Die Rückkehr zum Mond

Bis 2018, so hat die amerikanische Weltraumbehörde NASA am Montag verlauten lassen, will sie zum Mond zurückkehren. Das Konzept der neuen Mondmissionen ist jenem von Apollo nicht unähnlich – doch es gibt auch Unterschiede zu Apollo.

 Das neue amerikanische Mondraumschiff
Das neue amerikanische Mondraumschiff
Zunächst soll eine unbemannte Grossrakete den Mondlander und Mondtransferstufe (die Rakete, die das Mondraumschiff am Ende auf Mondkurs bringt) in den Orbit starten. Diese Grossrakete besteht grundsätzlich aus einem „External Tank“ (der braune, zentrale Tank des Space Shuttles) mit zwei Zusatzraketen (wie beim Space Shuttle), auf dessen Spitze die Nutzlast (Mondlander und Mondtransferstufe) angebracht ist – insgesamt ist die Rakete über 100 m hoch. Geht alles wie geplant, soll drei Tage später das Raumschiff mit der vierköpfigen Besatzung starten. Diese sitzt in einer Kapsel, die der Apollo-Kapsel nicht unähnlich ist (gleichzeitig aber rund drei mal mehr Platz bietet als jene), auf der Spitze einer Rakete, die aus einer Space Shuttle Zusatzrakete („Booster“) und einer Oberstufe besteht. Einmal in der Umlaufbahn angekommen, soll die Raumkapsel an Mondlander und Mondtransferstufe andocken – kurz darauf startet die ganze Konstruktion in Richtung Mond.

Unterwegs wird die Mondtransferstufe abgeworfen, und Mondlander und Raumkapsel treten gemeinsam in eine Mondumlaufbahn ein. Dann steigt der Mondlander – diesmal mit allen vier Astronauten – zur Mondoberfläche ab und kann dort bis zu einer Woche (bei Apollo waren es maximal drei Tage) bleiben. Die Raumkapsel bleibt unbemannt in der Umlaufbahn zurück. Wenn die Arbieten auf der Mondoberfläche erledigt sind, steigt der obere Teil des Mondlanders auf, koppelt im Mondorbit wieder an die Raumkapsel an, die Besatzung wechselt in die Raumkapsel zurück, die dann ohne Landeroberteil wieder zurück zur Erde startet. Drei Tage später tritt der obere Teil der Kapsel wieder in die Erdatmosphäre ein und soll, von Fallschirmen gebremst, irgendwo im amerikanischen Westen landen, während der untere Teil der Kapsel teilweise in der Atmosphäre verglüht, während der Rest ins Meer stürzt. Immerhin soll der obere Teil der Raumkapsel, der auf den letzten Metern von Airbags gebremst werden soll, bis zu zehn mal wiederverwendbar sein.

 Die Crew-Rakete startet
Die Crew-Rakete startet
Zwei solche Mondflüge plant die NASA pro Jahr. Nach einer Anlauf- und Testphase soll mit dem Konzept eine erste Mondbasis am Mondsüdpol errichtet werden, die dann für einige Monate im Jahr bemannt bleiben könnte. Der Südpol wurde deshalb ausgesucht, weil man dort einerseits Wassereisvorkommen in tiefen Kratern erwartet (Krater, die so tief sind, dass ihre Böden niemals vom flach einfallenden Sonnenlicht an den Mondpolen erreicht wird), anderseits gibt es dort Berge, die ständig in der Sonne liegen und sich so für den Bau von Solarzellen eigenen würden. Die Grösse der Mondraumschiffe ist so bemessen, dass jeder beliebige Punkt der Mondoberfläche von ihnen erreicht werden kann, nicht nur die äquatornahen Gebiete wie zu Apollo-Zeiten.

Das ganze Projekt soll in der Entwicklung 104 Milliarden Dollar kosten, das wären dann rund 8 Milliarden Dollar pro Jahr, ab heute bis zur Landung oder rund 50% des NASA-Budgets. Der Rest des Budgets wird für die Fertigstellung der internationalen Raumstation, für den Rückzug des Space Shuttles und für die unbemannten Programme benötigt.

Und dann? Die Mondfähren, das ganze System wurde auf die Verwendung von Methan als Treibstoff optimiert. Weshalb Methan? Methan besteht aus Wasserstoff und Kohlenstoff – es liesse sich also aus Wasser und Kohlendioxid herstellen, wobei als Abfallprodukt auch Sauerstoff anfiele. Wasser und Kohlendioxid findet sich unter anderem auf dem Mars: die NASA hat also ganz bewusst ein Konzept gewählt, mit dem sie prinzipiell auch zum Mars fliegen könnte. Dieses Konzept wurde noch nicht vorgestellt. Mit der erneuten Landung auf dem Mond will man Erfahrungen sammeln, aber auch das wissenschaftliche Verständnis des Mondes voran bringen. Auf der Rückseite des Mondes, die für jeweils 14 Tage vollkommen dunkel ist (die restlichen 14 Tage wird sie von der Sonne beschienen, während die Vorderseite des Mondes auch während der „Mondnacht“ von der Erde beschienen wird und deshalb nicht ganz so dunkel wie die Rückseite ist), könnte man Teleskope errichten, die alle bisherigen Teleskope um Längen übertreffen würden. Insbesondere im Radiobereich wäre ein solches Teleskop wünschenswert: der Mond blockt den grössten Teil der Radiowellen der Erde ab, so dass Beobachtungen möglich würden, die auf der Erde oder aus dem Erdorbit niemals gemacht werden könnten.

 Die neue Mondfähre im Mondorbit
Die neue Mondfähre im Mondorbit
Was soll man davon halten? Einerseits kann man nun wieder die alte Leier anführen, die bemannte Raumfahrt verbrauche Gelder, die man andersweitig „viel sinnvoller“ verwenden könnte, was einerseits richtig, anderseits aber total falsch ist. Richtig, weil die bemannte Raumfahrt eines von den Dingen ist, auf die man durchaus verzichten könnte, wenn dafür das Geld für unverzichtbareres ausgegeben würde. Falsch, weil sich die Menschheit (insbesondere die westliche Zivilisation) eine ganze Reihe von an sich verzichtbaren Dingen leistet (Olympiaden? Rauchen? Armeen? Landwirtschaftssubventionen? Weihnachtsdekorationen? Segelregatten?), verglichen mit denen die bemannte Raumfahrt mit Sicherheit nicht an der Spitze der Sinnlosigkeitsskala steht. Schliesslich fördert sie die Hochtechnologie und die Naturwissenschaften allgemein – kaum jemand weiss heute, wie sehr die amerikanischen Universitäten und Forschungszentren von Apollo profitiert haben, wieviele von ihnen im Rahmen des Apollo-Programms neue Geräte und Techniken entwickelt haben, die sich nachher in vielfältiger Weise positiv auswirkten, und das in den verschiedensten Bereichen.

Trotzdem ist Kritik am neuen NASA-Entwurf angebracht: das Konzept ist im Prinzip eine Rückkehr zu den Konzepten der 60er Jahre, die Wiederverwendbarkeit der Komponenten ist minimal, die Frist bis zur anvisierten Verwirklichung viel zu lange – selbst das Apolloprojekt wurde in knapp 8 Jahren realisiert – und damals konnte man noch nicht auf frühere Erfahrungen zurück greifen. So steht und fällt das Projekt wieder einmal mit der Amtsdauer der gegenwärtigen Präsidentschaft. Ist das Space Shuttle einmal zurück gezogen, stehen die Amerikaner ohne funktionierendes Raumfahrzeug da. Wer soll da noch die internationale Raumstation bedienen? Wo sind da die innovativen Konzepte geblieben? Tatsächlich wäre es schon mit heutiger Technologie möglich, auf der Erdabgewandten Seite des Mondes ein Orbitalseil zu bauen – weshalb wird dieser Ansatz, der langfristig viel bessere Aussichten böte, nicht verfolgt? Weshalb der hohe Materialverschleiss? Dies führt bekanntlich zu hohen Erhaltungskosten: sind die USA einmal nicht mehr bereit, diese zu tragen, scheitert das ganze Konzept.

Es wird sich zeigen, wie lange sich dieses Konzept halten kann – und ob es jemals realisiert wird.

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