Und sogar kostenlos als Freundschaftsdienst. Also ich finde das kosmisch berauschend.

  8. @Ehrenfried: \“Was verbietet uns, die Evolution des Universums analog zu betrachten?\“

    Nichts (was nicht heisst, dass es so sein muss).

    Ich sage bloss: Die Vorstellung des freien Willens ist mit der Vorstellung eines allwissenden Gottes (und zwar nicht einem, der einst, zu irgendeinem Zeitpunkt in der Vergangenheit allwissend war, sondern immer, auch jetzt) unverträglich. Man kann also an eine Art freien Willen (wie von mir im Artikel dargelegt, frei im Sinne von \“noch nicht festgelegt\“) glauben, aber das schliesst einen allwissenden Gott aus. Oder aber, man glaubt an einen allwissenden Gott, aber das schliesst jede denkbare Variation von \“frei\“ in \“freiem Willen\“ aus.

  9. Ich will versuchen meine Philosophie für den freien Willen deutlicher zu machen:
    Wir sind frei in unseren Entscheidungen, aber weil wir in einem gewissen Sinn Gott sind, ist unser Wille sein Wille.

    Das es einen Masterplan gibt glaube ich allerdings nicht,
    Realität zeichnet sich gerade durch Möglichkeit zur Veränderung aus, wäre das Universum streng deterministisch wäre das Ganze so real wie ein Roman, den die Romanfiguren ja nicht lesen können. O Gott ist das schwer zu formulieren, ich hoffe ihr versteht annähernd was ich meine.

  10. Mein Widerspruch an alle, die hier diese Allwissendheitsthese vertreten haben:

    Es ist doch denkbar, daß ein Programmierer heute ein Programm schreibt, das lernfähig ist und sich selbstständig vermehrt und verbreitet. Für diesen Fall wäre es dem Programmierer nicht vorhersehbar, was aus seiner Schöpfung in einigen Jahren oder sogar Jahrzehnten werden wird. Auch wenn er mit dem Anfangszustand bestens vertraut ist und die nahe Zukunft vielleicht richtig vorhersagen könnte, das künftige Potential seines Programms wird ihm verborgen bleiben, die Zukunft ist auch in diesem Falle offen. Der Programmierer könnte auch versterben oder einfach das Interesse an der Sache verlieren, auf die weitere Evolution seiner Schöpfung hätte das keinen weiteren Einfluß. Was verbietet uns, die Evolution des Universums analog zu betrachten?

    Und nebenher: Soll denn ein Wesen kein Bewußtsein entwickeln dürfen, bloß weil es vielleicht nur ein einziges Exemplar seiner Art gibt, das hundert Millionen Jahre alt ist?

    Und auch das Programm oben, da können wir auch nicht heute feuchtfröhlich postulieren, daß es niemals in der Zukunft eine Entität darstellen wird, die sich der Existenz seiner selbst als Subjekt bewußt wird. Der Vorgang des Bewußtwerdens, also der Trennung von Objekten und Subjekt ergibt sich meiner Ansicht nach zwingend, sobald ein bestimmter Durchsatz an Information erreicht ist, egal, ob man ein menschliches Baby oder einen Kybernet betrachtet. So erklärt sich auch das Phänomen \“Data\“, das hier von jemandem angesprochen wurde.

  11. @ Ehrenfried

    Ich meinte damit dass in jeden Menschen
    Wahrnehmungen und Emotionen verarbeitet werden,
    doch das \“Ich\“, dass sie sich wie \“meine\“ Gefühle anfühlen lassen, kommt vom Universum oder von Gott.
    Es ist als ob Gott die Lichtquelle ist, in der mein Leben
    sichtbar wird, wie ein Stück Laub das vorbeisegelt.
    Wenn ich einmal Tod bin, ist das Stück Laub vorbeigesegelt,
    aber wenn das nächste Blatt in den Lichtkegel fällt,
    wird es (ich) sich ebenfalls zweifelsfrei als \“ Ich\“ anfühlen
    Die Identität an sich kommt von Gott/ dem Universum.

    Und ja ich habe verschiedene Gedanken ziemlich durcheinander gewürfelt. Ich war zwar nicht betrunken,
    aber übernächtigt 😉
    Zu deinen Gedanken mit den Zahlen halte ich es mit Gödel
    Jede wahre Aussage ist unvollständig und jede vollständige nicht ganz wahr. Die ideale Zahl existiert vielleicht in Gedanken, aber dort wird sie durch die Nähe anderer Hirnaktivitäten beeinflusst (und findet so ihren weg in ein Universum der fließenden Übergänge)

  12. @Unbekannter Gast hat am 02.01.2011 20:00:39 geschrieben:
    \“uer gott aendert der freie wille eh nix da er alles kennt. das ist ein bild das imho alles unter einen hut bringt und dem wort allwissend gerecht wird.\“

    Ne, denn Gott müsste auch wissen, für welche potentielle Option sich ein Individuum tatsächlich entscheidet.

    @Bynaus hat am 02.01.2011 21:33:26 geschrieben:
    \“ \“Lotto ist eine Steuer für Leute, die nichts von Mathematik verstehen\“ – gefällt mir immer noch :)\“
    Jao, die Version ist geil!

  13. @Unbekannter Gast (bitte legt euch doch einfach generische Nicks zu, wenn ihr postet – das wird sonst unübersichtlich…):

    Die Frage ist nicht, ob Gott alle Möglichkeiten kennt, sondern ob er die Entscheidungen der Menschen kennt, bevor diese sie getroffen haben. Wenn ja, dann gibt es keinen \“Freien Willen\“, denn eine andere Entscheidung als die, die Gott schon kennt, gibt es nicht. Wenn nein (dh, wenn sich die Menschen auch anders entscheiden können als Gott \“zu wissen glaubt\“) dann ist er offensichtlich nicht allwissend.

  14. @Ehrenfried hat am 31.12.2010 18:20:48 geschrieben:
    \“Das finde ich ebenfalls, es ist ein brauchbares evolutionäres Denkmodell, um nicht zu sagen ein darwinistisches.\“

    \“Darwinistisch\“ als Steigerung von \“evolutionär\“?

    \“Aber das Bewußtsein existiert doch nicht, weil andere in der Gruppe sich so verhielten, als hätten sie eines!\“

    Wenn man keine radikal behavioristische Position einnimmt (die aber durchaus intellektuell zu vertreten ist), dann nein.
    Allerdings besteht ein _positiver Selektionsdruck_ für Bewusstsein, wenn Verhalten als hätte man Bewusstsein jedem Gruppenmitglied beigebracht wird. Das heißt, ein Lebewesen, das nicht oder nur schwach fähig ist, Bewusstsein auszuprägen, wird viele Übungen nicht mehr verstehen und daher später von potentiellen Sexualpartnern nicht für besonders attraktiv gehalten werden.

    \“Ja, selbstverständlich. Aber diese Vielfalt hat kein Bewußtsein. Außer, wenn jemand den ultimativen Bewußtseins-Chemismus entdeckt. Dann gebe ich diese Ansicht gerne auf.\“

    Gut, das stimmt. Allerdings ist die Formulierung mit \“Gegenwartszeit\“ nicht grade leicht nachzuvollziehen.

    @Ehrenfried hat am 31.12.2010 20:36:41 geschrieben:
    \“Das halte ich für eine zu physikalische Vorstellung von Gott.\“

    Nein. Das ist eher eine Folgerung aus dem Begriff der Allwissenheit. Allwissenheit bedeutet nämlich nichts anders als alles Wissen zu besitzen. Das heißt, zukünftige Ereignisse müssen bereits genauso gewusst werden, wie wenn sie sich bereits ereignet hätten.
    Im Prinzip handelt es sich um eine spezielle Formulierung des sog. \“Problems der künftigen Schlacht\“ von Aristoteles (und Diodorus Cronus).

    @Ehrenfried hat am 31.12.2010 20:40:23 geschrieben:

    Interessant Geschichte, erinnert mich etwas an diese statistischen Gesetze, demnach einiger Zahlen bei tatsächlichen Statistiken häufiger sind als andere.

    @heraklit hat am 01.01.2011 12:57:54 geschrieben:
    \“Ich glaube schon seit längerem, dass
    das ganze Konzept der Realität dazu dient,
    dass das Universum sich selbst rezipieren kann.\“

    Das verstehe ich nicht. Was soll das heißen, das Universum sich selbst rezipieren?

    \“Nein, das ist eine notwendige Vereinfachung eines realen Elements,um kommunizieren zu können\“

    Das ist doch ein ganz anderes Thema. Dennoch kann man es auch so sehen, wieso nicht?

  15. @Ehrenfried: \“Das halte ich für eine zu physikalische Vorstellung von Gott. Dürfte er nicht selbst entscheiden, ob er alles etwas lockerer sehen möchte, ob er ab und zu mit Neuem experimentiert oder ob er sogar ein Spieler ist? Vielleicht ist ihm alles Wissen sogar suspekt – Hauptsache, die Schöpfung funktioniert?\“

    Ich bin ja nicht der, der irgendwelche Gottesbilder hochhält. Allwissenheit scheint aber nach einer nicht-repräsentativen Meinungsumfrage (mit einer winzigen Stichprobenmenge) meinerseits ein allgemein akzeptiertes Feature von \“Gott\“ zu sein. Gleichzeitig halten die gleichen Leute eisern am \“Freien Willen\“ fest – ein logischer Widerspruch, den mir noch niemand hat erklären können – stets flüchten sich alle auf die \“wir können uns Gott nicht vorstellen\“-Insel, oder manchmal auch das \“Gott muss sich menschlicher Logik nicht beugen\“-Archipel. Das Gottesbild, das du da entwirfst, ist aber nicht mit Allwissenheit verträglich. \“Dein\“ Gott ist sehr menschlich (wie letztlich alle Götter), doch Menschen sind nicht allwissend.

    Was deine Lottospiel-Geschichte angeht, ich bin mir sicher, da wird nicht getrickst mit den Zahlen. Das ist gar nicht nötig, das System funktioniert von selbst und basiert darauf, dass Menschen kein Gespür für Wahrscheinlichkeiten haben. \“Lotto ist eine Steuer für Leute, die nichts von Mathematik verstehen\“ – gefällt mir immer noch 🙂 Deine \“Verschwörungstheorie\“ fällt nur schon deshalb in sich zusammen, weil die einzelnen Spiele ja nicht einem Spieler zugeordnet werden können, und weil \“die\“ ja nicht wissen, wann du beschliesst, dein System jetzt wieder mal zu probieren. Woher sollen die denn wissen, dass der Ehrenfried jetzt wiedermal spielt – so dass sie die Anweisung geben können, die Zahlen anders auswürfeln zu lassen? Du hast recht, das ist Offtopic, und ich möchte das hier deshalb nicht vertiefen.

  16. ein allwissender gott kennt meiner meinung nach nicht nur die position jedes elementar teilchens in 100 jahren sondern er kennt alle moeglichen positionen in allen konfigurationen.

    wenn alles realisiert ist also alles existiert alle denkbaren welten und der mensch trifft eine entscheidung mag sie noch so klein sein erlebt er das leben das er sich ausgesucht hat wobei er im endeffekt aber nur eine der trilliarden varianten erlebt die moeglich sind aus seiner position. jeder mensch gestaltet die realitaet mit wobei gleichzeitig auch alle anderen welten existieren. wenn gott dann muss er per definition alles wissen und somit kann der mensch trotzdem frei entscheiden da gott wie auch immer der mensch sich entscheidet eh alle varianten kennt das bewusstsein surft praktisch zwischen ihm zugaenglichen realitaeten. fuer gott aendert der freie wille eh nix da er alles kennt. das ist ein bild das imho alles unter einen hut bringt und dem wort allwissend gerecht wird.

  17. Vielleicht ist das ganze Ich ja nur ein Produkt des Bewusstwerdens der Realität. Aus dem Dunkel kommen Kausalitätsstränge, die man als Beobachtung wahrnimmt sobald ich auf sie fällt. Ich glaube schon seit längerem, dass
    das ganze Konzept der Realität dazu dient,
    dass das Universum sich selbst rezipieren kann.

  18. Da bin ich wieder, sprach der Cognac…

    Also ich wollte natürlich nicht diesen schönen Thread mit meinem ganzen pseudotrolligen Output zumüllen. Aber ich hatte noch einen Einfall zum Thema \“Mein Wille geschehe!\“

    Wenn nämlich ein Mathematiker sagt: \“Es sei eine Zahl…\“, dann begründet er damit eine ganz neue Welt des abstrakten Denkens. Denn so eine Zahl existiert ja im materiellen Universum nicht real. Das ist also fürwahr ein schöpferischer Akt!

  19. Weil heute Silvester ist, wo das Glück allenthalben in größeren Chargen beschworen wird und es hier um Abwägemaschinen geht, die Lottomaschine ist sozusagen ein Spezialfall einer Abwägemaschine, möchte ich hier eine Geschichte erzählen. In der Hoffnung daß es niemanden langweilt und auch keinem auf die Nerven geht.

    In größeren Abständen in meinem Leben war ich immer mal wieder dem Ehrgeiz erlegen, mich mit den Lottozahlen zu beschäftigen. Mit dem Lottospielen generell, mit den Thema Hochquotenzahlen, mit der Wirkung von Lottogewinnen als ökonomische Fluktuation und anderes. Recht stolz war ich immer auf meine Fähigkeiten in EXCEL und auf meinen selbstprogrammierten Tippgenerator. Normalerweise spiele ich aber nicht.

    Zuletzt untersuchte ich die Frage, ob es Zahlenfelder von etwa 10 bis 16 Zahlen Größe gibt, die im 49iger Spiel größere Gewinnchanchen versprechen als andere von gleicher Größe. Was viele Mathematiker vermutlich sofort bestreiten würden, am engagiertesten diejenigen, die für Lottogesellschaften arbeiten. Aber es gibt sie. Wenngleich es über die Wahrscheinlichkeiten betrachtet, nicht lohnt, gleich mit dem Plänemachen fürs Reichwerden anzufangen. Aber als ich die bei den regulären Ziehungen erzeugten Gewinnquoten in meinen Feldern über eine Weile als Graph anschaute, fiel mir auf, daß es eine oszillierende Kurve war. Unregelmäßig zwar, aber mit deutlich erkennbaren Maxima und Minima, ganz genau so, wie bei jenen Indikatoren für Börsenkurse, die man Oszillatoren nennt.

    Jeder kann sich meine Begeisterung vorstellen. Ich habe auch gar nicht erst versucht, analoge Berechnungen für beliebige andere Felder zu machen. Nein, ich dachte bloß, endlich hab ich mal was! Ich verfolgte den Graph über zwanzig Ziehungen, und als sich mein Oszillator aus dem letzten Minimum wieder über den Durchschnitt erhoben hatte und auf das nächste Maximum zustrebte wagte ich einen Versuch mit echten Tipps. Das Resultat: Kein einziger Dreier! Hundertzehn Euro verspielt, Ich war erst einmal so schockiert, daß ich es monatelang nicht wagte, an Lotto zu denken.

    Danach mit etwas Abstand schaute ich mir die Methode noch einmal in allen Details an, fand aber nichts, was man irgendwie als Fehler oder Wahnsinn hätte sehen können. Ich lud die Zahlen der inzwischen vergangenen Ziehungen von den Lottohistorien im Internet herunter und berechnete meinen Graph vollständig neu. Es zeigte sich, daß der Punkt, an dem ich gespielt hatte, der einzige Ausreißer in der oszillierenden Kurve war. Ein halbes Jahr Daten, die Trefferquoten für Dreier oszillierten zwischen 1 und 5 und mein realer Tipp war der einzige Nullwert in der Grafik.

    Nervös wartete ich die Bildung des Minimums bei den folgenden Ziehungen ab, einen solchen Ausreißer konnte ich mir jedenfalls noch als Zufall vorstellen. Aber einen zweiten?

    In Erwartung des nächsten Maximums spielte ich wieder in echt, wie man so schön sagt, mit richtigem Geld. Der Gewinn? Nichts! Kein einziger Dreier! Ich war am Ende. Das ist jetzt reichlich zwei Jahre her, ich habe keinerlei Lotto wieder gespielt seitdem. Ich werde auch nie wieder Lotto spielen. Aber was ist nun der Grund für mein Pech?

    Die einzige logische Erklärung, mit der ich mich zufrieden geben konnte, war die, daß den Lottogesellschaften natürlich alle Tipps und Systeme aller Teilnehmer bekannt sind. Und alle diese Daten wurden natürlich computergerecht eingelesen. Man könnte die Menge aller Spieler also mit einem geeignetem Programm daraufhin untersuchen, ob jemand computergestützt Systeme mit größeren Trefferwahrscheinlichkeiten gespielt hat. Vor der Ziehung müßte das geschehen. und dann müßte man immer noch ein Verfahren haben, das die Ziehung von unerwünschten Zahlen entsprechend manipuliert und die Filmsequenz für die Zuschauer löscht. Den offiziellen Notar möchte ich hier am liebsten gar nicht erwähnen. Aber da ist nichts Handfestes.

    Oder es war tatsächlich nur ein ganz außergewöhnlicher Zufall. Das Glück eben in seiner unberechenbaren Art. Das fluktuierende Quantenvakuum, das hinter allen Dingen wabert. Es gibt eben Aufgaben, die man sich gar nicht erst stellen sollte.

    Viel Glück auch Euch allen! Gesundheit und Erfolg!

    Prosit Neujahr!

    Ehrenfried

  20. @Bynaus: [Zitat]\“Ein allwissender Gott, wie er in allen monotheistischen Religionen vorkommt, ist der ultimative \“Laplacesche Dämon\“. Denn wenn sein Wissen über die Zukunft perfekt ist, dann gibt es nur eine einzige Zukunft…\“

    Das halte ich für eine zu physikalische Vorstellung von Gott. Dürfte er nicht selbst entscheiden, ob er alles etwas lockerer sehen möchte, ob er ab und zu mit Neuem experimentiert oder ob er sogar ein Spieler ist? Vielleicht ist ihm alles Wissen sogar suspekt – Hauptsache, die Schöpfung funktioniert?

  21. @Unbekannter Gast:
    [Zitat] \“Ich fand die Idee mit der memetischen Evolution, die die genetische zu immer komplexeren Gehirnen vorantreibt eigentlich ganz nett.\“

    Das finde ich ebenfalls, es ist ein brauchbares evolutionäres Denkmodell, um nicht zu sagen ein darwinistisches. Aber das Bewußtsein existiert doch nicht, weil andere in der Gruppe sich so verhielten, als hätten sie eines! Es existiert, weil ich meinen Gedankenfaden sehe. Ich kann sogar festellen, daß er gerade mit dem Gedanken X begann, nachdem ich aufgewacht, und daß mir die Zeit vorher nicht bewußt war, nachdem ich am Abend eingeschlafen war. Man ist sich bewußt immer nur eines einzigen Gedankens und es ist außerordentlich schwer, sich in der Meditation gegen den Fluß der Gedanken zu sträuben und den Faden anzuhalten. Es ist auch schwer, aktiv an einen konkreten Punkt zu springen, den man gerade vor Sekunden noch vorüberfliegen sah. Es gibt keine Registratur, in der die Reihenfolge der Gedanken verzeichnet ist, wie sie dem Bewußtsein erschienen. Dennoch kann man auch mit seinem eigenen Bewußtsein experimentieren und dabei lernen. Und dabei feststellen: Ausgerechnet ich bin in Angelegenheiten meines eigenen geistigen Potentials ein Laie! In andern Dingen ist man ja, selbst wenn man gar nichts kann, wenigstens der Experte für sich selber.

    [Zitat]\“Auch ganz simpel und rudimentäre Informationsverarbeitung reich offenbar aus, um eine unglaubliche Vielfalt an verschiedenen Lebensformen am Leben zu halten..\“

    Ja, selbstverständlich. Aber diese Vielfalt hat kein Bewußtsein. Außer, wenn jemand den ultimativen Bewußtseins-Chemismus entdeckt. Dann gebe ich diese Ansicht gerne auf.

  22. @Bynaus hat am 31.12.2010 15:30:46 geschrieben:
    \“Aber alle Faktoren, die diese Entscheidung beeinflussen können, existierten schon vor der Entscheidung: sie sind so, und nicht anders.\“

    Wahrscheinlich ist das so.

    \“Ergo gibt es nur eine Möglichkeit.\“

    Das hängt auch davon ab, wie man \“Möglichkeit\“ definiert.

  23. \“Das ist eine gute Frage.\“ Es ist die entscheidende Frage, um die es mir in dem Artikel geht. Am Ende wird sich die Person (die \“Entscheidungsfindungsmaschine\“) doch aufgrund von verschiedenen Faktoren für eine der Optionen entscheiden. Aber alle Faktoren, die diese Entscheidung beeinflussen können, existierten schon vor der Entscheidung: sie sind so, und nicht anders. Ergo gibt es nur eine Möglichkeit. Selbst wenn die Person \“etwas Dummes\“ macht, und sei es nur, um zu beweisen, dass sie einen \“Freien Willen\“ hat und sich deshalb auch nicht-rational entscheiden kann, dann hat dies Gründe – diese Gründe gehören zu den oben genannten Faktoren und standen ebenfalls schon vor dem Entscheid fest. Die \“freie Entscheidung\“ ist eine Illusion. So wie der Bach nicht anders kann, als dem Talverlauf zu folgen (selbst wenn er über andere Verläufe nachdenken könnte…), kann der Mensch nicht andres, als die Entscheidung zu wählen, die ihm seine Entscheidungsfindungsmaschine nahelegt, egal ob diese nun rational oder irrational ist. Wir kontrollieren das Billardspiel nicht – wir sind Teil davon.

  24. @Bynaus hat am 30.12.2010 15:26:14 geschrieben:
    \“Ja, aber dann?\“

    Zurückblickend hatte er entweder immer schon die Möglichkeit, zwischen 2 Optionen zu wählen oder seine Entscheidung war nur scheinbar rational, sondern in Wahrheit eher so etwas wie ein Stein, der zu Boden fällt. Auch bei ihn würden wir nicht von einer \“rationalen Entscheidung\“ sprechen.

    \“Worauf basiert denn am Ende der Entscheid für die eine bestimmte Vorgehensweise?\“

    Das ist eine gute Frage. Jedenfalls steht fest, dass sich bestimmte Prinzipen der Entscheidungsfindung positiv auf das Resultat auswirken.

    @Ehrenfried hat am 30.12.2010 11:47:28 geschrieben:
    \“Bewußtsein ist die Abteilung unseres kognitiven Apparats, wo die Verarbeitung des Inputs zum Output beobachtet (und beurteilt) wird.\“

    Ich fand die Idee mit der memetischen Evolution, die die genetische zu immer komplexeren Gehirnen vorantreibt eigentlich ganz nett. Es gibt in der Tat hinweise darauf (demographisch), dass sich die \“Weltanschauung\“ eines Individuums auf seinen Fortpflanzungserfolg auswirkt.
    Wenn also Leute, die ein bestimmtes \“Memplex\“ installiert haben und ausführen können im Durchschnitt mehr Nachkommen produzieren als Leute, die das nicht tun, denn setzt sich im Folge der sexuellen Selektion auch die Intelligenz durch, die notwendig ist um dieses Memplex zu installieren und auszuführen. Das betreffende Individuum, das diesen Memplex besitzt, hat also seine genetische Fitness auf ungewöhnliche Weise erhöht.
    Das ist natürlich schlecht formuliert.

    \“Je weiter man in der Tierwelt die Evolution hinuntersteigt, um so kürzer werden die Gegenwartsdauern der Informationsströme.\“

    Das ist so formuliert IMHO falsch! Auch ganz simpel und rudimentäre Informationsverarbeitung reich offenbar aus, um eine unglaubliche Vielfalt an verschiedenen Lebensformen am Leben zu halten. Pflanzen, Pilze, Bakterien kommen ohne Nervensystem aus, viele Lebewesen haben nicht mal ein Gehirn, weil sie es nicht brauchen.

    Die Fähigkeit, tatsächlich etwas zu lernen (Tiere sind idR Konditionierbar), stellt natürlich einen größeren Vorteil dar, da das betreffende Lebewesen viel flexibler auf spontane Umweltveränderungen reagieren kann als eines, das diese Lernprozess erst durch die Gene erledigen muss.

  25. \“Ja, aber die Maschine hatte die Wahl zwischen verschiedenen Vorgehensweisen.\“

    Ja, aber dann? Worauf basiert denn am Ende der Entscheid für die eine bestimmte Vorgehensweise?

  26. Bewußtsein ist die Abteilung unseres kognitiven Apparats, wo die Verarbeitung des Inputs zum Output beobachtet (und beurteilt) wird. Das ist keineswegs bloße Memetik. Je weiter man in der Tierwelt die Evolution hinuntersteigt, um so kürzer werden die Gegenwartsdauern der Informationsströme. Das ist die Zeit, in der entschieden wird, ob ein Input als Erinnerung gespeichert werden soll, ob eine gespeicherte Erfahrung dazu vorliegt, ob eine Reaktion auf ihn erfolgen soll oder ob er zu ignorieren ist. Ich persönlich glaube schon, daß es bei Tieren Vorstufen des menschlichen Bewußtseins mit viel geringeren Informationsdurchsätzen gibt. Es wird aber vermutlich mehr ein emotionales und zeitlich schmalbandiges Bewußtsein sein und weniger ein kognitives, wie es hier diskutiert wird.

  27. @Bynaus: Ja, aber die Maschine hatte die Wahl zwischen verschiedenen Vorgehensweisen.

    \“Ja, aber die Auswahl selbst ist deterministisch (und vielleicht ein wenig chaotisch), denn sie basiert auf Präferenzen und Erkenntnissen, die ihrerseits natürlich ganz einfach von den Ausgangsdaten (den Inputs) abhängen.\“

    Ganz einfach würde ich nicht sagen. Damit sind immerhin Legionen von Koginitivwissenschaftlern beschäftigt und die halbe künstliche Intelligenzforschung.

  28. @Buzzti: Die Memetik ist selbst ein Mem. 🙂 Das heisst, eine Art, eine Idee, eine Herangehensweise an das Phänomen, der \“Evolution der Ideen\“ – letztere existiert definitiv: dadurch, dass wir uns Szenarien vorstellen und auf ihre Vor- und Nachteile abwägen können, ermöglichen wir eine viel schnellere Evolution als das blinde Trial-and-Error der biologischen Evolution: die Folge davon ist die Technologie. Mit nichts als ein bisschen Hirnpower (und der Fähigkeit, Werkzeuge zu bauen) hat sich der Mensch in der globalen Hackordnung so locker an die Spitze gekämpft, dass nun die gesamte Biosphäre darunter leidet, ja vielleicht dereinst völlig transformiert wird. Das ist typisch für das Leben gemeinhin: Evolution kann zu transformativen Entwicklungen führen, die die gesamte bisherige Entwicklung in Frage stellen – das ist auf der Erde ja auch mehrmals passiert (z.B. die Oxygenierung der Atmosphäre und die Umstellung auf Sauestoffatmung).

    @Der Beobachter: In deinen Ausführungen fehlt mir immer noch die Definition dieses \“Bewusstseins\“. Was soll das sein, \“Bewusstsein\“, oder gar \“Selbstbewusstsein\“?

    @D.: Ich verstehe nicht ganz, wie du mir in allen Punkten zustimmen kannst, ausser darin, dass die Abwägemaschine unter den gegebenen Umständen nur ein Ergebnis liefern kann. Wenn die gleichen Inputs nicht den gleichen Output bewirken, dann ist die Maschine chaotisch und somit zu nichts zu gebrauchen (ihr Ergebnis ist zufällig). Wenn aber die gleichen Inputs immer den gleichen Output bewirken, dann hast du mir soeben auch in diesem Punkt zugstimmt.

    \“aber dennoch wählt sie aus mehreren möglichen Vorgehensweisen (Strategien) eine aus.\“

    Ja, aber die Auswahl selbst ist deterministisch (und vielleicht ein wenig chaotisch), denn sie basiert auf Präferenzen und Erkenntnissen, die ihrerseits natürlich ganz einfach von den Ausgangsdaten (den Inputs) abhängen.

  29. @buzzti hat am 29.12.2010 16:50:46 geschrieben:
    \“Der \“freie Wille\“ und ein \“Bewusstsein\“ existiert für Blackmore ebensowenig wie ein \“Ich\“. Das was wir als \“Ich\“ oder \“Bewusstsein\“ empfinden ist nur ein riesiger \“Memplex\“ aus einer Vielzahl unterschiedlicher und ähnlicher Meme, welche ständig darwinistisch evolutionieren.\“

    Dann existiert der \“Freie Wille\“, das \“Bewusstsein\“ und das \“Ich\“ doch, nur handelt es sich um Memplexe, die evolvieren.

    @Der Beobachter hat am 29.12.2010 18:07:24 geschrieben:
    \“Mein Ich-Bewusstsein lässt sich damit aber nicht wegerklären. Ich habe ja, zumindest für mich zweifelsfrei, eines. Und das hab ich auch niemandem abgeschaut. Wie weiter unten beschrieben geht das auch garnicht.

    Und zu sagen das Bewusstsein an sich wäre ein Illusion ist ein Paradebeispiel für ein Paradoxon.\“

    Soweit würde ich zwar nicht gehen, aber ich halte diese Art von Aussagen auch für falsch oder missverständlich.
    Es würde ja auch niemand auf die Idee kommen zu sagen, \“die Schwerkraft gibt es nicht. Einstein hats herausgefunden. So etwas wie ein Kraftfeld, das Objekte zueinander zieht existiert einfach nicht, keine Chance, da ist nur Raumgeometrie. Hat Einstein festgestellt. Aber wenn es keine Schwerkraft gibt, welche Auswirkungen hat das denn auf die Luft- und Raumfahrt? Brauchen wir wirklich Raketen?\“ (Etwas überspitzt, man verzeihe mir.)

    Das Problem scheint mir zu sein, dass Gegner des Materialismus/Physikalismus solche Dinge wie \“den Freien Willen, das Bewusstsein, unser Ich\“ usw. traditionell als nichtmaterialle Phänomene genannt (um \“ausgegeben\“ zu vermeiden) haben. Das schlägt jetzt von Seiten der Physikalisten/Materialisten/Naturalisten insofern zurück, als dass die diese Phänomene einfach für nicht existent erklären. Und weil es sich nicht leugnen lässt, dass wir solche Phänomene erleben, werden sie zu Illusionen erklärt.
    Das hat seinen Grund zum einen darin, dass das Phänomen, also zum Beispiel ein Ich zu besitzen, mit einer seiner möglichen Erklärungen, Substanzendualismus, verwechselt wird. Zum anderen aber auch darin, dass sich Schlagzeilen wie \“Der Mensch hat kein Ich\“ einfach besser anhören als \“das Ich ist evolutionär entstanden\“.

    Das Thema ist komplexer als es auf den ersten Blick scheint.

  30. @Bynaus:
    \“Die Abwägemaschine hilft eben, komplexe Faktoren gegeneinander abzuwägen.\“

    Da sind wir uns einig. In Übrigen denke ich, wir sind uns auch darin einig, dass es aus gewissen Kosten-Nutzen-Abwägungen, unter Berücksichtigung dessen, dass ein optimales Verhältnis evolutionär günstig (d.h. ein positives Selektionskriterium) ist, durchaus plausibel ist, dass viele Entscheidungen ohne diese \“Abwägemaschine\“ getroffen werden.
    So zum Beispiel, wann man eine Hand hebt, wenn man sowieso vor hat, das zu tun, (;-)) und einige Aspekte sozialen Verhaltens.
    Daher überraschen die Ergebnisse in diese Richtung mich auch nicht. 😀

    \“Aber am Ende kann diese Maschine eben nur ein Ergebnis liefern – halt eben jenes, das sie tatsächlich liefert.\“

    Das ist falsch. Dass es notwendig nur ein Ergebnis geben kann, dass die Maschine liefert, bedeutet nur, dass tatsächlich genau ein Ergebnis getroffen werden kann, nicht, dass dieses Ergebnis notwendig getroffen werden musste.
    Die Maschine hätte (unter anderen Bedingungen) auch ein anderes Ergebnis liefern können.

    Der obige Text ist unverständlich formuliert (aber eigentlich ganz simpel, fast schon trivial), deshalb liefere ich eine Veranschaulichung hinzu:
    Verschiedene Lottokugeln fallen hinunter. Unten ist ein Loch, das sich sofort wenn eine Kugel hindurchgeht verschließt. Die Ziehung wird so lange fortgesetzt, bis eine Kugel das Loch passiert.

    Es geht also fest, dass es mindestens eine Kugel aus der Menge aller Kugeln gibt, die notwendigerweise durch das Loch fällt, aber es steht nicht fest, welche Kugel das sein wird.
    (Das ist natürlich KEIN Modell menschlicher (oder sonstiger tierischer) Entscheidungsfindung. Aber man könnte es vereinfacht als ein solches betrachten, wenn die Kugeln die Handlungsalternativen sind und sie eine Art Hindernisparkur passieren, bei der möglichst die beste ausgewählt wird. Das wäre aber eine zu extreme Vereinfachung und ist wahrscheinlich falsch.)

    \“Wenn die Faktoren anders gelagert gewesen WÄREN, wäre ein anderes Ergebnis herausgekommen, schon klar – die Faktoren waren aber eben GENAU SO gelagert.\“

    Dem stimme ich zu. Nur würde ich so eine Entscheidung auch als \“freiwillig\“ bezeichnen.

    \“Wer \“freien Willen\“ mit mehreren, gleichberechtigten Ergebnissen gleichsetzt, aus dem eine dem Entscheidungsprozess \“übergeordnete\“ (vielleicht sogar übernatürliche) Instanz schliesslich in \“freier Entscheidung\“ einen auswählt, der irrt sich. Die \“freie Entscheidung\“ ist ihrerseits selbst deterministisch, da die Umstände und deren Wertung durch die Lebenserfahrung des Menschen gegeben sind.\“

    Das ist schon richtig. Die Entscheidungsinstanz ist mit nichten \“übergeordnet\“ (was für eine absurde Vorstellung, über was denn übergeordnet?), aber dennoch wählt sie aus mehreren möglichen Vorgehensweisen (Strategien) eine aus.

  31. @Buzzti
    Ich habe auch schon einiges über Memetik gelesen, und ihrer postulierten Evolution erlernten Verhaltens, das der biologischen Evolution mit deutlich höhere Geschwindigkeit quasi überlagert ist.
    Viele der Thesen sind durchaus sehr interessant und nicht von der Hand zu weisen, sind sie doch in der Lage von Religion bis hin zu Witzen das teilweise seltsame Verhalten des Menschen auf erstaunlich einfache Mechanismen zurückzuführen.

    Mein Ich-Bewusstsein lässt sich damit aber nicht wegerklären. Ich habe ja, zumindest für mich zweifelsfrei, eines. Und das hab ich auch niemandem abgeschaut. Wie weiter unten beschrieben geht das auch garnicht.

    Und zu sagen das Bewusstsein an sich wäre ein Illusion ist ein Paradebeispiel für ein Paradoxon.

  32. @Ehrenfried
    Ich kann das von dir erwähnte Essay leider nicht finden.

    Ist wirklich von Bedeutung wie Entscheidungen getroffen werden, ob wir sie nun für frei und bewusst halten oder nicht ? Und wenn ja, wie ?

    Dass die Lotteriemaschine nicht darüber nachdenkt was sie tut und deshalb nicht bewusst ist, davon gehen wir aus. Auch wenn wir es nicht beweisen können bereitet uns das kein Kopfzerbrechen.
    Wie sieht es aber mit dem sich menschlich verhaltenden Androiden Data aus. Er ist auch nur eine Maschine, dennoch würden wir ihm wohl ein Bewusstsein zutrauen, auch wenn wir es ebenfalls nicht prüfen können.
    Welche Komplexität muss ein System haben damit wir ihm ein Bewusstsein zutrauen ? Ein Schachprogramm plant auch voraus und trifft auf dieser Basis Entscheidungen. Moderne Software ist sogar in der Lage aus Erfahrung zu lernen und ihr Verhalten zu ändern. Ist sie deshalb bewusst, oder würden wir es annehmen ? Ändert sich das wenn wir die Maschinen so konstruieren das Quantenfluktuationen ihr Verhalten beeinflussen ?
    Hmmm, nicht so einfach zu beantworten oder ?

    Man kann die Frage auch einfacher ins Tierreich übertragen. Hat ein Hund ein Bewusstsein ? Wahrscheinlich schon in irgend einer Form würde ich sagen, auch wenn es vielleicht kein Selbstbewusstsein ist. Hat eine Ameise oder Kakerlake ein Bewusstsein ? Wahrscheinlich nicht. Obwohl sie im autonomen Umgang mit ihrer Umgebung erheblich intelligenter sind als alles was wir bauen können verhalten sie sich doch eher wie Automaten. Ab welchem Entwicklungsstand trauen wir einem Tier ein Bewusstsein zu ? Was muss es tun ?

    Neugeborene Menschen verhalten sich auch eher wie Automaten. Entscheidungen treffen sie jedenfalls keine, und es kann sich auch niemand an seine ersten Lebensphasen erinnern. Sind Babys vielleicht gar bewusstlose Zombies ? Und ab wann tritt das Bewusstsein in Erscheinung ? Obwohl wir es alle höchst persönlich erlebt haben, kann doch niemand darüber Auskunft erteilen. Das ist doch irgendwie seltsam, oder nicht ?

    Die Frage wann wir etwas ein Bewusstsein zutrauen oder nicht könnte uns der Antwort auf die Frage, was wir den nun meinen dass Bewusstsein ist, vielleicht etwas näher bringen. Auch wenn die Antwort eine hypothetische bliebe, da wir ja nicht prüfen können was denn nun tatsächlich ein Bewusstsein hat oder nicht.
    Ich bin aber nicht dazu in der Lage eine auch nur einigermaßen vernünftige Antwort zu finden die nicht beliebig wirkt. Ich hege den Verdacht das nicht einmal das begründbar zu beantworten ist.
    Geschweige denn die Frage wie Bewusstsein denn nun funktioniert, und ob unser Handeln denn nun frei ist oder nicht.
    Ich glaube, wie schon weiter unten erwähnt, dass diese Fragen prinzipiell unbeantwortbar sind. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich auch das nicht logisch herleiten kann. Noch nicht 😉

  33. Zum Thema \“Bewusstsein\“ und \“Freier Wille\“ habe ich neulich das Buch \“Die Macht der Meme\“ von Susan Blackmore gelesen. Meme (erstmals von Richard Dawkins erwähnt) sind der Theorie nach Replikatoren ähnlich der Gene, welche durch Imitation weitergegeben werden. Blackmore versucht damit technische, kulturelle und sprachliche \“Evolution\“ zu erklären. Zum Beispiel sei das im Vergleich zu verwandten Arten extrem große Menschengehirn biologisch/genetisch unnötig bis hinderlich da es vergleichsweise viel Energie benötigt. Da aber Menschen \“imitieren\“ können, also Memen die Möglichkeit geben sich zu verbreiten, trieb die memetische Evolution die genetische an um ein größeres Gehirn zu schaffen. Moderne Zivlisation ist zu einem großen teil memetisch – Meme kopieren sich auch horizontal, Gene nur vertikal (Gene können nur an Nachkommen weitergegeben werden). \“Menschliche\“ Eigenschaften wie Empathie können durch Memetik erklärt werden, da \“altruistische\“ Meme wie \“Nächstenliebe\“ sich leichter verbreiten als nicht altruistische.

    Der \“freie Wille\“ und ein \“Bewusstsein\“ existiert für Blackmore ebensowenig wie ein \“Ich\“. Das was wir als \“Ich\“ oder \“Bewusstsein\“ empfinden ist nur ein riesiger \“Memplex\“ aus einer Vielzahl unterschiedlicher und ähnlicher Meme, welche ständig darwinistisch evolutionieren.

    Was hälst du von der Memetik-Theorie? (Ich hoffe, ich konnte einigermaßen klar machen, worum es geht 😉 )

  34. Es kann zum Beispiel sein, dass eine zufällige Quantenfluktuation ein Botenstoffmolekül in meinem Gehirn gerade derart ablenkt, dass ich einen irrationalen Entscheid treffe. In diesem Fall besteht wohl auch die Moeglichkeit, dass Entscheidungen aus der Quantenwelt gesteuert werden.

  35. Die Verwendung des Begriffs \“Abwägung\“ verlangt, daß man die Auswirkungen verschiedener Inputs auf das System kennt, genau das ist aber bei einem chaotisch \“verunreinigten\“ Input nicht der Fall. Ist die Abwägemaschine also wirklich intelligent, wird sie die Erkenntnis ausgeben: Ich möchte keine Lottomaschine sein.

  36. @D.: Die Abwägemaschine hilft eben, komplexe Faktoren gegeneinander abzuwägen. Aber am Ende kann diese Maschine eben nur ein Ergebnis liefern – halt eben jenes, das sie tatsächlich liefert. Wenn die Faktoren anders gelagert gewesen WÄREN, wäre ein anderes Ergebnis herausgekommen, schon klar – die Faktoren waren aber eben GENAU SO gelagert. Sind die Faktoren und die Maschine gegeben, dann gibt es nur ein mögliches Ergebnis*. Wer \“freien Willen\“ mit mehreren, gleichberechtigten Ergebnissen gleichsetzt, aus dem eine dem Entscheidungsprozess \“übergeordnete\“ (vielleicht sogar übernatürliche) Instanz schliesslich in \“freier Entscheidung\“ einen auswählt, der irrt sich. Die \“freie Entscheidung\“ ist ihrerseits selbst deterministisch, da die Umstände und deren Wertung durch die Lebenserfahrung des Menschen gegeben sind.

    *Dass die Maschine manchmal etwas \“spinnt\“ (chaotische Komponente) ändert daran nichts.

  37. @Bewusstsein: Irgendwelchen Überlegungen zum Thema \“Bewusstsein\“ sollte man immer die Frage voranstellen: \“Was ist das, Bewusstsein?\“

    Sorry, das ich das noch dranhänge.

  38. Wieso sollte nur die Entscheidung, die tatsächlich getroffen wurde, möglich gewesen sein?

    Wofür würde die Natur eine hochkomplexe Abwägungsmaschiene entwickeln, wenn doch sowieso nur eine Entscheidung mit Notwendigkeit immer wieder eintritt? 😉

    Und dass natürlich getroffene Entscheidungen immer von äusseren Umständen abhängen ist trivial, widerspricht den Freien Willen aber in keiner Weise. Wenn zum Beispiel kein Auto da ist, kann man auch nicht sinnvollerweise darüber nachdenken, wohin man damit fahren will, umgekehrt gibt es sicherlich aber auch \“innere\“ Umstände. So beispielsweise die Wünsche, Ideen und Präferenzen des entscheidenden Individuums.
    Wenn die anders gewichtet worden wären, wäre auch eine andere Entscheidung getroffen worden.

  39. @Der Beobachter: Danke für das Lob, freut mich! 🙂

    Nun, Lotteriemaschinen denken nicht über ihre Tat nach, weil sie das nicht können. Menschen können das, weil sie ein komplexes Gehirn haben, das beobachtete Handlungen reflektieren und in Zusammenhang stellen kann.

    Aber was dieses ominöse \“Bewusstsein\“ eigentlich ist, hat mir noch nie jemand schlüssig erklären können. Meistens dient es nämlich nur dazu, den Menschen von den anderen Tieren abzugrenzen, jetzt, wo quasi fast alle anderen Schranken gefallen sind. Da man, wie du richtig sagst, nicht beweisen kann, dass andere (insbesondere Tiere, aber auch intelligente Maschinen, früher sicher auch Menschen anderer Hautfarbe, von mir aus künftig Ausserirdische…) auch ein solches \“Bewusstsein\“ haben, dient es als (fast ein wenig faschistoides) identitätsstiftendes Merkmal des Menschen, das keinerlei Rechtfertigung benötigt – und als solches ist es mir höchst suspekt.

    Ich denke, Menschen wie Tiere \“beobachten\“ ihr eigenes Leben, sind sich ihrer selbst bewusst, handeln zielgerichtet und geplant (und keineswegs einfach nur \“instinktiv\“, wie von Tieren oft behauptet wird). Der einzige Unterschied zwischen Mensch und Tier ist unsere Sprachfähigkeit. Unsere hochkomplexe Sprache gibt unserem Denken logische Struktur, ermöglicht es uns, über abstrakte Konzepte (wie z.B. einen \“Handlungsgrund\“) nachzudenken und Handlungen in den Kontext solcher Konzepte zu setzen.

    Das vielbeschworene Bewusstsein ist gewissermassen der Sportreporter des \“live übertragenen Fussballspiels Leben\“, das ich im Artikel oben angesprochen habe: es kommentiert laufend das Geschehen, nimmt Dinge vornweg, fordert, entwirft Szenarien, Alternativen… Aber es hat keinen direkten Einfluss auf das Spiel, auch wenn man manchmal den Eindruck bekommt, es sei so.

  40. Freilich, ich kann mir vorstellen, daß ein vor Jahren in der Sonne emittierter Gammaquant, der zufällig und zur rechten Zeit das einzige in meinem Hirn befindliche Deuteriummolekül streift, in kausaler Folge etwas bewirken könnte, das machen törichten Satz verhindert. Aber wenn ich es in seiner Gesamtheit sehen, also mich frage, wieviele solche Quanten werden wohl pro Jahr ausgestrahlt und wieviele davon bewirken ewas phänotypisch Relevantes, dann müßte ich doch verlegen zum Schluß kommen: Da ist eigentlich nichts!

    Alles endet mit Fragen nach dem Licht. Für den einen Gammaquant, der sich 35000 Jahre durch das Sonneninnere gequält und dabei durch den Compton-Effekt im sichtbaren Bereich angekommen ist, endet seine Existenz in der Zelle eines Rosenblatts. Der nächste erlischt auf meiner Netzhaut. Der dritte ist vielleicht etwas kurzwelliger und verursacht einen Hautkrebs. Aber ist das tatsächlich die durch Quanten kausal verursachte Fluktuation in der Makrowelt? Oder darf man auch einfach sagen: Es ist zufällig passiert! Ich finde den Unterschied nicht.

    @Beobachter: Als Östereicher hättest Du die Möglichkeit, den Essay \“Expansives Sein\“ zu lesen. Nur dort.

  41. Super dass du dich auch mal einem solchen Thema widmest und es derart ausgezeichnet abhandelst.

    Ich habe vor einigen Jahren meiner Frau dabei geholfen eine Arbeit zu eben dieser Fragestellung zu schreiben, unter Prof. Liessmann, einem der philosophischen Oberhäuplinge Österreichs. Mit einer ganz ähnlichen Konklusio und der etwas überspitzten Fragestellung ob man denn einer Lotteriemaschine nun einen Freien Willen unterstellen kann oder nicht. Was soll ich sagen, eine glatte 1. 🙂

    Seither ist aber einige Zeit des Denkens vergangen und meine Sicht auf die Frage hat sich dabei etwas verändert.

    Ich bin mit dir einer Meinung dass der selbe Mensch mit der selben Lebensgeschichte in der selben Situation die gleichen Entscheidungen mit gleicher Wahrscheinlichkeit treffen wird.
    Das selbe tun idente Lotteriemaschinen.
    Dennoch fühlt der Mensch sich frei wenn er dies tut, während niemand das von einer Lotteriemaschine annehmen würde. Warum ist das so und wer oder was fühlt sich hier frei, und selbst wenn diese Freiheit eine Illusion ist, wer oder was hat diese Illusion. Und zu welchem Zweck ?
    Unser Bewusstsein hat diesen Eindruck ! Ohne Bewusstsein keine Freiheit und ohne Freiheit kein Bewusstsein. Freier Wille und Bewusstsein ist also meiner Ansicht nach ein und das selbe, nur in unterschiedlichen Kleidern.

    Aber wozu haben wir eines ? Haben wir denn eines ? Also ich habe eines, und gehe daher davon aus das dies auch für alle Anderen gilt. Das selbe tun wohl alle Anderen.
    Aber um sich wie eine Lotteriemaschine zu verhalten ist kein Bewusstsein erforderlich. Eigentlich nichtmal für die Frage ob man frei ist. Könnten wir ebensogut alle wie Zombies herumlaufen und uns genauso verhalten ? Haben die anderen überhaupt ein Bewusstsein ? Oder bin ich nur ein halluzinierendes Bolzmann Gehirn ? 😉
    Anders Formuliert: Was könnten die anderen tun um mir zu beweisen das sie ein Bewusstsein haben. Oder nochmal anders: Was könnte ich tun um zweifelsfrei zu Beweisen das ich ein Bewusstsein habe ?
    Oder ganz anders: Was könnte ein Ding wie der Androide Data aus Star Trek ( eine hoch entwickelte Lotteriemaschine 😉 tun um der Welt wissenschaftlich zweifelsfrei zu Beweisen dass es ein Bewusstsein besitzt ?

    GARNICHTS !

    Wir sind nicht dazu in der Lage festzustellen ob ein Individuum oder ein Ding ein Bewusstsein besitzt oder nicht. Das Bewusstsein als solches erschließt sich nur der besitzenden Instanz, es entzieht sich einer verallgemeinerten Beschreibung.
    Das Bewusstsein scheitert bei der Selbstbeschreibung an der Tatsache an die eigenen Begrifflichkeiten gebunden zu sein. Das Bewusstsein kann sich nicht selbst von Außen betrachten und beschreiben. Wir können zwar andere betrachten, aber nicht ihr Bewusstsein. Wir wissen nicht mal ob sie überhaupt eines haben.

    Die Frage nach der Funktionsweise und dem Zweck des Bewusstseins und damit nach der Freiheit des Willens wird meiner Ansicht nach auf ewig unbeantwortbar bleiben. Es ist wie die Frage nach dem was außerhalb unseres Universums ist, oder ob es einen Gott geben kann. Ich glaube das ist prinzipiell unbeantwortbar.

    Um meine Annahme zu verfestigen bin ich seit einiger Zeit auf der suche nach Arbeiten die dies deduktiv logisch beleuchten. Die sich also der Fragestellung annehmen was eine Gruppe beobachtender Instanzen über sich selbst und über die Art und Weise in der sie beobachten beobachten kann. Und ob sich hier logisch ein prinzipiell nicht zu überschreitender Erkenntnishorizont ergibt.
    Leider hab ich bisher noch überhaupt nichts zu diesem Thema gefunden.
    Das wär doch was für eine philosophische Dissertation. Also falls jemand ein Thema sucht 😉
    Vielleicht unter dem Titel \“ Vom inneren Horizont \“

    Freiwillentliche Grüße

  42. Bin beeindruckt!

    Ich befürchte, da gibt es eine Menge widersprüchliche Literatur zu diesem Thema. Zum eigentlichen Willen möchte ich bemerken, daß es eine Reihe von Prinzipien gibt, die ein Individuum sowie auch eine Spezies existenziell begleiten. Daran ist der Wille in aller Regel fest angebunden, das schränkt den Willen in einer konkreten Situation mehrfach oder sogar vielfach ein, übrig bleibt ein Spielraum, den man in Anlehnung an die Physik Freiheitsgrad nennen könnte.

    Speziell in der Kriminalistik engt man diesen Spielraum der Möglichkeiten weiter ein, denn was jemand überhaupt in Erwägung ziehen kann, hängt ja ganz wesentlich davon ab, was ihm über seine Situation als Gesamtheit bekannt ist und ob überhaupt Zeit war nachzudenken. Oder was jemand in der Lage ist zu beurteilen, das kann bei einer abnormen Persönlichkeit, die sehr viel Realität ausblendet, außerordentlich wenig sein. Eifersuchtsmorde etwa kommen so zustande oder Situationen, wo dem Einbrecher oder Kindesentführer plötzlich die totale Panik überfällt, die ihm suggeriert, er müsse jetzt töten, für kluge Entscheidungen sei es zu spät, es bliebe keine andere Wahl.

    Auch in der neueren christlichen Theologie, z.B.bei Paul Tillich geht man mehr und mehr davon aus, daß Gottes Allmacht nicht meint, er könne die Naturgesetze außer Kraft setzen. Nicht einmal den Zufall möchte man heute dem \“Lieben Gott\“ zum Vorwurf machen. Das war die Reaktion auf das Argument der Religionskritiker, daß es in einer Welt, in der es soviel Leid gibt, entweder keinen liebenden oder keinen allmächtigen Gott geben könne. Da ich nicht an allmächtige Wesen glaube, kann ich das sehr schlecht nachvollziehen. Ich ziehe es vor, von der allgegenwärtigen Allmacht des Zufalls zu sprechen und davon, daß unser Dasein weithin chaotisch determiniert ist. Den Theologen bin ich dennoch ein Stück entgegen gekommen, indem ich sage: Es steht uns als Menschen nicht gut, wenn wir versuchen die Verantwortung für das Böse aus Prinzip jemandem zuzuschieben. Egal, ob dieser Jemand ein Gott ist, ob er allmächtig ist oder nicht oder ob es bloß eine Projektion unserer eigenen Hilflosigkeit in bestimmten Situationen ist.

    Zu Deinen Vorstellungen über die Rolle der Quanten in einer chaotisch determinierten Welt: Die meisten Elementarteilchen sind nirgends, also weder räumlich noch zeitlich diskret, sondern sie werden erfaßbar als Erscheinungen, die einen umständlichen Apparateaufbau verlangen, um diese Erscheinungen überhaupt registrieren und interpretieren zu können. Darin steckt die große Gefahr, immer genau diejenigen Aspekte der materiellen Welt zu finden, nach denen man auf Grund der mathematischen Vorarbeit sucht.

    In meiner Vorstellung gibt es zwischen der Wirkungsspäre der Quantenphysik und der Sphäre des makroskopischen Daseins eine kausale Barriere, man könnte besser sagen eine Leere, in der sich Wirkungen verlieren, vergleichbar dem leeren, fast wirkfreien Raum zwischen zwei Galaxien. Und die makroskopische Welt hat ihre völlig eigene Qualität, chaotisch und dennoch anschaulich kausal determiniert zu sein. Ich glaube, es ist für uns Menschen ein großes Glück, in diese Zusammenhänge mit unseren Gedanken neugierig eindringen zu dürfen.

  43. Ich denke, es dürfte unmöglich sein, all die Faktoren herauszufiltern und nach ihrem Beitrag am Verbrechen zu gewichten. Bedenke, dass man z.B. schon heute weiss, dass sexueller Missbrauch die Chance erhöht, dass das Opfer später einmal selbst sexuellen Missbrauch begeht – trotzdem wird der Missbraucher des Täters nicht auch noch für dessen Taten zur Rechenschaft gezogen. Denn selbst wenn das Opfer zum Täter wird, ist nicht gesagt, dass das eine zwingend die Folge des anderen war: Denn es gibt natürlich Opfer sexuellen Missbrauchs, die nie selber zum Täter werden, und Täter, die nie selbst Opfer waren. Es ist auch unmöglich zu beweisen, dass der Entscheid zur Tat nicht auf eine der im Text erwähnten Quantenfluktuationen zurückzuführen ist – dafür bräuchten wir perfektes Wissen über die Welt und ihren Verlauf.

  44. Super Artikel!
    Zum Thema Schuldfähigkeit:
    Wenn die Faktoren, welche eine Person zu einen Verbrechen bewegen, herausgefiltert werden können und diese auf Menschen bzw. deren Aktionen zurückzuführen sind, sind dann diese Menschen Mittäter bzw. Anstifter und müssten diese ebenfalls Bestraft werden? Denn ohne diese Faktoren wäre es ja wohl nicht zu dem Verbrechen gekommen. Bzw. wenn Menschen für die entsprechenden Aktionen bestraft werden könnten, würden diese nicht begangen werden, und dann gäbe es keine Verbrechen mehr?

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