Aus feierlichem Anlass: Über Religion und Zivilisation
Bei Religion geht es nicht um die Welt, sondern um den Menschen. Oder warum ich den Ausdruck Atheist nicht mag, auch wenn ich einer bin.
Das Universum ist alt, uralt gemessen an jedem menschlichen Massstab. Es ist auch gross, ja gigantisch, an denselben Massstäben gemessen. Die Vorstellung, es könnte einen Gott geben, der das alles für die Bewohner eines einzigen Planeten eines gewöhnlichen Sterns in einer gewöhnlichen Galaxie geschaffen hat, ist nicht nur lächerlich, sie ist auch überaus egozentrisch, eingeblidet und anmassend – eine solche Aussage kann nur dazu gedacht sein, uns selbst den Bauch zu pinseln und uns zu sagen, wie schrecklich wichtig wir doch in der offenstlichen Unwichtigkeit sind.
Stattdessen, wenn es einen Begriff gibt, den ich angesichts der Weiten und Tiefen dort draussen unverändert aus der Religion übernehmen könnte, dann ist das die “Demut vor der Schöpfung”.
Das, was jene, die die Bibel (oder irgend ein anderes “heiliges” Buch) wortwörtlich nehmen genausowenig verstanden haben wie jene, die die Religonen und heiligen Bücher für ihre Worte verachten: bei der Religion geht es nicht um die Welt, ihre Beschaffenheit, Geschichte und Herkunft: es geht um den Menschen. Trotz der Winzigkeit, der Unwichtigkeit der Erde auf den ganz grossen Skalen, ist sie doch der wichtigste Planet des ganzen Universums, das Zentrum, um das sich alles dreht – zumindest, und doch nur, aus Sicht der Menschen. Wir leben hier, wir entdecken, leiden, freuen, lernen, vergessen und trauern hier, hier werden wir geboren und hier sterben wir – auf dieser kleinen, blauen Kugel, diesem “Pale Blue Dot”, der für uns (noch immer, und auch noch für längere Zeit) die ganze und einzige Welt ist. Read more »


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