Category: Gesellschaft, Philosophie, Moral

Mai 04 2013

Brauchen wir ein Bedingungsloses Grundeinkommen?

Einhunderttausend Schweizerinnen und Schweizer haben bereits unterschrieben: bis zum August wird noch gesammelt, aber es darf damit gerechnet werden, dass die Initiative zum Bedingungslosen Grundeinkommen Schweiz zustande kommt. Was ist das Bedingungslose Grundeinkommen, und sollten wir es wollen?

Einer für alle - alle für einen.

Einer für alle – alle für einen.

Wir werden in den nächsten Monaten und Jahren noch viel von dieser Initivative hören (auch in anderen Ländern gibt es solche Projekte). Beim Bedingungslosen Grundeinkommen geht es um folgendes: Jeder legale Landesbewohner (Bürger und Niedergelassene) bekommt jeden Monat einen fixen Betrag auf sein Konto überwiesen – ohne jegliche Bedingung, insbesondere ohne Zwang zur Arbeit. Der Betrag – die Initianten der oben erwähnten Initiative schlagen 2500 Schweizer Franken vor, wobei der Betrag nicht in die Verfassung geschrieben, sondern vom Parlament festgelegt werden muss – soll ausreichend sein, um damit einen einfachen Lebensunterhalt zu bestreiten, aber trotzdem hoch genug, um ein Teilnehmen am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) ersetzt – bis auf einige Spezialfälle wie schwere Invalidität – alle anderen Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld, AHV (Altersrente), Mutterschaftsurlaub (Elternurlaub), Kindergeld etc. Wer arbeitet, bekommt das BGE als Zustupf zum Lohn. Wer seinen Job kündigt, der bekommt weiterhin das BGE – und nur das BGE. Read more »

Mai 08 2012

Energieeffizienz und Erneuerbare: Kann die Schweiz auf die Atomenergie verzichten?

Die Schweizer Regierung hat unter dem Eindruck des Atomunfalls von Fukushima den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen. Wie sich nun zeigt, sollen die Atomkraftwerke durch Gaskraftwerke ersetzt werden. Ist eine “erneuerbare” Alternative möglich? Wieviel kann die Effizienzsteigerung beitragen?

AKW Gösgen

AKW Gösgen (Quelle: nzz.ch)

Die Schweiz produziert ihren Strom weitgehend CO2-frei: rund 40% des Stroms kommt aus den fünf (eher klein dimensionierten) Atomkraftwerken (AKW), rund 60% wird durch die Wasserkraft gedeckt. Beide Energieformen setzen pro Kilowattstunde (kWh) CO2 im Umfang von etwa 5 bis 25 Gramm frei (bei Gas- und Kohlekraftwerken sind es bis zu 1000 g/kWh). Der pro-Kopf-Ausstoss von CO2 ist mit ca. 5.6 Tonnen pro Person und Jahr entsprechend in der Schweiz deutlich tiefer als in Deutschland (ca. 10 Tonnen pro Person und Jahr – obwohl dort etwa 20% des Stroms aus der Windkraft Erneuerbaren Energien kommen). Trotzdem ist klar, dass die Schweiz ihre Emissionen in Zukunft weiter senken muss, um das Ziel von etwa 2 Tonnen CO2 pro Kopf und Jahr (im Jahr 2050) zu erreichen.

Das grösste Potential zur Senkung der Emissionen liegt im Energieverbrauch, der heute nicht durch Strom abgedeckt wird. Der nicht-Strom-Anteil an der gesamten in der Schweiz verbrauchten Energie (der sogenannte Primärenergieverbrauch) beträgt rund 90% – hier befinden sich etwa der Energieverbrauch durch Autos und Lastwagen (aus Benzin und Diesel), Ölheizungen oder Generatoren aller Art. Die Senkung dieser Emissionen kann – das ist ziemlich naheliegend – nur durch eine “Verstromung” des Energiebedarfs erreicht werden, also die Nutzung von Strom als Energiequelle, wo immer das möglich ist. Zum Beispiel: Elektro- statt Verbrennungsmotoren, Wärmepumpen (und/oder Erdwärmesonden, wo möglich) statt Ölheizungen, usw. Eine solche Verstromung dieses Energiebedarfs wird dabei insgesamt zu einer Verringerung des Primärenergiebedarfs führen, da die Nutzung von Strom meist deutlich effizienter ist als die Nutzung der Energie, die bei der Verbrennung frei wird – es verpufft also deutlich weniger Energie in Form von “nutzloser” Wärme in die Umwelt. Read more »

Feb 24 2012

Das Cern, die Neutrinos und die Wissenschaft

Die vermeintlich spektakuläre Entdeckung von superluminaren Neutrinos ist vielleicht auf ein defektes Kabel zurückzuführen. Was und das über Wissenschaft und Wissenschaftler verrät.

Teilchenkollisionen am CERN

Als letzten Herbst die Meldung um die Welt ging, dass am europäischen Teilchenbeschleuniger CERN (Centre Européen de la Recherche Nucleaire in Genf) seien möglicherweise überlichtschnelle Neutrinos produziert (und im Gran Sasso Labor in den italienischen Apenninen gemessen) worden, dominierte unter Wissenschaftlern die Skepsis: Irgendwas müssen die doch falsch gemessen haben… Aber gerade weil alle Wissenschaftler gelernt haben, mit Vorverurteilungen vorsichtig zu sein, und allein schon die Idee des “was wäre wenn…” einen enormen Reiz hat, haben wohl die meisten – gerade jene, die nicht auf diesem Fachgebiet arbeiten – eine “Abwarten und Schauen”-Haltung eingenommen (eine schöne Übersicht der Reaktionen auf die Meldung findet sich bei relativ-kritisch.net). Währenddessen sahen sich jene Nicht-Wissenschaftler, die schon immer wussten, dass Einstein ganz falsch lag, in ihren Überzeugungen endlich bestätigt (aber das ist eine andere Geschichte).

Doch die Idee des “was wäre wenn…” (…das Resultat denn wirklich real wäre und sich bestätigen liesse!) hat auch ganze Legionen von Wissenschaftlern dazu animiert,  das ganze sehr ernst zu nehmen und sorgfältig ausgearbeitete Lösungsvorschläge bei Fachzeitschriften einzureichen und/oder auf Preprint-Servern hochzuladen (wie eine Suche nach “OPERA Neutrino” etwa auf arxiv.org oder ADS bestätigen wird). Von Problemen mit der Kalibration von GPS-Daten, vernachlässigten Bezugssystemen bis hin zu Neutrinos, die Abkürzungen über höhere Dimensionen nehmen – alles konnte gemäss diesen detailierten und komplexen Texten, in die sicher viele Stunden Arbeit eingeflossen sind, als mögliche Erklärung herhalten. Read more »

Dez 24 2011

Aus feierlichem Anlass: Über Religion und Zivilisation

Bei Religion geht es nicht um die Welt, sondern um den Menschen. Oder warum ich den Ausdruck Atheist nicht mag, auch wenn ich einer bin.

Sternhimmel, von Vincent Van Gogh

Die Sterne über uns, und die Menschen darunter

Das Universum ist alt, uralt gemessen an jedem menschlichen Massstab. Es ist auch gross, ja gigantisch, an denselben Massstäben gemessen. Die Vorstellung, es könnte einen Gott geben, der das alles für die Bewohner eines einzigen Planeten eines gewöhnlichen Sterns in einer gewöhnlichen Galaxie geschaffen hat, ist nicht nur lächerlich, sie ist auch überaus egozentrisch, eingeblidet und anmassend – eine solche Aussage kann nur dazu gedacht sein, uns selbst den Bauch zu pinseln und uns zu sagen, wie schrecklich wichtig wir doch in der offenstlichen Unwichtigkeit sind.

Stattdessen, wenn es einen Begriff gibt, den ich angesichts der Weiten und Tiefen dort draussen unverändert aus der Religion übernehmen könnte, dann ist das die “Demut vor der Schöpfung”.

Das, was jene, die die Bibel (oder irgend ein anderes “heiliges” Buch) wortwörtlich nehmen genausowenig verstanden haben wie jene, die die Religonen und heiligen Bücher für ihre Worte verachten: bei der Religion geht es nicht um die Welt, ihre Beschaffenheit, Geschichte und Herkunft: es geht um den Menschen. Trotz der Winzigkeit, der Unwichtigkeit der Erde auf den ganz grossen Skalen, ist sie doch der wichtigste Planet des ganzen Universums, das Zentrum, um das sich alles dreht – zumindest, und doch nur, aus Sicht der Menschen. Wir leben hier, wir entdecken, leiden, freuen, lernen, vergessen und trauern hier, hier werden wir geboren und hier sterben wir – auf dieser kleinen, blauen Kugel, diesem “Pale Blue Dot”, der für uns (noch immer, und auch noch für längere Zeit) die ganze und einzige Welt ist. Read more »

Sep 21 2011

Die Käferburg oder warum ich kein Fleisch esse

Wenn Menschen in meinem Umfeld zum ersten Mal bemerken, dass ich kein Fleisch esse, folgen oft eine ganze Reihe von Fragen – das ist verständlich, doch meist fällt es mir schwer, meine Haltung in dieser Frage in wenigen Worten präzise auf den Punkt zu bringen. Ein Versuch, es in vielen Worten zu tun.

Kadaververbrennung

Kein Grillfest, leider.

Nein, das ist es nicht: ich mag Fleisch eigentlich sehr gern (doch es hat durchaus seine Vorteile, sich als Vegetarier vornehm entschuldigen zu können, während andere gerade Stierhoden – oder so – probieren “dürfen”…). Es ist auch keineswegs “unnatürlich”. Wir Menschen sind, gewissermassen, mit dem Kochen von Fleisch grossgeworden – der hohe Energiegehalt von Fleisch hat unseren Vorfahren ermöglicht, ein grosses Gehirn zu entwickeln. Die Jagd spielte wohl eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung des sozialen Zusammenhalts und der Kommunikation. Die Zähmung des Feuers machte das Kochen des Fleischs möglich, und steigerte damit die nutzbare Energie pro Kilogram gejagtes Fleisch deutlich. Es gibt Kultren (wie die Inuit), die sich fast ausschliesslich von Fleisch ernähren. Fleisch zu essen ist weder unnatürlich noch ungesund. Also Bahn frei, her mit dem Steak?
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