Bis 2018, so hat die amerikanische Weltraumbehörde NASA am Montag verlauten lassen, will sie zum Mond zurückkehren. Das Konzept der neuen Mondmissionen ist jenem von Apollo nicht unähnlich – doch es gibt auch Unterschiede zu Apollo.
Unterwegs wird die Mondtransferstufe abgeworfen, und Mondlander und Raumkapsel treten gemeinsam in eine Mondumlaufbahn ein. Dann steigt der Mondlander – diesmal mit allen vier Astronauten – zur Mondoberfläche ab und kann dort bis zu einer Woche (bei Apollo waren es maximal drei Tage) bleiben. Die Raumkapsel bleibt unbemannt in der Umlaufbahn zurück. Wenn die Arbieten auf der Mondoberfläche erledigt sind, steigt der obere Teil des Mondlanders auf, koppelt im Mondorbit wieder an die Raumkapsel an, die Besatzung wechselt in die Raumkapsel zurück, die dann ohne Landeroberteil wieder zurück zur Erde startet. Drei Tage später tritt der obere Teil der Kapsel wieder in die Erdatmosphäre ein und soll, von Fallschirmen gebremst, irgendwo im amerikanischen Westen landen, während der untere Teil der Kapsel teilweise in der Atmosphäre verglüht, während der Rest ins Meer stürzt. Immerhin soll der obere Teil der Raumkapsel, der auf den letzten Metern von Airbags gebremst werden soll, bis zu zehn mal wiederverwendbar sein.
Das ganze Projekt soll in der Entwicklung 104 Milliarden Dollar kosten, das wären dann rund 8 Milliarden Dollar pro Jahr, ab heute bis zur Landung oder rund 50% des NASA-Budgets. Der Rest des Budgets wird für die Fertigstellung der internationalen Raumstation, für den Rückzug des Space Shuttles und für die unbemannten Programme benötigt.
Und dann? Die Mondfähren, das ganze System wurde auf die Verwendung von Methan als Treibstoff optimiert. Weshalb Methan? Methan besteht aus Wasserstoff und Kohlenstoff – es liesse sich also aus Wasser und Kohlendioxid herstellen, wobei als Abfallprodukt auch Sauerstoff anfiele. Wasser und Kohlendioxid findet sich unter anderem auf dem Mars: die NASA hat also ganz bewusst ein Konzept gewählt, mit dem sie prinzipiell auch zum Mars fliegen könnte. Dieses Konzept wurde noch nicht vorgestellt. Mit der erneuten Landung auf dem Mond will man Erfahrungen sammeln, aber auch das wissenschaftliche Verständnis des Mondes voran bringen. Auf der Rückseite des Mondes, die für jeweils 14 Tage vollkommen dunkel ist (die restlichen 14 Tage wird sie von der Sonne beschienen, während die Vorderseite des Mondes auch während der „Mondnacht“ von der Erde beschienen wird und deshalb nicht ganz so dunkel wie die Rückseite ist), könnte man Teleskope errichten, die alle bisherigen Teleskope um Längen übertreffen würden. Insbesondere im Radiobereich wäre ein solches Teleskop wünschenswert: der Mond blockt den grössten Teil der Radiowellen der Erde ab, so dass Beobachtungen möglich würden, die auf der Erde oder aus dem Erdorbit niemals gemacht werden könnten.
Trotzdem ist Kritik am neuen NASA-Entwurf angebracht: das Konzept ist im Prinzip eine Rückkehr zu den Konzepten der 60er Jahre, die Wiederverwendbarkeit der Komponenten ist minimal, die Frist bis zur anvisierten Verwirklichung viel zu lange – selbst das Apolloprojekt wurde in knapp 8 Jahren realisiert – und damals konnte man noch nicht auf frühere Erfahrungen zurück greifen. So steht und fällt das Projekt wieder einmal mit der Amtsdauer der gegenwärtigen Präsidentschaft. Ist das Space Shuttle einmal zurück gezogen, stehen die Amerikaner ohne funktionierendes Raumfahrzeug da. Wer soll da noch die internationale Raumstation bedienen? Wo sind da die innovativen Konzepte geblieben? Tatsächlich wäre es schon mit heutiger Technologie möglich, auf der Erdabgewandten Seite des Mondes ein Orbitalseil zu bauen – weshalb wird dieser Ansatz, der langfristig viel bessere Aussichten böte, nicht verfolgt? Weshalb der hohe Materialverschleiss? Dies führt bekanntlich zu hohen Erhaltungskosten: sind die USA einmal nicht mehr bereit, diese zu tragen, scheitert das ganze Konzept.
Es wird sich zeigen, wie lange sich dieses Konzept halten kann – und ob es jemals realisiert wird.
Constellation wurde von Obama gecancelt – mal sehen, was der Kongress dazu sagt. Siehe meinen neueren Artikel \“Fernziel Phobos\“ für ein Update.
Scheint nicht mehr so …