Nov 25 2005

Einmal Orbit retour bitte – der Beginn der kommerziellen Raumfahrt

Seit „SpaceShipOne“ den X-Price gewonnen hat, hat das Weltraumzeitalter erst richtig begonnen: private Unternehmer aus aller Welt beginnen nun, den Weltraum als Erholungsraum für zahlkräftige Touristen, zur Erschliessung von neuen Rohstoffen zu entdecken…

 eine private Mondstation, wie sie SpaceDev vorschebt

eine private Mondstation, wie sie SpaceDev vorschebt

Seit dem Beginn des Raumfahrtzeitalters war wurde die benannte Weltraumfahrt von Staaten betrieben. Staatliche Raumfahrtprogramme waren (und sind) nationale Prestigeprojekte dienen und dienten vor allem den strategischen Interessen der militärischen und/oder zivilen Führung des Landes.

Hinter dem Entscheid Kennedys, zum Mond zu fliegen, stand nicht die Neugier nach der Entstehung dieser Welt, nicht die Suche nach Rohstoffen oder der Aufbau eines Teleskops standen für die Amerikaner im Vordergrund, sondern ganz einfach der Sieg über die Sowjetunion in aller Weltöffentlichkeit.

Auch heute noch hat sich das nicht gross geändert: Russland, das die Technologie und das Wissen der Sowjetunion geerbt hat, ist stolz auf seine Weltraumfahrt: wenigstens in diesem Bereich ist das Land noch eine Weltmacht (die Europäer waren in diesem Bereich nie mehr als „amerikanische Trittbrettfahrer“). Auch in den USA und insbesondere in China, das seit 2003 zu den Weltraummächten gehört, ist die Weltraumfahrt eine Frage des nationalen Ansehens. Man träumt von Russen, Amerikanern, Chinesen auf Mond, Mars und darüber hinaus.

Die Projekte der privaten Weltraumfahrt nehmen sich dagegen eher bescheiden aus: Oberstes realistisches Ziel für die nahe Zukunft ist der private Flug in den Orbit. Während Firmen wie SpaceAdventures für rund 20 Millionen Dollar bereits Ausflüge in den Orbit, an Bord einer russischen Raumkapsel vermitteln (für 200 Millionen Dollar winkt sogar ein Flug um den Mond herum), setzen andere Firmen auf Eigententwicklungen: SpaceDev etwa, die aus dem gescheiterten HL-20-Projekt der NASA einen „kleinen“ Spaceshuttle namens DreamChaser entwickelt, der dereinst mit zahlenden Touristen in den Orbit aufbrechen soll. Die Firma SpaceX entwickelt vollständig wiederverwendbare Raketen, die mit explosionssicherem Treibstoff fliegen. Bis zu 120 Tonnen (pro Start) will SpaceX dereinst mit diesen Raketen ins All befördern können, wesentlich mehr als alle bisher staatlich entwickelten Raketen – und das zu einem Zehntel der Kosten. Scaled Composites, die Firma, die schon mit dem SpaceShipOne den Ansari-X-Price von 10 Millionen Dollar für den ersten Suborbitalflug gewonnen hatte, macht sich daran, einen Nachfolger („SpaceShipTwo“) zu bauen, der mit zahlenden Passagieren an Bord in den erdnahen Weltraum fliegen soll – ein Käufer für das Weltraumfahrzeug ist schon gefunden: Die Firma Virgin Galactic wurde nur kurze Zeit vor dem erfolgreichen Erstflug von SpaceShipOne gegründet und will ab 2007 private Flüge in den erdnahen Raum anbieten. Auf der ganzen Welt finden sich noch viele weitere kleine Startup-Firmen, die innovative Entwicklungen in diesem Bereich weiter treiben.

Unmittelbar nach der Verteilung des Ansari-X-Price wurde der „Americas Space Price“ angekündigt: der Firma, die zuerst ein Raumschiff entwickelt, das den Orbit erreichen kann, winken 50 Millionen Dollar und die Aussicht auf einen Versorgungsauftrag für eine private Raumstation (die „Nautilus“) im Umfang von 400 Millionen Dollar. Die X-Price-Foundation, die Stiftung, die den X-Price ausgegben hatte, organisiert jährlich einen „X-Price-Cup“, an dem private Teams ihre Konzepte ausprobieren und gegeneinander antreten lassen können. Kürzlich erst kündigte SpaceDev einen Plan für einen Mondflug auf regelmässiger Basis an – mit Kosten von 10 Milliarden (natürlich) nur zu einem Zehntel des von der NASA berechneten Aufwands für die zum Mond (104 Milliarden Dollar in 13 Jahren)… Die privat finanzierte Firmen LiftPort und HighLiftSystems arbeiten an einem Orbitalseil, das dereinst noch viel günstiger als alle Raketen den schnellen Zugang zum Weltraum bieten wird.

Es ist klar: die private bemanne Weltraumfahrt hat eine Zukunft. Noch muss sich erweisen, ob sie in der Lage ist, den günstigen Zugang zum Weltraum wirklich zu entwickeln. Doch der Trend geht klar in diese Richtung: die NASA und die anderen Weltraumorganisationen brauchen eine neue Richtung: anstatt Milliarden für teure Hardware aus der Eigententwicklung auszugeben, sollten sie Dienste bei privaten Anbietern einkaufen: die Versorgung der internationalen Raumstation etwa international ausschreiben. Auch die Rückkehr zum Mond, von Präsident Bush junior gefordert und von der NASA zu über 100 Millliarden Dollar veranschlagt, könnte ausgeschrieben werden. Wer der NASA ein System aufbaut, das eine regelmässige Landung auf dem Mond ermöglicht, dem winken ein Preis und ein Versorgungsvertrag für die kommenden 10 Jahre. Auch ein Teleskop auf der Mondrückseite, ein Hotel am Südpol… alles wäre denkbar. Zurzeit hat die private Weltraumfahrt die Mittel noch nicht, um solche Aufträge wirklich anzunehmen – doch die Entwicklung geht voran. Man stelle sich vor, die Luftfahrt wäre nie kommerziell betrieben worden – wir hätten heute keine solchen Flugzeuge wie den A380: es gäbe nur eine geringe Anzahl, wahnsinnig teurer und komplizierter Flugzeuge, deren Benützung staatlichen Organisationen vorbehalten wäre…

Wohin wird das führen? Letztlich wird es zu einer totalen Kommerzialisierung der Weltraumfahrt kommen, wie dies im Bereich der unbemannten Raumfahrt (etwa dem Satellitengeschäft) schon geschehen ist. Internationale Regelungen werden nötig werden: wem gehören die Bodenschätze des Mondes, der Asteroiden? Wer bekommt das Recht, sie auszubeuten, zu verkaufen, zu verteilen? Und wer spricht Recht im Weltraum? Wer ist zuständig, wenn auf dem Mond jemand stirbt? Oder zur Welt kommt?

Der vielen faszinierenden Vorteile, den die private Weltraumfahrt verspricht und die Konflikte, die sie damit herauf beschwört, sind – wieder einmal – zwei Seiten derselben Medaille.

SpaceDev

SpaceX

VirginGalactic

http://www.nasa.gov

2 Comments

  • By Cmdr. Tomalak, 4. September 2006 @ 17:16

    Ich würde es sehr gutheißen, wenn auch private Unternehmen im Weltraumgeschäft mitmachen würden, weil die staatlichen Unternehmen wirklich neuen Wind brauchen und auch nicht mehr für alles zuständig sein können.
    Das größte Problem dabei dürfte wohl die Kostenbilanz sein: es gibt nicht viele wohlhabende Menschen, die bereit wären, ein paar Millionen Dollar für einen lausigen Flug ins All auszugeben… auch Forschung und Entwicklung wirft nicht genug ab, um damit die Projekte finanzieren zu können!
    Was ich aber für sehr vielversprechend und zukunftsweisens halte, ist die Rohstoffförderung auf dem Mond bzw. später im Asteroidengürtel oder gar noch weiter draußen… sobald sich die Ausbeute im Vergleich zu den wahrlich astronomischen Kosten lohnt! Ich bin sehr gespannt, was auf diesem Gebiet noch alles passieren wird!

  • By P_S_, 18. Juni 2007 @ 05:41

    Das Europa mal wieder nur Absichtserklärungen von sich gibt und wenn man dann auf der ESA Seite weitersucht nichts entsprechendes finden kann (zb Studien zu Rückkehrkapseln oder Mondlandefähren) ist ein Armutszeugnis aller erster Güte. Den Russen traue ich es zu, dass sie beim Wettlauf Erfolg haben. Europa?!?! Wenn man sich das Konzept zB von SpaceX ansieht, dann stellt man fest das auf das EU-ATV lediglich eine Rückkehrkapsel aufgesetzt werden müsste und eine Startabbruchrakete um die Astronauten in Sicherheit zu bringen falls beim Start was schiefläuft. Aber selbst das bekommen die Europäer anscheinend nicht hin. Das ist irgendwie nur noch peinlich…

    Beste Grüße!
    PS

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