Die Erde ist, hört man oft, überbevölkert. Doch die gute Nachricht ist, dass sich die Entwicklung zu stabilisieren scheint. Was uns das über die Menschheit und die anderen Zivilisationen draussen im All sagt.

Schon im Jahr 2012 werden zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit 7 Milliarden Menschen gleichzeitig auf der Erde leben. Das bedeutet auch, dass rund 12% aller Menschen, die bisher überhaupt existiert haben, nun gleichzeitig ihr Leben auf diesem Planeten miteinander verbringen. Oder anders gesagt: wenn wir aus der bisherigen, jahrzehntausende langen Geschichte der Menschheit (man denke nur an all das, was in der Zeit passiert ist: Eiszeiten endeten, Pyramiden wurden gebaut, Ozeane überquert, unzählige Kriege ausgetragen und Erfindungen gemacht, Sprachen, Religionen und
ganze Hochkulturen entstanden und verschwanden wieder...) mit einem Zufallsgenerator hundert Menschen herauspflücken könnten - Zwölf von ihnen würden heute leben (davon wäre nur einer über 65, drei hingegen unter 14 Jahren alt...)!
Es gibt weitere interessante Aspekte: So lebt in den sechs bevölkerungsreichsten Staaten der Welt (China, Indien, USA, Indonesien, Brasilien, Pakistan) gerade rund die Hälfte der Weltbevölkerung (total gibt es heute 194 Staaten). Achtzig Prozent der Weltbevölkerung lebt in den gerade mal 33 bevölkerungsreichsten Staaten . Fünfundneunzig Prozent der Weltbevölkerung lebt in Staaten, die mehr als 9 Millionen Einwohner haben, obwohl etwas über die Hälfte aller Staaten weniger als 9 Millionen Einwohner hat (Schweizer sind also ziemliche Exoten, rein statistisch gesehen natürlich - Deutsche aber nicht). Daraus ist klar ersichtlich, dass ein zufällig "gezogener" Mensch mit grosser Wahrscheinlichkeit in einem bevölkerungsreichen Staat lebt - ganz einfach, weil bevölkerungsreiche Staaten mehr Menschen haben, die gezogen werden könnten.
Wir können diese Beobachtung durchaus auch auf Zivilisationen von intelligenten Lebewesen auf fernen Planeten irgendwo im Universum übertragen. Wenn man aus allen intelligenten Bewohnern des Universums zufällig einen zieht, dann ist die Chance gross, dass dieser Bewohner aus einer der bevölkerungsreichsten Zivilisationen stammt. Wir dürfen also davon ausgehen, dass die Menschheit mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit zu den bevölkerungsreicheren Zivilisationen im All gehört: oder zumindest muss das Universum so beschaffen sein, dass deutlich bevölkerungsreichere Zivilisationen "seltener als bevölkerungsstärker" sind. "Superzivilisationen", die eine Million mal mehr Bewohner als die Menschheit haben, müssen auch eine Million mal seltener sein. Um das hier nochmals klar zu stellen: für die Bevölkerung der Staaten der Erde gilt das eben nicht: grössere Staaten sind stets "bevölkerungsstärker als selten", deshalb dominieren ihre Bewohner die Weltbevölkerung. Ein Staat, der 1000 Mal Einwohner hat, ist auf der Erde eben typischerweise nicht 1000 Mal, sondern nur etwa 100 Mal seltener. Für den Schritt zur Superzivilisation müsste es also einen sehr starken Selektor geben, damit ihre Bevölkerungen nicht die Gesamtpopulation der intelligenten Beobachter dominieren.
Die Chance, dass sich die Menschheit (die noch durch diesen Selektor müsste) dereinst zu einer solchen "Superzivilisation" entwickelt, ist dann eben auch entsprechend klein. Selbstverständlich könnte uns dies einfach noch bevorstehen, und wir heute lebenden Menschen wären einfach exotisch (untypisch), weil wir ganz am Anfang dieser Superzivilisation existierten. Aber wenn wir mal die vernünftige Annahme machen, dass die Beobachtungen, die wir machen, typisch sind für alle intelligenten Beobachter im Universum, dann gilt:
a) es gibt keine oder nur sehr wenige solche Superzivilisationen, und die Chance der Menschheit, zu einer dieser wenigen Superzivilisationen zu werden, ist sehr klein
b) die Menschheit gehört zu den bevölkerungsreicheren Zivilsationen im All
Die zweite Schlussfolgerung ist interessant, weil sich die Frage stellt, wie denn eine Zivilisation überhaupt deutlich weniger Mitglieder als die Menschheit haben kann. Der Schlüssel liegt, denke ich, in der der Hochtechnologiezivilisation und der Nutzung von fossilen Rohstoffen. Sieht man sich die Geschichte der Menschheit an, gab es für die meiste Zeit nur vielleicht einige 100 Millionen Menschen weltweit. Erst mit dem Beginn der Nutzung der fossilen Rohstoffe, welche eine globale Zivilisation überhaupt erst möglich machten, stiegen die Bevölkerungszahlen dramatisch an. Es ist also - einmal mehr - vor allem die Energieverfügbarkeit, die die Bevölkerungsgrösse bestimmt. Die meisten Erdölvorräte sind in ganz bestimmten, kurzen Episoden der Erdgeschichte entstanden, ähnliches gilt für die Kohle. Es ist also durchaus denkbar, dass auf den Planeten, auf denen sich die Zivilisationen entwickeln, die nie über ein paar 100 Millionen Individuen hinauswachsen, keine oder nicht so viele einfach nutzbare fossile Energierohstoffe (dazu gehört evtl auch Uran) zu finden sind wie auf der Erde. Dass unsere Beobachtung, die erste Hochtechnologiezivilisation zu sein, nahelegt, dass dies entweder ein seltener oder aber einmaliger Prozess ist, hatte ich schon in
diesem Artikel dargelegt.
Beide (a & b) Aussagen laufen darauf hinaus, dass die Menschheit kaum mehr signifikant wachsen wird (und nebenbei, sie passen sehr schön zum
Fermi-Paradoxon). Tatsächlich passt das auch mit unseren Beobachtungen hier auf der Erde selbst gut zusammen: Die Bevölkerungsentwicklung stagniert, wir sehen, dass wohlhabende Gesellschaften (und genau jene sind es, die sich die Besiedlung anderern Planeten leisten könnten) kaum mehr wachsen, sondern begonnen haben, zu schrumpfen. Weltweit bewegt sich die Kinderzahl pro Frau auf 2 zu, und die UNO erwartet, dass die Weltbevölkerung etwa im Jahr 2050 nicht mehr wachsen wird, bei dannzumal rund 9 Milliarden Menschen. Es ist auch so, dass die Menschheit kaum mehr wachsen kann: Der Lebensraum, insbesondere das fruchtbare Ackerland (durch Bodenerosion und verknappung der Dünger-Rohstoffe Phosphor und Erdöl), geht uns heute tatsächlich langsam aus. Die Tragfähigkeit des Systems Erde ist längst erreicht, und wir zehren vom Kapital.
Das heisst nicht, dass man jetzt verzweifeln müsste - mit einer neuen, billigen und allgegenwärtigen
Energiequelle etwa könnte die Menschheit Nahrungsmittel künftig auch in Städten herstellen, der globalen Erwärmung entgegen wirken, die Ressourcenprobleme durch Erschliessung des Sonnensystems mindern und auch die Menschen ernähren, die noch geboren werden oder wegen immer besseren Verfahren zum Stoppen des Alterungsprozesses nicht mehr sterben. Das ist das optimistische Szenario (hier
nochmals eines). Es ist aber auch durchaus möglich, dass keine solche Energiequelle gefunden wird - dann steht uns wohl ein Zeitalter bevor, in der Milliarden Menschen keinerlei Aussicht haben, jemals den Lebensstandard, den eine kleine Minderheit geniesst, zu erreichen. In der
steigende Meeresspiegel, versalzene Böden, Hungersnöte und Kämpfe innerhalb kollabierter Staaten Milliarden Menschen in die Flucht treiben. Eine Welt, in der der Fortschritt innerhalb der am weitesten entwickelten Staaten zum Stillstand kommt, weil alle Energie darauf verwendet werden muss, die Kontrolle über die weltweiten Rohstoffströme zu behalten und den Staat vor übermässiger Zuwanderung zu schützen. Kurz, eine Zivilisation, die überhaupt nicht so aussieht, wie wenn sie jemals
zu den Sternen aufbrechen würde.
Alle Zahlen der Bevölkerungsstatistik sind dem
CIA World Factbook entnommen.