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Der grösste Krater im Sonnensystem



Bisher galt das sogenannte Südpol-Aitken-Becken auf der Mondrückseite als grösster Krater im Sonnensystem. Nun zeigt sich, dass die nördliche Tiefebene des Mars wohl ebenfalls durch einen gigantischen Impakt entstanden ist.


Ein Ozean auf dem frühen Mars bedeckt das Borealis-BeckenDas frühe Sonnensystem war ein ungemütlicher Ort. Nachdem die Gasplaneten entstanden waren, blieb eine gasarme Scheibe aus einigen hundert mondgrossen Trümmern (sogenannten "Planetesimalen" oder "Planeten-Embryos") im Inneren Sonnensystem zurück. Diese begannen etwa zehn Millionen Jahre nach der Bildung der allerersten Festkörper damit, sich gegenseitig die Umlaufbahn zu vermiesen und miteinander zusammenzustossen. Einige von ihnen fielen beim Tohuwabohu, das folgte, in die Sonne, andere wurden in den interstellaren Raum geschleudert, wo sie noch heute ihre Bahn durch die Galaxis ziehen. Doch die meisten von ihnen kollidierten und bildeten so nach einigen zehn Millionen Jahren die vier Felsplaneten des Inneren Sonnensystems: Merkur, Venus, Erde, Mars. Ein spektakuläres Feuerwerk von energiereichen Kollisionen beendete die Planetenbildungsphase: so verlor Merkur möglicherweise einen Teil seines Mantels bei einer Kollision mit einem fast gleich grossen Objekt. Möglicherweise wurde die Venus derart schräg von einem weiteren getroffen, dass sie seither nur noch langsam - und erst noch rückwärts - um ihre eigene Achse dreht. Bei der Erde führte die Kollision mit einem marsgrossen Planetesimal ("Theia" genannt) zur Entstehung des Mondes. Doch auch Mars blieb beim letzten grossen Kollisionsspektakel nicht verschont, wie nun eine neue wissenschaftliche Arbeit von Forschern des MIT (Massachussets Institute of Technology) und der NASA gezeigt hat: seine nördlichen Tiefländer (manchmal auch als "Borealis-Becken" bezeichnet) bilden einen einzigen, gigantischen Krater.

Verschiedene Forscher haben schon vermutet, dass das Borealis-Becken in der Frühzeit des Mars von einem Ozean bedeckt war (siehe Bild). Dies illustriert gut, dass der Krater eine grossräumige Vertiefung der Marsoberfläche darstellt. Der Krater bedeckt rund 40% der Marsoberfläche, hat eine Ausdehnung von 8500 x 10600 km. Die "Tiefe" des Kraters unter der mittleren Marsoberfläche beträgt etwa vier Kilometer. Schon lange war die Vermutung geäussert worden, das Borealis-Becken könnte einen grossen Krater darstellen - dabei störte allerdings der sogenannte "Tharsis-Buckel", eine vulkanische Region auf dem Mars, in der sich auch der mit 24 km Höhe höchste Berg des Sonnensystems, Olympus Mons, befindet. Tharsis liegt schräg in diesem Becken drin, so dass das Becken keine ovale, sondern eher die Form einer Niere hat - was eher ungewöhnlich für einen Krater wäre.

Doch nun hat die Vermessung von Schwerkraftanomalien gezeigt, dass die Lava der Tharsis-Vulkane den Krater schlicht bedeckt. Schwerkraftanomalien entstehen, wenn auf der Oberfläche eines Planeten Materialien unterschiedlicher Dichte ungleich verteilt sind: über Orten leicht erhöhter Dichte ist die Schwerkraft etwas höher (um Bruchteile von Promilles). Auch auf der Erde wird diese Technik etwa benutzt, um Erdölfelder oder Erze zu finden. In einer Karte der Schwereanomalien des Mars, die von der Raumsonde Mars Reconnaissance Orbiter erstellt wurde, zeigt sich der Krater nun zum ersten Mal. Der Rand des Kraters stimmt gut mit topographischen Merkmalen an der Übergangszone zwischen Tief- und Hochland überein, und sogar eine Art zweiter Kraterrand, ein typisches Merkmal von grossen Einschlagbecken, konnte ausgemacht werden.

Der Impaktor, der dieses Loch hinterlassen hat, muss nach Angaben der beteiligten Wissenschaftler etwa die halbe Merkurmasse besessen haben, was etwa der doppelten Mondmasse entspricht.

Quellen:
Artikel auf Spaceref.com
Artikel auf Newscientist.com


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