Der grösste seiner Art

In der Antarktis wurde unter dem Eis ein riesiger Meteoritenkrater entdeckt: Mit rund 500 Kilometern Durchmesser ist es der grösste, der je auf der Erde gefunden wurde. Sein Alter wird auf rund 250 Millionen Jahre geschätzt – und liegt damit genau richtig, um mit dem grössten Massensterben der Erdgeschichte zusammen zu fallen.

Meteoriteneinschlag
Meteoriteneinschlag
Vor 250 Millionen Jahren, am Ãœbergang zwischen den Zeiten, die den Geologen als „Perm“ und „Trias“ bekannt sind, ereignete sich auf der Erde eine furchtbare Katastrophe: 95% aller Lebewesen, die bis dahin existierten, starben aus. Die Welt war nach dieser Katastrophe eine leere Wüste.

Eine Gruppe von Reptilien, die sich in dieser Einöde entwickelten, passten sich am schnellsten den neusten Umständen an, verbreiteten sich über die Welt und füllten praktisch jede erdenkliche ökologische Nische aus: Das Zeitalter der Dinosaurier hatte begonnen.

Bis heute sind die Umstände, die zu dem grossen Massenaussterben am Perm-Trias-Ãœbergang führten und die Welt frei machten für die Dinosaurier, unbekannt. Einige vermuten den Ausbruch von gewaltigen Vulkanen, sogenannten „Trapp-Vulkanen“, die Unmengen von giftigen Gasen in die Atmosphäre abgaben und damit eine Umweltkatastrophe herbei führten. Andere geben Methangas die Schuld, das damals in grossen Mengen vom Meeresboden aufgestiegen sein soll. Wieder andere vermuten einen Meteoriteneinschlag als Ursache, doch der zugehörige Krater konnte nicht gefunden werden. Bis jetzt.

Mit Hilfe des NASA-Satelliten „GRACE“, der das Gravitationsfeld der Erde vermisst, wurde in Wilkes Land, einem riesigen Gebiet in der Ostantarktis, eine ungewöhnliche Massenkonzentration gefunden. Solche Konzentrationen können – etwa auf dem Mond oder dem Mars – auf die Anwesenheit eines nicht sichtbaren Kraters hindeuten. Die neugierig gewordenen Forscher überlagerten deshalb das GRACE-Bild mit Radaraufzeichnungen des Felsuntergrundes, die mit Flugzeugen gewonnen wurden (Radarstrahlen sind in der Lage, Eis zu durchdringen). Rund 800 Meter unter dem Eis wurden sie an der erwarteten Stelle fündig: ein gewaltiger Kraterrand kam zum Vorschein. Der Durchmesser: Rund 500 Kilometer. Der Meteorit, der einen solchen Monsterkrater schlagen kann, muss einen Durchmesser von 15 (wenn er aus Metall besteht), 25 (wenn er vor allem aus Gestein besteht) oder gar 50 (wenn er vorwiegend aus Eis besteht, es sich also um einen Kometen handelt) Kilometer aufweisen. Der Krater ist damit rund drei Mal so gross wie der Krater Chicxulub in Mexiko, der vor rund 65 Millionen Jahren entstand und den einige Forscher mit dem Aussterben der Dinosaurier in Verbindung bringen.

Den bisherigen Grössenrekord für Meteoritenkrater trägt mit rund 300 Kilometern Durchmesser der Krater Vredefort in Südafrika: er ist jedoch fast zehn mal älter als die nun entdeckte Struktur, rund 2.2 Milliarden Jahre.

Die sensationelle Entdeckung in der Antarktis muss aber erst noch bestätigt werden. So wäre es sinnvoll, das Eis zu durchbohren, um Proben vom Kraterrand zu entnehmen. Die darin sichtbaren Strukturen sollten dann endgültig Bescheid darüber geben, ob diese Struktur auf einen gewaltigen Meteoriteneinschlag zurück zu führen ist. Weiter wäre eine Datierung der Gesteine des Kraterrandes erforderlich, um den Zusammenhang zwischen dem Perm-Trias-Massenaussterben und dem Krater zu überprüfen.

Mit Hilfe des „Impact Effects Calculators“ lassen sich die Auswirkungen des Einschlags berechnen. Selbst, wenn man sich rund 20000 Kilometer vom Einschlagsort entfernt befindet, das heisst also, auf der anderen Seite der Erde, würde der Impakt ein spürbares Erdbeben auslösen. Kleine Gesteinsstücke würden vom Himmel regnen, rund 16 Stunden nach dem Impakt würde die Druckwelle des Impakts den Ort erreichen und wäre mit rund 80 Dezibel immer noch sehr laut. Die Auswirkungen für einen Ort in der Nähe des Äquators (immerhin rund 10000 Kilometer vom Einschlagsort entfernt) wären bereits katastrophal: Rund 90% aller Bäume würden hier durch die Druckwelle umgelegt. Diese Zahlen lassen einen erahnen, welche Auswirkungen diese Katastrophe auf die Erde von damals gehabt haben könnte.

Impact Effects Calculator

Impact Database

Space.com-Artikel

7 Kommentare

  1. Ganz Tschechien ist ein Meteoriten-Krater

    Die tschechische Republik ist fast zur Gänze ein Meteoriten-Krater, der vor rund 27.500 Jahren durch ein Bruchstück eines Kometen entstanden sein soll. Dieser Krater gehört zu einer Serie von Meteoriten-Einschlägen in Europa und Afrika, wobei auch der ursprünglich viel größere Tschadsee durch einen Treffer aus dem All entstanden ist. Die Aufprallstelle in Tschechien befindet sich 35 Kilometer südlich von Prag und hat einen Durchmesser von 30 Kilometer. Doch die Druckwelle des Aufpralls hat das gesamte tschechische Gebiet eingeebnet und an den Rändern die Böhmisch-Mährische Höhe, den Böhmerwald, das Erzgebirge und die westlichen Sudeten (mit dem Lausitzer Gebirge) geschaffen. Dieser Einschlag-Krater ist faktisch von den tschechischen Geologen Petr Rajlich und Václav Cílek bestätigt, fand jedoch international wenig Beachtung. Vgl. Buch „KOMETEN AUF KOLLISIONSKURS Gefahr aus dem All“ (auch im Web).

  2. @Bynaus: Ich glaube Bella meint eher den erhabenen Rand untem am Fuß des Bergs, der ihn kreisrund umgibt und ihn dort wie ein Tafelberg aussehen läßt, nicht den Schlot.

    Gruß Alex

  3. hallo leute
    ich würde gerne wissen ob olympus mons mit einem vulkan auf der erde vergleichbar ist.
    Weil Olypuns Mons (auf dem mond) sieht nicht aus wie ein vulkan auf der erde … finde ich.
    allerdings sieht man ja die schichten des magma und auch das loch in der mitte… aber mich irrtiert der scharfe rand. sieht aus wie aufgesetzt. Vulkane auf der erde sehen immer aus wie weichübergehende spitze berge. der vulkan auf dem mond dagegen sieht aus wie .. eine kruste ^^…
    gibt es so einen krustenvulkan auf der erde? vl da wo die platten am wenigsten aktiv sind…

    • Olympus Mons ist ein Vulkan auf dem Mars, nicht auf dem Mond. Er ist ein Caldera-Vulkan: nachdem seine Magmakammer sich entleert hat, kollabiert das Dach der Kammer, und es bildet sich ein grosser, kreisrund Krater mit scharfem Rand. Solche Caldera-Vulkane gibt es auf der Erde auch (siehe Wikipedia), bloss zerstört hier die Erosion solche „scharfen Ränder“ relativ schnell.

  4. Was meinst du? Den Krater? Oder Tonis Vorschläge? Der oben genannte Krater könnte echt sein (das lässt sich zur Zeit nicht bestätigen, so lange man keine Proben davon an die Oberfläche bringt). Tonis Vorschläge \“funktionieren\“ nicht, weil Krater eine ganz spezifische Geologie haben, die man an den von ihm genannten Orten nicht findet.

  5. Hallo Bynaus,
    ach so, denkt man nun also endlich auch mal in größeren Maßstäben? Ich gebe Dir hiermit Brief und Siegel, dass dieser Krater noch längst nicht das größte Objekt dieser Art auf der Erde ist! Die Erde ist in den 4,5 Mrd. Jahren viel öfter und heftiger getroffen worden als der Mond – und schau Dir mal dessen Oberfläche an!
    Nun gut, das Antlitz der Erde hat sich aufgrund von Erosion und tektonischer Bewegungen ständig verändert und somit viele der kleineren Krater abgetragen oder unsichtbar gemacht. Eugene Shoemaker ist seit Jahrzehnten auf der Suche nach solchen Kratern und vermutet sogar einen solchen mit ~200 km Durchmesser in Tschechien, umrahmt von Sudetengebirge, Erzgebirge und Bayrischem -/ Böhmerwald. Ich hätte da noch einen viel besseren Vorschlag anzubieten: Wie wäre es mit dem stellenweise mehr als 1000 km umfassenden Krater (sogar mit Zentralberg wie bei einigen auf dem Mond!) in Asien? Das Japanische Meer und die es umgebenden Küsten sind ziemlich kreisrund (vor allem die japanische). Nach Nordosten hin ist der Krater offen und man bekommt den Eindruck, als ob das ihn verursachende Objekt in ziemlich spitzem Winkel die Erdoberfläche getroffen hat. Allerdings müsste man dieses Ereignis wahrscheinlich noch weiter in der Zeit zurückdatieren, denn nach dem Karbon gab es auch schon ein riesiges Massenaussterben. Hat sich da noch keiner mal die Mühe gemacht, diese Struktur zu erkunden? Der Zentralberg übrigens liegt heutzutage unterhalb der Wasseroberfläche mitten in diesem Meer.

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