Category: Hat die Menschheit eine Zukunft?

Dez 11 2011

Gastartikel: Peak Oil – Oder die Frage, wann geht uns der wichtigste Energieträger aus?

Von Thomas Schmid. Er ist promovierter Geologe und beschäftigt sich seit Jahren mit der Energieproblematik.

Die Problematik um den „Peak Oil“ und „Peak Gas“ steht zurzeit kaum auf den Traktandenlisten der internationalen Politik und Wirtschaft. Viel wichtiger scheinen im Moment die Schuldenprobleme im europäischen Währungsraum und die schleppende Erholung der amerikanischen Wirtschaft. Dabei befinden wir uns gerade jetzt in einer entscheidenden Phase, wo über die zukünftige Entwicklung der Energieproduktion entschieden werden soll. Einzig im Frühjahr stand die Energiefrage als Folge der Fukushima Katastrophe für kurze Zeit im globalen Rampenlicht und hat in Ländern wie der Schweiz und Deutschland die Debatte um neue Kernkraftwerke endgültig beendet. Auf der politischen Ebene hat sich in den letzten Jahren aber in Bezug zur Endlichkeit der fossilen Rohstoffe und der grossen Importabhängigkeit ausser Lippenbekenntnissen kaum etwas getan. So ist zum Beispiel der Gesamtverbrauch von Treibstoffen in der Schweiz weiterhin angestiegen. Die Association for the Study of Peak Oil and Gas (ASPO) ist eine internationale Organisation von Wissenschaftlern, Ökonomen und Ölgeologen und befasst sich mit der Frage, wann wir das Fördermaximum beim Öl und Gas erreichen werden.

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Nov 29 2011

Dem Doomsday durch Selbstindikation entfliehen?

Zum Doomsday-Argument, das auf diesen Seiten schon öfters vorgestellt und diskutiert wurde, gibt es einen ernsthaften Einwand: Das Selbstindikations-Argument. Entkommen wir damit dem Doomsday?

Nachthimmel

Wieviele?

Das Doomsday-Argument basiert auf dem “Prinzip der Mittelmässigkeit”. Dieses besagt, dass wenn irgend eine Eigenschaft eine Verteilung von typischen (die meisten) und untypischen (die wenigsten) Werten aufweist, ein zufällig aus dieser Verteilung gezogener Datensatz mit hoher Wahrscheinlichkeit zu den typischen Werten gehört, ganz einfach weil diese häufiger sind und deshalb mit höherer Wahrscheinlichkeit gezogen werden. Bei Ziehung einer Kugel aus einer Urne, in der sich 90 schwarze Kugeln und 10 rote Kugeln befinden, ist die Chance, eine schwarze Kugel zu ziehen, 9 mal höher als die Chance, eine rote Kugel zu ziehen. Das ist durchaus einleuchtend. Umgekehrt kann ich aber auch fragen: wenn die Farben der Kugeln unbekannt sind (man weiss nur, dass 90% von ihnen die gleiche Farbe haben), und die gezogene Kugel blau ist, auf welche dominierende Farbe tippe ich dann? Blau oder nicht-Blau? Mit 90% Wahrschienlichkeit werde ich damit richtig liegen, wenn ich auf die Farbe der Kugel in meiner Hand tippe. Wenn 99.999999% aller Kugeln dieselbe (unbekannte) Farbe haben, und die Kugel in meiner Hand ist gelb, dann werde ich eben auch mit 99.999999% Sicherheit (dh, in 99.999999% der vergleichbaren Fälle) mit dem Tipp “Gelb” richtig liegen. Read more »

Okt 09 2011

Du sollst nicht an den Fortschritt glauben – aber warum denn eigentlich nicht?

Manchmal scheint es, die Zeit der grossen technologischen Visionen sei vorbei. Bringt man denoch eine, wie so oft auf dieser Webseite, dann heisst es nur allzu oft: Das ist blinder (oder auch: naiver) Fortschrittsglaube. Anderseits hat die Geschichte der Menschheit gezeigt, dass technologischer Fortschritt eine der wenigen grossen Konstanten ist, die sich durch die gesamte Menschheitsgeschichte zieht. Die Frage scheint also vielmehr zu sein: weshalb darf man nicht mehr an den Fortschritt glauben?

Skylon angedockt an einer Weltraumwerft

Naiver Fortschrittsglaube?

Es spielt keine grosse Rolle, worum es geht, die Liste der Beispiele ist lang. So kann man z.B. kaum sagen, dass Atomkraftwerke eine Reihe von Vorteilen haben, dass sie praktisch CO2-frei sind, dass die Anzahl Opfer, die ihr Betrieb gefordert hat, über die Zeit ihrer Existenz und die Menge produzierten Stroms extrem klein ist, im Vergleich zu anderen Formen der Stromerzeugung. Fügt man dann noch hinzu, dass künftige Generationen von Reaktoren noch sicherer sein werden als heute, dass es technische Lösungen für die radioaktiven Abfälle gibt (Transmutation), dass die Uran- und Thoriumreserven weltweit praktisch unerschöpflich sind – dann fällt bald unvermeidlich das Verdikt (meist aus einem bestimmten politischen Lager): Blinder Fortschrittsglaube.

Sagt man anderseits, dass die Sonne die grösste bisher unangezapfte Energiequelle ist, die der Menschheit heute zur Verfügung steht, dass die bisherige Technologieentwicklung in diesem Bereits stets in Richtung höheren Effizienzgraden und niedrigeren Produktionskosten gegangen ist, und dass es somit wahrscheinlich ist, dass wir eines Tages einen sehr grossen Teil des benötigten Stroms aus dieser Quelle beziehen werden, dann heisst es bald (diesmal aus einem anderen politischen Lager): Naive Zukunftsvorstellungen. Read more »

Sep 21 2011

Die Käferburg oder warum ich kein Fleisch esse

Wenn Menschen in meinem Umfeld zum ersten Mal bemerken, dass ich kein Fleisch esse, folgen oft eine ganze Reihe von Fragen – das ist verständlich, doch meist fällt es mir schwer, meine Haltung in dieser Frage in wenigen Worten präzise auf den Punkt zu bringen. Ein Versuch, es in vielen Worten zu tun.

Kadaververbrennung

Kein Grillfest, leider.

Nein, das ist es nicht: ich mag Fleisch eigentlich sehr gern (doch es hat durchaus seine Vorteile, sich als Vegetarier vornehm entschuldigen zu können, während andere gerade Stierhoden – oder so – probieren “dürfen”…). Es ist auch keineswegs “unnatürlich”. Wir Menschen sind, gewissermassen, mit dem Kochen von Fleisch grossgeworden – der hohe Energiegehalt von Fleisch hat unseren Vorfahren ermöglicht, ein grosses Gehirn zu entwickeln. Die Jagd spielte wohl eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung des sozialen Zusammenhalts und der Kommunikation. Die Zähmung des Feuers machte das Kochen des Fleischs möglich, und steigerte damit die nutzbare Energie pro Kilogram gejagtes Fleisch deutlich. Es gibt Kultren (wie die Inuit), die sich fast ausschliesslich von Fleisch ernähren. Fleisch zu essen ist weder unnatürlich noch ungesund. Also Bahn frei, her mit dem Steak?
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Mai 20 2011

Die Urknallmaschine

Der totale Energieinhalt des Universums ist Null. Daraus lässt sich vielleicht ableiten, dass ein Urknall keine Energie braucht – könnten wir also eines Tages unseren eigenen Urknall produzieren?

Wie alles Begann - oder endete?

Wie alles Begann - oder endete?

Es gehört zu den überraschendsten Einsichten der modernen Kosmologie, dass der Energieinhalt des gesamten Universums Null ist. Wie kann das gehen? Natürlich haben die Masse von Sternen, Planeten, Gaswolken, sowie deren relative Bewegung zueinander, eine positive Energie. Diese lässt sich mit Einstein’s Formel E = mc^2 berechnen. Aber das Universum enthält auch eine gewaltige Menge an negativer Energie. Negative Energie? Das gibt es, sogar im Alltag: es ist Energie, die – gewissermassen – bereits in etwas investiert wurde. So hat etwa ein Ball, den man aus einer bestimmten Höhe fallen lässt, “potentielle” (negative) Energie. Er beschleunigt beim Fallen und wird immer schneller, gewinnt also rasch an kinetischer Energie – doch woher kommt diese? Sie kann nicht einfach aus dem Nichts kommen: Der Energieerhaltungssatz verbietet das. Die Energie kommt gewissermassen aus seiner “Höhe über dem Boden” und wird, in dieser Form, “potentielle” Energie genannt. Sie wurde, als der Ball angehoben wurde, bereits investiert. Ein anderes Beispiel ist ein gespanntes Gummiband: auch dessen Energie scheint aus dem “Nichts” zu kommen, doch wieder handelt es sich um Energie, die zuvor ins Spannen des Gummibands investiert wurde. Ein drittes Beispiel ist ein Wärmebeutel, in dem eine Substanz auskristallisiert und dabei Energie in Form von Wärme freisetzt.
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