Jan 09 2006

Keiner zu klein, ein Einstein zu sein!

Im Internet greift ein Phänomen um sich: immer mehr Leute sehen sich zum neuen „Einstein“ berufen und verkünden allen, die es hören wollen (und allen anderen auch), warum Einstein falsch lag, warum uns alle Wissenschaftler nur belügen wollen und warum ausgerechnet SIE die Antwort auf alle Probleme der Welt haben.

Einstein, Vorbild

Einstein, Vorbild

Auf englisch werden diese Leute auch mal etwas unfreundlich als „Cranks“ oder „Crackpots“ bezeichnet. Eine typische „Crackpot“-Geschichte geschieht immer nach dem gleichen Muster.

Der zukünftige Crackpot (nur die wenigsten sind weiblich), mit einem gewissen Interesse für Physik und Astronomie und einem grossen Ego ausgestattet, liest sich in irgend einem Satz eines populärwissenschaftlichen Buches fest und sagt sich: „Das kann doch nicht sein!“ Der zukünftige Crackpot sagt sich, dass hier ein Fehler vorliegen muss, denn er versteht nicht, was da steht – und er schliesst daraus, dass der Autor des Buches, oder gleich der Autor der Theorie, von der im Buch die Rede ist (in der Regel Einstein), falsch gelegen haben müssen. Natürlich bildet sich der Crackpot ein, dass er der einzige ist, dem dieser „offensichtliche“ Fehler aufgefallen ist – zur Sicherheit geht er mal ins Internet.

Und siehe da, er trifft auf jede Menge Gesinnungsgenossen – allesamt Leute, die über dieselbe Stelle im selben Buch gestolpert sind. Das ist gut so, dafür ist das Internet auch da. Doch anstatt versuchen herauszufinden, was sie nicht verstanden haben, beginnen die Crackpots, sich gegenseitig in ihrem Ego zu bestärken: „Da muss offensichtlich ein Fehler vorliegen“ – „Einstein muss sich geirrt haben“ – „Aber warum werden dann seine Bücher noch immer verbreitet?“ – „Nun, vermutlich werden Meinungen wie unsere unterdrückt…“

Bam! Und schon strickt sich unser Crackpot seine eigene Verschwörungstheorie. Umgeben von seinen Crackpotfreunden, die ihn immer wieder in seinem Vorhaben bestärken, entwickelt unser Crackpot vielleicht sogar seine eigene „Alternative“ zu Einstein (obwohl er natürlich keinen physikalischen oder mathematischen Hintergrund hat). Er präsentiert sie seinen Freunden, und die, schwer beeindruckt, loben ihn dafür: „Genau so könnte es sein!“ – „Klingt logisch!“ – „Endlich jemand, der die Dinge beim Namen nennt!“ Und so weiter.

Dann macht sich der Crackpot auf in die Weiten des Internets, um andere Foren und Newsboards mit seiner „Erkenntnis“ zu beglücken. Widerspruch duldet er nicht, schon gar nicht von denen, die Einstein verteidigen (der ist für ihn ja ohnehin nur ein Mythos, eine grosse Lüge…). Alle Wissenschaftler sind nun für ihn zu seelenlosen Automaten geworden, die tumb wiederholen, was ihnen in der Schule eingetrichtert wurde: Er gewöhnt sich an, sie mit dem Verweis auf „Betrug in der Wissenschaft“, „Galilei hat man auch nicht geglaubt!“ abzukanzeln.

Nichts und niemand kann ihn mehr von seiner Ãœberzeugung abbringen. Er hat sich so sehr darin verrannt, dass er glaubt, dass eine grosse Zukunft auf ihn wartet: eines Tages, so denkt er stolz, wird die Geschichte mich in einem Atemzug mit Newton, Galilei und Einstein nennen! Die tragische Geschichte hat kein Ende, sie geht tagtäglich weiter, auf unzähligen Webseiten im Internet.

Woher kommt das? Einerseits ist in unserer Gesellschaft, genährt von unzähligen einschlägigen Geschichten und Filmen, der Mythos vom „einsamen Genie“, das in seinem Hinterkämmerchen an einer genialen Theorie arbeitet, weit verbreitet. Einstein selbst hat diesen Mythos durch seine Lebensgeschichte genährt: er war Angestellter in einem Patentamt, als er nebenbei seiner Relativitätstheorie entwickelte (wohlgemerkt, nachdem er bereits Phyisk studiert hatte! Aber das geht gerne vergessen…).

Ein weiterer Mythos unserer Gesellschaft ist jener vom „verkannten Genie“, dessen geniales Werk zuerst von niemandem anerkannt wird, der aber unerbittlich dafür weiterkämpft und schliesslich triumphiert (oder heroisch beim Versuch stirbt oder gar ermordet wird). Tatsächlich gab es eine Reihe solcher Durchbrüche und Schicksale, das steht ausser Frage. Unser Bild der Welt hat sich immer wieder gewandelt, und es wird sich auch in Zukunft immer wieder wandeln. Trotzdem ist das Bild insofern falsch, dass die meisten dieser „neuen Weltbilder“ tatsächlich scheiterten – nur eine kleine Minderheit dieser Revolutionen setzte sich durch, die anderen erwiesen sich als unhaltbar. Die meisten der „verkannten Genies“ waren also „zu recht“ verkannt.

Weiter ist es natürlich so, dass dieses unerbittliche Kämpfen sich nicht in Internetforen und Newsboards abspielen kann: „Kampf“ bedeutet in der Wissenschaft die Publizierung von guten, überprüfbaren Daten, die nur mit der eigenen, „verkannten“ Theorie Sinn machen, mit der „herkömmlichen“ Theorie hingegen nicht. Durch Experimente, und NUR durch Experimente, kann entschieden werden, ob eine neue Theorie mehr Sinn macht als die Herkömmliche. Die meisten Crackpots hingegen glauben, durch „Gedankenexperimente“ (die auch Einstein mochte, als Ergänzung und zur Veranschaulichung) allein zum Erfolg zu kommen, ohne jemals Experimente durchführen zu müssen. Weiter muss eine neue Theorie überprüfbare Vorhersagen machen, die mit der herkömmlichen Theorie nicht erwartet werden. So sagte Einsteins Relativitätstheorie eine Verschiebung der scheinbaren Position von Sternen nahe der Sonne vorher – dies konnte bei einer Sonnenfinsternis dann auch tatsächlich beobachtet werden – mit Newton allein wäre das nicht möglich gewesen.

Neue Theorien, die durch gute Experimente gestützt werden (und die im Einklang mit allen alten Experimenten stehen), haben es nicht mehr schwer, sich durchzusetzen. Es gibt keine Zensurorgane in der Wissenschaft (manchmal wird behauptet, die wissenschaftlichen Zeitschriften würden Arbeiten zensurieren: diese lehnen aber nur die Arbeiten ab, die nicht den wissenschaftlichen Standards genügen – niemals aber werden Arbeiten bloss wegen ihres Inhalts oder der Theorie, der sie anhängen, abgelehnt.

Der dritte Grund für die zunehmende Verbreitung von Crackpots ist (neben diesen beiden Mythen) die Entwicklung hin zum Expertentum. Unsere Welt wird immer komplexer – um die unterliegenden Prozesse zu verstehen, müssen wir immer mehr auf „Experten“ zurück greifen, Leute, die sich ihr halbes Leben lang mit dem jeweiligen Prozess befasst haben. Diese Experten brechen dann ihr Wissen für den Durchschnittsbürger hinunter und erklären uns mehr oder weniger verständlich ihre Welt. Wissenschaftler sind natürlich auch nur eine Art dieser Experten: sie erklären uns das funktionieren der physikalischen Welt. Mit dem zunehmenden Zurückgreifen auf Experten sinkt auch das Vertrauen in sie: man bezeichnet sie gerne als „Betriebsblind“, sie „Sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr“, etc. – das mag natürlich für einzelne zutreffen, für alle trifft es natürlich nicht zu (was würde das über unser Bildungssystem aussagen, wenn Leute sich ein halbes Leben mit einem Thema auseinander setzen und es noch immer nicht verstehen?). Trotzdem, diese in kleinen Dosen gesunde Skepsis gegenüber den Experten führt dazu, dass Crackpots glauben, auch ohne wissenschaftlichen Hintergrund, ohne tiefere Kenntnis ein qualifiziertes Urteil über die Meinung eines Experten fällen zu können – dabei merken sie nicht, dass sie nur über die Vereinfachung, die Veranschaulichung urteilen.

Einige Wissenschaftler haben es sich zur Lebensaufgabe gemacht, den Menschen die physikalische Welt verständlich näher zu bringen. Harald Lesch etwa, der in seiner Sendung „Alpha Centauri“ die Wunder des Universums erklärt, oder Phil Plait, der auf seiner Webseite BadAstronomy.com gegen Astronomie-Crackpots anschreibt. Andere diskutieren in Diskussionsforen mit Crackpots – oft vergebens und man trennt sich im Streit, es endet meist mit dem Ausschluss des Crackpots aus dem Forum.

Wie geht man mit Crackpots um? Am besten, man lässt sie in Ruhe, man ignoriert sie. Keine Angst: sollte an ihrer „Theorie“ etwas dran sein, dann werden die Experimente das schon zeigen – wenn nicht, dann war es die Mühe ohnehin nicht wert. Weiter sollte man skeptisch sein, nicht (nur) gegenüber Experten, sondern vor allem gegenüber Crackpots. Man sollte im Hinterkopf behalten, dass die meisten dieser Theorien nichts wert sind und von einem Experten in kürzester Zeit glaubwürdig zerpflückt werden könnten, wenn dieser sich denn die Mühe machen würde. Also, das nächste Mal, wenn von „die Relativitätstheorie ist falsch!“ – „Die Erde ist erst 6000 Jahre alt!“ – „Die Erde ist eine Scheibe!“ die Rede ist: ignorieren. Wenn wirklich etwas dran ist, dann wird man das noch früh genug hören.

BadAstronomy

Alpha Centauri von H.Lesch

Talkorigins gegen Kreationismus-Crackpots

Ein ausgezeichneter Artikel über „Theorie in der Wissenschaft“

Um Crackpot-Seiten zu finden, muss man bloss einen angeblich ketzerischen Ausspruch wie „Die Relativitätstheorie ist falsch“ bei einer Suchmaschine eingeben… Zum Beispiel so:

Google:“Die Relativitätstheorie ist falsch“

92 Comments

  • By Wittgenstein, 19. Februar 2010 @ 19:18

    Um die RT verkehrt zu finden, muß man nicht unbedingt ein „Crackpot“ sein, jedenfalls sehe ich mich als grundseriös an. Ich habe auch keine mehr oder weniger verrückte alternative Theorie anzubieten. Es gab und gibt viele grundseriöse Wissenschaftler, darunter auch Nobelpreisträger, die Einstein nicht akzeptieren!

    Darüber hinaus gilt: wenn man eine wissenschaftliche Theorie ablehnt, ist man keineswegs verpflichtet, eine alternative Theorie vorzuschlagen. Es genügt zu zeigen, daß die besagte Theorie logische Fehler enthält und/oder mit der Beobachtung nicht übereinstimmt. Popper hatte allerdings in seinen späteren Jahren gesagt, daß man wohletablierte Theorien nicht ohne weiteres empirisch falsifizieren kann, ohne eine alternative Theorie anzubieten. Das ist bis zu einem gewissen Grade richtig, und gerade deshalb ist die RT vermutlich noch immer aktuell – es hat noch keiner eine Alternative angeboten. (Fraglich ist, ob eine Alternative überhaupt nötig ist oder ob man nicht zu Newtons bestbewährter Theorie „zurückkehren“ sollte, obwohl gerade sie und nicht Einstein ständig angewandt wird. Die Bahnen in der Raumfahrt werden z.B. nach Newton und nicht etwa nach der ART berechnet. Und das nicht, weil Newton bloß für „kleine Geschwindigkeiten“ und „schwache Gravitationsfelder“ gilt, sondern auch und vor allem, weil die Differentialgleichungen der ART ohnehin keine genauen Lösungen zulassen.)

    Dennoch gibt es hinreichend Indizien und Argumente, daß die RT nicht einfach ungenau, sondern FUNDAMENTAL falsch ist. Das ist im ersten Moment erstaunlich. Wir alle glauben, daß unsere Theorien zumindest Zipfel der Realität ansatzweise widerspiegeln. Kann eine angeblich so genau geprüfte Theorie so daneben liegen? Wer meint, daß das nicht möglich ist, kennt die Geschichte der Wissenschaft nicht. Paul Feyerabend hat möglicherweise ein wenig übertrieben, aber der Wissenschaftsbetrieb ist keine so rationale und logische Angelegenheit, wie man sich das häufig vorstellt.

    Damit ist nicht gesagt, daß wir notwendigerweise in einer Newtonschen Welt leben. Es ist aber gewiß keine Einsteinische Welt. Auf jeden Fall kommt Newton allem Anschein nach der Realität näher als Einstein.

    Im übrigen war gerade Einstein zunächst ein solches \“verkanntes Genie\“, dessen geniales Werk zuerst von niemandem anerkannt wird, der aber unerbittlich dafür weiterkämpft und schließlich triumphiert (oder heroisch beim Versuch stirbt oder gar ermordet wird)“. Der kleine Lehrer Einstein – den ich übrigens bis vor kurzen als Halbgott verehrte – mit seinem physikalischen und mathematischen Halbwissen soll mit 26 Jahren die Welt mit seiner Idee revolutioniert haben, als er kühn schloß, daß der Raum sich verkürzt und die Zeit sich dehnt! Keiner der großer Physiker oder Mathematiker seiner Zeit ist darauf gekommen! In Wirklichkeit waren diese Leute viel zu gescheit und zu vorsichtig, um solche „kühnen Einfälle“ ernst zu nehmen.

    Übrigens hat Newton (der kein angenehmer Zeitgenosse war) wahrscheinlich etliches von Robert Hooke abgeguckt, Darwin vermutlich einiges von Alfred Wallace usw. All diese „einsamen Genies“ waren nicht so einsam.

  • By Bynaus, 19. Februar 2010 @ 21:32

    Diese Webseite und insbesondere dieser Artikel ist keine Plattform für die Verbreitung von persönlichen Ansichten über die Relativitätstheorie oder Einstein. Ich dachte, ich hätte das gegenüber paule klar genug dargestellt. Es geht in dem Artikel oben auch gar nicht um die Relativitätstheorie, sondern um den Crackpotismus. Die zwei ersten Beiträge habe ich deshalb wegen Themenfremdheit gelöscht.

    Nun zum dritten Beitrag: auch hier bin ich versucht zu löschen, weil ein grosser Teil sich nicht mit dem Artikel, sondern mit einer Privatansicht eines Laien zur Relativitätstheorie befasst (inhaltlich erkenne ich da allerdings viele Fehler, auf die der Vollständigkeit halber aufmerksam machen will: So wird in der Raumfahrt auf jeden Fall mit der ART gerechnet, die Relativitätstheorie wurde weiter durch unzählige Experimente überprüft und hat alle bisher problemlos überstanden. Es gibt kein in relevanten Fachzeitschriften publiziertes Experiment, das der Relativitätstheorie widerspricht. Und schliesslich war Einstein keinesfalls ein \“kleiner Lehrer\“, sondern hatte Physik studiert und war später als Physikprofessor tätig. Ich glaube zudem persönlich nicht, dass man ihn \“wie einen Halbgott\“ verehren sollte, und auch ihm selbst war der Personenkult eher peinlich…).

    Nun zum Inhalt, der sich mit dem Artikel widmete: Natürlich kann man die Relativitätstheorie oder eine andere wissenschaftliche Theorie auch kritisieren, ohne ein Crackpot zu sein. Das ist sogar die Essenz aller wissenschaftlichen Arbeit: Das Hinterfragen, das Suchen, das Experimentieren. Man muss es nur faktenbasiert und experimentorientiert tun: in diesem Beispiel etwa anerkennen, dass die Relativitätstheorie bisher alle Experimente \“überstanden\“ hat. Es geht – in diesem wie in anderen Fällen – auch nicht so sehr darum, die vorherschende Theorie zu \“wiederlegen\“. Wir wissen ja, dass die Relativitätstheorie eine gute Beschreibung der Welt ist, die für den Fall sehr kleiner Geschwindigkeiten und geringer Gravitation nahtlos in die Newtonsche Theorie übergeht. Genauso hofft man, eine übergeordnete Theorie zu finden, welche die Relativitätstheorie (und damit auch die Newtonschen Theorien) als Spezialfall enthält. Deshalb auch sucht man nach kleinen \“Rissen\“ in der Relativitätstheorie, weil diese einem einen Hinweis geben könnten, in welche Richtung man nach dieser übergeordneten Theorie suchen muss. Alle theoretischen Physiker gehen deshalb auch davon aus, dass die Relativitätstheorie nicht allgemeingültig ist (sie kann es gar nicht sein – sie sagt alles über die Gravitation, aber nichts über die drei anderen bekannten Naturkräfte aus!). Die \“Weltformel\“ steht noch immer aus (und ich bezweifle, dass die Stringtheorien die Antwort liefern können, aber um das zu erklären, müsste ich jetzt sehr weit ausholen).

  • By Wittgenstein, 21. Februar 2010 @ 01:44

    Ich muß mich für meine Einträge entschuldigen. Thema waren in der Tat die „Crackpots“ und „Cranks“, nicht etwa Privatmeinungen zur Relativitätstheorie oder meinetwegen zum Darwinismus oder zu welcher auch immer wissenschaftlichen Theorie. Ich beschäftige mich in der Tat mittlerweile nicht mehr sehr aktiv mit Physik, obwohl ich während meines Studiums intensiv Biophysik (und Neurophysiologie) getrieben habe. Allerdings glaube ich einiges von der Philosophie der Wissenschaft, also Wissenschaftstheorie, von Erkenntnistheorie sowie Geschichte der Wissenschaft zu verstehen. Deshalb genügt mir tatsächlich zumeist kaum mehr als ein Blick auf eine wissenschaftliche Arbeit, um einschätzen zu können, ob sie ernst zu nehmen oder das Werk eines Wirrkopfes ist. Man muß sich allerdings fragen, ob die zunehmende Spezialisierung in der Wissenschaft stets etwas Gutes ist. Nach modernen Kriterien war z.B. Darwin ein Amateuergelehrter – vermutlich der letzte wirklich große „Amateur“ in der Wissenschaft.

    Wie Wissenschaft in der Realität funktioniert, ist nicht ganz klar. Es gibt viele Versuche, die Logik bzw. Soziologie der Wissenschaft zu begreifen – Carnap, Popper, Lakatos, Kuhn, Feyerabend etc. sind einige inzwischen klassische Namen. Sehr interessant ist auch der Ansatz von Michael Polanyi, der betont, das die wissenschaftliche Methodik nicht endgültig formalisierbar ist, weil viele implizite Zusatzannahmen (tacit knowledge) eine große Rolle spielen. Meines Erachtens ist keine Erklärung befriedigend und wir verstehen noch immer nicht sehr gut, was wir egentlich machen, wenn wir Wissenschaft betreiben.

  • By Alex, 21. Februar 2010 @ 02:12

    @Wittgenstein: was Du tust ist genau das, was Crackpots machen wenn sie mit ihrem eigentlichen Anliegen nicht weiterkommen: Grundsätzlich alles in Frage stellen (\“Wir wissen ja nichtmal was Wissenschaft ist\“) oder das Schlachtfeld wechseln, was hier etwa das gleiche ist.

    In dem Maße wie sich Darwin dem Thema gewidmet hat, nicht nur theoretisierend sondern auch praktisch durch seine Reisen (etwas, daß ein Crackpot nie tun würde: mal weg vom PC hin zum eigenen Experimentierfeld), kann man ihn nicht mehr Amateur nennen.
    Laien und Profis unterscheiden sich nicht durch den umrahmten Doktortitel an der Wand sondern durch ihre (Vor)Bildung auf dem Gebiet an sich – wie man die erworben hat ist im Grunde völlig egal. Bei Darwin war das Mitreden noch für einen Amateur möglich. Nur hat es bei dem Berg an Wissen das in den letzten paar hundert Jahren zusammengetragen wurde, und den z.T. nicht billigen Apparaturen die man braucht um überhaupt selbst aktuelle Forschung betreiben zu können, plus der immensen Erfahrung die man wiederum damit braucht und dem Umstand daß wir so weit fortgeschritten sind, daß ein Einzelner kaum noch allein imstande ist, Spitzenforschung zu betreiben (Teilchenbeschleuniger, Milionen Euro teure DNS-Analysegerätschaften, etc.) dazu geführt, daß in der ernstzunehmenden Forschung keine Hobbyisten mehr anzutreffen sind.
    Alles hat eben seinen Grund und Cranks verkennen diese Tatsache. Piepegal was nun Wissenschaft im philosophischen Sinne nun \“wirklich\“ ist: sie liefert offenbar Ergebnisse, die sehr genau sind und Vorhersagen erlauben. Und die mit der Zeit immer besser werden.

    Gruß Alex

  • By Wittgenstein, 21. Februar 2010 @ 12:43

    Im Prinzip einverstanden. Darwin, man mag ihn Amateur nennen oder nicht, war übrigens zweifellos einer der ganz Großen; ich bin geneigt, Daniel Dennett recht zu geben, daß Darwins Idee möglicherweise die beste wissenschaftliche Idee aller Zeiten ist bzw. dem Altmeister der Evolutionsbiologie Ernst Mayr, daß Darwin den größten geistigen Umbruch in der Menschheitsgeschichte bewirkt hat. Einstein- oder Newton-Fans werden natürlich dagegen halten.

    Obwohl ich versuche, die Welt gelassen zu sehen und die Menschen zu nehmen, wie sie nun einmal sind, bringen „Crackpots“ auch mich oft auf die Palme. Kein Plädoayer für die Pseudowissenschaft, die ich vehement ablehne – aber trotz der zunehmenden Spezialisierung ist es auch heute hin und wieder möglich, daß ein Außenseiter einen wichtigen wissenschaftlichen Beitrag leistet, wie es auch im Artikel behauptet wird. Freilich ist das eher die Ausnahme als die Regel. Karl Popper:

    „Unser objektives Vermutungswissen geht immer weiter über das hinaus, was ein Mensch wissen kann. Es gibt daher keine Autoritäten. Das gilt auch innerhalb von Spezialfächern… Fehler werden dauernd von allen Wissen¬schaftlern gemacht… Auch in den am besten bewährten unter unseren Theorien können Fehler verborgen sein. Und es ist die spezifische Aufgabe des Wis¬senschaftlers, nach solchen Fehlern zu suchen. Die Feststellung, daß eine gut bewährte Theorie oder ein viel verwendetes praktisches Ver¬fahren fehlerhaft ist, kann eine wichtige Entdeckung sein.“

    Wissenschaft sollte ein demokratisches Unterfangen der rationalen Diskussion und Kritik sein, zuweilen agieren aber Wissenschaftler erstaunlich dogmatisch. Es kann vorkommen, daß etablierte Wissenschaftler alternative Meinungen nicht ohne die Gefahr des Verlustes ihres Ansehens oder gar ihres Arbeitsplatzes vertreten können. Ich habe z.B. gehört, daß Kosmologen, die Gegner der Urknallhypothese sind, heutzutage bisweilen Schwierigkeiten haben, Beobachtungszeit an Teleskopen zu bekommen.

    Wissen und Erkenntnis lassen sich theoretisch (philosophisch) nicht streng rechtfertigen und begründen. Das wissen wir mindestens seit dem Skeptiker David Hume. Ich stelle die Wissenschaft nicht in Frage, behaupte lediglich, daß wir ihre Möglichkeit theoretisch nicht ganz verstehen. Natürlich bleibt sie die beste und im Grunde einzige Methode, die Welt zu erkennen. Sie funktioniert offenkundig auch ohne daß die Wissenschaftstheoretiker genau sagen können wieso. Hume selbst hatte eingesehen, daß unser Wissen zweifelhaft ist, aber eine klare Trennung zwischen diesen theoretischen Spekulationen und der Paxis gemacht und zugunsten der Wissenschaft plädiert.

    Moderne theoretische Physiker betreiben übrigens gerade oft von der Erfahrung abgehobene „Spitzenforschung“ ohne teuere Geräte, nur mit Bleistift, Notizblock und PC, denn die Stringtheorie z.B. ist nach allgemeiner Einschätzung vorerst empirisch nicht überprüfbar, und es ist nicht klar, ob sie es jemals sein wird. Diese deutliche Trennung von experimenteller und theoretischer Physik hat im Grunde mit Einstein eingesetzt, ob das eine in jeder Hinsicht begrüßenwerte Entwicklung ist, steht auf einem anderen Blatt. Obwohl ich selbst keinen großen Hang zur Praxis, sondern zur Theorie habe. Ich würde auch nie aktiver Politiker werden, Politologie hingegen ist interessant.

    Beste Grüße

    Wittgi

  • By Bynaus, 24. Februar 2010 @ 10:04

    Wenn der Aussenseiter sehr gut informiert ist und mit der wissenschaftlichen Methode von Theorie und Experiment arbeitet – zweifellos! Der \“Crackpot\“ ist ja typischerweise kein Experimentator: er glaubt, die Weltformel (oder seine Einsteinwiderlegung) Kraft seiner Gedanken heraufbeschwören zu können, ganz ähnlich wie die Griechen des Altertums, die glaubten, die Welt alleine durch Nachdenken erkennen zu können.

    Wissenschaft ist auch nicht demokratisch: es spielt keine Rolle, was die Mehrheit denkt, sondern es gilt quasi die \“Diktatur der Fakten\“. Da Wissenschaftler in der Regel sehr rationale Menschen sind, werden sie sich, wenn sich die (neuen) Fakten als haltbar und reproduzierbar erweisen, in der grosssen Mehrheit auf die Seite der (neuen) Fakten schlagen. Das darf man aber nicht mit Demokratie verwechseln.

  • By Thanathos, 12. März 2010 @ 17:34

    Super Artikel auf einer exzellenten Seite, mit nahezu perfekten Beispielen im Kommentarbereich …

    Ich weiß, dass es hier nicht um die Frage der Richtigkeit der RT geht …
    aber ich möchte etwas zu PAULE sagen (für ihn wenn er es noch liest und sonst für andere seinesgleichen)
    Paul ich will deine „Argumente“ nicht widerlegen, weil sie für jemanden welcher etwas Ahnung von der Materie hat, höchstens einen Unterhaltungswert aufweist.
    Ich will nur ein Grundlegende Dinge loswerden …

    Du scheinst nicht all zu viel von der Materie zu verstehen was vor allem deine ersten zwei längen Kommentare belegen (19.04.2008 21:56:29, 22.04.2008 14:03:05).
    Du scheinst ohnehin nur etwas in deinen Worten wiederzugeben was du von jemanden anderen gelesen hast, welcher nur geringfügig mehr über das Thema weiß als du selbst …
    (was dein 2 Satz (erster nach dem Zitat von BYNAUS) AM 24.04.2008 UM 15:40:11 gut unterstreicht) …

    Ich will für dich nur soviel sagen … (grad das du es vielleicht verstehen magst)
    Die Zeit läuft für einen Gegenstand welcher sich den Erdboden und damit den Erdmittelpunkt nähert nicht langsamer (PAULE HAT AM 23.04.2008 14:21:16).
    Wenn ein Ball auf den Boden fällt … vergeht die Zeit auf den Ball, für eine Außenstehenden Beobachter (eigentlich unerheblich) langsamer … Weder für den Beobachter noch für den Ball vergeht die Zeit rückwärts nur langsamer …

    Weiter will ich aber nicht auf dein Geschwätz eingehen, da dies nicht zur Frage gehört …
    Aber du bleibst ein tolles Beispiel …

    @ BYNAUS die Seite ist super mach weiter so …

  • By Sylar, 10. Oktober 2010 @ 06:39

    Gehts noch? o.O Die Aussage des Textes: Nehmt immer die allgemeine Meinung an, hinterfragt niemals Sachen ob sie logisch sind oder nicht. Ein weiterer Schritt in Richtung Sklaventum. Ich musste mich grad mit einem Idioten unterhalten der mich für sowas hier gehalten hat, er weißte folgende Merkmale auf: Lehne Fakten von Anfang an ab weil sie angeblich schon vorher \“Verschwörungstheorien\“ waren, mal davon abgesehen das es nachweisbare geologische Funde waren, wurde völlig ignoriert, jede meiner Meinungen und Äußerungen wurden völlig missachtet und sofort als Schwachsinn hingestellt, seine eigenen Theorien stimmten natürlich alle und waren unwiderlegbar. Ich spreche übrigens von einem \“Anti-Crackpot\“ also regt ihr euch nochmal über solche Leute auf. Ich hasse Menschen die krampfhaft versuchen jeden Menschen in irgendeine Gruppe abzustempeln. Ihr solltet euch mal anhören was ihr für Scheiße labert. IHR SEID SKLAVEN!!!

  • By Bynaus, 10. Oktober 2010 @ 17:05

    Wie viele andere missverstehst du das gründlich. Wissenschaft lebt davon, zu hinterfragen und zu überprüfen. Aber das kann man eben nicht, wenn man nicht das nötige (physikalische, mathematische, etc) Rüstzeug mitbringt. Wenn man das nicht hat, ist man gezwungen, mit dem zu argumentieren, was andere für einen vereinfacht und heruntergebrochen haben – Schlüsse, die man daraus zieht, müssen überhaupt nicht richtig sein. Der Crackpot zeichnet sich dadurch aus, dass er überzeugt ist, komplexeste wissenschaftliche Theorien anzuzweifeln, obwohl er nicht das nötige Rüstzeug mitbringt.

  • By Sylar, 11. Oktober 2010 @ 03:08

    Und was ist wenn er das nötige Hintergrundwissen dazu besitzt, ist er dann auch nur ein Spinner wie ihr sagt? Schon allein dieser Text hier bassiert nichtmal auf irgendwas Nachweisbares, ich wette du kennt keinen einzigen dieser \“Crackpots\“ und versuchst nur wieder eine neue Schublade zu machen wo du irgendeine Menschengruppe reinstecken kannst.

  • By Alex, 12. Oktober 2010 @ 11:18

    Sylar, Du mußt einfach nur mal im www ein wenig suchen, dann findest Du Crackpots zu dutzenden. Auf http://www.astronews.com waren dieses Jahr auch wieder einige unterwegs. Auch hier auf Bynaus Seite tummeln sich in den Kommentaren einige (Paule zum Beispiel).
    Als ich so etwa 18 war habe ich auhc zu solchen gehört die hinter allem eine Verschwörung sehen wollten und kenne daher die Mechanismen die dahinter stecken.

    Leute die Hintergrundwissen haben – oder sagen wir besser: die das Fach studiert haben und sich ein Leben lang damit auseinandersetzten – sind eben komischerweise nie Crackpots, sondern deren Arbeiten haben Hand und Fuß und sind angreifbar, und wenn sie sich als falsch erweisen arbeiten sie an was anderem weiter oder überarbeiten ihre Theorie.
    Ein Crackpot würde das nie tun. Gut zu verfolgen wie gesagt hier oder in anderen Foren zu wissenschaftlichen Themen.

  • By singulär, 13. Oktober 2010 @ 05:51

    @Sylar
    Wer sucht, der findet.
    Für Dich ist das bestimmt ein besonderer Genuß:
    \“Spaß mit der Relativitätstheorie\“
    forum.mysnip.de/read.php?27441,18680,18680,sv=2#msg-18680

    Alex wird mit seinem Hintergrundwissen auch seinen Spaß an diesem Crackpot (TM) haben.

  • By Sylar, 13. Oktober 2010 @ 16:50

    Weil ihr euch nicht eingestehen könnt falsch zu liegen sind diese Crackpots also Idioten? Los, nenne mir einen einzigen Beweis für die RT ansonsten laber hier nicht großartig rum als ob du Ahnung hättest.

  • By singulär, 13. Oktober 2010 @ 20:03

    Sylar, Du enttäuscht mich! Nun habe ich Dir etwas herausgesucht und Du hast es nicht einmal gelesen! Schade. Dort findest Du nämlich viele Beweise!

  • By Sylar, 14. Oktober 2010 @ 00:05

    Ich habs gelesen und es hat die RT widerlegt. Was ist jetzt falsch daran?

  • By Alex, 14. Oktober 2010 @ 08:49

    Sylar, Du outest Dich grade selber als Crackpot;
    Wenn Du Dich ein wenig mit Naturwissenschaften auskennen würdest, dann wüßtest Du das man positive Aussagen (wie etwa eine physikalische Theorie) nicht beweisen sondern nur falsifizieren kann. Und genau das ist noch keinem gelungen, weder mit der ART noch mit den Quanten, im Gegenteil, das funktioniert alles ganz wunderprächtig wie Du an GPS und Deinem Computer sehen kannst.

    Und kläre uns doch mal auf: wen meinst Du mit dem \“Ihr\“, das Du in Deinem Beitrag konstruierst?

  • By Sylar, 14. Oktober 2010 @ 13:05

    Erstens mal bin ich keiner von diesen \“Crackpots\“ weil keine von euren ach so tollen Eigenschaften die ihr geschrieben habt auf mich zutrifft und mit \“ihr\“ mein ich die Gegner von Crackpots. Ich will wissen warum ihr glaubt mehr recht zu haben und wo eure Beweise sind? Ich stehe in der Mitte und bin unparteiisch.

  • By Alex, 14. Oktober 2010 @ 14:09

    Sylar,
    welche Gründe hast Du anznehmen, daß Experten, die jahrelang studiert haben, die z.T. ihr ganzes Leben auf diesem Gebiet gearbeitet haben, deren Ergebnisse funktionierende Anwendung finden und die in Experimenten oder durch Beobachtung unwiderlegt sind falsch liegen wohingegen Laien, die überall eine Verschwörung wittern recht haben.
    Indem Du schon schreibst Du seist \“neutral\“ sagst Du ganz klar, daß Du den Experten mißtraust.
    Warum?
    Das ist in etwa so als würdest Du der Metzgerei von nebenan eher zutrauen ein Auto konstruieren zu können als den Leuten die bei Benz/BMW/VW/Opel arbeiten.
    Da wittert komischerweise nie jemand, daß die Leute keine Ahnung haben aber alle anderen recht. Nur in der Astronomie, wo es ja auch um eine Art Weltbild geht, fühlen sich viele Laien mit eigenen Ideen angegriffen weil diese eigenen Ideen halt der modernen Forschung gegenüber nicht standhalten können. Warum nur?

  • By Sylar, 14. Oktober 2010 @ 17:19

    Gutes Beispiel aber dieses Zeug von den \“Crackpots\“ klingt nun mal logischer als das der \“Experten\“. Ein Experte zu sein bedeutet nicht gleichzeitig das man intelligent ist sondern nur das man viel über sein Gebiet weiß, was nicht bedeutet das man es eigentlich versteht wenn etwas garnicht stimmen kann.

    Nehmen wir mal als Beispiel die Lichtgeschwindigkeit. c wird in Geschwindigkeit angegeben, c verkrümmt Raum und Zeit, Raum und Zeit sind die Grundlage der Geschwindigkeit. Widerspricht sich das nicht selber wenn die Lichtgeschwindigkeit ihre eigenen Grundlagen verändert?

    Erkläre mir mal wie man die absolut höchte Geschwindikeit überhaupt messen kann? Den dazu bräuchte man ein Instrument welches die gleiche Reaktionsgeschwindigkeit besitzt wie c, aber das gibt es ja nicht weil nichts außer Licht so eine Geschwindigkeit haben kann.

    Wo ist das den zum Beispiel logisch, erkläre es mir?

  • By singulär, 16. Oktober 2010 @ 03:35

    @Sylar
    Ein Experte ist jemand, der genauso viel oder so wenig wie seine Kollegen weiß. Aber er hat sein Wissen geordnet und darüber einen Lichtbildervortrag gehalten.

    Jedenfalls war dies die frühere Expertendefinition. Heute trifft wohl eher zu:
    Ein Experte ist jemand, der die Mainstreammeinung glaubt und wiedergeben kann. Er hat seinen Glauben in künstlerische Darstellungen verpackt und darüber einen Beamervortrag gehalten.

    Noch früher als die erste Definition galt als Experte jemand, welcher eigene wegweisende Erkenntnisse bekanntgegeben hat und sich der Kritik der Fachschaft gestellt hat und hierbei alle Gegenargumente durch Experiment und Logik ausräumen konnte.

    Heute gibt es solchermaßen geprüfte Experten nicht mehr, weil die Fachschaft der Logik bereits nicht mehr folgen kann und das Experiment nicht versteht.

  • By Bynaus, 16. Oktober 2010 @ 17:28

    Ein Experte ist jemand, der in einem wissenschaftlichen Gebiet in einer angesehenen Fachzeitschrift, die ihre Beiträge nach dem Peer-Review-Verfahren auswählt, zum betreffenden Thema Artikel veröffentlich hat. Ob die in diesen Artikeln vertretene \“Meinung\“ dem \“Mainstream\“ entspricht oder nicht, ist völlig irrelevant. Wichtig ist, dass er die Fachliteratur kennt und einen neuen Erkenntnisbaustein beitragen konnte.

    Die fehlende Kenntnis der Fachliteratur zeichnet den Crackpot aus. Er hält es nicht für nötig, herauszufinden, wie die Experten zu ihren Schlüssen gekommen sind, oder was auf diesem Gebiet schon alles gesagt und gedacht wurde: Er nimmt sein eigenes Verständnis, sein eigenes Empfinden von \“Logik\“ zum absoulten Massstab, und schliesst daraus, dass die Experten allesamt Vollidioten sein müssen, dass ihnen das nicht schon vorher aufgefallen ist. Crackpotismus ist also sowas wie intellektueller Narzissmus mit einem Hang zur Faulheit. Wenn Wissenschaft so funktionieren würde, sässen wir immer noch in den Höhlen.

  • By Sylar, 16. Oktober 2010 @ 21:48

    Ich weiß was ein Experte ist.

  • By Singulär, 17. Oktober 2010 @ 17:46

    Bynaus, nach deiner eigenen Definition bist du ein Crackpot.

    Du kannst wohl kaum die Fachliteratur komplett kennen und kannst niemals wissen, was auch nur ein einziger Mensch alles gedacht und gesagt hat. Noch weniger gilt das natürlich für viele Menschen.

    Deine falsche Definition zeigt bereits, daß du objektiv auch nicht logisch denken kannst, aber deine Logik als Maßstab behauptest.

    In deiner Definition sind noch mehr Fehler enthalten. Es lohnt nicht, diese alle aufzuzählen. Du würdest es nicht einmal verstehen!

  • By Bynaus, 17. Oktober 2010 @ 23:29

    Ich habe nirgends behauptet, ein Experte müsse die ganze Fachliteratur kennen (er muss lediglich in einer Peer-Reviewten Fachzeitschrift publiziert haben), noch habe ich die Welt ausschliesslich in Experten und Crackpots aufgeteilt. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.

  • By TA, 9. Januar 2011 @ 06:22

    viel Spaß mit der Internetseite:\“quantengravitation.de\“ von Dr.med. Norbert Ronn – \“mit der Quantengravitation zur Weltformel\“ o. auch mit der Zeitschrift \“Raumzeit\“

  • By Henning, 4. Mai 2011 @ 17:52

    Ein schöner Artikel!

    Fast noch schlimmer als Crackpots sind die Leute, die sich zwar keine eigene Theorie zu eigen machen, sich aber als Experten in allen gängigen Theorien bzw. Wissenschaften gerieren.

    Neben den allgegenwärtigen Experten für Astronomie (Wie können die den Brocken erst jetzt entdecken! Brauchen doch bloß durchs Teleskop zu kucken!), Physik (Die am CERN schießen uns noch in den Untergang!), Psychologie (Was die immer für ein dummes Zeug labern! Die sollten den Bengel stattdessen mal anständig übers Knie legen!), Architektur (War doch klar, dass das Dach nicht halten kann!), Medizin (Eindeutiger Behandlungsfehler! Sogar meine Oma wusste, dass das nichts bringt.), Geologie (Ja toll! Steine zählen kann ich auch!), Geschichte (Echt? Warst Du dabei?) usw. gibt es zusätzlich zu den Richtern, Staatsanwälten und Rechtsanwälten noch ein Heer von Rechtsgelehrten, dass den Alltag mit Rechtsansichten bereichert.

    Wenn wir doch nur auf die guten Ratschläge hören würden!!!

    Man wundert sich immer wieder, dass Hinz und Kunz immer sofort sagen kann, warum dieses oder jenes Urteil, über das der Boulevard berichtet, unhaltbar ist, eine krasse Fehlentscheidung, die Verteidigung inkompetent, der Staatsanwalt ein Scharfmacher, der Richter völlig weltfremd ist usw. Dass die Medien in der Regel die jeweiligen Sachverhalte nur verkürzt darstellen – in der Regel sogar so verkürzt, dass sie nur noch als verfälscht bezeichnet werden können -, wird grundsätzlich übersehen. Und der entsprechende Hinweise eines Juristen, dass man das alles so aus dem Stehgreif und ohne Kenntnis der Akten gar nicht beurteilen könne, wird natürlich als Beweis gesehen, dass man selbst voll drinsteckt in der Maschinerie der Rechtsverdreher und dass man mit dem Juraquatsch dem ehrlichen und aufrechten kleinen Mann nur das Hirn vernebeln möchte.

    Faszinierend ist auch die immer wieder gerne gehörte Ansicht, Juristen hätten ja einen leichten Job, da sie doch nur ins Gesetz zu schauen bräuchten, um die Antwort auf eine x-beliebige Rechtsfrage geben zu können. Wenn man das dann nicht kann, ist alle Welt immer völlig erstaunt: Wie, das wisse man nicht? Wofür hat man denn so lange studiert? Oder noch besser: Bei Galileo 100 Sekunden haben die aber gesagt, dass es 150 Euro kostet, wenn man einen Polizisten beschimpft, da könne es doch nur ein grober Justizirrtum sein, dass man nun zu 300 Euro verurteilt worden ist.

    Crackpots haben wenigstens eine wissenschaftliche Mission. Der Stammtisch hingegen zeichnet sich leider allzu oft durch eine generelle Ablehnung alles Akademischen aus. Was man nicht in drei Sätzen ohne Fachausdrücke beschreiben kann, ermögliche irgendwelchen Sonderlingen ein Leben im Elfenbeinturm und tauge nichts im wahren Leben. Ich habe mir angewöhnt, immer brav beizupflichten bzw. entrüstet ob der geschilderten Ungeheuerlichkeiten zu sein. Dann haben beide Seiten was davon: mein Gegenüber ist zufrieden und ich habe was zu Lachen.

  • By NonScientist, 28. Mai 2011 @ 05:00

    Was ein weiters \“Charakteristikum\“ eines Crackpots ist:
    Die Gehässigkeit, mit denen sie den Wissenschaftlern wie zB. Einstein, entgegentreten! Voller Triumph und oft mit persönlichen Schmähungen gegen Einstein ihr eigenes Konzept verfolgend, führen sie einen Feldzug um ihrer eigenen Thesen Willen!

    Selbst wenn er falsch gelegen hätte, tat er das ja nicht, um irgendjemanden hinters Licht zu führen, sondern um einen Erklärungsansatz für komplexe Probleme zu finden! Vor nun schon immerhin einhundert Jahren ist er in gedankliche Sphären vorgedrungen, die selbst heute den meisten Menschen verschlossen bleiben! Somit hat er unzählige nachfolgende Denker mit seiner Theorie befeuert und sie damit selbst in höchste Dimensionen vordringen lassen!
    Selbst,wenn seine Theorie widerlegt werden sollte, muss man doch den genialen Versuch respektieren, den dieser Mensch vor einem Jahrhundert lieferte und auf dem andere Wissenschaftler aufbauen konnten!
    Das gleiche gilt für andere Wissenschaftler, denen man, sofern sie nicht bewusst Falschaussagen treffen, Respekt zollen muss, denn auch eine \“falsche\“ Theorie kann dazu führen, dass andere diese evtl zum Denkanstoss gebraucht haben, die richtige Lösung zu finden!

    Muss dazu sagen, dass ich kein Wissenschaftler bin, noch von mir behaupten kann, die Relativitätstheorie verstanden zu haben oder erklären zu können, aber ich beobachte amüsiert die Diskussionen, die manchmal wie ein Kampf im Schützengraben geführt werden, statt gemeinsam neue Erkenntnisse zu gewinnen und somit die Menschheit wieder einen Schritt voranzubringen!

    Cheers!

  • By Unbekannter Gast, 27. Juni 2011 @ 17:38

    „Wie geht man mit Crackpots um? Am besten, man lässt sie in Ruhe, man ignoriert sie.“

    Wozu dann dieser Artikel?

  • By Alex, 28. Juni 2011 @ 11:25

    Auch was man ignorieren sollte kann man ja als Thema behandeln, was spricht dagegen?

  • By Björn, 2. Januar 2012 @ 20:25

    Ich glaube, dass es durchaus sinnvoll sein kann, sich mit diesen Leuten auseinanderzusetzen. Zumindest sollte man die Argumente gegen ihre Theorien in diese Foren bringen, bis man eben ausgeschlossen wird…
    Denn nicht alle, die auf solche Inhalte stossen, sind gleich informationsresistent.
    Wenn man das bloss ignoriert, sehen diese aber auch nur eine Seite!

  • By Matthias Meier, 27. Januar 2012 @ 14:36

    Ein empfehlenswerter Artikel zum „Denialism“, also dem Phänomen, aus bestimmten Interessen allseits anerkannte Erkenntnisse anzuzweifeln, findet sich hier:

    http://www.josephkuhn.de/pdf/Evidenz_Interessenkonflikte_lang_FKP.pdf

  • By Matthias Meier, 11. April 2012 @ 08:30

    Ein schöner Artikel zum Dunning-Kruger-Effekt, der hinter allen „Kleinen Einsteins“ steckt:

    http://www.scienceblogs.de/naklar/2012/04/warum-alle-sich-fur-toll-halten-der-dunningkrugereffekt.php

  • By Denis, 11. April 2012 @ 13:08

    Hm, nur das der Autor selbst in min. einem Kapitel dem Effekt unterlag, und zwar ganz groß :(

  • By 1, 24. Juni 2012 @ 15:52

    Ein Crackpot ist ein Schwätzer. Jemand der nur redet keine falsifizierbare Theorie und keine Experimente vorlegt. Fakt 1: Einsteins Theorie funktioniert. Das kann niemand anzweifeln. Siehe Atombombe, Kernkraftwerk, GPS. Die Dinger gibts. Wir können sehen das es sie gibt.

    Die Relativitätstheorie bildet die Grundlage. Also wenn ein Crackpot eine Theorie liefert die all das erklärt und alles erklärt was Einstein erklärt. Und diese Theorie widerlegbar ist und er zeigt wie man das anstellt. Und die Theorie BESSER funktioniert, also Sachen die die Relativitätstheorie nicht erklären kann,erklärt.

    Dann hat er bewiesen das er recht hatte und alle werden es anerkennen (ausser neue Crackpots). Nur das Crackpots dem prinzip nicht folgen. Weil sie es nicht können, oder zu faul sind es zu versuchen. Wenn ein Crackpot all dies macht, ist er kein Crackpot. Somit kann ein Crackpot niemals Einstein widerlegen.

    @Crackpots

    Wenn ihr euch damit zufrieden gebt das ein paar hundert Leute euch rechtgeben so sei es. Falls aber nicht müsst ihr genau herausfinden wie es gemeint ist. Da Sprache viele Interpretationen zulässt müsst ihr gute Mathematiker sein um euren Punkt rüberzubringen. Jeder (echte) Wissenschaftler lässt sich überzeugen von allem, wenn ihr die Regeln beachtet.

  • By Max, 21. Februar 2013 @ 12:31

    ist euch mal aufgefallen, dass Einstein ein Crackpot war?

  • By Matthias Meier, 21. Februar 2013 @ 12:53

    Nö, Einstein war kein Crackpot. Ein „Crackpot“ zu sein hat nichts damit zu tun, eine von der herrschenden Auffassung abweichende Meinung zu vertreten – das gehört dazu, aber es hört nicht dort auf. Einsteins Artikel und Argumente hatten Hand und Fuss, in seinen Arbeiten argumentierte er logisch, nachvollziehbar, und sie wurden deshalb auch in wissenschaftlichen Zeitschriften abgedruckt. Er machte sogar konkrete Vorhersagen, die sich dann im Experiment bestätigten. Nein, Einstein war mit Sicherheit kein Crackpot.

  • By fakeraol, 11. November 2014 @ 01:38

    Zustimmung im Wesentlichen, mit zwei kleinen Anmerkungen:

    > Die meisten der “verkannten Genies” waren also “zu recht” verkannt.

    Ganz sicher, daß es überhaupt keine unterdrückten Wahrheiten gibt? Absolut keine?

    > … niemals aber werden Arbeiten bloss wegen ihres Inhalts oder der Theorie, der sie anhängen, abgelehnt.

    Niemals? Bei Themen von rein wissenschaftlichem Interesse sicher, aber wo es auch um ökonomische Verwertung etablierter Theorien geht, wie beispielsweise bin der Pharmaindustrie, die natürliche Heilmittel entweder verbieten, oder patentieren will? Sind die Verlage wirklich unangreifbar, völlig unabhängig von Einflußnahme solcher Interessenvertreter?

    Ich würde beides nicht mit so absoluter Gewissheit beschwören wollen, aber im Wesentlichen stimmt der Artikel.

  • By Noway, 8. März 2015 @ 15:58

    Erstmal Respekt für den Seitenbetreiber. Woher nimmt man nur diese Energie, sich wieder und wieder gegen die unwiderlegbaren Argumente aus der Feder von Paule, zweifellos einem Universalgenie vom Schlage daVincis, was sage ich Leonard von Quirm, zu stemmen. Diese Faktenresistenz ist schon erschreckend! An den hochverehrten Paule hätte ich nur eine Bescheidene Bitte: Erkläre er mir Unwissenden doch bitte den Dunning-Krueger Effekt, auf daß ich ihn auch verstehe.
    Noway

  • By Kelle, 2. Mai 2015 @ 17:04

    Dann können Sie sich ja gleich nochmal entschuldigen bevor der Chef das sieht.
    Warum? Darum:
    Zitat von Bynaus, 27. Juli 2009 @ 13:02
    „Nochmals zur Erinnerung: In diesem Artikel geht es nicht um Einstein oder die Relativitätstheorie. Es geht um das Phänomen der \”Cranks\”. Jeder Kommentar, der sich nicht an diese Themenvorgabe hält, wird gelöscht.“

  • By Matthias Meier, 3. Mai 2015 @ 09:11

    Ich denke, ich hatte mich ziemlich klar ausgedrückt (wie von Kelle dankenswerterweise in Erinnerung gerufen). Hier geht es nicht darum, Privattheorien zu oder für oder gegen Einstein zu posten – Einstein steht nur symoblhaft für das (besonders im Internet verbreitete) Phänomen, dass Menschen ohne tieferes Verständnis von Physik (oder anderen Fachgebieten) glauben, es selbst besser zu wissen und „bessere“ Alternativen präsentieren zu können – wobei nichts (schon gar keine Beobachtungen und Experimente!) sie von ihren Überzeugungen abbringen kann. Und ich habe hier sicher nicht um weitere Beispiele dafür gebeten!

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  1. Einstein lag falsch! - SciFi-Forum — 30. Oktober 2011 @ 12:33

  2. Einstein | Der gesunde (T)humor — 6. Januar 2015 @ 01:06

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