Mit Thorium in die nukleare Zukunft
Zukunftstechnologien,
18.01.2008, letzte Änderung 20.07.2009
Die Energie aus Kernkraftwerken erfreut sich gerade wieder grösserer Beliebtheit, weil sie praktisch klimaneutral ist - doch die Probleme sind die gleichen geblieben: Abfälle und Unfälle. Ein fast schon vergessenes Reaktordesign, das auf der Verwendung von Thorium statt Uran basiert, könnte dies grundlegend ändern.

Kernenergie hat viele Vorteile: Sie generiert sehr viel Energie aus sehr geringen Brennstoffmengen. Bei der Stromerzeugung in Kernspaltungsreaktoren entstehen zudem praktisch keine Treibhausgase oder Russpartikel, die Kernenergie ist also klimaneutral und (diesbezüglich) umweltfreundlich. Die Stromerzeugung ist unabhängig von Wetter, Jahreszeiten oder Sonnenscheindauer. Doch natürlich gibt es auch Nachteile: Die Gefahr eines nuklearen Unfalls, bei dem grosse Mengen an Radioaktivität freigesetzt werden, ist zwar klein, aber nicht Null: im unwahrscheinlichen Fall eines solchen Unfalls würden ganze Landstriche unbewohnbar. Gerade für kleine Staaten wie die Schweiz, die nicht einfach die betroffene Bevölkerung in eine andere Ecke des Landes umsiedeln könnten (weil das ganze Land von der Katastrophe betroffen wäre), scheint das Risiko, und sei es noch so klein, untragbar hoch. Ein weiteres Problem sind die radioaktiven Abfälle, für deren sicheren Entsorgung noch kein Land weltweit eine definitive Lösung gefunden hat. Die Wiederaufbereitung von abgebrannten Brennstäben, die es erlaubt, einen Teil des unverbrannten Brennstoffs wieder zu verwenden, ist teuer, gefährlich und stösst immer mehr auf politischen Wiederstand. Problematisch ist auch der militärische Missbrauch der Nukleartechnologie: unter geringer Abwandlung der Technik, die nötig ist, um Uran für die Verbrennung in Kernkraftwerken aufzubereiten, lässt sich hochangereichertes Uran für den Bau eines Typs von Atombomben (Uranbomben) herstellen. Aus dem Abfallprodukt Plutonium lässt sich ein weiterer Typ Atombomben bauen (Plutoniumbomben), die noch einfacher zu bauen und zu handhaben sind als Uranbomben.
Das Bedürfnis nach neuen Grosskraftwerken
Brauchen wir in der Schweiz denn neue Kernkraftwerke? Der bedarf an Strom steigt jährlich, während das Angebot begrenzt ist. Gerade in der Schweiz, wo rund 40% des Stroms aus Kernkraftwerken und rund 60% aus Wasserkraftwerken stammt, lässt sich die Stromproduktion kaum mehr gross steigern. Alternative Energiequellen haben sicher eine grosse Zukunft (insbesondere die Solarenergie, die das Potential hat, dereinst alle anderen Energieträger abzuhängen - dazu ein anderes Mal mehr), doch können Sie, vermutlich selbst bei starker Förderung, kaum den zusätzlichen Verbrauch abdecken, von der zurückgehenden Produktion von Kernenergie (Abschaltung alter Reaktoren) und Wasserenergie (Klimawandel) gar nicht zu reden. Falls sich in den nächsten Jahren kein spektakulärer Durchbruch in Sachen Kernfusion ankündigt, ist der Bau neuer Kernkraftwerke fast unumgänglich (die Alternativen, Gaskombikraftwerke oder Strom aus dem Ausland sind beide nicht attraktiv). Dazu kommt, dass sich mit der Elektrifizierung des Privatverkehrs in den nächsten Jahrzehnten (Umstieg auf Hybridautos, die in der nächsten Generation auch direkt an der Steckdose "aufgetankt" werden können) wird den Stromverbrauch förmlich explodieren lassen.
Was, wenn wir nun einen neuen Typ von Kernspaltungsreaktor zur Hand hätten, die alle Vorteile der bisherigen Reaktoren besitzt (plus ein paar weitere), aber alle Nachteile nur in stark abgeschwächter Form aufweist? Wären wir bereit, die Entwicklung und Installation solcher Anlagen zu fördern, oder sind wir bereits zu sehr in der "Atom ist gefährlich"-Denkweise verfangen?
Thorium - die vergessene Alternative
Die Alternative heisst: Flüssigfluorid-Thorium-Reaktoren. Was zuerst arg chemisch und gefährlich klingt, ist in Wirklichkeit ein revolutionäres Reaktorkonzept, das ich im Folgenden etwas genauer vorstellen möchte. Thorium-Reaktoren verwenden als Brennstoff nicht Uran, sondern Thorium. Dieses Element ist in der Erdkruste rund drei Mal häufiger als Uran, so dass auch bei einem flächendeckenden, weltweiten Einsatz die Vorräte für Jahrhunderte gesichert wären. Zudem ist es in der natürlich vorkommenden Form praktisch nicht radioaktiv (im Gegensatz zum Uran, das in den natürlich vorkommenden Erzen wie Pechblende radioaktiv ist), die Halbwertszeit des einzigen, natürlich vorkommenden Isotops Thorium-232 beträgt über 14 Milliarden Jahre. Um dieses Isotop des Thoriums überhaupt erst spaltbar zu machen, muss es mit Neutronen beschossen werden - dann wandelt es sich in Thorium-233 um, das wiederum in wenigen Minuten zu Proactinium-233 zerfällt. Dieses muss nun von einem weiteren Neutroneneinfang geschützt werden, so dass es - in rund 27 Tagen - zu Uran-233 zerfallen kann.

Uran-233 wiederum ist ein hervorragender Kernreaktor-Brennstoff, mit dem sich eine Kettenreaktion aufrecht erhalten lässt: unter Neutronenaufnahme setzt Uran-233 weitere Neutronen frei, die weiteres Uran-233 zur Spaltung anregen - und nebenbei weiteres Thorium-232 zu Thorium-233 umwandeln, womit sich der Kreislauf schliesst. Die Spaltprodukte von Uran-233 sind wesentlich kurzlebiger: Der radioaktive Abfall würde bereits nach rund 300 Jahren nicht mehr gefährlich strahlen. Längerlebige radioaktive Nuklide werden nur in sehr geringen Mengen produziert. Zudem ist die totale Menge an radioaktiven Abfällen pro nutzbare Energie um etwa den Faktor 1000 kleiner. Dies liegt vor allem daran, weil rund 98% des Brennstoffs auch tatsächlich verbrannt wird, im Gegensatz zu Uran-Brennstoffen, wo die Brennstäbe nach rund 2-5% Verbrennung (je nach dem, ob Aufbereitet wird oder nicht) als Abfälle entsorgt werden müssen.
Eingebaute Sicherheit
Der spezielle Brennstoffkreislauf, insbesondere die Abtrennung des Proactiniums zum Schutz vor Neutronenstrahlung (diese Abtrennung ist notwendig, weil dem Reaktor sonst zu wenig Neutronen zur Verfügung stehen, um den Kreislauf aufrecht zu erhalten), erfordern ein spezielles Reaktor-Desgin. Dieses Design wird als "Flüssigfluorid" (oder allgemeiner, "Flüssig-Salz") Reaktor bezeichnet. Der Brennstoff wird der Reaktorkammer nicht in Form von festen Brennstäben zugeführt, sondern als Fluorid-Salz-Verbindung gelöst in einer anderen Fluorid-Lösung. Konkret würde im Fall des Thorium-Kreislaufs das Uran / Thorium mit jeweils vier Fluorid-Ionen verbunden und in einer Lithium-7-Fluorid / Berylliumfluorid Lösung transportiert. Fluoride sind äusserst stabile Verbindungen. Die Fluorid-Lösung fliesst durch den Reaktor, setzt das Thorium der Neutronenstrahlung aus und transportiert es danach, zum weiteren Zerfall zu Uran-233, wieder aus dem Reaktor heraus. Später wird das Uran-233 dem Reaktor wieder zugeführt, um nun gespalten zu werden und somit nutzbare Energie freizusetzen. Die Fluorid-Lösung befindet sich auf einer Temperatur von etwa 650°, bei Normaldruck. Im Unterschied zu herkömlichen Druckwasserreaktoren ist kein Überdruck erforderlich, was den Bau vereinfacht und verbilligt sowie mögliche Fehlerquellen eliminiert. Da der Brennstoff sich in einer Flüssigkeit befindet, müssen auch keine Brennstäbe gewechselt werden. Der Reaktor lässt sich jederzeit stoppen, in dem man den Zufluss der Flüssigkeit in den Reaktor verhindert. Ohne Uran-233-Brennstoff stirbt die Reaktion darauf sofort ab, was den Reaktor äusserst sicher macht. Zudem sinkt die Reaktivität des Brennstoffs mit zunehmender Temperatur: der Reaktor regelt sich also selbst, ein Explosion ist völlig ausgeschlossen.

Ein grosser Vorteil dieses Designs liegt darin, dass kein Uran-233 aus dem Kreislauf entfernt werden darf, da sonst der Reaktor zum Stillstand kommt. Uran-233 lässt sich zwar zumindest theoretisch für Atombomben verwenden - aber man kann nur eines der beiden haben, entweder Bombe oder funktionierender Reaktor. Zudem entsteht stets eine kleine Menge Uran-232, das starke Gammastrahlung aussendet, die sehr leicht zu identifizieren ist. Flüssigfluorid-Thorium-Reaktoren können also mit geringem Aufwand gegen den militärischen Missbrauch abgesichert werden. Da der Reaktor seinen eigenen Brennstoff erbrütet, braucht er auch keinerlei Anreicherungsanlagen (Zentrifugen), die sich für die Anreicherung von Uran missbrauchen lassen.
Thorium ist darüber hinaus ziemlich günstig. Um den ganzen Strom aus den Schweizer Kernkraftwerken durch Thorium-Reaktoren zu ersetzen, wären pro Jahr etwa drei Tonnen Thorium nötig. Bei einem Weltmarktpreis von 60 Dollar pro Kilogramm könnte damit mit rund 200000 Franken die Schweiz für ein Jahr versorgt werden. Uran ist im Gegensatz dazu rund fünf mal teurer (zudem braucht die Erzeugung der gleichen Menge Strom mehr Uran, wegen der geringeren Umwandlungseffizienz), Tendenz steigend.
Es ist sogar möglich, der Fluoridlösung bestehende radioaktive Abfälle heutiger Kernkraftwerke beizumischen. In diesem Fall werden diese zu kurzlebigeren radionukliden Zerschlagen: die Menge hochradioaktiven Abfalls liesse sich also verringern.
Fazit
Fassen wir also nochmals zusammen. Das Konzept des Flüssigfluorid-Thorium-Reaktors hat entscheidende Vorteile:
- Es ist sehr viel sicherer als herkömliche Designs, insbesondere sind herkömliche "GAU"s unmöglich
- Es entstehen rund 1000 Mal weniger radioaktive Abfälle, die zudem nach 300 Jahren ungefährlich sind
- Es besteht die Möglichkeit, bestehende radioaktive Abfälle mitzuverbrennen
- Es ist unmöglich, Uran oder Plutonium für den Bau von Atombomben abzuzweigen
- Thorium, der Ausgangsstoff für den Brennstoffkreislauf, ist sehr viel günstiger und weltweit häufiger als Uran
Warum werden denn nicht schon lange Flüssigfluorid-Thorium-Reaktoren gebaut? Zum einen hat sich die Entwicklung der Kernenergietechnik einseitig auf "Festkörper"-Kernreaktoren konzentriert. Die Erfahrung mit diesem Reaktortyp ist klein: in den USA, in Kanada und in Indien wurden bereits Reaktoren gebaut, die mit Thorium arbeiten, während Flüssigfluorid-Thorium-Reaktoren nur in den USA getestet wurden. Für die Ansprüche der Militärs jener Zeit, die eher einen schnellen Brüter im Sinn hatten, der grosse Mengen von Plutonium erzeugen konnte, genügte der Reaktor nicht den Ansprüchen, so dass die Finanzierung des Projekts in den 70er Jahren beendet wurde.
In den letzten Jahren aber hat das Interesse in Thorium als Brennstoff für Kernkraftwerke stark zugenommen, unter anderem auch wegen dem stark gestiegenen Uran-Preis. Länder wie Norwegen steigen heute in die Erforschung von Flüssigfluorid-Thorium-Reaktoren ein, Indien, das über gigantische Thorium-Vorräte verfügt, will ebenfalls diese Art von Reaktor voran treiben, nicht zuletzt, um von ausländischem Uran unabhängig zu werden.
Und wie sieht es mit der Schweiz aus?
Energy from Thorium - Blog mit Hintergrundinformationen zur Energieerzeugung aus Thorium
Wikipediaeintrag zum Flüssigfluoridreaktor
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Der Beobachter hat am 24.02.2010 13:14:24 geschrieben...
Ich habe kürzlich von sogenannten Traveling Wave Reaktoren gelesen die ebenfalls ihren eigenen Brennstoff aus nuklearem Abfall erbrüten können und vom Konzept her einfacher sein dürften.
Eine Abhandlung darüber deinerseits wäre bestimmt interessant zu lesen.
Herbert hat am 02.02.2010 21:29:11 geschrieben...
Das Thoriumkonzept ist sicher interessant und wäre auch mit heutiger Technologie gut umsetzbar. Aber auch herkömmliche Nuklear technologie könnte wesentlich bessere Energieausbeuten liefern, wenn der Brennstoff in einem geeigneten schnellen Brüter (ich weiss, ein ungern gehörter Begriff) schliesslich fast ganz in Energie umgesetzt würde. Somit würden nicht >80% der verfügbaren Energie weggeworfen (oder endlos zwischengelagert) sondern insgesamt etwa 92 % und nicht nur ca. 5% der im Brennmaterial vorhandenen Energie genutzt. Vorteil: Es blieben sehr wenig Abfall und bombenfähiges Plutonium übrig. Nachteil: Anstatt das hoch plutoniumhaltige Brennmaterial vollständig zu verbrennen, kann Plutonium für die Kernwaffenproduktion abgezweigt werden. Vom Standpunkt der Energieausbeute macht die heutige Nutzung des Brennmaterials jedenfalls nicht viel Sinn.
Bynaus hat am 28.11.2009 09:15:01 geschrieben...
Ja, wenn man den Reaktor selbst ersetzt, wäre das wohl schon denkbar. Auch ein Thorium-Reaktor braucht einen Kühlturm, z.B. Allerdings gibt es auch Unterschiede im Betrieb, so dass über den Reaktor hinaus noch weitere Anpassungen nötig wären.
Mawe hat am 27.11.2009 19:05:50 geschrieben...
Ist es denn machbar, ein normales AKW in ein Flüssigfluorid-Thorium-AKW umzuwandeln? Also die vorhandene Infrastruktur eines herkömmlichen AKWs zu nutzen und dann einfach einen solchen Reaktor reinstecken?
Ich denke an die vielen nicht in Betrieb genommen AKWs in Deutschland (über die Lage bei euch in der Schweiz weiß ich nicht bescheid).
Das wäre bestimmt lukrativ.
Bynaus hat am 04.11.2009 22:31:13 geschrieben...
Es ist kein Perpetuum Mobile, weil ja Thorium konsumiert und radioaktiver Abfall produziert wird.
Unbekannter Gast hat am 04.11.2009 19:42:41 geschrieben...
Ehrlichgesagt wundert mich der Kreislauf ein wenig, da er fast klingt wie ein Perpetuum Mobile, zumindest hört es sich in dem Artikel so an als würde der kreislauf, einmal in Gang gesetzt, endlos weiterlaufen können.
Dennoch sehr interessant.
Bynaus hat am 20.07.2009 09:58:39 geschrieben...
Richtig, da sollte "Uran und Plutonium" stehen (Korrektur folgt sogleich). Warum auch Uran? Uran-233 lässt sich allenfalls für den Bau von Atombomben verwenden. Entfernt man es aber aus dem Thorium-Kreislauf, so funktioniert dieser nicht mehr.
prochazka georg hat am 20.07.2009 00:44:23 geschrieben...
Eine Richtigstellung zu den obigen Erklärungen:
"Es ist unmöglich, Uran für den Bau von Atombomben abzuzweigen"
Es sollte stehen ".. unmöglich, Plutonium für den Bau .." etc.
Uran abzweigen kann man überall im Verarbeitungs und Anreicherungsprozess. Nur wird das Uran für KKWs nur auf 4 bis 5% Uran 235 angereichert.
In den Uran 235 spaltenden Standard PWR und BWR Reaktoren wird Plutonium 239 durch Neutronenbeschuss aus Uran 238 generiert. Dieses Plutonium könnte bei der Wiederaufarbeitung abgezweigt werden und waffenfähig gemacht werden. In den Thoriumspaltreihen kommt Plutonium nicht vor.
Zu den Beiträgen der überinformierten und untergebildeten Grünen Glaubensgemeinschaft erübrigen sich jede weiteren Kommentare, der Inhalt bewertet das Kernphysik- und Kerntechnik-Wissen der Glaubensgenossen zu Genüge.
Bynaus hat am 15.07.2009 14:42:37 geschrieben...
1. In der Tat bin ich darauf nicht eingegangen. Da Thorium aber ein nuklearer Brennstoff ist, und nukleare Brennstoffe so viel höhere Energiedichten haben als chemische, dürften - ganz generell gesehen - die Umweltschäden durch Abbau von Thorium sehr viel kleiner ausfallen als durch den Abbau von chemischen Brennstoffen wie etwa Erdöl oder Kohle.
2. 300 Jahre sind ein absehbarer Zeitraum. Man bedenke, dass man im Moment Endlager für 10000ende von Jahren plant. Da sind Experten am Werk, und man braucht das Endlager nicht viele Kilometer unter einem Berg wegzuschliessen. In Kombination mit den quantitativ sehr viel geringeren Mengen von Thorium-Abfällen vs. Uran-Abfällen ist das gut machbar.
3./4. Die Energiegewinnung aus Kernenergie ist sicher effizient - es wird mehr Energie produziert als hineingesteckt wird. Die Frage ist wenn schon, ob das ganze wirtschaftlich ist. Die Kernkraft wird ja tatsächlich stark staatlich subventioniert - aber das kommt eben davon, dass da auch noch andere Interessen hineinspielen. Garantierte Grundlastversorgung etwa, ein absoluter wirtschaftlicher Standortvorteil. Oder die Verringerung der Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen. Heute, Klimapolitische Aspekte.
5. Es geht bei der Thorium-Energie nicht um Energieeinsparung, sondern darum, dass man nukleare Energieerzeugung auch ohne die vielen Nachteile der Uran-Spaltung haben kann.
6. Fakt ist, dass von allen grossindustriellen Energiequellen die Kernenergie die niedrigste Anzahl Tote und Geschädigte vorzuweisen hat. So sterben zum Beispiel jährlich etwa 50000 Menschen an den direkten Folgen der Kohleverbrennung.
Es geht mir hier keineswegs darum, die Energiegewinnung aus Uran zu verteidigen oder über den grünen Klee zu loben. Das dürfte wohl aus dem Artikel deutlich genug hervor gehen. Es geht darum, dass es eine kaum bekannte, kaum beachtete Alternative zur bisherigen Energieproduktion aus Uran-Kernspaltung gibt, die alle ihre Vorteile, aber kaum Nachteile (oder wenn, dann in deutlich abgeschwächter Form) hat. Dass das eine Horrorvorstellung für eingefleischte Kernkraftgegner, die ihre Ablehnung gegen das böse Atom mit der Muttermilch aufgenommen haben, ist, ist mir natürlich auch klar. Der Artikel richtet sich daher auch nicht an diese Personen, sondern an jene, die daran interessiert sind, das kommende Energieproblem der Menschheit pragmatisch anzupacken.
Unbekannter Gast hat am 14.07.2009 17:53:10 geschrieben...
"klimaneutral und umweltfreundlich" ???
prima von der kernkraftlobby abgeschrieben.
1. die umweltschäden und kosten der förderung wurden ausgeklammert.
2. die folgekosten - selbst von nur 300 jahren "endlagerung" sind unvorhersehbar, denn sie können durch geologische veränderungen (grungwasseranstieg, geolog. verschiebungen, einstürze der lagerstätten) explodieren.
3. diese folgekosten tauchen in keiner aktuellen kosten-nutzen-rechnung der atomlobby auf, um diese folgekosten des gewinnstrebens der atomlobby soll sich "der staat" kümmern, also sollen wir alle die tragen.
4. die ineffizienz der enegiegewinnung aus kernkraft wird nur verschleiert durch staatl. förderprogramme & beteiligungen und die fehlenden förder- und folgekosten in der gesamtrechnung.
5. wie auch beim 1-liter-auto besteht kein interesse der wirtschaft an der entwicklung energiesparender technik. die möglichkeiten der energieeinsparung, verantwortungsvoll mit den resourcen auf mit blick auf zukünftige generationen umzugehen, würden viel mehr zur sicherung der energieversorgung beitragen.
6. die möglichkeit tiefgreifender schädigungen von möglicherweise hundertausenden opfern über den zeitraum von vielen GENERATIONEN hinweg durch unfälle, sabotage oder angriffe ist an zynismus und kaltschnäuzigkeit kaum zu überbieten.
7. es GAB bisher schon solche fast-katastrophen, die von den betreibern nur verschleiert wurden. wir haben bisher nur "glück" gehabt.
schaut mal bei wikipedia vorbei, unter "Kernenergie#Kritik"
der sachse hat am 23.06.2008 17:39:15 geschrieben...
genau dasselbe wie mit den geothermie-doppel-kraftwerken:
billig, sicher, überall machbarbar, pracktisch unerschöpflich, naturfreundlich,...
und TROTZDEM machen das so wenige.
hinzu kommt noch, das die technologie der geothermie-KWs einfach simpel ist und die vorteile selbstverständlich sein müssten.
aber trotzdem gibt es die kaum,
halt weil sie nicht so bekannt sind.
"Vergessene Alternativen" - traurige geschichten
Bynaus hat am 17.04.2008 20:57:11 geschrieben...
Die heutigen Reaktoren liefern kein Uran - höchstens eine militärische Abwandlung des Anreicherungsprozesses für die Uran-Reaktoren tut das. Sie liefern allerdings Plutonium, was aber eher ein Problem als ein Vorteil ist, da heute keine neuen Atombomben mehr gebaut werden (und wenn doch, kommt das Uran/Plutonium dafür aus anderen, veralteten Sprengköpfen).
Die Grossmächte könnten jedoch tatsächlich ein Interesse für Thorium-Reaktoren entwickeln, wenn sich herausstellt, das man so Schwellenländern Atomenergie für zivile Zwecke zur Verfügung stellen kann, ohne ihnen gleich auch das Potential zum Bau einer Atombombe in die Hand zu drücken.
Um "Profit" kann es bei Atomreaktoren heute auch nicht gehen. Die meisten von ihnen sind nicht besonders profitabel und halten sich nur dank direkten und indirekten staatlichen Subventionen (z.B. über gesetzlich verankerte, unrealistisch tiefe Versicherungsprämien) über Wasser halten.
Der Hauptgrund, dass man nicht umsteigt, liegt vermutlich wirklich einfach darin, dass die Technologie noch nicht reif ist und ein Umstieg mit grossem Aufwand verbunden wäre.
Unbekannter Gast hat am 17.04.2008 18:31:57 geschrieben...
naja..
man sollte vielleicht mal aus der sicht der atommächte denken.
warum sollte man auf Flüssigfluorid-Thorium-Reaktoren umsteigen wenn die jetzigen doch so billig uran für die atombomben liefern?
den meisten geht es wirklich nur um den profit.
Unbekannter Gast hat am 19.01.2008 03:38:25 geschrieben...
Mit Lokalpatriotismus meinte ich, dass ich die Entwicklung einer völlig neuen Kraftwerkstechnik eher von einem der grossen globalen Konzerne erwarte. Aber vielleicht denke ich ja damit in die falsche Richtung.
Wieso mein Post am 23:06 nochmal reinkam kann ich mir nicht erklären, tut mir leid.
Bynaus hat am 18.01.2008 22:31:21 geschrieben...
Lokalpatriotismus? Das musst du mir erklären...
Ich denke, der Hauptgrund ist, dass es eine ganz andere Entwicklungsschiene ist, mit der man kaum Erfahrung hat. Ein bisschen wie mit den Nurflüglerflugzeugen: die wären auch recht effizient und geräumig, aber die Entwicklung ging nun mal in eine andere Richtung, ein Wechsel wäre ein Experiment und unter Umständen ein Risiko.
Herbert hat am 18.01.2008 22:28:51 geschrieben...
Bis zu dem Abschnitt:
Warum werden denn nicht schon lange…
hab ich auf den Haken an der Sache gewartet, ich kann mir nicht vorstellen, dass die grossen Energiekonzerne ein gewinnbringendes Konzept einfach „vergessen“?!?
Ist mangelnde Erfahrung mit der Technik wirklich der einzige Hinderungsgrund?
Aber alle Achtung für deinen Lokalpatriotismus ;-
svenner hat am 18.01.2008 17:41:31 geschrieben...
Worauf also warten ? bauen,bauen,bauen :)